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"Brandenburg-Monitor 2020"

Jeder Dritte gegen gleiche Rechte für Lesben und Schwule

Nur 67 Prozent der Menschen in Brandenburg sind der Meinung, dass Homosexuelle in allen Bereichen gleichgestellt sein sollten – ein Prozentpunkt mehr als vor zwei Jahren.


Viele Brandenburger*innen haben noch immer ein Problem mit gleichen Rechten von Lesben und Schwulen (Bild: shvetsa / pexels)
  • 19. August 2020, 04:01h 56 2 Min.

Ernüchterndes Ergebnis einer Meinungsumfrage aus dem Bundesland Brandenburg. Wie aus dem "Brandenburg-Monitor 2020" hervorgeht, stimmten nur 67 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass die Politik sich dafür einsetzen sollte, dass Homosexuelle "in allen Bereichen gleichgestellt" sind. Die Studie des Meinungsforschungsinstituts pmg, für die im Juni 1.010 Wahlberechtigte befragt wurden, wurde am Dienstag im Kabinett vorgestellt.

Im Vergleich zur ersten Befragung vor zwei Jahren ist dies immerhin eine Steigerung um einen Prozentpunkt. 15 Prozent (-1) stimmten der Aussage zu, die Politik sei "den Homosexuellen schon zu weit entgegengekommen". Unverändert 19 Prozent zeigten sich dem Thema gegenüber "neutral".

Zwei Drittel teilen keine judenfeindlichen Ressentiments

Auch bei anderen Minderheiten kommt der "Brandenburg-Monitor" zu erschreckenden Ergebnissen. So teilen nur zwei Drittel der Befragten keine judenfeindlichen Ressentiments. Mehr als ein Drittel, aber vier Prozentpunkte weniger als 2018, ist der Auffassung, dass Migrant*innen weniger Rechte zustünden. Fast jeder Zweite (47 Prozent, -7) stimmte der Aussage zu: "Die Zuwanderung von Ausländern führt dazu, dass man sich fremd im eigenen Land fühlt."

Immerhin gut drei Viertel der Befragten stehen für Solidarität, Gleichstellung und Inklusion von Menschen mit Behinderung. Nach wie vor fast die Hälfte meint, dass wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl gefasst werden sollte, es sind aber sieben Prozent weniger als 2018. Offener gegenüber Minderheiten und Zuwanderung zeigten sich Brandenburger*innen unter 30 Jahren.

Sorge vor Zunahme der Arbeitslosigkeit

Wie bei der ersten Befragung sehen aktuell etwa zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten die Entwicklung im Land als grundsätzlich in die richtige Richtung gehend. Doch 47 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit zunehmen wird. Und nur noch 42 Prozent (2018: 48 Prozent) erwarten laut Befragung, dass sich Wirtschaft und Konjunktur gut entwickeln werden.

Als wichtigste politische Probleme schätzen die Befragten Arbeitslosigkeit bzw. Arbeitsmarkt (18 Prozent) und soziale und Ost-West-Ungerechtigkeit bzw. Armut (ebenfalls 18 Prozent) ein. Großen Zuwachs (von 6 auf 15 Prozent) verzeichnet die Sorge um rechtes Denken und Ausländerfeindlichkeit. (cw/dpa)

-w-

#1 FinnAnonym
  • 19.08.2020, 09:10h
  • 67 Prozent ist jetzt nicht so schlimm - das würde reichen für eine Verfassungsänderung. Aber es könnte im Jahr 2020 dennoch mehr sein. Und in anderen Staaten ist es auch mehr.

    Das zeigt, dass einige Dinge dringend überfällig sind. Wir brauchen unbedingt:

    - mehr Aufklärung und Bildung an Schulen

    - einen nationalen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie

    - volle rechtliche Gleichstellung (das sorgt nicht direkt für mehr gesellschaftliche Akzeptanz, aber indirekt, denn solange der Staat uns diskriminiert, kann man von den Bürgern nichts anderes erwarten)

    - mehr Sichtbarkeit in den Medien (und zwar nicht nur irgendwo im Nachtprogramm versteckt)

    - aber auch wir können durch einen offenen und selbstverständlichen Umgang mit dem Thema zu mehr Sicherheit beitragen - indem wir offen vom Partner/der Partnerin sprechen, ein Foto auf dem Schreibtisch haben, uns zusammen händchenhaltend, Arm in Arm, etc. in der Öffentlichkeit zeigen, etc.
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#2 Prima4Anonym
  • 19.08.2020, 09:32h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Ok, laut der Statistik sind auch nur 74% für die völlige Gleichstellung vom Frauen, da sind 7% weniger sogar noch recht überraschend gering...

    Allgemein sind 74% bzw 67% natürlich dennoch ziemlich gering...

    Konnte beim überfliegen allerdings keine Einteilung nach Alter feststellen, würde mich schon interessieren.... wenn die Ablehnung wie zu erwarten großteils der Boomer Generation geschuldet ist dann geschenkt!
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#3 Kritiker_inEhemaliges Profil
  • 19.08.2020, 09:32h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Ich stimme in fast allem zu. Außer bei Deiner Initial-Aussage "67 Prozent ist jetzt nicht so schlimm".

    Wenn ich einen Raum betrete, in dem 3 Personen sind - und ich weiß, dass garantiert eine davon gegen mich ist, und zwar nur, weil ich bin, wie ich bin, dann IST das schlimm. Bei 30 sind es 10, also eine durchaus gängige Zahl für z.B. Familienfeiern.

    Ich komme also zu einer Familienfeier mittlerer Größenordnung und weiß, dass garantiert 10 Leute von ihnen dagegen sind, dass ich die gleichen Menschenrechte habe wie sie.

    ICH fühle mich in solchen Situationen unwohl. Und ich spreche nicht von fiktiven, sondern von realen Situationen.

    Und deshalb fühle ich mich auch in einer Gesellschaft unwohl, in der 1 von 3 Personen sagt, ich sei weniger wert als sie, weil ich nicht das Geschlecht liebe, das sie für mich vorgesehen haben.

    Man kann natürlich behaupten, das Ganze sei ja "so viel besser als früher". Aber erstens hat sich vieles auch wieder verschlechtert, und zweitens ist besser als schlimm noch lange nicht gut.

    Wir müssen weiter kämpfen. Es wird sonst kaum jemand für uns tun.
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