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"Brandenburg-Monitor 2020"

Jeder Dritte gegen gleiche Rechte für Lesben und Schwule

Nur 67 Prozent der Menschen in Brandenburg sind der Meinung, dass Homosexuelle in allen Bereichen gleichgestellt sein sollten – ein Prozentpunkt mehr als vor zwei Jahren.


Viele Brandenburger*innen haben noch immer ein Problem mit gleichen Rechten von Lesben und Schwulen (Bild: shvetsa / pexels)

Ernüchterndes Ergebnis einer Meinungsumfrage aus dem Bundesland Brandenburg. Wie aus dem "Brandenburg-Monitor 2020" hervorgeht, stimmten nur 67 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass die Politik sich dafür einsetzen sollte, dass Homosexuelle "in allen Bereichen gleichgestellt" sind. Die Studie des Meinungsforschungsinstituts pmg, für die im Juni 1.010 Wahlberechtigte befragt wurden, wurde am Dienstag im Kabinett vorgestellt.

Im Vergleich zur ersten Befragung vor zwei Jahren ist dies immerhin eine Steigerung um einen Prozentpunkt. 15 Prozent (-1) stimmten der Aussage zu, die Politik sei "den Homosexuellen schon zu weit entgegengekommen". Unverändert 19 Prozent zeigten sich dem Thema gegenüber "neutral".

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Zwei Drittel teilen keine judenfeindlichen Ressentiments

Auch bei anderen Minderheiten kommt der "Brandenburg-Monitor" zu erschreckenden Ergebnissen. So teilen nur zwei Drittel der Befragten keine judenfeindlichen Ressentiments. Mehr als ein Drittel, aber vier Prozentpunkte weniger als 2018, ist der Auffassung, dass Migrant*innen weniger Rechte zustünden. Fast jeder Zweite (47 Prozent, -7) stimmte der Aussage zu: "Die Zuwanderung von Ausländern führt dazu, dass man sich fremd im eigenen Land fühlt."

Immerhin gut drei Viertel der Befragten stehen für Solidarität, Gleichstellung und Inklusion von Menschen mit Behinderung. Nach wie vor fast die Hälfte meint, dass wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl gefasst werden sollte, es sind aber sieben Prozent weniger als 2018. Offener gegenüber Minderheiten und Zuwanderung zeigten sich Brandenburger*innen unter 30 Jahren.

Sorge vor Zunahme der Arbeitslosigkeit

Wie bei der ersten Befragung sehen aktuell etwa zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten die Entwicklung im Land als grundsätzlich in die richtige Richtung gehend. Doch 47 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit zunehmen wird. Und nur noch 42 Prozent (2018: 48 Prozent) erwarten laut Befragung, dass sich Wirtschaft und Konjunktur gut entwickeln werden.

Als wichtigste politische Probleme schätzen die Befragten Arbeitslosigkeit bzw. Arbeitsmarkt (18 Prozent) und soziale und Ost-West-Ungerechtigkeit bzw. Armut (ebenfalls 18 Prozent) ein. Großen Zuwachs (von 6 auf 15 Prozent) verzeichnet die Sorge um rechtes Denken und Ausländerfeindlichkeit. (cw/dpa)



#1 FinnAnonym
  • 19.08.2020, 09:10h
  • 67 Prozent ist jetzt nicht so schlimm - das würde reichen für eine Verfassungsänderung. Aber es könnte im Jahr 2020 dennoch mehr sein. Und in anderen Staaten ist es auch mehr.

    Das zeigt, dass einige Dinge dringend überfällig sind. Wir brauchen unbedingt:

    - mehr Aufklärung und Bildung an Schulen

    - einen nationalen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie

    - volle rechtliche Gleichstellung (das sorgt nicht direkt für mehr gesellschaftliche Akzeptanz, aber indirekt, denn solange der Staat uns diskriminiert, kann man von den Bürgern nichts anderes erwarten)

    - mehr Sichtbarkeit in den Medien (und zwar nicht nur irgendwo im Nachtprogramm versteckt)

    - aber auch wir können durch einen offenen und selbstverständlichen Umgang mit dem Thema zu mehr Sicherheit beitragen - indem wir offen vom Partner/der Partnerin sprechen, ein Foto auf dem Schreibtisch haben, uns zusammen händchenhaltend, Arm in Arm, etc. in der Öffentlichkeit zeigen, etc.
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#2 Prima4Anonym
  • 19.08.2020, 09:32h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Ok, laut der Statistik sind auch nur 74% für die völlige Gleichstellung vom Frauen, da sind 7% weniger sogar noch recht überraschend gering...

    Allgemein sind 74% bzw 67% natürlich dennoch ziemlich gering...

    Konnte beim überfliegen allerdings keine Einteilung nach Alter feststellen, würde mich schon interessieren.... wenn die Ablehnung wie zu erwarten großteils der Boomer Generation geschuldet ist dann geschenkt!
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#3 Kritiker_inEhemaliges Profil
  • 19.08.2020, 09:32h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Ich stimme in fast allem zu. Außer bei Deiner Initial-Aussage "67 Prozent ist jetzt nicht so schlimm".

    Wenn ich einen Raum betrete, in dem 3 Personen sind - und ich weiß, dass garantiert eine davon gegen mich ist, und zwar nur, weil ich bin, wie ich bin, dann IST das schlimm. Bei 30 sind es 10, also eine durchaus gängige Zahl für z.B. Familienfeiern.

    Ich komme also zu einer Familienfeier mittlerer Größenordnung und weiß, dass garantiert 10 Leute von ihnen dagegen sind, dass ich die gleichen Menschenrechte habe wie sie.

    ICH fühle mich in solchen Situationen unwohl. Und ich spreche nicht von fiktiven, sondern von realen Situationen.

    Und deshalb fühle ich mich auch in einer Gesellschaft unwohl, in der 1 von 3 Personen sagt, ich sei weniger wert als sie, weil ich nicht das Geschlecht liebe, das sie für mich vorgesehen haben.

    Man kann natürlich behaupten, das Ganze sei ja "so viel besser als früher". Aber erstens hat sich vieles auch wieder verschlechtert, und zweitens ist besser als schlimm noch lange nicht gut.

    Wir müssen weiter kämpfen. Es wird sonst kaum jemand für uns tun.
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#4 Ralph
  • 19.08.2020, 09:59h
  • Antwort auf #3 von Kritiker_in
  • Das kann ich nur dick unterstreichen. Wenn unter den Bedingungen einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung ein Drittel der Bevölkerung der Meinung ist, bestimmte Menschen seien weniger wert und es sei richtig, ihnen die volle Gleichberechtigung zu verweigern, dann ist das mehr als nur bedenklich. - Nebenbei: Zu den Gegnern von Lesben und Schwulen gehören natürlich auch diejenigen, die dem Thema "neutral" gegenüberstehen. Bei Menschenrechten gibt es nur ja oder nein, denn ob die allen voll und innerhalb der Gesellschaft in verschiedenen Abstufungen gewährt werden, kann nicht Gleichgültigkeit hervorrufen.
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#5 Carsten ACAnonym
  • 19.08.2020, 10:04h
  • Antwort auf #3 von Kritiker_in
  • Da gebe ich Dir im Prinzip recht.

    Umgekehrt muss man auch fragen: welche politische Maßnahme erzielt wirklich Zustimmungsraten von 67 Prozent?

    Dennoch darf man natürlich auch nicht vergessen, dass es hier nicht um irgendeine politische Maßnahme geht, sondern um eine Grundrechtsfrage. Und deshalb bin ich auch mehr auf Deiner Seite als auf Finns Seite. Denn man muss sich mal fragen, wie man es fände, wenn nur 67 Prozent der Bürger dafür sind, dass Menschen mit grünen Augen gleiche Rechte verdient haben.

    Wenn man solche Vergleiche macht, wird einem erst klar, wie wenig 67 Prozent sind... Zumindest in solchen zentralen Menschenrechtsfragen.
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#6 Julian SAnonym
  • 19.08.2020, 10:33h
  • Antwort auf #2 von Prima4
  • Ja, ich fände es auch sehr interessant zu sehen, wie sich das nach Alter aufschlüsselt.

    Und ich fände es auch interessant zu sehen, wie das in anderen Bundesländern und deutschlandweit aussieht.

    Und es wäre auch sehr aufschlussreich, wenn man sehen würde, wie die Situation unter Anhängern einzelner Religionen aussieht. Dann hätte man auch den Beleg, wie Religion Grundrechte blockiert und die Gesellschaft spaltet.

    Überhaupt: je mehr Daten und Zusammenhänge zwischen ihnen, desto besser. Denn umso besser kann man auch das Problem verstehen und bekämpfen. Manche Leute haben ja immer Angst vor zu viel Fakten, weil sie Angst vor dem Ergebnis haben. Aber Fakten sind nun mal Fakten und die sollte man auch offen diskutieren können, damit sich etwas ändert.
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#7 Julian SAnonym
  • 19.08.2020, 10:40h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Zu Deinem letzten Punkt:

    Mir ist schon öfter aufgefallen, dass in meiner Stadt (eine mittelgroße Großstadt) in den 1990er-Jahren viele schwule und lesbische Paare offen Hand-in-Hand oder Arm-in-Arm durch die Stadt gingen.

    Das sehe ich heute in meiner Stadt kaum noch. Die meisten Schwulen und Lesben scheinen heute lieber ein verstecktes Leben führen zu wollen.

    Dabei ist Sichtbarkeit so extrem wichtig. Und dass die Gesellschaft in den 1990ern schon mal weiter war als heute (und auch den politischen Entscheidungen der Jahre 2000 bis hin zur Eheöffnung 2017 weit voraus war) liegt wohl auch an der großen Sichtbarkeit zur damaligen Zeit.

    Niemand verlangt, dass man als "Märtyrer" nachts in einer dunklen Gasse vor Nazis oder religiösen Fanatikern agiert. Aber am hellichten Tag in einer Fußgängerzone voller Geschäfte, in einem Zoo, in einem Freizeitpark, etc. sollte das doch wohl möglich sein. Und dann muss man eben auch mal über einen dummen Blick oder einen Spruch drüber stehen.

    Wenn das wieder mehr schwule und lesbische Paare tun würden, würde die Gesellschaft auch sehen, wie viele und wie vielfältig wir sind....
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#8 camelcatAnonym
  • 19.08.2020, 10:50h
  • 67% Zustimmung zu Gleichberechtigung sind für mich erschreckend wenig, da hilft es auch nicht, dass es früher schlimmer war (Schwule wurden in diesem Land mal vergast, alles ist besser als früher in dem Zusammenhang).
    ABER, wenn die Zustimmung für die Gleichberechtigung von Frauen auch so gering ist, muss ich mich fragen was da eigentlich für Leute befragt wurden...
    Zu sagen, dass ein Mensch weniger rechte haben soll als ein anderer Mensch ist so absurd, dass ich mir echt nicht vorstellen kann, dass die Menschen das wirklich so meinen. Ich vermute eher sie meinen was anderes. Vllt. irre ich mich ja, aber so eine Aussage ist so bescheuert... kann mir überhaupt nicht erklären wie man das denken kann, egal ob Schwule, Frauen, Migranten, was auch immer. Das können die Leute nicht wirklich so meinen
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#9 Ralph
#10 SolanaceaeAnonym
  • 19.08.2020, 12:58h
  • Ich fasse also mal zusammen:

    - Homosexuelle sollen nicht die gleichen Rechte haben
    - Menschen mit Migrationshintergrund sollen nicht die gleichen Rechte haben
    - Menschen mit Behinderungen sollen nicht die gleichen Rechte haben
    - Von Trans* Menschen steht dazu zwar nichts, aber ich gehe einfach mal davon aus dass auch wir nicht die gleichen Rechte haben sollen

    Aber man hat sorge vor rechtem Gedankengut?

    Habe ich den Scherz nicht verstanden? Das IST rechtes Gedankengut.

    Interessant wäre mal die Frage nach dem Warum? Warum sind wir Queeren denn weniger Wert?
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