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Kinostart

"Oh Gott, ich bin jetzt Besitzerin einer Schwulenbar"

Ab Donnerstag im Kino: In der herzerwärmenden Komödie "Stage Mother" erbt eine erzkonservative Kirchenchorleiterin aus Texas den Drag-Club ihres kürzlich verstorbenen schwulen Sohnes in San Francisco.


Kirchenchorleiterin Maybelline ist plötzlich Besitzerin des Drag-Clubs "Pandora's Box" in San Francisco – und meistert die Herausforderung mit Bravour (Bild: Kinostar)
  • Von Patrick Heidmann
    19. August 2020, 13:05h, noch kein Kommentar

"Queer Things Are Happening To Me", ein alter, augenzwinkernder Schlager der Nachtclub-Sängerin Ruth Wallis, läuft im Abspann des Films "Stage Mother", der ab dem 20. August in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen ist. Besser als mit diesem Titel lässt sich vermutlich kaum zusammenfassen, was der Protagonistin zumindest am Anfang der vorangegangenen 90 Minuten durch den Kopf gegangen sein dürfte.

Das Queere im Leben von Maybelline (Jacki Weaver) ist ihr Sohn Ricky. Oder besser: war ihr schwuler Sohn Ricky. Der Kontakt zwischen den beiden war schon seit zehn Jahren abgerissen, als sie einen Anruf erhält. Ihr Junge ist tot, gestorben an einer Überdosis.

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Maybelline will das Andenken an ihren Sohn aufrecht erhalten


Poster zum Film: "Stage Mother" startet am 20. August 2020 im Kino

Für ihren Ehemann ist das gemeinsame Kind ohnehin schon lange tot, doch Maybelline lässt es sich nicht nehmen, auch gegen seinen Willen für die Beerdigung nach San Francisco zu reisen. Dort lernt sie nicht nur Rickys trauernden Lebensgefährten Nathan (Adrian Grenier aus "Der Teufel trägt Prada", immer noch niedlich und immer noch kein guter Schauspieler) und seine beste Freundin Sienna (Lucy Liu) kennen, sondern erfährt auch, dass sie Rickys Drag-Bar geerbt hat.

Schlecht besucht ist das Lokal "Pandora's Box" schon eine ganze Weile, auch weil kaum eine der Queens in RuPauls Fernsehshow die erste Woche überstehen würde. Doch Maybelline will das Andenken an ihren Sohn aufrecht erhalten und nimmt sich der Sache an. Sehr zum Missfallen von Nathan und Drag-Mother Dusty Muffin, die das Leiten eines Kleinstadt-Kirchenchors in Texas nicht gerade für eine geeignete Qualifikation halten.

Auch der zu Hause wartende Ehemann ist alles andere als begeistert, zumal Maybelline auch noch Geld in den Laden steckt statt ihn zu verkaufen. Sie selbst allerdings ist unbeirrt, hütet nebenbei Siennas Baby und gönnt sich sogar einen Flirt mit einem charmanten Hotel-Concierge. Und mit der Idee, statt auf Playback lieber auf Live-Gesang zu setzen, scheint sie den richtigen Riecher zu haben.

Aus der Provinz in eine vollkommen fremde Welt katapultiert

Wie das alles ausgeht, ist in "Stage Mother" von Regisseur Thom Fitzgerald (um die Jahrtausendwende mit Filmen wie "The Hanging Garden" oder "The Event" durchaus mal eine viel beachtete Stimme des nordamerikanischen Queer Cinema) keine allzu große Überraschung.


Für Maybelline (Jacki Weaver) beginnt nach dem Tod ihres Sohnes ein neues Leben (Bild: Kinostar)

Die Handlung entwickelt sich genau so wie man es von einer Feelgood-Komödie erwartet, deren Protagonistin zwar aus der Provinz in eine ihr vollkommen fremde Welt katapultiert wird, aber letztlich auch nicht allzu intolerant ist. Maybelline mag nicht wissen, was ein Gloryhole ist, doch natürlich steht sie der im "Pandora's Box" arbeitenden trans Frau Cherry (Mya Taylor aus "Tangerine") in ihrer Transition zur Seite. Wie sie überhaupt in Windeseile zur guten Seele der Nachbarschaft wird, Mütter und Söhne wieder versöhnt, beim Drogenentzug hilft und sogar gegen häusliche Gewalt einschreitet.

Spaß, Versöhnung und Sentimentalität

Tief in "Stage Mother" steckt ein sehr viel düsterer, bitterer und nicht zuletzt realistischerer Film, doch dafür interessieren sich Fitzgerald und Drehbuchautor Brad Hennig ebenso wenig wie für die Tatsache, dass es in San Francisco schon seit vielen Jahren keine Bar mehr gibt, die allabendlich ausschließlich auf Dragshows setzt.

Aber Schwamm drüber: Hier geht es um familienfreundlichen Spaß, um Versöhnung, um Sentimentalität. Und darum, dass man am Ende ein kleines Tränchen verdrückt, wenn die zweifach Oscar-nominierte Jacki Weaver als Maybelline am Ende selbst auf die Bühne tritt und Bonnie Tylers "Total Eclipse of the Heart" zum Besten gibt. Denn letztlich ist "Stage Mother" genau wie seine Protagonistin, ein bisschen bieder, aber mit dem großen Herz am rechten Fleck – und einfach zum Liebhaben.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Stage Mother. Dramödie. Kanada 2020. Regie: Thom Fitzgerald. Darsteller*innen: Jacki Weaver, Lucy Liu, Adrian Grenier. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Kinostar. Kinostart: 20. August 2020