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Zbigniew Rau

Polens neuer Außenminister: "LGBT-Ideologie" ist "Zivilisation des Todes"

Der PiS-Politiker verglich erst vor wenigen Monaten die homosexuelle Ehe mit Pädophilie, Zoophilie und Kannibalismus.


Rau im letzten Jahr (Bild: Zbigniew Rau / facebook)

Polen bekommt einen neuen Außenminister: Der bisherige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Parlament, Zbigniew Rau, tritt die Nachfolge des bisherigen Ressortchefs Jacek Czaputowicz an, der zuvor seinen Rücktritt erklärt hatte. Dies teilte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki von der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) am Donnerstag in Warschau mit.

Czaputowicz hatte das Außenamt seit Januar 2018 inne. Der Minister galt als gemäßigter Vertreter der nationalkonservativen PiS. Sein Rücktritt kam nicht unerwartet. Czaputowicz habe früher bereits gesagt, dass nach der Präsidentenwahl ein guter Moment für einen Wechsel an der Spitze der Diplomatie sei.

Rau war zwischen 2015 und dem letzten Herbst, als er in den Sejm einzog, Chef der Gebietsverwaltung in der Woiwodschaft Lodz (die wenig später zu einer "LGBT-freien Zone" wurde, queer.de berichtete). Der 65 Jahre alte Juraprofessor gilt als äußerst LGBTI-feindlich.

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Kämpfer gegen "LGBT-Ideologie"

Rau hatte etwa im letzten Jahr einen Eintrag bei Facebook unter dem Titel "Stoppt LGBT-Ideologie. Stoppt die Zivilisation des Todes" veröffentlicht, wobei er beide Ausdrücke mit Regenbogenflaggen-Emojis markierte. Oppositionsparteien setzten "ihre Bemühungen fort, dem traditionellen, christlich geprägten Familien- und Kulturmodell 'moderne' Lösungen in westlichen Ländern entgegenzusetzen", beklagte der PiS-Politiker. "Schauen wir uns also an, was Europa mehrere Jahrzehnte nach dem Beginn der moralischen Revolution im Jahr 1968 erreicht hat." Als Beispiel nannte er "homosexuelle 'Ehen'", direkt im Anschluss eine angebliche Legalisierung der Zoophilie, "Meinungen über Geschlechterrollen (die sogenannte Gender-Ideologie)", eine "Euthanisie der Schwächsten, Ältesten und Krankesten" und "Postulate zur Legalisierung von Pädophilie". Ein schwedischer Wissenschaftler habe kürzlich gar über die Legalisierung von Kannibalismus nachgedacht.

Unter dem Vorwand des Klimawandels werde heute ein Mann "nicht nur auf ein Sexspielzeug, sondern auf eine gewöhnliche Mahlzeit reduziert", so der wirre Hasseintrag weiter. Westlichen Moderne-Befürwortern sei nichts mehr heilig. "Ihre barbarischen Handlungen führen direkt zu einer wahrhaft höllischen 'Zivilisation des Todes'", vor der einst Papst Johannes Paul II. gewarnt hatte. Die PiS sei der letzte Schutz davor.


In einem weiteren Facebook-Eintrag hatte sich Rau für einen Gesetzentwurf gegen die "Sexualisierung von Kindern" ausgesprochen. "In den letzten Monaten wurden wir fast täglich mit neuen Initiativen der LGBT-Lobby bombardiert. Unter dem Deckmantel eines Kampfes um Toleranz und der Forderung nach Akzeptanz sexueller Unterschiede gibt es einen rücksichtslosen Kampf, um die Grundwerte unserer Zivilisation zu untergraben".

Die Versuche jener "Lobby", in Schulen "einzudringen", seien beunruhigend. "Der ideologische Angriff, den wir erleben, erfordert eine Antwort", so Rau. "Wir müssen uns mit einem Schutzschild ausstatten, der die Rechte von Eltern und Kindern, die christlichen Werte und den Lebensstil schützt. Es ist daher ratsam, dass der nächste Sejm ein Gesetz verabschiedet, das der Sexualisierung von Kindern entgegenwirkt. Wir können die Minderheiten nicht wild laufen lassen." Im April hatte der Sejm einen von einer anti-homosexuellen Organisation stammenden Gesetzentwurf zum Verbot von Sexualerziehung in erster Lesung beraten und zur weiteren Bearbeitung in die Ausschüsse verwiesen (queer.de berichtete).

Homofeindliche Regierung im Konflikt mit der EU

Die Ernennung von Rau lässt Schlimmes erwarten. Erst vor wenigen Tagen hatte Justizminister Zbigniew Ziobro außenpolitisches Prozellan zerschlagen, als er ankündigte, Kommunen zu entschädigen, die wegen LGBT-feindlicher Resolutionen keine EU-Förderung mehr erhalten (queer.de berichtete). Zuvor hatte der Politiker der kleinen PiS-Abspaltung Solidarisches Polen (SP) einen Ausstieg aus der Istanbul-Konvention angekündigt, weil das Europarats-Übereinkommen gegen Gewalt gegen Frauen "Gender-Theorie" und "homosexuelle Ideologie" enthalte (queer.de berichtete). Auch die Eskalation der letzten Wochen rund um die Untersuchungshaft für eine LGBTI-Aktivistin sowie die Festnahmen von fast 50 Personen bei ihrer Verhaftung führen viele auf ihn zurück – in Interviews verteidigte er das harte Vorgehen und auch den Hass-Bus einer ultrakatholischen Organisation, den die verhaftete Aktivistin angegriffen hatte. Der Bus wirbt mit homo- und transfeindlichen Botschaften für den von der Organisation verantwortenen Gesetzentwurf zum Verbot von Sexualerziehung.

Der PiS-Vorsitzende Jaroslaw Kaczynski hatte nach der Wahl eine Kabinettsumbildung für September angekündigt. Bereits am Dienstag war Gesundheitsminister Lukasz Szumowski zurückgetreten. Medien hatten spekuliert, dass das zunehmend extreme Agieren Ziobros gegen LGBTI sein Profil vor der Umbildung stärken soll. Allerdings hatten sich die PiS-Partei und ihr Spitzenpersonal bis hin zum Präsidenten Andrzej Duda in den letzten Monaten nicht weniger homofeindlich gegeben. (nb/dpa)



#1 Peck_SProfil
  • 21.08.2020, 20:17hFrankenthal
  • Die EU ist empört, lautet morgen oder vll. auch gar nicht die Schlagzeile. Bei der Empörung bleibt es leider auch. Ich kann mir ehrlich gesagt eine verbale Steigerung gar nicht vorstellen. Ich fürchte daher, dass die EU das deutsche Konzept übernimmt und erst handelt, wenn Polen durch Taten gesprochen hat.
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#2 Uuo118Anonym
  • 21.08.2020, 20:33h
  • Den vollkommen unangebrachten und beleidigenden Vergleich von Homosexuellen mit Pädophilen oder Zoophilen habe ich schon des öfteren von faktenresistenten Randexistenzen gehört.
    Der Vergleich mit Kannibalen ist aber eine nennenswerte Steigerung, die nun wirklich jedwede Logik vermissen lässt und auf's Neue die rhetorischen Entgleisungen nationalistischer Hetzer aufzeigt.
    Ich halte das für sehr besorgniserregend, weil diese Propaganda im Kern darauf abzielt, LGBTIQ zu entmenschlichen, zu kriminalisieren und Hass gegen sie zu säen.
    Auf Hass werden Taten folgen, was diese Unmenschen aus reinen Machtinteressen und unermässlicher Gier billigend in Kauf nehmen.
    Armes Europa, das diesen glatthirnigen Schuften im Interesse der Menschenrechte nicht die Stirn bietet...
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#3 stephan
  • 21.08.2020, 21:00h
  • Polen muss raus aus der EU, da die Mehrheit dieses Landes westliche Werte verachtet, Minderheitenrechten missachtet, Beleidigungen und und staatliche Drangsalierungen von Menschen toleriert! (Anders lässt sich die Wiederwahl eines Präsidenten nicht erklärt, der LGBTIs das Menschsein abspricht und sie als Ideologie bezeichnet!) Zu lamentieren reicht da nicht, denn Polen ist sich nicht zu fein dazu, lachend westliches Geld in großen Summen zu kassieren und sich über die Menschenrechte und die Werte der EU lustig zu machen. Das allein schon offenbar ja hinreichend den Charakter der polnischen Regierung und der Personen, die diese Regierung gewählt haben. RAUS - RAUS - RAUS!
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#4 stephan
  • 21.08.2020, 21:07h
  • Antwort auf #2 von Uuo118
  • " ... die nun wirklich jedwede Logik vermissen lässt ..." Nun ja, Logik habe ich von der Seite auch nicht erwartet. Neulich hat doch sogar ein stellvertretender Minister (o.ä.) im Radiointerview geäußert, dass sich die 'LGBT-Ideologie' ganz klar aus dem Nationalsozialismus ableiten lasse! ... Ich bin kein Psychiater, mir aber dennoch sicher, dass irgendwer eine Einweisung ausstellen sollte. So viel zur Logik in dieser feinen PiS-Clique!
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#5 Peck_SProfil
  • 21.08.2020, 21:24hFrankenthal
  • Antwort auf #3 von stephan
  • Wäre fatal, da damit auch die demokratischen Menschen und unsere queeren Leidensgenossen verloren sind und nach der erwartbaren Annäherung an Russland die verbalen Attacken in physische übergehen. Was Polen braucht, ist ein Rechtstaatlichkeitsverfahren vor dem europäischen Gerichtshof, in dem die Verletzungen der EU Menschenrechtscharta geahndet werden. Heißt gezielte Sanktionen gegen die betreffenden Politiker und keine Kollektivstrafe für Polens Bevölkerung.
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#6 ClarissaAnonym
  • 21.08.2020, 21:47h
  • Antwort auf #3 von stephan
  • "Polen muss raus aus der EU, da die Mehrheit dieses Landes westliche Werte verachtet."

    Da muss ich dir widersprechen. Die drei westlichen Werte (1. Profit, 2. Profit und 3. Profit) erfüllt Polen geradezu vorbildlich, da es sowohl Absatzmarkt für die Produkte v.a. deutscher Firmen ist, als auch ... nennen wir sie großzügig Arbeiterinnen und Arbeiter ... zum Einsatz in der Fleischindustrie, der Spargelernte und der häuslichen Pflege nach Deutschland schickt. Ohne diese Fachkräfte wären dein Schnitzel und dein Spargel teurer und dein Opa müsste ins Heim. Ich wünsche mir, dass der Beweis nicht angetreten wird, aber ich bin sicher, Polen könnte beispielsweise die Todesstrafe für transgender einführen oder Frau steinigen, wenn sie abgetrieben haben. Es hätte keinerlei Konsequenzen. Und zumindest beim zweiten Punkt kann es mit klammheimlicher Sympathie der Herren Spahn und Söder hoffen - Christen halten zusammen.
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#7 Alexander_FAnonym
  • 21.08.2020, 23:42h
  • Da glaubte man schon, das Trumpeltiert könne niemanden in wirrem Zeug übertreffen, und da kommt plötzlich dieser Rau daher. Ich habe ja schon alles Mögliche über unsereinen gehört, aber soviel gequirlte Nilpferdscheiße auf einmal ist wirklich selbst mir neu.
    Unter dem Vorwand des Klimawandels würden Männer zu Sexspielzeugen und Mahlzeiten? Wer soll das bitte wann behauptet haben? Was für Drogen nimmt dieser Kerl?
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#8 DramaQueen24Profil
  • 22.08.2020, 05:33hBerlin
  • Darf man fragen, wie viel Wodka (0der anderen Alkohol) der Typ pro Tag konsumiert? Muss bei dem Schwachsinn, den er labert, ne Menge sein!
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#9 DramaQueen24Profil
  • 22.08.2020, 05:37hBerlin
  • Antwort auf #1 von Peck_S
  • Was muss denn noch passieren, dass Uschi und die EU endlich aufwachen? Pogrome gegen LGBTIQ-Menschen? Morde an uns, begangen von Rechten und Religioten (oft ein und dasselbe)? Aberkennung aller gleichen Rechte wie in der EU gibt es ja schon in Polen!
    Vielleicht sollte ein Pole und ein Nichtpole im Ausland (Deutschland z.B.) heiraten, und dann nach Polen ziehen? Wenn die Ehe dort dann nicht anerkannt wird, wäre das ein Fall für den europäischen Gerichtshof und das EU-Parlament.
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#10 DramaQueen24Profil
  • 22.08.2020, 05:40hBerlin
  • Antwort auf #3 von stephan
  • In den Städten Polens ist man meist tolerant, anders in den Dörfern. Da ist man stramm konservativ, katholisch und homophob. Verurteile also nicht das ganze Polen, nur, weil an der Spitze einige Politiker sitzen, die sich als Arschlöcher entpuppen, die für macht alles tun!
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