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Heimkino

Schwuler Opa wider Willen

Heiner Lauterbach wird bisweilen als Clown in Klamotten verschenkt. Doch in "Enkel für Anfänger" zeigt er als Leih-Opa, was in ihm steckt, und läuft fast zu Loriot-Klasse auf. Nach dem Kinoerfolg ist die Komödie nun auf DVD, Blu-ray und digital erhältlich.


In "Enkel für Anfänger" finden drei Rentner*innen als "Leih-Großeltern" ihre neue Bestimmung und starten damit unverhofft in die turbulenteste und erfüllteste Zeit ihres Lebens (Bild: Studiocanal)

Die Kroymann, die Sukowa und der Lauterbach – dieses hochkarätige Trio macht automatisch jeden Film sehenswert. Erst recht, wenn es wie hier dem Affen gehörig Zucker geben darf und sich gut gelaunt die Pointen-Bälle zuspielt.

Die drei Senior*innen wollen gegen den langweiligen Rentner-Alltag rebellieren, prompt bieten sich die kinderlosen Alten als Leih-Großeltern an. Die Hippies werden dank lässiger Pädagogik schnell zum Schrecken der Helikopter-Eltern. Enten-Fütterungsverbot? Gilt nicht mehr! Ladendiebstahl? Kann sich lohnen! Allergie-Panik? Gab's früher ja auch nicht.

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Smarte Situationskomik und reichlich Dialogwitz


"Enkel für Anfänger" ist am 20. August 2020 auf DVD, Blu-ray und digital erschienen

Im Unterschied zum vorzugsweise bräsigen Humor im deutschen Komödienstadl, kommt dieses Lustspiel mit gekonntem Timing, smarter Situationskomik sowie reichlich Dialogwitz daher. "Ist das Bio? Nein, Schwein!" heißt es da etwa. Oder: "Die Diskriminierungskeule – zieht immer!".

Diese Lebensweisheit stammt von Gerhard (Lauterbach), einem Arzt im Ruhestand, der nach dem Tod seines Partners noch grantiger geworden ist. Als Stimmungskanone galt der Gerhard ohnehin noch nie. "Der schwule Internist mit dem Stock im Arsch!", musste er sich früher anhören.

Mit angenehmer Selbstverständlichkeit wird die Homosexualität des verrenteten Helden, der über seinen Schatten springen muss, von Autor Robert Löhr auf die Leinwand gebracht – in diesem Genre ganz und gar nicht gang und gäbe! (Aus der Feder von Löhr stammt auch die preisgekrönte Comedy-Serie "Das Institut – Oase des Scheiterns" des Bayrischen Rundfunks, in deren Folge "LGBT" das erste schwul-lesbische Filmfest in der islamischen Volksrepublik Kallalabad stattfinden soll.)

Lauterbach überzeugt als schwuler Intellektueller

Wer queeren Figuren so viel Normalität zubilligt, kann sie ganz gelassen mit allerlei Vorurteilen konfrontieren. Jene harmlose Szene von Opa und Kind eskaliert da rasant zum pädophilen Verdachtsfall. Derweil Gerhard der osteuropäischen Mutter seines Leih-Enkels von Homophobie in deren Heimat berichtet.


Spielen sich die Pointen-Bälle zu: Maren Kroymann, Heiner Lauterbach und Barbara Sukowa (Bild: Studiocanal)

Heiner Lauterbach gibt den schwulen Intellektuellen mit psychologischer Präzision sowie der notwendigen Prise Selbstironie. Die raue Schale des durch große Trauer so verbitterten Grantlers weicht bald dem weichen Kern, hervorgelockt durch das grandiose Frauen-Doppel Kroymann/Sukowa. Ein bisschen wirkt Lauterbach bisweilen wie Loriot – wobei dieser natürlich niemals "Über den Wolken" als Wiegenlied gesungen hätte.

Ein starker Auftritt vom "Männer"-Mann, der seine Karriere einst mit dem "Schulmädchen-Report" begann.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Enkel für Anfänger. Komödie. Deutschland 2020. Regie: Wolfgang Groos. Darsteller*innen: Maren Kroymann, Heiner Lauterbach, Barbara Sukowa, Dominic Raacke, Günther Maria Halmer, Lavinia Wilson, Palina Rojinski, Paula Kalenberg, Tim Oliver Schultz, Julius Weckauf. Laufzeit: 100 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 6. Studiocanal.
Galerie:
Enkel für Anfänger
13 Bilder


#1 Kritiker_in
  • 23.08.2020, 13:56h
  • Also ich konnte über das Klischee, Schwule seien pädophil, noch nie lachen.

    Kann mir mal jemand erklären, a) weshalb hauptsächlich Schwule unter dem Verdacht stehen, pädophil zu sein, und b) was daran so lustig ist?

    Mir ist übrigens bekannt, dass es woanders teils NOCH schlimmer ist. So werden Schwule in Frankreich gleich von vornherein als "pédés" (pédérastes) bezeichnet. Allein, die Tatsache, dass es woanders noch schlimmer ist, beruhigt mich dennoch nicht.

    Warum wird in einem deutschen Film von 2020 dieses dumme Klischee verarbeitet? Ist Deutschland in den Jahren vor 1969 hängen geblieben? Oder dahin zurückgefallen?

    "Wer queeren Figuren so viel Normalität zubilligt, kann sie ganz gelassen mit allerlei Vorurteilen konfrontieren": tut mir leid, lieber Autor dieses Artikels, aber da kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Die Unterstellung von Pädophilie ist ganz klar homophob. Und deshalb auch nicht lustig.
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#2 daVinci6667
  • 23.08.2020, 14:43h
  • Antwort auf #1 von Kritiker_in
  • Pädophile Frauen gibts für viele gar nicht, das wird verdrängt. Das ist ein grosses Problem für die Opfer von Täterinnen. Da will niemand genauer hinsehen. Dabei gibt es viel mehr solcher Frauen als man denkt.

    Männer hingegen stehen alle unter einem gewissen Generalverdacht, nicht nur Schwule. Wir jedoch besonders. Eigentlich unlogisch, denn Pädophile suchen Kontakt zu Kindern welche die meisten von uns gar nicht haben.

    Wenn wie im Film dargestellt ein älterer Mann Leihopa wird ist der Verdacht gleich sofort präsent. Deshalb soll das ruhig thematisiert werden. Ob das in einer Komödie möglich ist weiss ich nicht. Lustig ist dieser Verdacht jedenfalls nicht, da hast du recht.
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#3 Girlygirl
  • 23.08.2020, 16:05h
  • Antwort auf #2 von daVinci6667
  • Das hat glaube ich besonders viel mit der Stigmatisierung von männlichen Vergewaltigungsopfern zu tun. Die meisten männlichen Täter vergehen sich an Mädchen (laut Wikipedia) und weibliche Täterinnen eher an Jungen. Aber da Jungen sich meistens nicht trauen darüber zu sprechen oder die Täterinnen nicht verdächtig werden, kommen Frauen als Täterinnen davon.
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#4 DramaQueen24Profil
  • 24.08.2020, 01:35hBerlin
  • Antwort auf #3 von Girlygirl
  • Nicht ganz richtig! Laut diverser Polizeistatistiken (Berlin, Amsterdam, London, New York), sind die Täter, die Jungen und Mädchen vergewaltigen, meist Männer. Frauen haben (man geht von den gemeldeten Fällen aus) nur etwa 10% als Täterinnen daran Anteil. Bei ihnen ist das Verhältnis der Opfer etwa 40/50. Bei männlichen Tätern 70 (Jungen) zu 30 (Mädchen).Übrigens, alle Tätergruppen bezeichnen sich, mit wenigen Ausnahmen, als heterosexuell, auch, wenn ein Mann einen Jungen vergewaltigt, oder eine Frau ein Mädchen.
    Vielleicht sollte die Forschung sich mal damit beschäftigen, ob da nicht verdrängte eigene Sexualität eine Rolle spielt?
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#5 DramaQueen24Profil
  • 24.08.2020, 01:38hBerlin
  • Antwort auf #2 von daVinci6667
  • Ich glaube, es ist weniger eine Frage der Verdrängung, als vielmehr der Fakt, dass die Täterinnen meist subtiler vorgehen, und, zumindest zu Beginn, den sexuellen Missbrauch nicht merken. Und die Opfer sich zudem schämen, und an ihrer eigenen Sexualität und Selbstbestimmungsrecht zweifeln.
    Vergessen darf man jedoch nie, dass die meisten Pädosexuellen Männer sind. Frauen machen, laut diverser Polizeistatistiken, nur etwa 10% aus. Von den gemeldeten Fällen.
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#6 DramaQueen24Profil
  • 24.08.2020, 01:42hBerlin
  • Antwort auf #1 von Kritiker_in
  • Arbeite gerade an einem Drehbuch über einen afrodeutschen Koch. Bei meiner Recherche stellte ich fest, wie tief Rassismus in der Gastronomie verwurzelt ist.
    Und auch Homophobie!
    Es gibt in der (deutschen) Gesellschaft nun einmal langlebige Klischees über Homosexuelle und Transsexuelle. Man kann sie für einen Film ignorieren, aufbauschen, oder sich darüber lustig machen.
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#7 Kritiker_in
  • 24.08.2020, 07:11h
  • Antwort auf #6 von DramaQueen24
  • "Es gibt in der (deutschen) Gesellschaft nun einmal langlebige Klischees über Homosexuelle und Transsexuelle."

    Was ist denn das für eine Grundhaltung? Es gibt die nun mal, und man muss irgendwie mit ihnen umgehen? Sie gar in Drehbüchern verwenden?

    Der einzige für MICH gangbare Weg ist, sie zu bekämpfen! Billiger Schenkelklopfer-Humor ist dabei so GAR nicht mein Ding.

    Die Zeiten, in denen man sich darüber platt lustig macht, sollten endgültig vorbei sein. Die Klischees sind und bleiben, was sie sind: diskriminierend.

    Und damit werde ich mich nie zufrieden geben!
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#8 TheDadProfil
  • 24.08.2020, 08:52hHannover
  • Antwort auf #2 von daVinci6667
  • ""Pädophile Frauen gibts für viele gar nicht, das wird verdrängt.""..

    Ich möchte hier erneut viel weiter gehen..
    Es wird nicht nur einfach verdrängt, es wird offensiv daran gearbeitet diese Tatsache unter dem Teppich zu halten..
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#9 TheDadProfil
#10 TheDadProfil
  • 24.08.2020, 09:06hHannover
  • Antwort auf #7 von Kritiker_in
  • ""Was ist denn das für eine Grundhaltung? Es gibt die nun mal, und man muss irgendwie mit ihnen umgehen?""..

    Das ist die Grundhaltung in vielen Gesellschaften..

    Wenn man der begegnen wollte, dann müsste man damit anfangen auslösende Faktoren zu identifizieren, und sich damit beschäftigen, wieso diese Faktoren sich in einer Entwicklung einer Gesellschaft nicht "abschalten" lassen..

    Wenn man dann weiß daß einer dieser Faktoren die "religiöse Konditionierung" der Bevölkerung ist, dann müßte man etwas gegen diese Konditionierung tun, dem sieht man sich als Gesellschaft aber nicht gewachsen..

    Das KfN war an der "Aufarbeitung" verschiedener "Missbrauchsskandale" in der RKK beteiligt, und ist dabei auch an entscheidenden Stellen gescheitert, weil Akten vorsätzlich geschreddert, oder einfach nicht zur Verfügung gestellt worden sind..

    Man "spielt" hier gegen mächtige Gegner, und diese Gegner sind es dann auch die solche Klischees und Vorurteile am Leben erhalten, um von der eigenen Beteiligung abzulenken..
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