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Gottesdienst mit Bischof
Berliner Landeskirche rehabilitiert gefeuerten schwulen Pfarrer
Die evangelische Kirche feuerte vor fast 80 Jahren Pfarrer Friedrich Klein wegen Homosexualität. Heute bedauert die Kirchenführung diesen Schritt – und rehabilitiert in einem Gottesdienst erstmals ein Opfer der Schwulenverfolgung aus der Nazi-Zeit.

Bischof Christian Stäblein wird am 1. September auch am Gedenkgottesdienst teilnehmen (Bild: Andreas Beckermann / wikipedia)
- 24. August 2020, 13:36h 2 Min.
Für den 1. September lädt die Immanuelkirche im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg zu einem Gottesdienst, in dem sie das öffentliche Ansehen des Pfarrers Friedrich Klein wiederherstellen will. Klein war 1935 Pfarrer der Gemeinde geworden und wurde 1942 aus dem Kirchendienst entfernt, nachdem er vom Nazi-Regime wegen "Verführung" eines minderjährigen 19-Jährigen nach Paragraf 175 verurteilt worden war (Volljährigkeit begann damals mit 21).
Klein war wohl auch zum Verhängnis geworden, dass sich für die "Bekennende Kirche" engagiert hatte. Dabei handelte es sich um eine Oppositionsbewegung, die sich nicht wie der damalige Dachverband Deutsche Evangelische Kirche gleichschalten lassen wollte.
Zum Gottesdienst wird auch Christian Stäblein erwartet, der seit November 2019 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist. Die Landeskirche gilt als äußerst offen gegenüber Homosexuellen – bereits 2016 führte sie Trauungen für homosexuelle Paare ein (queer.de berichtete). Stäblein selbst traute bereits mehrere gleichgeschlechtliche Paare.
Erst rehabilitiert der Staat, dann die Kirche?
Die bislang in der evangelischen Kirche einmalige Aufarbeitung von vergangenem Unrecht ist auf Initiative des Gemeindekirchenrats (GKR) der Immanuelkirche entstanden. Der GKR setzt sich dafür ein, dass alle "unrechtmäßig verurteilten" homosexuellen Kirchenmitarbeiter*innen rehabilitiert werden sollen. GKR-Vorsitzende Uta Motschmann verwies darauf, dass der Staat inzwischen mit der Rehabilitierung von Opfern des Paragrafen 175 begonnen habe: 1994 wurde der Paragraf restlos abgeschafft, 2002 die 175er-Urteile der Nazis aufgehoben, 2017 beschloss der Bundestag auch die Rehabilitierung von Opfern der homophoben Gesetzgebung in der Bundesrepublik und der DDR (queer.de berichtete). "Nun steht die gebotene kirchenrechtliche Rehabilitierung an", so Motschmann. Als erster Schritt solle die weitere Erforschung aller Fälle der zu Unrecht durch die Nazi-Justiz und die damaligen Kirchen-Verantwortlichen aus dem Kirchendienst Entlassenen eingeleitet werden.
Die Rehabilitierung Kleins erfolgt nun mehr als 75 Jahre nach seinem Tod. Der Pfarrer wurde nach seiner Verurteilung Ende 1942 an die Ostfront geschickt und starb in der damaligen Sowjetunion unter bislang ungeklärten Umständen. (dk)
Der Gottesdienst zum Gedenken an Pfarrer Friedrich Klein findet am 1. September um 19.30 Uhr in der Immanuelkirche, Immanuelkirchstraße 1, Berlin-Prenzlauer Berg statt. Aufgrund der Corona-Maßnahmen ist die Anzahl der Teilnehmer*innen begrenzt, eine schriftliche Anmeldung per E-Mail an gemeindeleitung@immanuelgemeinde.de ist bis zum 25. August dringend erforderlich.
















Kann mir bitte jemand erklären, wie man das als Kirchenoffizieller (mutwillig?) übersehen kann, wo man doch eine Organisation vertritt, die im Grunde nichts anderes tut, als der Welt Tag ein Tag aus Moral zu predigen?