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Gottesdienst mit Bischof

Berliner Landeskirche rehabilitiert gefeuerten schwulen Pfarrer

Die evangelische Kirche feuerte vor fast 80 Jahren Pfarrer Friedrich Klein wegen Homosexualität. Heute bedauert die Kirchenführung diesen Schritt – und rehabilitiert in einem Gottesdienst erstmals ein Opfer der Schwulenverfolgung aus der Nazi-Zeit.


Bischof Christian Stäblein wird am 1. September auch am Gedenkgottesdienst teilnehmen (Bild: Andreas Beckermann / wikipedia)

Für den 1. September lädt die Immanuelkirche im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg zu einem Gottesdienst, in dem sie das öffentliche Ansehen des Pfarrers Friedrich Klein wiederherstellen will. Klein war 1935 Pfarrer der Gemeinde geworden und wurde 1942 aus dem Kirchendienst entfernt, nachdem er vom Nazi-Regime wegen "Verführung" eines minderjährigen 19-Jährigen nach Paragraf 175 verurteilt worden war (Volljährigkeit begann damals mit 21).

Klein war wohl auch zum Verhängnis geworden, dass sich für die "Bekennende Kirche" engagiert hatte. Dabei handelte es sich um eine Oppositionsbewegung, die sich nicht wie der damalige Dachverband Deutsche Evangelische Kirche gleichschalten lassen wollte.

Zum Gottesdienst wird auch Christian Stäblein erwartet, der seit November 2019 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist. Die Landeskirche gilt als äußerst offen gegenüber Homosexuellen – bereits 2016 führte sie Trauungen für homosexuelle Paare ein (queer.de berichtete). Stäblein selbst traute bereits mehrere gleichgeschlechtliche Paare.

Erst rehabilitiert der Staat, dann die Kirche?

Die bislang in der evangelischen Kirche einmalige Aufarbeitung von vergangenem Unrecht ist auf Initiative des Gemeindekirchenrats (GKR) der Immanuelkirche entstanden. Der GKR setzt sich dafür ein, dass alle "unrechtmäßig verurteilten" homosexuellen Kirchenmitarbeiter*innen rehabilitiert werden sollen. GKR-Vorsitzende Uta Motschmann verwies darauf, dass der Staat inzwischen mit der Rehabilitierung von Opfern des Paragrafen 175 begonnen habe: 1994 wurde der Paragraf restlos abgeschafft, 2002 die 175er-Urteile der Nazis aufgehoben, 2017 beschloss der Bundestag auch die Rehabilitierung von Opfern der homophoben Gesetzgebung in der Bundesrepublik und der DDR (queer.de berichtete). "Nun steht die gebotene kirchenrechtliche Rehabilitierung an", so Motschmann. Als erster Schritt solle die weitere Erforschung aller Fälle der zu Unrecht durch die Nazi-Justiz und die damaligen Kirchen-Verantwortlichen aus dem Kirchendienst Entlassenen eingeleitet werden.

Die Rehabilitierung Kleins erfolgt nun mehr als 75 Jahre nach seinem Tod. Der Pfarrer wurde nach seiner Verurteilung Ende 1942 an die Ostfront geschickt und starb in der damaligen Sowjetunion unter bislang ungeklärten Umständen. (dk)

Gedenkgottesdient

Der Gottesdienst zum Gedenken an Pfarrer Friedrich Klein findet am 1. September um 19.30 Uhr in der Immanuelkirche, Immanuelkirchstraße 1, Berlin-Prenzlauer Berg statt. Aufgrund der Corona-Maßnahmen ist die Anzahl der Teilnehmer*innen begrenzt, eine schriftliche Anmeldung per E-Mail an gemeindeleitung@immanuelgemeinde.de ist bis zum 25. August dringend erforderlich.


#1 Peck_SProfil
  • 24.08.2020, 18:10hFrankenthal
  • Ich bin nicht abergläubisch und deshalb ausgetreten, seit ich 18 bin. Deshalb mal aus meiner Sicht als logisch denkende Privatperson: Wenn ich für die Rehabilitierung von Homosexuellen arbeiten und gleichzeitig die Todeswürdigkeit von Schwulen predigen würde, bzw. Menschen direkt unterstütze, die das tun, würde mir mein Umfeld mit Sicherheit eine ausgewachsene Persönlichkeitsstörung attestieren und mich mit meiner krassen Verlogenheit und Doppelmoral konfrontieren.

    Kann mir bitte jemand erklären, wie man das als Kirchenoffizieller (mutwillig?) übersehen kann, wo man doch eine Organisation vertritt, die im Grunde nichts anderes tut, als der Welt Tag ein Tag aus Moral zu predigen?
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#2 augenwischereiAnonym
#3 Meleg29Profil
  • 25.08.2020, 10:19hCelle
  • Antwort auf #1 von Peck_S
  • es sind diametral entgegenstehende Auswüchse evangelischer Kirchlichkeit: Hater und Mainstream-Liberale.
    Die sitzen nicht im selben Kirchenschiff...
    Mein Tipp: Einfach mal hingehen und hören und DANN urteilen...(bei den Evangelischen darf m*ensch auch mitmachen, mitgestalten, wählen und sich wählen lassen...auf jeden Fall den eigenen Hausverstand wirken lassen).
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#4 Ralph
  • 25.08.2020, 12:37h
  • Im Jahre 2002 (sinnigerweise damals am 17.5.) hat der Bundestag gegen die Stimmen der CDU/CSU die Unrechtsurteile nach § 175 bis zum 8.5.1945 für nichtig erklärt (aber an den Unrechtsurteilen nach dem 8.5.1945 festgehalten). Die Kirche hat also nochmals 18 Jahre gebraucht, um zum selben Ergebnis zu gelangen wie der Staat. Reife Leistung.
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#5 4-20 ZeichenAnonym
  • 25.08.2020, 18:19h
  • Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass die Kirche die EINZIGE Institution in ganz Deutschland ist, die eine parallele, unabhängige Gesetzgebung, z.B. ihr eigenes Arbeitsrecht hat?
    Wäre eine gesellschaftliche Katastrophe, wenn alle Unternehmen und Organisationen solche Privilegien hätten.

    Was also tun als schlauer Kirchenvorstand, ehe die Leute die Ungerechtigkeit merken? Schöne, medienwirksame Reformen erlassen und die Leute wägen wieder ab: Wie gut oder schlecht ist die Kirche wirklich? Etc.blabla

    Schafft endlich das verdammte Kirchenrecht ab, bevor sie wieder auf dumme Ideen kommen! Wenn sie das nie gehabt hätten, hätten nie so viele Leute diskriminiert werden können!

    Der Rest ist PR und Ablenkung.
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#6 Prima4Anonym
  • 26.08.2020, 13:16h
  • Die Kirche begnadigt jemanden wegen Handlungen deren Ächtung er aufgrund seiner Positionen selber mitgetragen hat ??

    Das ist.... etwas! wann auch kein Plan was genau!
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