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Eine gefährliche schwule Liebe in der Puszta

Szabi erbt eine Ruine in der ungarischen Provinz, Áron hilft ihm, das Dach zu reparieren. Nach viel Wodka kommen sie sich näher – ein Tabubruch, der beide überfordert. Das intensive, gewaltvolle Drama "Sturmland" basiert auf einer wahren Geschichte.


"Sturmland" erzählt eine Liebesgeschichte im Ungarn des homophoben Orbán-Regimes (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Fabian Schäfer
    24. August 2020, 16:53h, noch kein Kommentar

Wir sind hier nicht wie du, sagt Árons Mutter zu Szabi, als der an der Tür klopft. Er solle sich nicht wieder blicken lassen, die Botschaft ist unmissverständlich. Sie ist es auch, die rumerzählt hat, dass Szabi sich an ihren Sohn rangemacht hat – mit brutalen Folgen für beide. Denn in der ungarischen Provinz ist kein Platz für Homosexualität, vor allem nicht in einer Fußballmannschaft oder in einer Berufsschule für Schweißer.

Es ist diese trostlose, eng geschnürte Welt, in die Szabi zurückkommt, nachdem sein Platz einer Fußballkarriere in Deutschland geplatzt ist. Er hat ein abbruchreifes Haus mitten im Nichts geerbt – keine Nachbar*innen weit und breit, dafür Dunkelheit, Geräusche und Einsamkeit.

Für Szabi, vielleicht Anfang, Mitte 20, ändert sich das, als er Áron kennenlernt, der ihm für ein wenig Geld hilft, das undichte Dach zu reparieren. Am Ende des Tages machen sie eine Mopedtour, der Wodka fließt und fließt, sie liegen in einer Wiese, berühren sich. Die Nähe ist spürbar, die Anziehung auch, so nahe kommt die Kamera den beiden. Beides überfordert sie sichtlich.

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Schläge und Tritte als brutales Ventil


Poster zum Film: "Sturmland" läuft seit 20. August 2020 als VoD im Salzgeber Club

Das alles wird gesteigert, als Szabis früherer Mannschaftskollege und bester Freund Bernard, der schon immer in ihn verliebt war, nach Ungarn kommt. Doch Szabi will nicht mehr nach Deutschland, er hat genug vom Fußball, will sein Dach reparieren, will Bienen züchten – will leben.

"Sturmland" ist der ersten Langfilm von Ádám Császi, der 2014 auf der Berlinale und später im Kino lief, und jetzt für den Salzgeber Club wiederentdeckt wurde. In seinem bewegenden Drama wird kaum gesprochen, weder Szabi noch Áron finden Worte für die Gefühle zueinander. Es ist eine Sprache, die sie nie gelernt haben, die ihnen nie beigebracht wurde, die verpönt und bestraft wird. Szabi und Áron finden andere Wege, ihre Zuneigung auszudrücken. Wie sie gemeinsam Fußball spielen, gleicht einem eng umschlungenen, intimen Balztanz. Selten war Fußball – ohne dass man den Ball sieht – so intensiv.

Umso präsenter ist dafür rohe, körperliche Gewalt. Szabi, der sich mit Bernard in der Dusche prügelt, der von seiner Mannschaft in Ungarn und später von seinem Vater zusammengeschlagen wird, Áron, den Klassenkameraden demütigen: Schläge, Tritte, Anspucken dienen als brutales Ventil, als einziger Ausdruck.


"Sturmland" wurde bei der Berlinale 2014 uraufgeführt (Bild: Edition Salzgeber)

Eine fragile Welt, die zusammenfällt

Zwei junge Männer sind überwältigt von ihren Gefühlen, dazu die Weite der ungarischen Provinz, die Einsamkeit, der Tabubruch, die Familie, das Milieu: Das erinnert in dieser Konstellation an eine Vielzahl ähnlich angelegter Filme. "Brokeback Mountain" natürlich, "God's Own Country" über englische Schafzüchter oder das großartige südafrikanische Drama "Die Wunde".

Und doch sticht "Sturmland" heraus, ist keine zu oft gesehene Geschichte, alleine schon, weil sie auf wahren Begebenheiten basiert. Regisseur Ádám Császi erzählt mit wenig Musik und in langen Einstellungen, er nennt das "den asketischen Gebrauch nur des absolut Notwendigen", von einer fragilen Welt, die sich in Form von Szabis Haus aufbaut – um am Ende doch zusammenfallen zu müssen.

Vimeo / Salzgeber Club | Trailer zu "Sturmland" und Möglichkeit, den Film direkt anzuschauen

Infos zum Film

Sturmland. Drama. Ungarn/Deutschland 2014. Regie: Adám Császi. Darsteller: Sebastian Urzendowsky, András Sütö, Ádám Varga. Laufzeit: 105 Minuten. Sprache: deutsch-ungarisch-englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. Verleih: Edition Salzgeber. Seit 20. August 2020 im Salzgeber Club als Video on Demand