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Der Kampf des Gavin Grimm

US-Gericht: Transphobe Toiletten-Richtlinien an Schulen verfassungswidrig

Als 15-Jähriger hatte sich der Kläger als trans geoutet – und wurde dafür in seiner Schule diskriminiert. Seither kämpft der inzwischen 21-Jährige vor Gericht gegen die Ungerechtigkeit. Mit Erfolg.


Gavin Grimm (Bild: Screenshot MSNBC)

Ein US-Bundesberufungsgericht in Richmond (Virginia) hat sich am Mittwoch auf die Seite des 21-jährigen trans Mannes Gavin Grimm gestellt, der seit mehr als fünf Jahren gegen Diskriminierung aufgrund seiner Geschlechtsidentität kämpft (PDF). Grimm hatte als 15-Jähriger dagegen geklagt, dass seine Schule im Bezirk Gloucester ihm die Nutzung von Jungstoiletten untersagt hatte.

Dieses Verbot verletzt laut der Richtermehrheit beim Bundesberufungsgericht eine Schutzklausel in einem Bürgerrechtsgesetz von 1972, wonach Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Bildungseinrichtungen verboten ist ("Title IX"). Außerdem verletze es den 14. Zusatz zur amerikanischen Verfassung aus dem Jahr 1868, wonach Diskriminierung verboten ist. Damit wurde ein Urteil aus der Vorinstanz vom August 2019 bestätigt (queer.de berichtete).

Der Hintergrund: Grimm, der inzwischen an einem College eingeschrieben ist, wuchs in Virginia auf und outete sich 2014 als trans. Danach begann der damals 15-Jährige als Mann zu leben und durfte auch zwei Monate lang die Jungstoilette in seiner öffentlichen Schule benutzen. Nach Protesten von mehreren transphoben Eltern anderer Schüler untersagte ihm die Schule im Dezember 2014 die Nutzung der Toilette, ebenso wie von allen anderen geschlechtergetrennten Einrichtungen wie Umkleidekabinen. Er klagte dagegen – und der Fall ging durch die Instanzen.

2017 erreichte Grimm endlich den Supreme Court, das höchste Gericht in den USA, das stets das letzte Wort hat. Das Höchstgericht gab den Fall aber an die Vorinstanz zurück – ein Grund war, dass die neue Trump-Regierung eine Richtlinie zum Schutz von trans Menschen aufhob (queer.de berichtete). Damit musste Grimm den Gang durch die Instanzen von neuem beginnen – nach der jetzigen Entscheidung könnte der Fall bei Einspruch erneut beim Supreme Court landen. Unklar ist, ob das Höchstgericht ihn dieses Mal annehmen würde,

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Linksliberale Richter für Grimm, konservativer Richter gegen Grimm

Das neue Urteil zeigt auch, wie zerrissen die amerikanische Politik und Justiz bei der Anerkennung von trans Menschen ist. Zwei vom linksliberalen Präsidenten Barack Obama ernannte Richter – Henry F. Floyd und James A. Wynn – stellten sich auf die Seite von Grimm. Der 79-jährige Richter Paul V. Niemeyer, der vom konservativen George H.W. Bush ernannt worden war, stellte sich dagegen auf die Seite des Schulbezirks. Niemeyer hatte bereits mehrfach gegen LGBTI-Rechte entschieden, etwa 2014 bei der – inzwischen geklärten – Frage der Ehe für alle (queer.de berichtete).

In der Mehrheitsmeinung verwies Richter Floyd auf die Supreme-Court-Entscheidung "Bostock v. Clayton County" vom Juli – damals hatten die Höchstrichter entschieden, dass die die seit den Sechzigerjahren im Arbeitsrecht verbotene Diskriminierung aufgrund des Geschlechts auch ein Verbot von LGBTI-Diskriminierung beinhaltet (queer.de berichtete). Wörtlich zitierte Floyd aus der Mehrheitsentscheidung des Supreme Courts die Worte: "Es ist unmöglich, eine Person als homosexuell oder transgender zu diskriminieren, ohne dass man sie auf der Basis des Geschlechts diskriminiert." Die Entscheidung des Höchstgerichts gilt zunächst nur für das Arbeitsrecht, ist aber auf andere Bereiche übertragbar.

Direktlink | Gavin Grimm schaffte es mit seinen Klagen zu nationaler Berühmtheit – so war er 2017 Gast in der erfolgreichen Nachmittagstratschshow "The View" mit Whoopi Goldberg

Für Richter Niemeyer ist Grimm dagegen kein "echter" Mann und habe deshalb nicht das Recht, ein Herrenklo aufzusuchen. Er argumentierte, dass die "bloße Anwesenheit" von weiblichen Genitalien in der Jungstoilette die Privatsphäre der männlichen Nutzer verletze.

Grimm bedankte sich nach der Entscheidung via Twitter bei seinen Unterstützer*innen, insbesondere der Bürgerrechtsorganisation ACLU. Er bedauerte, dass es nötig war, diesen "Kampf" zu führen. "Ich hatte aber ein tolles und liebevolles Team um mich herum, um die Dinge in Ordnung zu bringen." (dk)

Twitter / GavinGrimmVA



#1 DieterBremenProfil
  • 27.08.2020, 13:40hBremen
  • Kompliment! Ein tapferer Junge. Möchte mir nicht vorsttellen, wie viel Kraft ihn diese Debatte um eigentlch selbstverständliche Rechte gekostet hat!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 hugoAnonym
  • 28.08.2020, 12:33h
  • Den Unfug mit den getrennten Toiletten sollte man im 21. Jahrhundert endlich aufhören. Unisexttoiletten funktionieren an Autobahnen und vielen anderen Einrichtungen schon seit Jahren.
    Pissoir und Unisextoiletten sind zeitgemäß
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