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Stalking-Prozess geht dem Ende entgegen

Bremen: Staatsanwaltschaft fordert mehr als vier Jahre Haft für Schwulenhasser

Nach einem Monat geht der Prozess gegen einen Mann zu Ende, der mehrere Schwule monatelang brutal gestalkt hatte.


Das Urteil fällt voraussichtlich am Freitag (Bild: Hans Splinter / flickr)

Vor dem Bremer Landgericht hat Staatsanwältin Marlene Wieland am Mittwoch laut "Kreiszeitung" eine Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten für einen 32-jährigen Schwulenhasser gefordert. Der Mann soll 2016 mehrere schwule Männer aus Hass auf ihre sexuelle Orientierung über einen längeren Zeitraum nachgestellt, sie erpresst und bedroht haben.

Wieland erklärte, der Angeklagte habe sich wegen Stalkings in vier Fällen, 37-fachen gewerbsmäßigen Internetbetrugs, Beleidigung und Störung des öffentlichen Friedens schuldig gemacht. Bei dem Prozess hatten vier Opfer ausgesagt, wie sehr die anonymen Anfeindungen sie mitgenommen hätten. Bis heute litten sie unter Schlafstörungen, Panikattacken und Paranoia.

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Angeklagter hat Taten gestanden

Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn die Taten zugegeben (queer.de berichtete). Er begründete sein Verhalten damit, dass er bei einem vorherigen Gefängnisaufenthalt von einem Mithäftling mehrfach sexuell missbraucht worden sei. Daraufhin habe er psychische Probleme gehabt und sein Erlebtes auf alle Homosexuellen projiziert. Durch das Terrorisieren von Schwulen habe er sich "kurzfristig besser" gefühlt. Außerdem berichtete er von schwierigen Familienverhältnissen – etwa von einem alkoholsüchtigen Stiefvater, der seine Mutter geschlagen habe. Er habe nie "auf dem Schirm" gehabt, was er seinen Opfern antue, erklärte während des Prozesses eine Gutachterin.

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: Sie wirft dem Angeklagten vor, es sei ihm bewusst um das Leid der schwulen Männer gegangen.

Sogar Minderjähriger monatelang gestalkt

Die Opfer des Angeklagten waren sehr junge Schwule, einer davon war zum Tatzeitpunkt sogar erst 17 Jahre alt. Diesen Jugendlichen soll der Täter innerhalb eines halben Jahres mehrere tausend Mal kontaktiert haben, etwa mit Facebook-Mitteilungen, Anrufen oder Whatsapp-Nachrichten. Der mutmaßliche Täter soll sogar eine Todesanzeige mit dem Namen des Jungen aufgegeben und einen Trauerkranz an seine Schule geschickt haben.

Eigentlich hatte der Prozess bereits Mitte Januar vor dem Bremer Amtsgericht begonnen (queer.de berichtete). Weil der Angeklagte nach einem neuen Gutachten aber psychisch krank sein und die Auswirkungen seiner Taten nicht erkannt haben soll, musste das Verfahren an die Strafkammer des Landgerichts verlegt werden (queer.de berichtete). Nur diese Kammer kann eine Einweisung in die Psychiatrie veranlassen, sollte der Angeklagte als eingeschränkt oder nicht schuldfähig befunden werden.

Das Landgericht wird sein Urteil voraussichtlich am Freitag sprechen. (cw)