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USA

Republikaner "machen Religion zur Waffe" gegen LGBTI

Auf dem republikanischen Parteitag wird gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten Stimmung gemacht. Der einzige offen schwule Redner erwähnt dagegen LGBTI mit keiner Silbe.


Generationsübergreifender Hass: Cissie Graham Lynch steht in ihrer Abneigung gegenüber Homo- und Transsexuellen ihrem Vater Franklin und ihrem verstorbenen Großvater Billy in nichts nach

Die Republikaner machen in ihrem viertägigen Nominierungsparteitag deutlich, dass sie LGBTI-Rechte ablehnen. Offen queerfeindlich zeigte sich am Dienstag die evangelikale Aktivistin Cissie Graham Lynch in ihrer Parteitagsrede. Die 34-Jährige ist Tochter von Prediger und Homo-Hasser Franklin Graham, der am Donnerstagabend eine Rede halten soll. Außerdem ist sie Enkelin des 2018 verstorbenen Billy Graham.

Graham Lynch malte eine demokratische Regierung von Joe Biden und Kamala Harris an die Wand, unter der Christinnen und Christen verfolgt werden. "Sie werden euch zwingen zu wählen, ob ihr Gott oder Cäsar treu seid, weil der Gott der radikalen Linken politische Macht ist", behauptete die Pfarrerstochter, die für die religiösen Organisationen ihres Vater – die "Billy Graham Evangelistic Association" und "Samaritan's Purse" – arbeitet.

Sie erwähnte in ihrer dreiminütigen Tirade etwa Konditoren und Floristen, die zwischen Religion und Staatsmacht wählen müssten. Evangelikale Vertreter*innen dieser beiden Berufsgruppen hatten in den letzten Jahren immer wieder vor Gericht geklagt, um aus religiösen Gründen Homosexuelle diskriminieren zu dürfen.

Auch weitere "Kulturkampf"-Themen sprach Graham Lynch an: "Demokraten wollen Adoptionsagenturen zwingen, ihre tief religiösen Ansichten zu verletzen." Damit spielt sie auf eine Initiative der Trump-Regierung an, die Adoptionsagenturen wieder erlauben will, gleichgeschlechtliche Paare zu diskriminieren (queer.de berichtete). Außerdem hätten Demokraten "Jungs erlaubt, beim Mädchensport mitzumachen und die Mädchenumkleiden zu benutzen". Das habe sich erst unter Trump geändert. Hintergrund der Aussage ist, dass die aktuelle Regierung in den letzten Jahren immer mehr die Anerkennung und Rechte von trans Menschen einschränkte (queer.de berichtete).

LGBTI-Organisationen kritisierten die Rede von Graham Lynch scharf: "Dieser Parteitag scheint die Religion zu einer Waffe zu machen, um Diskriminierung gegen LGBTQ zu rechtfertigen", erklärte Sarah Kate Ellis, die Chefin der Gay & Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD). "Cissie Graham Lynch ist leider nicht die einzige, die eine solche bigotte Meinung vertritt. Die Trump-Regierung hat vom ersten Tag an mit Anti-LGBTQ-Aktivisten zusammengerarbeitet."

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Schwuler Sprecher erwähnt LGBTI-Rechte nicht

Der einzige offen schwule Redner beim Parteitag ergriff am Mittwochabend das Wort: Richard Grenell, der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, sprach allerdings LGBTI-Themen in seiner achtminütigen Rede mit keiner Silbe an. Dabei hatte er erst vor wenigen Tagen ein Video veröffentlicht, in dem er Trump als "schwulenfreundlichsten Präsidenten in Amerikas Geschichte" beschrieb (queer.de berichtete).

Der höchst umstrittene Diplomat stellte in seiner Rede einige eigenartige Thesen auf – etwa, dass Trump Angela Merkel "verzaubert" habe: "Ich habe gesehen, wie Präsident Trump die deutsche Kanzlerin verzaubert hat, während er darauf bestand, dass Deutschland seine Nato-Rechnung bezahlt", so Grenell. Auf Twitter wurden daraufhin viele gemeinsame Bilder von Trump und Merkel geteilt, auf denen die Kanzlerin wenig verzaubert aussieht. (dk)

Twitter / fabreinbold



#1 RyluriAnonym
  • 27.08.2020, 16:57h
  • Wieder mal eindrucksvoll präsentiert, warum es keinen Sinn ergibt, schwul und gleichzeitig konservativ/"bürgerlich" sein zu wollen.
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#2 Ralph
  • 27.08.2020, 17:21h
  • Antwort auf #1 von Ryluri
  • Na ja, also Trumps Republikaner sind ja wahrlich nicht konservativ/bürgerlich im westeuropäischen Sinne. Das sind Nationalisten, Rassisten, Plutokraten, Autoritaristen. Schaut man sich mal an, welche Regierungen und Parlamentsmehrheiten so alles in Westeuropa die Ehe geöffnet haben, dann finden sich da einige, die hierzulande als bürgerlich oder konservativ bezeichnet werden. Wie es in den USA zugeht, sieht man schon an der Qualifizierung der Demokraten als "radikale Linke". Das ist doch Quatsch. In Deutschland wären die in der Union oder in der FDP. Ich vergesse nie, wie ich Anfang der 80er in einem Gespräch mit einem amerikanischen Freund (hier in der Gegend besteht die Bevölkerung zu 20% aus US-Amerikanern) erwähnte, dass der frühere Kanzler Schmidt Sozialdemokrat sei. Geschockt schrie er: "Was?! Schmidt ist Kommunist?!". Was ein richtiger Ami aus dem Mittleren Westen oder aus dem Süden ist, für den ist alles, was "sozial" heißt, Kommunismus.
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#3 DramaQueen24Profil
  • 28.08.2020, 02:11hBerlin
  • In den USA würde man über solche Menschen sagen: "Liar Liar pants on fire". Das haben wir als Kids immer gerufen, wenn wir glaubten, jemand belügt uns! Nur, hier ist es kein Glaube, sondern Fakt, dass bei dem Parteitag über uns, die Dems und BLM gelogen wird, das sich die Balken biegen!
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#4 MariposaAnonym
  • 29.08.2020, 23:16h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Das Konstrukt "Ehe" ist nunmal konservativ und zwar völlig unabhängig davon, ob hetero- oder homosexuell. Nicht umsonst hat sich die poltische Linke lange Zeit für eine generelle Abschaffung ausgesprochen.
    Auch für mich persönlich käme heiraten nicht in Frage, es soll aber jeder und jede selbstverständlich in einem freien Land tun dürfen.

    Die Republikaner in den USA sind inzwischen ganz weit davon entfernt, bürgerlich-konservative Werte zu vertreten. Das bewußt schlechte Benehmen dieses Präsidentendarstellers samt den Schreitussis in seinem Fanclub sprechen eindeutig Bände.

    Zudem gibt es tatsächlich auch Christen in den USA, die nichts gegen die Ehe für alle einzuwenden haben (protestantische "Mainline Churches" sowie viele Katholiken). Dieses Evangelikalenpack ist leider in vielerlei Hinsicht sehr speziell.
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