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Antwort auf "Heuchelei"

Polen: Homofeindlicher Politiker geoutet?

Ein Mann behauptet, der Abgeordnete Jan Kanthak habe ihm vor Jahren einen Blowjob angeboten. Der Politiker kämpft öffentlich gegen eine "LGBT-Ideologie" an.


Jan Kanthak ist gern gesehener Interviewpartner – derzeit vor allem in eigener Sache (Bild: Jan Kanthak / facebook)

Ein Assistent der linken Sejm-Abgeordneten Darii Gosek-Popiolek (Lewica) hat ein Parlamentsmitglied der rechten Partei Solidarisches Polen (SP) öffentlich geoutet. Die Partei ist eine in die Regierung eingebundene kleine Abspaltung der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Konkret berichtete Michal Kowalówka, wie ihn Jan Kanthak vor einigen Jahren in einem damaligen queer-freundlichen Club in Krakau um einen Blowjob angebettelt habe. Kanthak hatte erst an diesem Montag mit homofeindlichen und als absurd kritisierten Äußerungen in einer Talkshow für Schlagzeilen gesorgt.

Da er Heuchelei und Verrat an Minderheiten hasse, habe er nach Kanthaks "abscheulichen Angriffen gegen LGBT+" die Entscheidung getroffen, über eine Tatsache zu berichten, so Kowalówka am Dienstag bei Twitter: "Vor Jahren, im Jahr 2011, belästigte mich Janek – mir damals unbekannt – im Kitsch-Club wiederholt und abrupt mit seinem Angebot für Oralsex." Auf Nachfragen schilderte er weitere Details.

Twitter / michalkowalowka

Das mutmaßliche Outing schlug hohe Wellen: Die "Gazeta Wyborcza" sprach vom "Fall eines Scheinheiligen". Die Zeitung hatte den 28-Jährigen um eine Stellungnahme gebeten. Kanthak antwortete, es sei "peinlich zu lesen, dass sich eine so ernsthafte Zeitung mit solch vulgärem Unsinn befasst". Es gebe nichts zu kommentieren, außer dass er sich gegen den Tweet wegen Verleumdung bei der Staatsanwaltschaft melden wolle. In weiteren Interviews äußerte er sich seither ähnlich – neue Äußerungen Kanthaks gegen "LGBT-Ideologie" in den selben Interviews ("basiert auf drei Revolutionen: moralisch, sozial und kulturell") waren weniger ausweichend formuliert. In einem Interview sagte er: "Das Thema Sexualität sollte nicht Gegenstand öffentlicher Debatten sein, aber es sind die LGBT-Kreise, die versuchen, das öffentliche Leben zu sexualisieren und alles auf Sex zu reduzieren. Dem wollen die rechte Kreise und die Kirche nicht zustimmen."

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Die Vorgeschichte: Regierungskoalition streitet um und gegen "LGBT-Virus"

Anlass für das Outing war die neueste absurde wie hässliche Episode im Kulturkampf um LGBTI in Polen: Begonnen hatte alles in der letzten Woche mit Äußerungen des Dezernenten für den Bereich Bildung der Provinz Lodz. "Ich denke, dass dieses LGBT-Virus, ein Virus der Ideologie, viel gefährlicher ist als das Coronavirus", sagte Grzegorz Wierzchowski dem katholischen Sender TV Trwam. "Es ist ein Virus, das die Gesellschaft entmenschlicht, junge Menschen entmenschlicht und ihnen ihren Wert nimmt." Es handle sich um "eine Diktatur von Menschen, die in einer klaren Minderheit sind und ihre Ideologie durchsetzen", was eine "Mutation des Marxismus" sei.

Am Sonntag gab Wierzchowski dann bekannt, vom Bildungsministerium von seinen Pflichten entbunden worden zu sein. Das wurde von allen Seiten mit den "Virus"-Äußerungen in Zusammenhang gebracht. Während sich queere Medien und Organisationen freuten, beklagte die Partei Solidarisches Polen in einer Pressemitteilung, die Entlassung besorge "viele unserer Wähler" und man teile die Meinung des Dezernenten "über die Bedrohung der polnischen Jugend durch die aggressive und diskriminierende LGBT-Ideologie". Der SP-Abgeordnete und stellvertretende Minister für Staatseigentum Janusz Kowalski betonte, seine Partei und das Team um den SP-Justizminister Zbigniew Ziobro werde niemanden erlauben, seinen Job zu verlieren, weil er Kinder vor einer "vulgären Offensive" schützen wolle.

Twitter / JKowalski_posel

Bildungsminister Dariusz Piontkowski hatte daraufhin geantwortet, es sei schade, dass der Koalitionspartner nicht die echten Gründe für die Entlassung in Erfahrung gebracht habe – diese lägen in einer früheren Beschwerde über Wierzchowski ohne Zusammenhang zu dessen Äußerungen. Der PiS-Politiker verteidigte diese und betonte: "Wir sind gegen die Propaganda dieser [LGBT-]Gruppen, wir sind gegen die Verbreitung an Schulen dieser … aggressiven Ideologie." Wierzchowski habe dies lediglich in eigenen Worten zusammengefasst. Auch andere PiS-Politiker verteidigten die Äußerung über das "LGBT-Virus". Der Fraktionsvorsitzende Ryszard Terlecki meinte, das sei "keine Beleidigung": "Es ist eine Verteidigung einer normalen, friedlichen Mehrheit gegen Gruppen von Anarchisten, Nihilisten und moralischen Revolutionären, die beabsichtigen, eine normal funktionierende Gesellschaft zu zerstören."

Kanthak und das Fleisch von San Francisco

Um die Diskussion um die Äußerung zum "LGBT-Virus" und allgemeiner um die von der Regierung bekämpfte "LGBT-Ideologie" drehte sich dann am Montagabend eine Interview-Sendung bei TVN 24. Hier war Kanthak zur Verteidigung der queerfeindlichen Äußerung zu Gast und strauchelte bei der Bitte des Moderators Piotr Kraska, die vermeintliche Ideologie näher zu definieren.

Letztlich bat Kraska um fünf Beispiele für die Ideologie. Kanthak antwortete mit einer Erinnerung an seinen Besuch in San Francisco. Dort habe er eigene Buchhandlungen, Kinos und "sogar Fleischläden für LGBT" gesehen, "im Viertel Cruz von Mr. Milk". Frelich heißt das queere Viertel, in dem der schwule Stadtrat Harvey Milk lebte, in Wirklichkeit Castro.

Twitter / BartStaszewski

Die Äußerung hatte für viel Spott in sozialen Netzwerken gesorgt. Was suchte Kanthak in dem schwulen Viertel, fragten einige. War "Cruz" ein freudscher Versprecher für Cruise/Cruising? Und warum sollten Fleischgeschäfte für LGBT – selbst wenn sie in dieser ausschließlichen Form existieren sollten – eine Bedrohung für Polen darstellen? Andere Tweets zeigten mit viel und unterschiedlicher Fantasie einen auf Fotos montierten Kanthak bei der Suche nach "Meat" in San Francisco. Die Profile des Politikers in sozialen Netzwerken wurden mit Memes zu Würsten oder der queeren Community überflutet.

Kanthak ist Jurist an der Fakultät für Recht und Verwaltung der Universität Warschau und machte in den letzten Jahren politisch Karriere im Justizministerium unter dem homofeindlichen Politiker Zbigniew Ziobro, dessen Sprecher er seit 2017 ist. 2018 wurde Kanthak Stadtrat in Danzig und 2019 in den Sejm gewählt. In Interviews gibt sich der Politiker, der im von der Regierung homo- und transfeindlich geführten Präsidentschaftswahlkampf zum Stab von Andrzej Duda gehörte, äußerst konservativ. "In meinem Elternhaus war die Bindung an die Tradition sehr stark", sagte er einst Radio 24. "Das enthielt die Werte 'Gott, Ehre, Vaterland'".

Twitter / BartStaszewski | Laut dem queeren Aktivisten Bart Staszewski hatte Kanthak in diesem Video-Gespräch mit ihm die schweren Ausschreitungen gegen den ersten CSD in Bialystok im letzten Jahr verharmlost. Das sei weder Hass noch Diskriminierung gewesen, so der Politiker auf den Vorwurf, dass sei "Hass, der nicht aus dem Nichts kommt"

Kanthaks politischer Ziehvater Ziobro versucht derzeit, die PiS an Homofeindlichkeit zu überholen. Erst vor wenigen Tagen hatte der Justizminister angekündigt, Kommunen zu entschädigen, die wegen LGBT-feindlicher Resolutionen keine EU-Förderung mehr erhalten (queer.de berichtete). Zuvor hatte der Politiker einen Ausstieg aus der Istanbul-Konvention angekündigt, weil das Europarats-Übereinkommen gegen Gewalt gegen Frauen "Gender-Theorie" und "homosexuelle Ideologie" enthalte (queer.de berichtete). Auch die Eskalation der letzten Wochen rund um die Untersuchungshaft für eine LGBTI-Aktivistin sowie die Festnahmen von fast 50 Personen bei ihrer Verhaftung führen viele auf ihn zurück – in Interviews verteidigte er das harte Vorgehen und auch den Hass-Bus einer ultrakatholischen Organisation mit homo- und transfeindlichen Botschaften, den die verhaftete Aktivistin angegriffen hatte.

Kanthaks Partei Solidarisches Polen stellt auch den neuen Außenminister Zbigniew Rau, der am Mittwoch offiziell von Duda ernannt worden ist. Er warnte in der Vergangenheit ebenfalls in drastischen Worten vor der "LGBT-Ideologie" (eine "Zivilisation des Todes") und verglich die homosexuelle Ehe mit Pädophilie, Zoophilie und Kannibalismus (queer.de berichtete). (nb)



#1 swimniAnonym
  • 27.08.2020, 16:12h
  • ein haufen abergläubiger kann wohl kaum was vernünftiges zustande bringen ausser heuchelei---, polen wird aber nicht auf dauer dieses siechtum aushalten. irgendwann hat sich der schnöde run ausgerannt und die menschen kommen zur besinnung
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#2 daVinci6667
  • 27.08.2020, 16:41h
  • Heuchler treibens am wildesten und sind die Perversesten. Fragt Sexanbieter und anbieterinnen. Hinterher beten sie sich dann einen. Sie sind natürlich ganz unschuldig und haben nichts getan. Nein, nein gar nichts. Der Teufel die wars.
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#3 TimonAnonym
#4 DramaQueen24Profil
  • 28.08.2020, 02:06hBerlin
  • Weiß nicht, ob es stimmt, oder es "alternative Fakten" sind. Wenn es stimmt, steht Aussage gegen Aussage, denn der Rechte wird natürlich leugnen. Besser wäre eine Bild-Ton-Aufnahme, die es belegen würde, oder ein Foto, dass ihn in eindeutiger Situation zeigen würde. Da kann er sich dann nicht mehr rausreden!
    Es würde andererseits, wenn es stimmen würde, die Doppelmoral zeigen, die in Polen vorherrscht.
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#5 gayflecktarnhoseProfil
  • 28.08.2020, 17:22hBremen
  • Warum diese ellenlangen Kommentare über
    Homohasser und deren Anhang.
    Solange die EU diesen Treiben der Polen und einiger anderen EU-Staaten tatenlos zusieht wird sich nichts ändern.
    Im Gegenteil, sie zeigen nur das die nichts besser sind.
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#6 Ralph
  • 29.08.2020, 14:49h
  • I believe in family,
    With my ever loving wife beside me,
    But she don't (sic) know about my girlfriend
    Or the man I met last night.

    Genesis, Jesus he knows me
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#7 KaiJAnonym