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Schmutziger Wahlkampf
Grenell fordert Boykott von Amerikas größter LGBTI-Organisation
Der frühere US-Botschafter in Deutschland kann Kritik nicht gut ertragen: Der offen schwule Diplomat ruft nun zum Boykott der einflussreichsten queeren Organisation auf, weil diese seine Politik kritisiert hatte.

Richard Grenell (li.) gilt als einer der größten Unterstützer von Präsident Donald Trump (Bild: richardgrenell / instagram)
- 28. August 2020, 08:53h 2 Min.
Richard Grenell hat amerikanische Firmen auf Twitter aufgefordert, der Human Rights Campaign, der größten LGBTI-Organisation der Vereinigten Staaten, keine Spenden mehr zukommen zu lassen. "Konzerne, die Geld an die Human Rights Campaign geben, unterstützen hässliche Parteilichkeit", so der 53-Jährige. Er schlug vor, dass Firmen den gleichen Betrag konservativen Homo-Organisationen wie den "Log Cabin Republicans" zukommen lassen sollten. In weiteren Tweets kritisierte er auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.
/ RichardGrenellCorporations who give money to Human Rights Campaign are supporting ugly partisanship.
Richard Grenell (@RichardGrenell) August 27, 2020
US businesses should stop giving to HRC or give the same amount of money to conservative gay groups like @LogCabinGOP. https://t.co/nlPgjQpR8g
Grenell war von Mai 2018 bis Juni 2020 US-Botschafter in Berlin und teilweise parallel dazu von Februar bis Mai 2020 kommissarischer Geheimdienstkoordinator. Er gilt als bedingungsloser Anhänger von US-Präsident Donald Trump und veröffentlichte letzte Woche ein Wahlkampfvideo, in dem er Trump als "schwulenfreundlichsten Präsidenten in Amerikas Geschichte" bezeichnet (queer.de berichtete). Das Video wurde zuerst von den Log Cabin Republicans geteilt.
"Die absurde Lüge, dass Trump der 'schwulenfreundlichste' Präsident ist"
Grenell dürfte besonders die Veröffentlichung eines HRC-Videos mit dem Titel "Die absurde Lüge, dass Trump der 'schwulenfreundlichste' Präsident ist" am Mittwoch irritiert haben. Darin wird Grenell als Lügner bezeichnet und Oppositionskandidat Joe Biden als "wahrer Freund der LGBTQ-Community".
Auch andere große LGBTI-Organisationen werben im Wahlkampf dafür, dass Trump nicht wiedergewählt wird. In einem kurzen Video von GLAAD versucht ein Sohn seine Mutter, eine Trump-Unterstüzerin, davon zu überzeugen, dass die Wiederwahl des Republikaners schlimme Auswirkungen auf Homosexuelle haben könne – er könne etwa ein Opfer von Hassgewalt werden. Außerdem sagte er zu seiner Mutter: "Willst du keine Großmutter sein? [...] [Trump] will nicht, dass ich adoptiere."
Beim Nominierungsparteitag der Republikaner, der am Donnerstag zu Ende gegangen ist, hielt Grenell auch als einzige offen homosexuelle Person eine Rede, erwähnte aber LGBTI-Rechte mit keiner Silbe. Stattdessen machte eine andere Rednerin, die evangelikale Aktivistin Cissie Graham Lynch, Stimmung gegen Homo- und Transsexuelle (queer.de berichtete).
Human Rights Campaign (@HRC) August 27, 2020/ HRC | Auch die angesehene "Washington Post" kritisiert in einem Meinungsartikel die Aussagen Grenells
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Am Donnerstagabend nahm Trump offiziell die Nominierung seiner Partei als Präsidentschaftskandidat 2020 an. An diesem Tag sprachen auch die extrem LGBTI-feindlichen Aktivisten Ben Carson und Franklin Graham. Beide sprachen jedoch LGBTI-Rechte in ihren Reden nicht an.
Die Präsidentenwahl findet am 3. November statt. (dk)














