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Urteil

Bremen: Mehrere Jahre Haft für Schwulenhasser

Ein Mann, der mehrere junge Männer aus Hass auf ihre Homosexualität drangsaliert hatte, muss für viereinhalb Jahre in Haft.


Das Landgericht Bremen hat entschieden (Bild: Fred Romero / flickr)

  • 28. August 2020, 11:16h, noch kein Kommentar

Das Bremer Landgericht hat am Freitag laut "Weser Kurier" einen 32-jährigen Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten wegen Stalkings und einem Jahr wegen Betrugs verurteilt. Die beiden Strafen muss der vorbestrafte Angeklagte nacheinander absitzen.

Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und drei Monate Haft gefordert (queer.de berichtete). Die Verteidigung verwies dagegen darauf, dass der Mann psychische Probleme gehabt habe.

Vor Gericht wurden vier Fälle verhandelt, in denen der Angeklagte junge Homosexuelle monatelang gestalkt hatte. Bei dem Prozess hatten die Opfer ausgesagt, dass die anonymen Anfeindungen sie so mitgenommen hätten, dass sie bis heute unter Schlafstörungen, Panikattacken und Paranoia litten. Der Verurteilte hatte zu Prozessbeginn Anfang Juli die Taten zugegeben (queer.de berichtete). Der Angeklagte entschuldigte sich vor Gericht bei den Opfern.

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Im Verfahren begründete der Angeklagte sein Verhalten damit, dass er bei einem vorherigen Gefängnisaufenthalt von einem Mithäftling vergewaltigt worden sei. Die daraus resultierenden psychischen Probleme habe er auf alle Homosexuellen projiziert. Durch das Terrorisieren von Schwulen habe er sich "kurzfristig besser" gefühlt. Außerdem berichtete er von schwierigen Familienverhältnissen – etwa von einem alkoholsüchtigen Stiefvater, der seine Mutter geschlagen habe. Er habe nie "auf dem Schirm" gehabt, was er seinen Opfern antue, erklärte während des Prozesses eine Gutachterin.

Die Verurteilung wegen Betrugs erfolgte wegen unzähligen Internetbetrügereien. Damit hatte der Angeklagte seine Spielsucht finanziert. Außerdem hatte er Bombendrohungen an mehrere Kaufhäuser und eine Restaurantkette geschickt.

Ursprünglich hatte der Prozess bereits Mitte Januar vor dem Bremer Amtsgericht begonnen (queer.de berichtete). Dieser wurde aber nach nur einem Verhandlungstag ausgesetzt, weil der Angeklagte nach einem damals vorgelegten Gutachten psychisch krank sei und die Auswirkungen seiner Taten nicht erkannt habe (queer.de berichtete). Hintergrund ist, dass nur das Landgericht eine Einweisung in die Psychiatrie veranlassen kann, sollte der Angeklagte als eingeschränkt oder nicht schuldfähig befunden werden. (cw)