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Comic

Schwule Hochzeit in der Alienwelt

In Thomas Wellmanns neuem Comic "Pimo & Rex – Die interdimensionale Hochzeit" wird die Nicht-Heterosexualität einiger Protagonisten mit erfrischender Beiläufigkeit behandelt.


Nicht viel anders als in Wanne-Eickel: Rex heiratet seinen langjährigen Partner Leopold
  • Von Maximilian Schäffer
    29. August 2020, 03:54h, noch kein Kommentar

Auch für queere Menschen besonders angenehm am neuen Comic des Autors und Illustrators Thomas Wellmann ist die erfrischende Beiläufigkeit, mit der die Nicht-Heterosexualität seiner Protagonisten behandelt wird. Dass des Außerirdischen Pimos bester Freund Rex seinen Lebensgefährten Leo heiratet, hat weder für deren freundschaftliche Beziehung noch für irgendwelche anderen Umstände im Raum-Zeit-Kontinuum der Alienwelt Tieferes zu bedeuten.

Die Hochzeit an sich läuft in gewohnt bürgerlichen Bahnen, es gibt sogar eine Art religiöse Zeremonie zur Festigung des Bandes der beiden männlichen Fantasiekreaturen. Familienmitglieder streiten und saufen, setzen sich mit ganz vertrauten Gegensätzlichkeiten auseinander. Geschlechter(stereotype) bleiben dabei bestehen, es gibt eindeutig Männer und Frauen innerhalb der verschiedenen Spezies. Ihnen haften dem Menschen entsprechende Charakteristika an – Bizeps oder Busen sind auch bei ein- oder dreiäugigen Wesen mit unzähligen Armen auszumachen.

Ein hübsch gezeichnetes, actionreiches Buch


"Pimo & Rex -Die interdimensionale Hochzeit" ist im Rotopol Verlag erschienen

Abseits der erfrischend selbstverständlichen Ehe für alle im Weltall ist "Pimo & Rex – Die interdimensionale Hochzeit" ein hübsch gezeichnetes, actionreiches Buch, das sich bequem in ein bis zwei ambitionierten Abenden durchblättern lässt. Stilistisch lehnt sich Wellmann an die zur Zeit sehr populäre Fernsehserie "Adventure Time an". Alles ist bunt und psychedelisch, die Figuren ufern geometrisch gerne aus, haben allzu oft Tentakel, Ecken, Kanten und Rüssel gleichzeitig. Kampfszenen werden traditionell mit "Paff" und "Bumm" und "Brzzzz" verschriftlicht, Sprech- und Denkblasen verknüpfen derartige Geschehnisse mit der Narration.

Schwer zu verstehen ist dennoch die größere, das Familienfest umschließende Geschichte, man könnte sie "Epos" oder "Sage" nennen, die der Autor zu konstruieren versucht. Das mag daran liegen, dass es sich um die Fortsetzung des 2013 erschienenen, schlicht "Pimo & Rex" betitelten Erstlingswerks handelt, welches ebenso im Kasseler Verlag Rotopol erschien.

Heiterer Diskurs über Liebe, Unsicherheit und Heldenmut

Ohne diesen thematischen Einstieg in die Welt der knuffigen, absurden Vielzeller in ihrer knuffigen, absurden Welt bleibt dem Leser ein heiterer Diskurs zum Thema Liebe, Unsicherheit und Heldenmut. Der schwule Rex ist schließlich einer der begabtesten Magier seiner Dynastie, sein Mann Leo ein Nachkomme stolzer Ritter und Soldaten.

Pimo hingegen ist einsamer Erfolgsautor, der in einem einsamen Turm im einsamen Meer wohnt, die schöne Margret verehrt und mit dem Druck vom Verlag nicht zurecht kommt. Alles ganz normale Themen ganz normaler Außerirdischer – Menschliches, Allzumenschliches aus der x-ten Dimension.

Direktlink | Video-Interview mit Thomas Wellmann zu seinem Comic

Infos zum Buch

Thomas Wellmann: Pimo & Rex und die interdimensionale Hochzeit. Comic. Hardcover. 112 Seiten. 27,5 x 20,5 cm. Rotopol Verlag. Kassel 2020. 25 €. ISBN: 978-3-94030-490-2