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Comic

Anekdoten aus dem lesbischen Alltag

Schmunzeln garantiert: Diane Obomsawins Comicbuch "Ich begehre Frauen", nach sechs Jahren endlich ins Deutsche übersetzt, bietet auf 80 Seiten wunderbar trockenen lesbischen Humor.


Eine kurze Leseprobe aus "Ich begehre Frauen"

  • Von Maximilian Schäffer
    29. August 2020, 04:00h, noch kein Kommentar

Bereits 2014 kam Diane Obomsawins Comicbuch "J'aime les filles" in ihrer Heimat Kanada auf den Markt, 2016 verarbeitete sie es zu dem preisgekrönten Kurzfilm "I Like Girls". Gut sechs Jahre nach Erstveröffentlichung liegt nun eine deutsche Fassung namens "Ich begehre Frauen" vor, übersetzt aus dem Französischen von Christoph Schuler und erschienen im Schweizer Verlag Edition Moderne.

Auf gut 80 Seiten erzählen darin verschiedene junge Frauen von ihren Erfahrungen mit dem lesbischen Coming-out und Alltag. Dabei wirken die kleinen Erzählungen stets unverkrampft und authentisch, lassen Spielraum für humorvolle Ereignislosigkeit innerhalb der Episoden. Mitunter geht es derart trocken zu, dass man sich als Leser stellenweise zurecht fragt, woraus sich das Mitteilungsbedürfnis der soeben vergangenen Seiten überhaupt speiste.

Einschnürende Sexualmoral und schwitzige Szenelokale


"Ich begehre Frauen" ist im Schweizer Verlag Edition Moderne erschienen

Die Antwort darauf muss bei genauerer Betrachtung genauso trivial ausfallen wie der Titel des Buchs: Um das Begehren zu Frauen geht es und sonst nichts. Das bedarf nunmal keiner besonderen Aufregung und Reflexion, Homosexualität existiert einfach natürlich vor sich hin und ist, wie alleits bekannt, nur so aufregend und andersartig wie sie von der Gesellschaft gemacht wird, in der sie existiert.

Dennoch lebt die gemeine Lesbe nicht im luftleeren Raum, sie begegnet mitunter Hindernissen, die sie überwinden muss, um ein würdevolles Leben führen zu können. Auch davon handeln Obomsawins heitere Zeichnungen und Texte: einschnürende Sexualmoral in Internatsschulen, streng religiöse Elternhäuser und schwitzige Szenelokale. Oft scheinen die Erfahrungen eher dem 20. Jahrhundert entnommen, auch die Sprache der 1959 geborenen Autorin wirkt manchmal etwas altbacken.

Ein Buch zum Schmunzeln

Grafisch lehnen sich die reduzierten Schwarz-Weiß-Bilder an Zeitungs-Cartoons der Achtzigerjahre an. Die anthropomorphen Frauschweinebären mit Schnuten und Schlappohren erinnern in ihrer stilistischen Ausführung an Scott Adams und dessen Bürohelden Dilbert.

"Ich begehre Frauen" ist ein recht kurzes Lesevergnügen, über das gut geschmunzelt werden kann. Kein ausuferndes Buch, kein spektakuläres, dafür aber auch kein dummes und schon gar kein hässliches. Es erscheint als hübsches Hardcover in grauem Einband und lässt sich besonders der offensichtlichen Zielgruppe bedenkenlos zum Geburts-, Hochzeits- oder Internationalen Frauenkampftag schenken.

Infos zum Buch

Diane Obomsawin: Ich begehre Frauen. Comic. Aus dem Französischen von Christoph Schuler. 80 Seiten. Hardcover mit irisierendem Papier. Edition Moderne. Zürich 2020. 24 €. ISBN 978-3-03731-203-2