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Event-Blog

Das queerfilmfestival geht online weiter

Am Sonntag ging das queerfilmfestival nach fünf aufregenden Tagen zu Ende. Viele Vorstellungen waren ausverkauft. Das Online-Angebot wird bis zum 16. September verlängert.

Vom 2. bis 6. September 2020 zeigt das queerfilmfestival wieder die besten queeren Filme des Jahres – diesmal in elf Städten: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Leipzig, Magdeburg, München, Nürnberg, Stuttgart und Wien.

"Trotz der mit Covid-19 verbundenen Einschränkungen haben wir uns entschieden, dass das queerfilmfestival 2020 in die Kinos gehört", erklärte die Edition Salzgeber als Veranstalterin. "Dies ist eine bewusste Entscheidung für das Kino als richtiger Ort für unsere Filme und auch der Wunsch der Filmemacher*innen und ihrer Teams, die oft jahrelang an den Filmen gearbeitet haben. Wir glauben, dass der gemeinsame Kinobesuch ein ganz besonderes und einzigartiges Erlebnis ist, das gerade jetzt für uns und die Filme wichtiger denn je ist."

Das diesjährige Motto "Uns gehört die Welt!" hat das Festival Banafshe aus dem Eröffnungsfilm "Futur Drei" zu verdanken. "Wir verbinden damit Lebenslust, Lebenshunger und einen hohen Anspruch an unser Selbstverständnis und unsere Selbstverantwortung", so die Edition Salzgeber. "Das queere Filmschaffen hat unsere Emanzipationsgeschichte begleitet und im Idealfall auch vorangetrieben. Dies sind auch die Leitlinien unseres diesjährigen Programms: Nichts ist perfekt, vieles bleibt zu tun, aber es liegt an uns, neugierig und offen zu sein und unsere Welt zu gestalten."

queer.de begleitet das queerfilmfestival mit einem täglichen Event-Blog.


Live-Ticker (abgeschlossen, chronologisch)

08.09., 06:03h

Erfolgreicher Abschluss & verlängertes Angebot


Szene aus "Die Starken" (Bild: Edition Salzgeber)

Am Sonntag ging das queerfilmfestival 2020 mit dem Abschlussfilm "Der Prinz" nach fünf aufregenden Tagen zu Ende. Trotz der besonderen Umstände war das Festival ein großer Erfolg: Viele Vorführungen in den elf Festivalstädten waren ausverkauft. In einigen der 15 beteiligten Kinos mussten sogar Zusatzvorführungen angesetzt werden. Und auch das parallele Streaming-Programm erfreute sich großer Beliebtheit. Aufgrund der großen Nachfrage verlängert das queerfilmfestival sein Online-Angebot bis zum 16. September.

Hier stehen sechs Video-on-Demand-Premieren zur Verfügung: die musikdurchflutete Komödie "Benjamin" des gefeierten Comedians Simon Amstell, der französische Erotik-Klassiker "Gleichung mit einem Unbekannten" von Dietrich de Velsa, das queerfeministische Rachedrama "Herz aus Dynamit" von Camila Urrutia, das einfühlsame Roadmovie "Lola und das Meer" von Laurent Micheli, das XPOSED-Kurzfilmprogramm und das melancholische Liebesdrama "Die Starken" von Omar Zúñiga.


Szene aus "Lola und das Meer" (Bild: Edition Salzgeber)

Darüber hinaus gibt es auch die zwölf Filme der Retro "New York, New York" weiterhin zu sehen. So etwa "Becks" von Elizabeth Rohrbaugh und Daniel Powell. Darin ist New York der Ort, den die Protagonistin Becks nach der schmerzhaften Trennung von ihrer Freundin hinter sich zu lassen versucht, indem sie zurück in ihre Heimatstadt St. Louis geht. Inspirieren ließ sich das Regie-Duo vom Leben der US-amerikanischen Singer/Songwriterin Alyssa Robbins, von der auch die meisten der bittersüßen Liebeslieder im Film stammen.


Szene aus "Becks" (Bild: Edition Salzgeber)

Ebenfalls in der Retro: "Keep the Lights On" von Ira Sachs: eine Hommage an die queere Kultur New Yorks, getaucht in warme Farben und explizit in der Darstellung von Sex und Drogensucht, aber auch von Zärtlichkeit und Nähe. In der "Wolke" auf der Festivalhomepage findet sich ein Zoom-Gespräch mit Sachs über die Bedeutung und den Wandel New Yorks als queerer Lebensraum.

06.09., 07:40h

Befreiungsversuche & Gemeinschaften


Szene aus "Eine total normale Familie" (Bild: Edition Salzgeber)

Auch der letzte Tag des queerfilmfestivals hat drei Filme im Angebot: die dänische Tragikomödie "Eine total normale Familie", das US-Coming-of-Age-Drama "Minjan" und den im Chile des Jahres 1970 spielenden Gefängnisfilm "Der Prinz".

In "Eine total normale Familie" verarbeitet die Drehbuchautorin und Regisseurin Malou Reymann eigene Erfahrungen und zeichnet mit viel Feingefühl und leisem Humor das Porträt einer Familie, die sich von heteronormativen Vorstellungen lösen muss, um eine gemeinsame Zukunft zu haben. Die 11-jährige Emma hat immer gedacht, dass ihre Familie wie alle anderen ist – bis ihr Papa Thomas sich eines Morgens als trans outet und erklärt, dass er von nun an als Frau leben möchte. Während aus Thomas nach und nach die elegant gekleidete Agnete wird, verändert sich auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter.

Vimeo / queerfilmfestival | Trailer zu "Eine total normale Familie"

In Eric Steels Regiedebüt "Minjan" muss ein jüdischer Teenager im Brooklyn der Mittachtziger zu sich selbst finden. David stammt aus einer russischen Einwandererfamilie und nimmt als guter Sohn regelmäßig an den Gottesdiensten seiner jüdischen Gemeinde teil, um das Quorum zu erreichen. Doch als Junge, der auf andere Jungs steht, fühlt er sich von den strengen Regeln seiner Community mehr und mehr eingeengt. Ausgerechnet die Nachbarn seines Großvaters, ein älteres schwules Paar, lassen ihn die Möglichkeiten von homosexueller Liebe erahnen – aber auch die plötzliche Vergänglichkeit allen Lebens. Und so beginnt David, sein Begehren in den Bars und Clubs des East Village zu erkunden. In einem Videointerview auf der Festival-Homepage geht Steel darauf ein, wie er vom sexuellen Erwachen, vom Bruch mit tradierten Werten und von einem Glaubenskonflikt erzählt.


Szene aus "Minjan" (Bild: Edition Salzgeber)

"Der Prinz" von Sebastián Muñoz basiert auf Mario Cruz' berüchtigtem Pulp-Roman, der parallel zum Film erstmals in deutscher Übersetzung erscheint, und zeichnet ein faszinierendes Porträt Chiles kurz vor dem Amtsantritt Salvador Allendes. Mit pulsierenden Bildern fängt der Film eine schwule Beziehung an einem brutalen Ort – dem Gefängnis – ein, der zugleich besondere sexuelle Freiheiten bietet. Denn als der 20-jährige Jaime in einer Gruppenzelle landet, wird der gefürchtete Potro, den alle nur "den Hengst" nennen, zu Jaimes Beschützer. Die "schwarze Liebe" zwischen den beiden erfordert von Jaime Loyalität und sexuelle Unterordnung und erfüllt zugleich dessen Bedürfnis nach Zuneigung und Zugehörigkeit.


Szene aus "Der Prinz" (Bild: Edition Salzgeber)

Unter den sechs Online-Premieren, die das queerfilmfestival zeigt, befindet sich die musikdurchflutete Komödie "Benjamin", die das Filmdebüt des gefeierten Comedians Simon Amstell ist. Darin hat der titelgebende Protagonist sieben Jahre an einem autobiografischen Drama über Liebe und Einsamkeit gearbeitet, in dem er selbst die Hauptrolle spielt. Am Vorabend der Premiere lernt er in einer Bar den charismatischen französischen Sänger Noah kennen und fühlt sich wie magisch zu ihm hingezogen. Doch ist Benjamin gerade jetzt, wo seine Karriere auf der Kippe steht, bereit für die wahre Liebe? Als Paar glänzen Colin Morgan ("Merlin") und Phénix Brossard ("Departure"). In einem Zoom-Gespräch im "Wolke"-Bereich der Festival-Homepage geht Amstell u.a. auf die großartige Chemie zwischen den beiden ein.

Vimeo / queerfilmfestival | Trailer zu "Benjamin"

Schräg wird es in "Die Florence Foster Jenkins Story", der als einer von zwölf Filmen in der Retro "New York, New York" als Video-on-Demand angeboten wird. Opernstar Joyce DiDonato spielt darin die schlechteste Sängerin aller Zeiten: Florence Foster Jenkins. Obwohl die selbsternannte Operndiva überhaupt nicht singen kann, macht sie im New York der 1920er Jahre in ausgefallenen Kostümen und mit hemmungsloser Hingabe unaufhaltsam Karriere. Sie wird von Fans verehrt und bricht 1944 mit ihrem legendären Auftritt in der Carnegie Hall alle Verkaufsrekorde. Ralf Pleger erzählt die unglaubliche Geschichte der "Königin der Dissonanzen" in einer Mischung aus Drama und Dokumentarfilm.

05.09., 07:07h

Liebeskämpfe & Coming of Age


Szene aus "Moffie" (Bild: Edition Salzgeber)

Heute werden auf dem queerfilmfestival gleich drei Filme gezeigt: Der vielschichtige Dokumentarfilm "Im Stillen laut", die New Yorker Coming-of-Age-Komödie "Adam" und das Liebes- und Kriegsdrama "Moffie".

Die Filmemacherin Therese Koppe porträtiert in "Im Stillen laut" Erika und Tine – beide 81 Jahre alt und seit über 40 Jahren ein Paar. Zusammen leben und arbeiten sie auf dem Kunsthof Lietzen in Brandenburg und blicken auf ein bewegtes Stück gemeinsame Geschichte zurück. Es geht um selbst geschaffene Freiräume in der DDR, um Liebe im Alter und die Frage, wie man sich und seinen Idealen treu bleiben kann. Hier gibt es eine Video-Botschaft der beiden Protagonistinnen.


Szene aus "Im Stillen laut" (Bild: Edition Salzgeber)

Mit "Adam" von "Transparent"-Regisseur Rhys Ernst geht es in die queere Szene von Brooklyn. Der 16-jährige Titelheld besucht seine lesbische Schwester in New York und hat große Erwartungen: Er will sich das erste Mal verlieben oder zumindest endlich Sex haben. Auf einer queeren Party funkt es zwischen ihm und der Studentin Gillian. Doch die glaubt, dass er ein trans Mann ist. Und Adam traut sich einfach nicht, das Missverständnis aufzuklären... Zur tollen Besetzung des Films gehören Margaret Qualley ("Once Upon a Time in Hollywood") und Mj Rodriguez ("Pose").


Szene aus "Adam" (Bild: Edition Salzgeber)

Oliver Hermanus' authentisches Soldatendrama "Moffie" ist im Südafrika des Jahres 1981 angesiedelt, zur Zeit der Apartheid. Wie alle weißen jungen Männer muss auch Nicholas Van der Swart seinen zweijährigen Militärdienst leisten, um das Regime vor der Bedrohung durch den Kommunismus und die "Schwarze Gefahr" zu verteidigen. Dass Nicholas schwul ist, darf niemand wissen, denn wer in der Truppe als "moffie" erkannt ist, wird brutal schikaniert und gequält. Doch dann verliebt sich Nicholas in seinen Kameraden Dylan. In epischer Bildsprache zeigt der Film, wie das Apartheid-Regime neben all seinen rassistischen Gräueltaten auch unzählige weiße junge Männer körperlich und physisch zugrunde gerichtet hat – durch das staatliche Verlangen, Homosexuelle und alle anderen "Abweichler" aus der südafrikanischen Gesellschaft zu beseitigen. In einem "Wolke"-Beitrag auf der Festival-Homepage finden sich spannende Blicke hinter die Kulissen.

Vimeo / queerfilmfestival | Offizieller Trailer zu "Moffie"

Neben fünf weiteren Filmen kann Camila Urrutias queerfeministisches Rachedrama "Herz aus Dynamit" im Rahmen des Festivals gestreamt werden. Die Regisseurin befasst sich in ihrem Spielfilmdebüt mit sexualisierter Gewalt und sozialer Ungerechtigkeit, die in ihrer Heimat Guatemala weit verbreitet sind. Im Zentrum stehen die Freundinnen Claudia und María, die nach einem Abend auf dem Rummel brutal von drei Männern angegriffen werden. Claudia will weit weg und mit María ein neues Leben beginnen. Doch María hat einen anderen Plan: Sie will Vergeltung.


Szene aus "Herz aus Dynamit" (Bild: Edition Salzgeber)

In der Retro "New York, New York", in der zwölf Filme als Video-on-Demand angeboten werden, läuft mit Damon Cardasis' "Saturday Church" ein queerer Festivalhit, der u.a. in San Francisco, Los Angeles und Melbourne ausgezeichnet wurde. Die 14-jährige Hauptfigur Ulysses lebt in der Bronx und hat gerade den Vater verloren. Als seine strenggläubige Tante beobachtet, wie Ulysses heimlich High Heels und Nylons anprobiert, wirft sie ihn aus dem Haus. Er flüchtet zu einer Gemeinschaft von queeren Jugendlichen und trans Sexworkerinnen, die sich einmal pro Woche in einer nahegelegenen Kirche trifft. Hier kann er endlich so sein, wie er möchte.

04.09., 11:54h

Skandinavischer Abend


Szene aus "Baby Jane" (Bild: Edition Salzgeber)

Nach Ausflügen in die deutsche Provinz ("Neubau") und ins historische Russland ("Bohnenstange") am Donnerstagabend stehen heute zwei Filme aus dem skandinavischen Raum auf dem Programm des queerfilmfestivals: die lesbische Romanverfilmung "Baby Jane" und das schwule Beziehungs- und Trennungsdrama "Are We Lost Forever".

In Katja Gauriloffs rauem Liebesfilm "Baby Jane" zieht die Protagonistin Jonna zum Studium nach Helsinki und taucht dort voller Abenteuerlust in das pulsierende Nachtleben ein. In einer queeren Bar lernt sie Piki kennen – und ist sofort fasziniert von der geheimnisvollen Frau mit der dunklen Stimme. Piki eröffnet Jonna ein ganzes Universum neuer Erfahrungen. Doch die stürmische Beziehung des Paars verläuft auch entlang von Abgründen. In den Hauptrollen glänzen Shootingstar Roosa Söderholm und die Sängerin Maria Ylipää.

Vimeo / queerfilmfestival | Offizieller Trailer zu "Baby Jane"

In "Are We Lost Forever" erzählt der schwedische Regisseur David Färdmar einfühlsam und authentisch von den Scherben einer zerbrochenen Beziehung und der leisen Hoffnung auf einen Neuanfang. Während Hampus nach der Trennung von Adrian vor allem Erleichterung empfindet, da er zu oft von seinem Ex verletzt und enttäuscht wurde, weiß Adrian nicht, wie er ohne Hampus weiterleben soll. Selbst als beide neue Partner finden, kann Adrian seine große Liebe nicht vergessen. Auf der Festival-Homepage im Bereich "Wolke" beantwortet Färdmar per Videointerview vier Fragen zu seinem Film.


Szene aus "Are We Lost Forever" (Bild: Edition Salzgeber)

Zu den sechs Filmen, die seit Festivalstart gestreamt werden können, zählt der französische Kunstporno "Gleichung mit einem Unbekannten" von Dietrich de Velsa (alias Francis Savel) aus dem Jahre 1980 in restaurierter Fassung. Nachdem er jahrzehntelang nicht mehr zu sehen war, wurde der explizite und sinnliche Film wiederentdeckt von dem "Messer im Herz"-Regisseur Yann Gonzalez (auch hierzu gibt es einen "Wolke"-Beitrag). Ein Mann cruist darin mit seinem Motorrad durch Paris. Heimlich beobachtet er zwei Fußballspieler in einer Umkleidekabine beim Sex. Er driftet von einer Gruppenorgie zur nächsten. Und Realität und Traum verschwimmen.


Szene aus "Gleichung mit einem Unbekannten" (Bild: Edition Salzgeber)

Auch in "Bizarre", der in der Retro "New York, New York" neben elf anderen Filmen als Video-on-Demand-Angebot zur Verfügung steht, geht es um einen Drifter. Aus dem Nichts taucht der junge Franzose Maurice plötzlich in Brooklyn auf. Er streift ziellos durch die Straßen, bis er Kim kennenlernt, die mit ihrer Freundin Betty das "Bizarre" betreibt. Und so taucht Maurice ein in die verrückte, verruchte Burlesque-Welt des Clubs mit dessen Sexshows und freizügigen Angeboten.

03.09., 12:07h

Erfolgreicher Auftakt und neue Festival-Lieblinge aus Deutschland und Russland


Szene aus "Bohnenstange" (Bild: Edition Salzgeber)

Gestern Abend eröffnete das preisgekrönte Coming-of-Age-Drama "Futur Drei" das queerfilmfestival – und war in fast allen der elf Städte ausverkauft! Faraz Shariats pop-affines Regiedebüt wurde vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Dem folgte ein kraftvoller Tanz von Fionn Whitehead und Leyna Bloom in Danielle Lessovitz' urbanem Liebesfilm "Port Authority".


Szene aus "Futur Drei" (Bild: Edition Salzgeber)

Voller queerer Energie und Lebenslust setzt sich das Programm heute fort: In "Neubau" erzählen Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale und Regisseur Johannes M. Schmit von einem jungen Mann in der sommerlichen Uckermark, der sich mit einem dezidiert nicht-normativen Lebensentwurf von konservativen Sexualitäts- und Geschlechtervorstellungen befreit. Der queere Heimatfilm, der als unabhängige Produktion in einem Künstler_innen-Kollektiv entstand und eine "Neue Selbstverständlichkeit" zeigt, wurde mit dem Max Ophüls Preis 2020 ausgezeichnet.


Szene aus "Neubau" (Bild: Edition Salzgeber)

Das historische Drama "Bohnenstange" des Regie-Wunderkindes Kantemir Balagov wurde wiederum u.a. in Cannes prämiert. Angesiedelt in Leningrad 1945, zeigt der Film nicht nur niederschmetternd eindrücklich den Schrecken des Krieges aus weiblicher Perspektive, sondern schildert auch eine der ungewöhnlichsten nicht-heterosexuellen Liebesgeschichten des Jahres.

Vimeo / queerfilmfestival | Offizieller Trailer zu "Bohnenstange"

Online können weiterhin sechs Filme des Hauptprogramms gestreamt werden. So etwa das Roadmovie-Drama "Lola und das Meer" von Laurent Micheli. Die 18-jährige Titelheldin hat gerade ihre Mutter verloren. Ihr Vater Philippe sorgt dafür, dass sie die Trauerfeier verpasst. Vor zwei Jahren hat er den Kontakt zu ihr abgebrochen, weil er das Trans-Outing "seines Sohns" nicht akzeptieren konnte. Doch Lola ist entschlossen, ihrer Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen und an der belgischen Küste beizusetzen – und zwar mit Philippe zusammen.


Szene aus "Lola und das Meer" (Bild: Edition Salzgeber)

In der Retro "New York, New York", die ebenfalls als Video-on-Demand-Angebot zur Verfügung steht, gibt es den doppelbödigen Sundance-Hit "Concussion" von Stacie Passon zu entdecken. Darin stößt die 42-jährige Abby – Ehefrau einer erfolgreichen Anwältin, Mutter zweier Kinder und Freundin anderer Vorort-Hausfrauen – durch Zufall auf einen Sexdienst von Frauen für Frauen, bei dem sie unerwartet von einer Kundin zu einer Anbieterin wird.

02.09., 12:01h

Festivaleröffnung in elf Städten und Preisregen aus L.A.


Szene aus "Futur Drei" (Bild: Edition Salzgeber)

Heute beginnt endlich das queerfilmfestival in elf Städten – mit dem diesjährigen Teddy-Gewinner "Futur Drei" als Eröffnungsfilm und dem Liebesdrama "Port Authority", das in der New Yorker Ballroom-Community spielt und in Cannes seine Premiere feierte.

In seinem autobiografischen Regiedebüt "Futur Drei" erzählt Faraz Shariat, Jahrgang 1994, authentisch und zugleich wundersam überhöht vom queeren Heranwachsen des Einwanderersohns Parvis im provinziellen Hildesheim. Der Film ist ein mitreißendes Plädoyer für mehr Diversität und ein entschlossener Gegenentwurf zu konventionellem deutschen Kino. Neben zwei Teddys (Bester Spielfilm, Leser*innen-Preis von queer.de) erhielt "Futur Drei", der von der Presse schon als "aktivistisches Popcornkino" gefeiert wurde, den First Steps Award 2019 als Bester Spielfilm; das junge Darsteller*innen-Ensemble (Banafshe Hourmazdi, Eidin Jalali, Benjamin Radjaipour) wurde mit dem Götz-George-Nachwuchspreis geehrt.


Szene aus "Port Authority" (Bild: Edition Salzgeber)

Danielle Lessovitz' "Port Authority" mit Shootingstar Fionn Whitehead ("Dunkirk") und Queer-Ikone Leyna Bloom führt uns in die gegenwärtige queere Subkultur New Yorks. Der gerade am titelgebenden Busbahnhof eingetroffene Protagonist Paul lässt sich von der schönen und eleganten Wye in die Ballroom-Community und zu ihrer Wahlfamilie mitnehmen. Als er realisiert, dass Wye trans ist, muss er seine eigenen Vorstellungen von Identität und Geschlecht hinterfragen – und eine Entscheidung treffen.

Weitere queere Filme gibt es nun auch online zu entdecken: 6 der 18 Filme des Festival-Hauptprogramms können ab sofort hier gestreamt werden. So etwa der melancholische schwule Liebesfilm "Die Starken" von Omar Zúñiga, der an der rauen Küste eines abgelegenen Fischerdorfs im Süden Chiles spielt. Dort begegnet der Architekturstudent Lucas dem attraktiven Hafenarbeiter Antonio. Damit die Beziehung der beiden introvertierten jungen Männer eine Chance hat, müssen sie über sich hinauswachsen.


Szene aus "Die Starken" (Bild: Edition Salzgeber)

Beim OutFest 2020 in Los Angeles erhielt "Die Starken" gerade den Grand Jury Prize als Bester internationaler Spielfilm und den Audience Award. Ebenso wurden Faraz Shariat und Paulina Lorenz für ihr Drehbuch zu "Futur Drei" mit dem Grand Jury Prize prämiert. Und Eric Steels vielschichtiges Regiedebüt "Minjan", das am Sonntag auf dem Festival läuft, bekam den Grand Jury Prize als Bester US-Spielfilm.


Szene aus "Jamie und Jessie sind nicht zusammen" (Bild: Edition Salzgeber)

Auch die zwölf Filme der Retro "New York, New York" können jetzt als Video on Demand gesehen werden. Mit dabei: die lesbische Rom-Com "Jamie und Jessie sind nicht zusammen" von Wendy Jo Carlton. Darin will die in Chicago lebende Jamie endlich ihre Schauspielkarriere in New York in Angriff nehmen – doch ihre Mitbewohnerin Jessie kriegt Panik, weil sie glaubt, dass sie in Jamie verliebt ist.

01.09., 12:06h

Queeres deutsches Kino


Szene aus "Neubau" (Bild: Edition Salzgeber)

Morgen geht's los mit dem queerfilmfestival! Bis es so weit ist, gibt es auf der Homepage im Bereich "Wolke" weitere tolle Extras.

Die Hamburger Regisseurin Monika Treut, Veteranin des queeren Low-Budget-Films, ging nach ihrem bahnbrechenden Debüt "Verführung: Die grausame Frau" (1985) Mitte der 1980er Jahre in die USA, wo sie mit "Die Jungfrauenmaschine" (1988), "My Father Is Coming" (1991) und "Gendernauts" (1999) weitere Schlüsselfilme des nicht-heterosexuellen Kinos drehte. Für das queerfilmfestival erinnert sie sich an ihre Zeit in New York – und gleicht ihre eigenen Erfahrungen mit den Filmen der Retro "New York, New York" ab, u.a. mit Arthur J. Bessans Aids-Drama "Buddies" (1985).


Szene aus "Im Stillen laut" (Bild: Edition Salzgeber)

Gleich drei Filme des Festival-Hauptprogramms kommen aus Deutschland. Therese Koppe porträtiert in ihrem Dokumentarfilm "Im Stillen laut" die beiden 81-jährigen Künstlerinnen Erika Stürmer-Alex und Christine Müller-Stosch, die auf dem Kunsthof Lietzen in Brandenburg zusammen als Paar alt geworden sind. Faraz Shariat erzählt in "Futur Drei" die Geschichte eines Teenagers, der als Sohn von aus dem Iran stammenden Eltern in Hildesheim aufwächst und sich in einen Geflüchteten verliebt. "Neubau" von und mit Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale ist ein queerer Heimatfilm über einen jungen Mann, der in der Uckermark lebt und kurz vor seinem Umzug nach Berlin steht – oder auch nicht.


Szene aus "Futur Drei" (Bild: Edition Salzgeber)

So unterschiedlich die Filme auf den ersten Blick auch sein mögen, gibt es doch große Gemeinsamkeiten: Alle drei sind in Kollektiven entstanden oder handeln davon, erzählen von Zugehörigkeit und Gemeinschaft – und liefern entschlossene Gegenentwürfe zu einem konventionellen, nicht-heterosexuellen, nicht-diversen Kino. Christian Weber hat mit Koppe, Shariat und Royale zum Online-Panel eingeladen und mit ihnen über Heimat, postmigrantische Erzählperspektiven und die Provinz als queeren Lebensraum gesprochen.

31.08., 15:15h

Grüße aus New York, London und Santiago


Szene aus "Keep the Lights On" (Bild: Christophe Husson)

Zwei Tage vor dem offiziellen Festivalbeginn sind auf der Homepage weitere spannende Extras hinzugekommen. So führt Andreas Struck ein ausführliches Zoom-Gespräch mit dem US-Regisseur Ira Sachs. Dieser gehört zu den profiliertesten Indie-Filmemachern über das New York von heute und der vergangenen 25 Jahre. Zwei seiner Filme – der tieftraurige schwule Liebesfilm "Keep the Lights On" (2011) und der feinfühlige Coming-of-Age-Film "Little Men" (2016) – sind Teil der Festival-Retro "New York, New York". Mit Andreas Struck spricht er über sein eigenes Werk, andere Filme der Retro und über New York als sich ständig wandelnder queerer Lebensraum.


Szene aus "Benjamin" (Bild: Edition Salzgeber)

Ebenfalls via Zoom unterhält sich Andreas Köhnemann mit dem britischen Comedian Simon Amstell, dessen erster Spielfilm "Benjamin" als Teil des Hauptprogramms ab dem 2. September online angesehen werden kann. Der Regisseur und Drehbuchautor hat sich von den eigenen schmerzlichen Versuchen, Liebe zu finden, inspirieren lassen. Im Interview spricht er über die Balance zwischen Komik und Tragik und wie man eine authentische (Liebes-)Geschichte auf die Leinwand bringen kann.


Szene aus "Die Starken" (Bild: Edition Salzgeber)

Omar Zúñiga, der Drehbuchautor und Regisseur von "Die Starken" beantwortet Fragen per Video – wie er den magischen Drehort seines ersten Spielfilms und seine beiden beeindruckenden Hauptdarsteller gefunden hat, was es mit dem Titel seines Liebesdramas auf sich hat und welche Filme ihm als Inspiration dienten.

30.08., 04:26h

Online-Interviews mit Filmschaffenden


Szene aus ""Are We Lost Forever" (Bild: Edition Salzgeber)

Kurz vor dem Festivalstart gibt es auf der Homepage im Bereich "Wolke" weitere Extras zu den Filmen des Programms zu entdecken. So beantwortet der schwedische Drehbuchautor und Regisseur David Färdmar, dessen schwules Beziehungs- und Trennungsdrama "Are We Lost Forever" zum Festival-Hauptprogramm gehört, per Videointerview vier Fragen zu seinem Film. Dabei geht er u.a. auf seine Inspirationen ein – und gesteht seine Liebe zur deutsch-französischen Popsängerin Sandra.

Der New Yorker Filmemacher Eric Steel schildert in einem weiteren Videointerview, wie sein Coming-of-Age-Drama "Minjan" entstanden ist. Er erzählt darin vom sexuellen Erwachen eines jüdisch-russischen Jugendlichen im Brooklyn des Jahres 1986.


Szene aus "Im Stillen laut" (Bild: Edition Salzgeber)

Die 81-jährigen Künstlerinnen Erika Stürmer-Alex und Christine Müller-Stosch, die von Therese Koppe im Dokumentarfilm "Im Stillen laut" porträtiert werden, haben sich derweil für das queerfilmfestival noch einmal an den Küchentisch gesetzt, um eine hinreißende filmische Grußbotschaft zu schicken.

29.08., 06:08h

Viele Extras auf der Festival-Homepage


Szene aus "Gleichung mit einem Unbekannten" (Bild: Edition Salzgeber)

Spannende Zusatzinhalte wie Interviews und Panels mit den Macher*innen der Festivalfilme finden sich auf queerfilmfestival.net in der sogenannten "Wolke", die ständig aktualisiert wird.

Hierzu zählt etwa eine Liebeserklärung des Regisseurs Yann Gonzalez an den jahrzehntelang verschollenen französischen Kunstporno "Gleichung mit einem Unbekannten" (1980), der als restaurierte Fassung Teil des Festival-Hauptprogramms ist und online (wieder-)entdeckt werden kann.

Ein weiterer Bonus-Schatz in der "Wolke" ist der Kurzfilm "My Name Is Love" (2013) von David Färdmar, dessen schwules Beziehungsdrama "Are We Lost Forever" im Hauptprogramm läuft. Der mehrfach ausgezeichnete 20-Minüter aus dem Jahr 2008 wurde auf 70 Festivals gezeigt; zur Besetzung zählt die spätere Oscar-Preisträgerin Alicia Vikander ("The Danish Girl").


Szene aus "Bohnenstange" (Bild: eksystent Filmverleih)

Darüber hinaus gibt es auch noch Blicke hinter die Kulissen des südafrikanischen Dramas "Moffie", Interviews zur queeren Großstadtkomödie "Adam" und Q&As mit Kantemir Balagov, dem Regisseur des preisgekrönten russischen Soldatinnen-Dramas "Bohnenstange".

Wöchentliche Umfrage

» Wo schaust du dir Filme am liebsten an?
    Ergebnis der Umfrage vom 31.08.2020 bis 07.09.2020


#1 mactorProfil
  • 31.08.2020, 15:22hBerlin
  • Warum macht man sowas nicht auch online?

    Warum muss man heute noch wegen Filmvorführungen ins Kino?

    Zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten....
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#2 PetterAnonym
#3 bäääAnonym
  • 01.09.2020, 15:25h
  • Antwort auf #2 von Petter
  • Warum immer sofort draufhauen? Er hat doch gefragt, warum nicht "auch"(!) online angeboten wird. Niemand verlangt, dass keiner ins Kino gehen darf. Aber Hauptsache, erst mal draufhauen
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#4 TuckDavisProfil
  • 01.09.2020, 19:51hBad Kreuznach
  • Einige Filme sind ja dieses Jahr als Download schaubar. Als jemand, der in "der Provinz" wohnt, finde ich es auch schade, dass es nicht für alle Filme diese Option gibt, allerdings ist mir auch klar, dass es für Kinos dann unter Umständen nicht mehr wirtschaftlich wäre.

    So muss ich also darauf verzichten z.B. Future 3 zu sehen - aufgrund meines beruflichen Pensums kann ich nicht 2 Stunden Autofahrt auf mich nehmen zu der nächsten Stadt in deren Kino der Film läuft mal davon ab, dass ich hinterher wieder 2 Stunden zurück fahren müsste. Andere Filme sind wie gesagt, dieses Jahr per Stream erhältlich, wofür ich dankbar bin.
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#5 Prima4Anonym
  • 02.09.2020, 12:26h
  • Antwort auf #1 von mactor
  • Weil in vielen Verträgen festgeschrieben steht das ein Film erst im Kino laufen muss....

    Weil die Rechte für die online Verwertung bereits an einen anderen Anbieter verkauft wurden, vllt einzeln, vllt als Teil eines Pakets...

    Weil Filme nicht zwangsläufig mit Fertigstellung veröffentlicht werden sonden das Studio die Veröffentlichungen so timed das sie das ganze Jahr über neue Ware liefern können...
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