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Matt Bishop: "Ich war der einzige Schwule in der Formel 1"
Ein Pilot nannte ihn "fette Schwuchtel". In einem Interview spricht der Ex-Kommunikationschef von McLaren über Homophobie im Motorsport, seine Zusammenarbeit mit Lewis Hamilton und seinen ersten Roman.

Im Motorsport einst "the only gay in the village": Matt Bishop war u.a. Redakteur des Magazins "F1 Racing" und von 2007 bis 2017 Kommunikationschef bei McLaren (Bild: McLaren)
- 30. August 2020, 06:58h 3 Min.
In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung "Kurier" (Paywall-Artikel) hat der britische Fachjournalist Matt Bishop ausführlich über Homosexualität in der Formel 1 gesprochen. "Ich war tatsächlich der einzige Schwule in dieser kleinen Welt", sagte der 57-Jährige, der in den Neunzigerjahren für das Magazin "F1 Racing" tätig und von 2007 bis 2017 Kommunikationschef bei McLaren war. Aktuell ist er Kommunikationsdirektor der Frauen-Rennserie "W Series".
"Prinzipiell waren alle sehr freundlich zu mir, was womöglich daran lag, dass ich einen angesehenen Job hatte", meinte Bishop in dem Interview. Allerdings sei er auch schwulenfeindlich beleidigt worden. "Ich hörte von einem Piloten, dass er mich fette Schwuchtel nannte", so der Engländer. "Ich konnte und wollte faktisch nicht mit ihm diskutieren, immerhin war ich nicht schlank. Und ich war schwul. Was ich tat, war, dass ich mit ihm über Höflichkeit sprach."
"Rennsport ist nicht nur etwas für Heterosexuelle"
Er habe ihm nicht geschadet, dass er mit seinem Schwulsein offen umgegangen sei, sagte Bishop. "Abgesehen davon konnte mir ohnehin niemand erklären, warum die Liebe zum Rennsport und zu Autos nur etwas für Heterosexuelle sein soll." In den letzten 25 Jahren sei die Formel 1 auch etwas offener geworden: "Immer mehr Menschen mit unterschiedlichen Neigungen und Vorlieben kommen in den Motorsport. Wir sehen viele Homosexuelle in den Pressezentren oder in Marketing- und PR-Jobs. Leider sehen wir noch nicht viele unter den Ingenieuren und Mechanikern."
Als einen Grund für die Angst vorm Coming-out sieht er die "Macho-Attitüde" im Rennsport. "Zwei Mechaniker teilen sich bei den Rennen ein Hotelzimmer. Viele sehen darin ein großes Problem." Bei jungen Fahrern erlebe er dagegen eine große Offenheit. "Es gibt überhaupt keine Probleme oder Unsicherheiten. Der jetzige Haas-Pilot Kevin Magnussen war beispielsweise Gast bei meiner Hochzeit."
Der Schwarze und der Schwule

Lewis Hamilton und Matt Bishop am Rande eines Rennens (Bild: Troubador)
Mit dem schwarzen Rennfahrer Lewis Hamilton, an dessen Seite er fünf Jahre arbeitete, habe er sich sehr verbunden gefühlt, so Bishop. "Er fragte mich: Wie oft kommt dir der Satz 'Ich bin ein weißer Mann' in den Sinn? Ich antwortete: Niemals, Lewis. Aber an den Satz 'Ich bin schwul' denke ich täglich", berichtete der einstige PR-Chef von einer Unterhaltung im Flugzeug. "Er erwiderte: Genauso geht es mir mit 'Ich bin schwarz'."
Genau deshalb fühle er sich der Black-Lives-Matter-Bewegung verbunden, sagte der Engländer. "Einige Leuten kritisieren, dass nicht nur schwarze Leben zählen, sondern jedes Leben. Das stimmt natürlich. Aber der Grund, warum wir auf die Leben der Schwarzen derzeit besonders hinweisen, ist, dass es nicht immer für alle klar ist, dass schwarze und weiße Leben gleich viel wert sind."
Romandebüt "The Boy Made the Difference"
Anfang des Monats veröffentlichte Matt Bishop mit "The Boy Made the Difference" (Amazon-Affiliate-Link ) seinen ersten Roman, in dem es nicht um die Formel 1, sondern um schwules Leben zu Beginn der Aidskrise geht. "Es war eine harte Zeit. Damals galt eine HIV-Diagnose als Todesurteil. Ich war es gewohnt, zu vielen Begräbnissen von jungen Menschen zu gehen", sagte der 57-Jährige dem "Kurier". Junge Menschen wüssten nur noch wenig darüber, wie es schwulen Männer Ende der Achziger- und Anfang der Neunzigerjahre ergangen sei. "Mir war wichtig, dass dies nicht in Vergessenheit gerät." (cw)
/ TheBishF1My new novel, #TheBoyMadeTheDifference, is now available on #Kindle as well as in paperback. All proceeds from sales will go to @CLIC_Sargent, the children's cancer charity. You can buy it in either format here. Please do. Oh & here's a nice little video. https://t.co/dHhBGAbzzO pic.twitter.com/tqOD0bGlOV
Matt Bishop (@TheBishF1) August 20, 2020
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"Immer mehr Menschen mit unterschiedlichen Neigungen und Vorlieben kommen in den Motorsport. Wir sehen viele Homosexuelle in den Pressezentren oder in Marketing- und PR-Jobs."