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Interview

Wo bleibt die Queerness in Cartoons, Elias Hauck?

In kaum einem anderen Kunstbereich spielen LGBTI-Themen eine so geringe Rolle wie in Cartoons. Woran liegt das, wollten wir von dem schwulen Zeichner des bekannten Duos Hauck & Bauer wissen.


Bisweilen greifen Hauck & Bauer auch queere Themen auf.

Elias Hauck und Dominik Bauer alias Hauck & Bauer gehören zu den erfolgreichsten Cartoonisten hierzulande. "Am Rande der Gesellschaft" erscheint seit 2003 in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", in der "Titanic" oder auf Spiegel Online sind sie gleichfalls oft zu finden. Bisweilen greifen H&B auch queere Themen auf.

Hauck & Bauer, beide Jahrgang 1978, kennen sich seit gemeinsamen Schultagen in der unterfränkischen Provinz. In Berlin avancierte Elias (der Zeichner) zunächst zum gern gesehenen Kellner in der "Heilen Welt", mit dem sogar Isa Genzken einst gerne plauderte. Sein unqueerer Kumpel Dominik (der Texter) verdingte sich als Werbeprofi in Frankfurt.

Ab 1. Oktober ist den beiden eine Ausstellung im Caricatura-Museum Frankfurt gewidmet, bei der Anke Engelke die Laudatio halten wird. Ein guter Anlass für ein Gespräch mit Elias Hauck, fand unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.


Elias Hauck (li.) und Dominik Bauer (Foto: Hans-Jörg Pochmann)

Elias, du trägst den Mittelnamen von Walt Elias Disney. Kann deine Mutter heute schmunzeln über deine Knollennasen?

Mein Name, da muss ich dich und mich leider enttäuschen, kommt leider nicht von dem Erfinder der Micky Maus, sondern entstammt peinlicherweise einem Reggae-Lied, in dem sämtliche Propheten angerufen werden. So auch eben "Elijah". Meine Mutter hatte in den Siebzigerjahren eben eine große "Reggae-Phase". Aber stolz wie bolle ist sie natürlich auf meine und unsere Veröffentlichungen, ja!

Und die Mutter von Dominik ist wahrscheinlich sogar im Besitz der größten H&B-Sammmlung der Welt. Einiges davon wird man ja auch schon bald tatsächlich im Museum sehen können.

Was gefällt dir an Ralf König, was findest du ungut?

Seine Comics kenne und schätze ich natürlich schon seit Jahren, umso verrückter ist es dann, ihm berufsbedingt, also auf professioneller Ebene, zu begegnen. Vor einiger Zeit habe ich für die Talkshow "Ringlstetter" im Bayerischen Rundfunk einen kurzen Trickfilm über Ralf König gemacht, und als er dann zu Gast in der Sendung war, da hat er mir als freundlichen Gruß sozusagen den Fuckfinger in die Kamera gehalten. Das fand ich gut!

Ungut finde ich vielleicht seinen Riesen-Output, ich bin nämlich jedesmal neidisch, wenn ich auf Facebook sehe, was der alles an Arbeit wegschafft. Ich bin ja beruflich eher der faule Typ. Cartoonisten sind wie Comiczeichner, nur tausendmal fauler. Richtet das bitte euren Lesern so von mir aus!


Hauck & Bauer bringen die Haltung der Katholischen Kirche auf den Punkt

In kaum einem anderen Kunstbereich spielen queere Themen eine so geringe Rolle wie in Cartoons, woran liegt das? Gibt es unter "Strichern" eine so große Angst vorm Coming-out wie im Profi-Fußball?

Mir fällt tatsächlich kein einziger Kollege ein, der auch gay ist. Außer Max Goldt natürlich, der sich zwar nicht in erster Linie als Cartoonist bezeichnen würde, aber immerhin die Texte für die "Katz & Goldt"-Comics schreibt. Da kommen zwar immer wieder mal Gay-Charaktere vor, aber die werden auch naturgemäß als Witzfiguren dargestellt, Komik lebt eben von der Verknappung, da bleibt für ausgeleuchtete Nuancen keine Zeit. Die würden dem Witz nur entgegenstehen. Der Witz muss einfach schnell da sein! Queere Themen lassen sich wohl besser auf der Langstrecke behandeln.

Ihr habt immerhin ein paar Cartoons mit queerem Inhalt. Gab es da besondere Reaktionen?

Leider nicht. Dabei hatten wir sogar mal in einer Münchner Galerie zusammen mit Rudi Hurzlmeier und Rattelschneck eine Ausstellung mit dem Titel "Homoeheprobleme und ähnlicher Scheiß". Mit dem Titel haben wir, glaube ich, sämtliche Zielgruppen vergrault.

Warum verweigert ihr euren Figuren in den Sprechblasen die Gendersternchen?

Also, verweigern würde ich nicht sagen, das klingt ja so, als wollten wir uns absichtlich gegen eine wichtige Debatte positionieren. Schwierige Frage! Einfache Antwort vielleicht: Da in Sprechblasen die direkte Ansprache steht, entgehen wir so natürlich leicht diesem Dilemma.


Eine Regenbogenfamilie von Hauck & Bauer

Fürchten eure Freunde bisweilen, sich als Cartoon-Vorlagen wiederzufinden?

Ja, die Freundschaft zu Humorschaffenden fordert sicher einen robusten Charakter. Ich kenne aber auch wiederum Leute, die richtiggehend beleidigt sind, wenn sie oder ein vermeintlich witziger Spruch von ihnen eben nicht in unseren Arbeiten auftauchen. Ein ganz wichtiger Grundsatz von Dominik ist aber, dass eben keine Freunde oder Bekannte auftauchen, nicht einmal ihre Namen, auch nicht in abgeänderter Form. Wir sind extrem diskret und professionell, und das schätzen unsere Freunde auch an uns.

Welches sind deine liebsten queeren Comic-Helden?

Ich kenne peinlicherweise keine einzige queere Comicfigur. Gilt Gundel Gaukeley?

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#1 PanBlanAnonym
#2 GundelAnonym
  • 30.08.2020, 14:53h
  • Antwort auf #1 von PanBlan
  • ja stimmt! aber er behandelt die themen ja von aussen, ich habe die frage so verstanden, welche LGBT zeichner es überhaupt gibt ...

    bestgruß
    EH

    PS und das verdienst von ralph ruthe in allen ehren, aber in titanic hat er bisher nicht veröffentlicht, das wüsste ich aber *hust*
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#3 PanBlanAnonym