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Bergisch Gladbach
Jens Spahn als "schwule Sau" beschimpft
Corona-Leugner haben den Gesundheitsminister bei einem Wahlkampfauftritt bespuckt und wegen seiner sexuellen Orientierung attackiert.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird in der derzeit aufgeheizten Atmosphäre auch wegen seiner Homosexualität attackiert (Bild: BMG)
- 31. August 2020, 10:02h 2 Min.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wollte am Samstag bei einem Wahlkampfauftritt im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach mit Gegner*innen seiner Politik diskutieren – und musste sich üble, teils homophobe Beschimpfungen anhören. Wie Videos zeigen, versuchte der Christdemokrat, auf Gegendemonstrant*innen zuzugehen, um mit ihnen zu diskutieren. Ein Gespräch kam aber nicht zustande, weil Spahn von Umstehenden lautstark als "Penner" oder "Wichser" beschimpft wurde – wiederholt ist er auch als "schwule Sau" angeschrien worden. Daraufhin fuhr der Minister in seinem Dienstwagen davon. Die Polizei teilte am Montag laut WDR mit, dass Anzeige gegen einen 39-jährigen Bergisch-Gladbacher gestellt worden sei, der den Minister homosexuellenfeindlich beleidigt habe.
/ DanielC_BILDde | In diesem Video sind auch "Schwule Sau"-Rufe zu hörenIch ziehe meinen Hut vor @jensspahn der hier zeigt, was Demokraten ausmacht. pic.twitter.com/1TXd8K92Bf
Daniel Cremer (@DanielC_BILDde) August 30, 2020
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Gegenüber der "Rheinischen Post" sagte Spahn am Wochenende auch, dass er aus den Reihen der Demonstrantinnen und Demonstranten bespuckt worden sei. Dazu lägen aber bislang keine Erkenntnisse vor, so die Kreispolizei am Montag.
Spahn: Dialog funktioniert nur, "wenn beide Seiten bereit sind, zuzuhören"
Spahn verteidigte seinen Versuch, mit dem grölenden Mob ins Gespräch zu kommen, denn Diskussionen gehörten zur Demokratie. Dies funktioniere aber nur, "wenn beide Seiten bereit sind zuzuhören", so Spahn. "Aber wenn geschrien, gespuckt und gepöbelt wird, geht's halt leider nicht."
/ jensspahn | Jens Spahn ruft zum Zusammenhalt aufMiteinander diskutieren, das ist Demokratie. Brüllen und beleidigen ist es nicht. Eine kleine Gruppe mag laut sein. Die große Mehrheit der Bürger hält trotz mancher Härten in der Krise zusammen & hilft mit. Das macht uns stark. Achten wir einander & geben weiter aufeinander Acht!
Jens Spahn (@jensspahn) August 31, 2020
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Derzeit reist Spahn oft durch sein Heimatbundesland, da dort in zwei Wochen Kommunalwahlen stattfinden. In Bergisch Gladbach wollte er seinen Parteifreund Christian Buchen im Wahlkampf unterstützen. Bereits bei Spahn-Auftritten am letzten Montag war es zu Zwischenfällen gekommen. So ermittelt die Polizei in Wuppertal gegen einen Mann und eine Frau, die den Dienstwagen Spahns blockiert haben sollen.
/ HeikoMaas | Auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) kritisiert, wie mit Spahn umgegangen wurdeWie Jens #Spahn angeschrien und angespuckt wird, ist unsäglich. Wer für sich in Anspruch nimmt, für Freiheit zu demonstrieren, sollte anderen auch die Freiheit lassen, sich zu erklären. So ein Umgang geht gar nicht. DemokratInnen kämpfen mit Argumenten, nicht mit Beleidigungen.
Heiko Maas (@HeikoMaas) August 31, 2020
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Spahn, der gegenwärtig einzige offen schwule Bundesminister, steht derzeit als Gesundheitsminister wegen der Corona-Politik der Bundesregierung in der Kritik. In sozialen Netzwerken empörten sich in den letzten Monaten auch Homo-Hasser*innen, weil sich Spahn erfolgreich für die Einführung eines Teil-Verbots von "Konversionstherapien" einsetzte und zuletzt Bewegung beim Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer andeutete. (dk)















