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Rückgabe von Menschenrechtspreis

Rowling warnt vor "radikaler Trans-Rechte-Bewegung"

Die "Harry Potter"-Autorin gibt aus Trotz einen Preis der amerikanischen Kennedy-Präsidentenfamilie zurück. Grund: Kerry Kennedy hatte die Transphobie Rowlings kritisiert.


J.K. Rowling zieht gerne über trans Menschen her – sie wehrt sich aber gleichzeitig verbissen gegen Vorwürfe, transphob zu sein (Bild: Daniel Ogren / flickr)

Erneut sucht J.K. Rowling die Eskalation im Streit um ihre transphoben Äußerungen: Die britische Schriftstellerin hat am Donnerstag vor der angeblich aktiven "radikalen Trans-Rechte-Bewegung" gewarnt und einen Menschenrechtspreis der gemeinnützigen Organisation "Robert F. Kennedy Human Rights" (RFKHR) zurückgegeben. Die Organisation erinnert an den Bruder von US-Präsident John F. Kennedy, der im Jahr 1968 während des Vorwahlkampfes einem Attentat zum Opfer gefallen war.

Die 55-jährige Rowling hatte vergangenen Dezember für ihren angeblichen Einsatz für Menschenrechte und Gleichbehandlung die "Ripple of Hope"-Auszeichnung bei einer Galaveranstaltung in New York City überreicht bekommen. Sie befindet sich damit in illustrer Gesellschaft: Bisherige Preisträger sind Barack Obama, Erzbischof Desmond Tutu, Bono, Hillary Rodham Clinton, George Clooney, Harry Belafonte, Tim Cook, Tony Bennett und Robert de Niro.

Direktlink | Im Dezember hatte Rowling den "Ripple of Hope"-Preis erhalten

Rowling empörte sich über ein Anfang des Monats von RFHKR-Präsidentin Kerry Kennedy veröffentlichtes Schreiben, in dem die Erfinderin des "Harry Potter"-Franchise wegen "besorgniserregender transphober Tweets und Aussagen" kritisiert wird. Die 60-jährige Kerry Kennedy ist Tochter von Robert F. Kennedy und Ex-Frau von New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.

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Rowling: Habe "Mitgefühl" für Menschen mit "Geschlechtsidentitätsstörung"

Empört widersprach Rowling auf ihrer Homepage: "Die Mitteilung hat zu Unrecht angedeutet, dass ich transphob bin und verantwortlich dafür, dass trans Menschen geschädigt werden." Sie hasse trans Personen nicht und habe viel Geld für LGBTI-Organisationen gespendet. "Ich habe nichts als Mitgefühl für jene, die mit einer Geschlechtsidentitätsstörung leben", behauptete Rowling. (Der Begriff "Geschlechtsidentitätsstörung" wird von trans Aktivist*innen oft als beleidigend kritisiert und wird von vielen Ärzteverbänden bereits nicht mehr genutzt.) Gleichzeitig beklagte Rowling, dass medizinisches Personal heutzutage zu "freizügig" sei, Transsexualität zu diagnostizieren.

Ferner bezichtigte Rowling Organisationen, die sich für die Gleichbehandlung von trans Menschen einsetzen, Teil einer "radikalen Trans-Rechte-Bewegung" zu sein, die Frauenrechte schwächten. Wörtlich schrieb die Autorin: "Die RFKHR hat behauptet, dass es keinen Konflikt zwischen der augenblicklichen radikalen Trans-Rechte-Bewegung und den Rechten von Frauen gibt". Dieser angebliche Konflikt zwischen transsexuellen und cissexuellen Frauen könne aber nur durch eine nuanciertere Debatte gelöst werden, forderte die britische Schriftstellerin

Rowling vertritt Positionen von sogenannten "trans-exclusionary radical feminists" (TERF), also Feministinnen und Feministen, die trans Rechte ablehnen. Diese sind auch in der Homosexuellenbewegung aktiv. In Rowlings Heimatland wurde etwa erst vergangenes Jahr mit der LGB Alliance eine Organisation gegründet, die Homosexuellenrechte befürwortet, aber Rechte für trans Menschen ablehnt (queer.de berichtete).

Selbst "Harry Potter" stellt sich gegen Rowling

J.K. Rowling sorgt bereits seit längerem mit gegen trans Menschen gerichteten Äußerungen und Thesen für Aufregung – etwa mit der Behauptung, dass trans Frauen keine echten Frauen seien (queer.de berichtete). Dafür wurde sie heftig kritisiert, unter anderem auch von Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe (queer.de berichtete). LGBTI-Aktivisten kritisierten, es sei verwerflich von der Autorin, sich mit trans Menschen ausgerechnet eine besonders gefährdete Gruppe als mutmaßliches Hassobjekt auszusuchen. So litten geschlechtliche Minderheiten mehr als andere Mitglieder der LGBTI-Community unter Ausgrenzung, was sehr häufig zu Depressionen und sogar zu Selbstmorversuchen führe.

Rowling sieht sich hingegen als Opfer: Zum Höhepunkt der Kritik Anfang Juli wurde ein von J.K. Rowling und mehr als 100 anderen Prominenten unterzeichneter "Offener Brief" veröffentlicht, in dem beklagt wird, dass man heutzutage so gut wie nichts Kontroverses mehr sagen könne, ohne dass es "Rufe nach sofortiger Vergeltung" gebe. Auch trans Aktivistin Jennifer Finney Boylan hatte diesen Brief unterzeichnet, später aber ihre Unterschrift mit Blick auf Rowling bedauert. Daraufhin machte sich die "Harry Potter"-Autorin auf Twitter über die trans Frau lustig (queer.de berichtete). (dk)



#1 FashionistaEhemaliges Profil
  • 31.08.2020, 14:04h
  • Die Alte verbeißt sich ja in das Thema, wie ein Terrier in das Hosenbein eines Postboten. Wer dieselben Rechte für sich einfordert, die für alle anderen gelten, ist also ab jetzt "radikal", aha. Ich finde, wer seine Popularität missbraucht, um Minderheiten auszugrenzen und zu stigmatisieren ist mehr als radikal, sie/er ist ein Faschist.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Kritiker_in
  • 31.08.2020, 14:12h
  • "Der Begriff "Geschlechtsidentitätsstörung" wird von trans Aktivist*innen oft als beleidigend kritisiert":

    Kein Wunder: er IST beleidigend. Er erklärt Betroffene für "gestört".

    Leider findet er im ICD-10 noch Anwendung. So heißt es unter F64.- "Störungen der Geschlechtsidentität" - "F64.0 Transsexualismus: Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher."

    tinyurl.com/y5bha9yr

    Was zusätzlich auffällt, sind darüber hinaus 2 Dinge:

    "des anderen Geschlechtes" - die mittlerweile völlig überholte Sichtweise, es gebe nur genau 2 Geschlechter - das "eine" und das "andere"

    "Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht" - aha. Also ist das anatomische Geschlecht, das der Person bei Geburt durch kurzen Blick auf die Genitalien zugewiesen wurde, nach dieser Sicht das "eigene" - alles andere ist eben eine Abweichung, eine "Störung".

    Für die Zukunft soll gelten:
    "In der 11. Version des ICD wurde bereits 2019 die Diagnose Störungen der Geschlechtsidentität ersetzt durch die Fachbezeichnung geschlechtsspezifische Abweichung (gender incongruence); ICD-11 tritt aber erst ab 1. Januar 2022 in Kraft. Auch ist die Diagnose nicht mehr als psychische Störung eingeordnet, sondern als Zustandsform der sexuellen Gesundheit (condition of sexual health)."

    de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtsidentit%C3%A4tsst%C3%B6rung
    #ICD-11


    ...was zumindest eine Abmilderung bedeutet.

    "Bereits im Jahr 2013 ersetzte die Amerikanische psychiatrische Gesellschaft (APA) in ihrem Handbuch DSM-5 die Diagnose gender identity disorder durch gender dysphoria (Geschlechtsdysphorie). Transgender-Personen gelten nach dem DSM nicht als gestört, ebenso nichtbinäre oder genderfluide (gender nonconforming) oder schwule oder lesbische Personen."
    (Quelle: gleicher Link wie soeben, Wikipedia)

    Dass zumindest noch bis zum 1.1.22 im offiziellen Verzeichnis der Krankheiten davon ausgegangen wird, dass wir "gestört" sind und völlig negiert wird, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt sowie dass das SELBST EMPFUNDENE Geschlecht das wahre "eigene" ist und nicht das durch einen kurzen Blick bei der Geburt zugewiesene, öffnet natürlich einer Diskriminierung und Abwertung von Trans-, NB und queeren Menschen Tür und Tor. Und das wird sich auch nicht zum 1.1.22 schlagartig in den Köpfen ändern.

    Das kann uns nicht zufriedenstellen, und wir dürfen uns Aussagen, dass wir "gestört" seien, auch nicht mehr bieten lassen, sondern müssen klar dagegen aufbegehren.
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#3 Ralph
  • 31.08.2020, 14:26h
  • Antwort auf #2 von Kritiker_in
  • Da kann ich Dir (man staune) durchaus zustimmen. Schon die Aussage, dass das Geschlecht über die Anatomie vermittelt werde, ist schlicht falsch. Welchem Geschlecht jemand angehört, sagt ihm sein Bewusstsein, nicht irgendein Körperteil. Falls man also tatsächlich von einer Störung ausgehen will, dann ist das keine psychische oder geistige, sondern eine körperliche. Überhaupt: Allein das Wort "gestört" sollte schon nicht mehr benutzt werden, ist es doch eine beliebte Umschreibung für "bekloppt". Frau Rowling gehört offensichtlich zu den Ewiggestrigen, die 2020 versuchen, ein ihnen unbegreifliches Phänomen mit Begrifflichkeiten und Erklärungsversuchen von 1980 zu fassen. Das ist -und hier passt das Wort- gestört.
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#4 Anonyma
  • 31.08.2020, 15:00h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • "Überhaupt: Allein das Wort "gestört" sollte schon nicht mehr benutzt werden, ist es doch eine beliebte Umschreibung für "bekloppt"."

    Kleine Anekdote am Rande: Das Wörtchen "gestört" hat seinen Ursprung in einer großen "Entstigmatisierungskampagne" der Psychiatrie, die es als entstigmatisierend betrachtete, den Begriff "psychische Krankheit" durch den "wertneutraleren" Begriff "psychische Störung" zu ersetzen. Der supermegatolle Effekt dieser "Entstigmatisierungskampagne" ist offensichtlich: Heute stehen uns nun sowohl "krank" als auch "gestört" als beliebte Umschreibungen für "bekloppt" zur Verfügung... :-) Diese drollige kleine Groteske zeigt auch sehr schön, was von der aktuellen Begriffsklauberei der Psychiatrie beim Thema Trans zu halten ist: gar nichts. "Geschlechtsdysphorie" und "Geschlechtsinkongruenz" sind einfach nur euphemistische Synonyme für "Geschlechtsidentitätsstörung" und werden vor allem in der deutschen Sexualpsychiatrie auch exakt genau so verwendet.
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#5 Svetlana LAnonym
  • 31.08.2020, 15:20h
  • Antwort auf #1 von Fashionista
  • > Die Alte verbeißt sich ja in das Thema, wie ein
    > Terrier in das Hosenbein eines Postboten.

    Das ist wahrscheinlich der Wunsch ein mal im Monat in den Medien präsent zu sein.
    Gut, dass sie den Preis zurückgegeben hat. Entweder man setzt sich für Menschenrechte ein oder nicht. Wer Menschenrechte nur für eine bestimmte Gruppe fordert und diese für andere ablehnt hat das Prinzip von Menschenrechten nicht verstanden.
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#6 mactorProfil
  • 31.08.2020, 15:27hBerlin
  • Das sind doch alles nur Privatmeinungen?

    Wen interessiert denn die Meinung einer Fantasie-Schriftstellerin oder gar eines Schauspielers zu diesem Thema?

    Jeder kann doch Privat denken und schreiben was er will. So wirr und falsch es doch ist.

    Sie gibt einen Preis zurück? Na und. Haben andere auch schon gemacht. Passt doch.
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#7 FinnAnonym
  • 31.08.2020, 16:42h
  • Ein weiterer trauriger Beleg dafür, wie große Probleme manche Ex-Promis damit haben, wenn der Erfolg plötzlich abbricht.

    Denn nach den Potter-Büchern hat die nur noch Flops geschrieben. Das kann sie wohl nicht verknausern und wird jetzt eine verbitterte Frau, die über alles motzen muss.
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#8 lunarAnonym
  • 31.08.2020, 16:43h
  • Antwort auf #6 von mactor
  • Wenn sie ihre "Privatmeinung" jedoch auf einer Plattform mit Millionen Followern veröffentlicht, ist das ganze nicht mehr so privat.

    Sie weiß als Autorin schon ziemlich gut, was sie schreiben und sagen kann und welche Wirkung das erzielt. Das ganze als Privatmeinung abzutun ist etwas kurzsichtig, denn natürlich haben ihre Worte deutlich mehr Gewicht
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#9 FinnAnonym
  • 31.08.2020, 16:43h
  • Antwort auf #6 von mactor
  • Das ist genau deshalb relevant, weil solche Leute immer noch ihre Fans haben und viel Einfluss genießen.

    Manche Leute setzen geschäftlichen Erfolg mit Weisheit gleich und glauben alles, was solche Leute losblubbern...
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#10 Julian SAnonym
  • 31.08.2020, 16:48h
  • Antwort auf #6 von mactor
  • Und wenn Leute offen zu Gewalt aufrufen ohne selbst gewalttätig zu werden, ist das dann auch akzeptable Privatmeinung?

    Und auch die Aussagen von Frau Rowling können manchen Idioten die Rechtfertigung für ihre Gewalttaten liefern. Deshalb sind diese Aussagen brandgefährlich...
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