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Offener Brief von Wissenschaftler*innen

Pauschales Trans-Verbot im Rugby-Sport ist "unwissenschaftlich"

Sportorganisationen wie der Rugby-Weltverband wollen trans Frauen aus ihren Teams verbannen. Dutzende Wissenschaftler*innen warnen nun vor derartigen Verboten.


Frauen-Rugby soll ein exklusiver Sport für cissexuelle Frauen werden (Bild: K.M. Klemencic / flickr)

  • 2. September 2020, 14:42h, noch kein Kommentar

84 führende britische Wissenschaftler*innen stellen sich nach einem Bericht des "Guardian" gegen den pauschalen Ausschluss von trans Frauen aus Rugby-Mannschaften. Es gebe keine wissenschaftlichen Nachweise dafür, dass trans Frauen ein Gesundheitsrisiko für andere Spielerinnen darstellten, so die Forschenden aus Bereichen wie Sportwissenschaften oder Soziologie in einem gemeinsamen Brief.

Hintergrund ist die Ankündigung des globalen Rugby-Dachverbandes "World Rugby", trans Frauen wegen ihrer Geschlechtsidentität vollständig aus den Wettbewerben verbannen zu wollen. Der Grund: Es gebe ein "20 bis 30 Prozent höheres Risiko" von Verletzungen, wenn eine cissexuelle Sportlerin von einer trans Sportlerin während des Spiels attackiert wird (queer.de berichtete).

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"Wir sind gegen das vorgeschlagene Verbot von 'World Rugby', das eine gesamte Bevölkerungsgruppe vom Frauen-Rugby ausschließt: nicht-binäre Menschen, die bei Geburt für Männer gehalten wurde, sowie transgender Frauen", heißt es in dem Brief. "Es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen mit Peer-Review, um ein Verbot zu rechtfertigen, das trans oder geschlechterdiverse Menschen schädigen würde."

Die Wissenschaftler*innen wiesen auch darauf hin, dass dieses Verbot viele Menschen treffen könnte – immerhin erklärten in einer Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC 3,4 Prozent der US-Oberschüler*innen, sie seien trans, geschlechterdivers oder "nicht sicher" über ihre Geschlechtsidentität. Ein Verbot einer solch großen Gruppe müsse aber auf wissenschaftlichen Tatsachen beruhen und auch mit trans Athlet*innen abgesprochen werden.

Transphobie als politisches Programm

Laut "World Rugby" basiert das geplante Trans-Verbot jedoch auf wissenschaftlichen Daten. Allerdings wird die Anti-Trans-Haltung auch politisch beeinflusst, insbesondere in den USA: Dort schüren die Republikaner von Präsident Donald Trump gerade die Angst vor trans Menschen, um Konservative an die Wahlurnen zu locken (queer.de berichtete). Eine entsprechende Angstkampagne hatte bereits 2004 den damaligen Präsidenten George W. Bush zur Wiederwahl verholfen – damals waren die Feinde allerdings nicht trans Menschen, sondern Schwule und Lesben.

Die transphobe Atmosphäre hat auch Auswirkungen auf die britische Regierung unter dem Populisten Boris Johnson: Sie nahm nach erheblichem Widerstand im Juni Abstand davon, die gesetzliche Diskriminierung von trans Menschen wie zunächst geplant abzubauen.

Auch manche Mitglieder der homosexuellen Community unterstützen die transphobe Kampagne: So sprach sich die lesbische Tennis-Ikone Martina Navratilova Anfang August dafür aus, trans Mädchen aus dem Schul- und Unisport zu verbannen (queer.de berichtete). (dk)