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Die Homophobie des HC Strache
Ibiza-Video: "Niemand hier mag Homosexuelle"
Neue Details aus dem sogenannten Ibiza-Video zeigen, dass Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache aus seiner Abneigung gegenüber Schwulen und Lesben kein Geheimnis macht – und gen Osten schielt.

Gregor Tatschl / flickr) Der frühere Politstar HC Strache ist nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos tief gefallen (Bild:
- 2. September 2020, 15:43h 3 Min.
Die Wiener Tageszeitung "Kurier" hat Abschriften aus dem im Mai 2019 aufgenommenen Ibiza-Video veröffentlicht, in dem auch die Homophobie der Beteiligten zum Ausdruck kommt. So sei man sich gleich zu Beginn des Treffens einig gewesen, dass von den Anwesenden "niemand hier Homosexuelle mag", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Dieser konkrete Satz stamme vom ebenfalls anwesenden Detektiv Julian H.
Bei dem Treffen auf der spanischen Urlaubsinsel waren als prominenteste Vertreter der damalige FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache und der damalige FPÖ-Fraktionschef Johann Gudenus anwesend gewesen. Das Video hatte vergangenes Jahr für einen Riesenskandal in der Alpenrepublik gesorgt und das Ende der Regierung von christsozialer ÖVP und rechtspopulistischer FPÖ besiegelt. Inzwischen koaliert die ÖVP mit den Grünen (queer.de berichtete). In dem Video, von dem bislang nur vier Minuten veröffentlicht worden sind, war zu sehen, wie Strache mit einer vermeintlichen russischen Investorin über möglicherweise illegale Parteispenden und andere Formen der Einflussnahme spricht.
Strache: "Ich will so eine Rolle wie Orbán"
Der "Kurier" konnte nun offenbar das gesamte siebenstündige Video einsehen und veröffentlichte einige weitere Details – etwa, dass sich Strache Richtung Osten orientieren wollte. Als Vorbild nannte er den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der sein Land mit harter Hand regiert und offen homophob ist (queer.de berichtete). "Ich will so eine Rolle wie Orbán", wird Strache zitiert. Sein damaliger Parteifreund Gudenus antwortete: "Der Orbán rockt das Land." Strache lobte insbesondere die Medienlandschaft in Ungarn – das Land steht international in der Kritik, weil das Orbán-Regime den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf Regierungskurs gebracht hat und regimekritische Medien zur Schließung zwang.

European People's Party / flickr) Ministerpräsidenten Viktor Orbán ist ein Vorbild für Strache (Bild:
Gegen "dekadente westliche EU"
Strache ergänzte, er wolle Österreich in die "Visegrád-Gruppe" führen. Der Gruppe gehören derzeit die eher autoritären EU-Länder Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn an. So könne man ein "Gegengewicht zu dieser dekadenten westlichen EU" sein.
In dem Video macht Strache auch aus seiner Bewunderung für den serbischen Parlamentsabgeordneten und Homo-Hasser Dragan Marković kein Geheimnis ("geilen Typ"). Marković war 2011 wegen diskriminierender Äußerungen gegen Homosexuelle von einem Gericht verurteilt worden (queer.de berichtete). Letztes Jahr sorgte der sozialdemokratische Wiener Bürgermeister für einen Skandal, als er Marković eine Ehrenmedaille überreichte (queer.de berichtete).
Homosexualität für Strache eine "Krankheit"
Die negative Haltung Straches zu Schwulen und Lesben ist kein Geheimnis: In seiner Zeit als FPÖ-Chef bezeichnete er Homosexualität als "Krankheit" oder warf Homo-Aktivist*innen vor, die "Pädophilen-Lobby" zu unterstützen.
Inzwischen ist Strache aus der FPÖ ausgeschlossen worden und hat seine eigene Partei gegründet – diese trägt den Namen "Team HC Strache – Allianz für Österreich". Bislang verfügt die Partei aber nur über vier Mandate im Wiener Landtag, alle Mandate stammen von FPÖ-Überläufern. Laut Umfragen liegt die neue Partei um vier Prozent – also genau auf der Höhe der gegenwärtigen Sperrklausel für den Einzug in den Nationalrat. (dk)
