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Kommentar

Je länger nur geredet wird, desto weniger Safe Spaces werden überleben

Der weichgespülte Appell der Hirschfeld-Stiftung an Politik, Verwaltung und Gesellschaft, mit der queeren Community "einen nachhaltigen öffentlichen Dialog zu führen", kommt viel zu spät und droht zu verpuffen.


Eine queere Institution kämpft ums Überleben: Das Berliner SchwuZ ist seit 174 Tagen geschlossen (Bild: SchwuZ)

Vor fast genau neun Jahren beschloss die Bundesregierung die Errichtung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. "Bürgerferner schwarz-gelber Murks", ätzte damals – etwas voreilig – der Grünen-Politiker Volker Beck. Unter Führung des überparteilichen, aber stets parteiischen LGBTI-Aktivisten Jörg Litwinschuh mauserte sich die kleine Stiftung zu einer wichtigen Institution, die zurecht Anerkennung sowohl in der queeren Community als auch der Mehrheitsgesellschaft erfährt.

Natürlich ist der queere Marsch durch die Institutionen nach fast einem Jahrzehnt etwas ins Stocken geraten, der große Elan der Anfangsjahre scheint dahin. Je größer die Hirschfeld-Stiftung wurde, desto mehr beschäftigte sie sich vor allem mit sich selbst. Um so erfreulicher, dass sie sich nach vielen eher ruhigen Monaten mit dem Appell "COVID-19 und die Auswirkungen auf die LSBTIQ*-Community" in der Öffentlichkeit zurückgemeldet hat.

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Kein einziges Wort zur kommerziellen queeren Szene

Doch wer eine klare Analyse und einen lauten Weckruf erwartet, wird enttäuscht. Der kaum konkrete Appell der Bundesstiftung fällt weit zurück hinter die Papiere, die queere Aktivist*innen von SPD, Grünen und Linken bereits vor Monaten veröffentlicht haben. Kein einziges Wort verlieren die Hirschfelds zu kommerziellen queeren Freiräumen wie Bars, Clubs und Saunen, die weiterhin ums Überleben kämpfen. Das drohende Ende queerer (Print-)Medien ist ebenso wenig Thema wie die absolut prekäre Situation queerer Sexarbeiter*innen und Kulturschaffender.

Der weichgespülte Aufruf an Politik, Verwaltung und Gesellschaft, mit der queeren Community "einen nachhaltigen öffentlichen Dialog zu führen", kommt viel zu spät und droht zu verpuffen. Um tatsächlich etwas zu erreichen, müsste sich die Magnus-Hirschfeld-Stiftung die seit Monaten auf den Tisch liegenden Forderungen nach einem "Regenbogen-Rettungsschirm" zu eigen machen und diese offensiv gegenüber der Bundesregierung, den Ländern, Kommunen und der Privatwirtschaft vertreten.

Es ist allerhöchste Zeit, zu handeln. Je länger nur geredet wird, um so größeren Schaden wird die queere Infrastruktur dauerhaft nehmen.



#1 Ralph
  • 03.09.2020, 11:22h
  • Vom Grenell-Freund Litwinschuh ist doch allen Ernstes kein nachhaltiges Eintreten für eine Szene zu erwarten, die dem spießigen Milieu, in dem er sich wohlfühlt, noch immer als pfui gilt.
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#2 Kritiker_in
  • 03.09.2020, 11:48h
  • Tja, in deutschen Institutionen wird halt gerne mal weichgespült. Bloß nicht Dinge zu konkret ansprechen, man könnte ja jemanden verschrecken. In weiten Kreisen gilt immer noch Anbiedern vor Aufbegehren und Einfordern.

    Und so passt es auch wunderbar, dass z.B. Personen wie ich, die Dinge klar ansprechen und stringent und auch hartnäckig sachlich kritisieren, gleich als persönlich aggressiv gelten.

    Es lebe das kleinbürgerlich-spießige deutsche Mal-ganz-vorsichtig-und- zurückhaltend-was-sagen-und-wenn-es- dann-keine-Berücksichtigung-findet- ist-es-auch-nicht-so-schlimm- denn-man-hat-es-ja-wenigstens-versucht.

    Dass ein Herr L., der ja nun auch schon mit dem internalisiert homophoben Grenell gekuschelt hat (Quelle:)

    www.queer.de/detail.php?article_id=31637

    sich nicht gerade an die Spitze einer echt emanzipatorischen Bewegung setzt, wundert mich daher nur begrenzt.

    (Keine Angst, ich selbst lege keinerlei Wert auf ein wie immer geartetes dergestaltes Pöstchen.)
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#3 qwertzuiopüAnonym
  • 03.09.2020, 18:49h
  • vermutlich werd ich hier für meine position nicht viel applaus bekommen, aber trotzdem: kommerzielle szeneangebote werden wahrscheinlich recht schnell wiederkommen, weil die in fast jeder stadt mit einer feste kundengruppe rechnen können. da hat das antiquariat oder der trödelladen um die ecke wsh mehr sorgen.
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#4 OlliAnonym
#5 Still_Ith
  • 04.09.2020, 07:23h
  • Ach, diese Stiftung, die zumindest auf Twitter gern Feddersens Ausfälle gegen jegliche Art von Queerness supportet, die nicht weiß dya-cis-schwul ist, abled und bitte möglichst heterolike, und spezifisch darauf ausgerichtet, maximalprivilegierten weißen Cis-Schwulen die Rechte weißer Cis-Hetero-Männer zurückzugeben - aber bitte keinen Millimeter mehr ^^

    Ich frag mich, mit wem da ein Dialog über meine Rechte geführt werden sollte. Wenn mit queeren Menschen als "Szene" oder Community geredet werden soll, dann doch idR eben mit dem Klientel Feddersen. Inter oder trans*? Spielen doch schon bei staatlicher Finanzierung praktisch keine Rolle. Und die paar nicht-trans*-männlichen queeren Menschen, mit denen ich mich verstehe, haben mit ebendieser Community ihrerseits nix zu tun, weil sie da ebenfalls nicht willkommen sind, weil zu anders und/oder zu queerfeministisch.

    Safe Spaces für wen also?
    Schwule mit Penis, als Schutz vor Leuten wie mir?
    Szene, bei der ich sowieso draußen bleiben darf?
    Erwartet ihr echt, dass ich deswegen heule?
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#6 CanadianSarahAnonym
  • 04.09.2020, 12:37h
  • Antwort auf #5 von Still_Ith
  • Und du siehst nicht, worum trans* eigentlich kämpfen. Wir sind btw nicht nen "paar", sondern mehrere TAUSENDE! ihr habt euch nie um uns gekümmert. niemals. Dieses Land bricht immernoch das Grundgesetz mit dem TSG. Wach auf!!! Ungarn erkennt uns nicht mehr an. Wach auf! Die USA und Polen werden immer mehr transphob. Wach auf! Wir brauchen auch Safe spaces und keine reisserischen TAZ-Artikel. Danke.
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#7 RetroGayProfil
  • 06.09.2020, 03:39hDortmund
  • "Kein einziges Wort verlieren die Hirschfelds zu kommerziellen queeren Freiräumen wie Bars, Clubs und Saunen, die weiterhin ums Überleben kämpfen. "

    Ehrlich gesagt; zu diesem Thema lese ich HIER bei queer.de doch auch nix!
    Was ist denn los mit den Bars, Clubs und Saunen?
    Interessiert das HIER überhaupt Jemanden?
    Babylon Sauna Köln & Phoenix Sauna Köln
    Beide nach Ausarbeitung eines Hygienekonzepts mit der Stadt Köln vom Ordnungsamt mittels RAZZIA geschlossen.
    Viele Bars wie das Pullermanns öffnen wegen Corona erst gar nicht.
    Pluto Sauna Essen Bekommt Lob wegen des ausgearbeiteten Hygienekonzepts, darf aber wegen der seit dem 1.September 2020 in NRW geltenden CoronaSchVO nicht öffnen.
    Wegen dieser Verordnung werden viele Läden dauerhaft geschlossen bleiben.
    Andere werden mit Kosten verbundene Maßnahmen ergreifen und bei begrenzten Besucherzahlen noch mehr in die roten Zahlen rutschen.

    Wohlgemerkt;
    Es geht nicht darum die Gefahr einer Corona-Infektion in solchen Lokalen kleinzureden.
    Aber überhaupt mal eine Berichterstattung darüber, wie mit solchen Lokalen seitens der Ämter und Behörden umgegangen wird, und dass die Coronapandemie eine willkommene Gelegenheit für all diejenigen ist, solche Lokale aus dem Stadtbild zu entfernen, wäre mehr als angebracht!
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