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SPD-Abgeordneter aus Neu-Ulm

Karl-Heinz Brunner outet sich als schwul

In einem Zeitungsinterview spricht der – derzeit mit einer Frau verheiratete – queerpolitische SPD-Sprecher erstmals öffentlich über seine Homosexualität.


(Bild: Thomas Trutschel / photothek.net / Deutscher Bundestag)

Der SPD-Bundestags­abgeordnete Karl-Heinz Brunner hat sich gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" als schwul geoutet. Der 67-Jährige verband das Coming-out mit der Ankündigung, sich ein drittes Mal für ein Bundestagsmandat bewerben zu wollen.

Brunner gilt bereits seit Jahren als einer der lautstärksten Unterstützer der sozialdemokratischen Fraktion für LGBTI-Rechte. Dafür war der SPD-Kreisvorsitzende im mittelschwäbischen Neu-Ulm bereits 2015 mit dem Homo-Orden von queer.de ausgezeichnet worden. 2019 übernahm er den Posten des SPD-Fraktionssprechers für die Belange von Lesben und Schwulen, den zuvor elf Jahre lang der offen schwule damalige Hamburger Abgeordnete Johannes Kahrs inne hatte (queer.de berichtete).

Im vergangenen Jahr bewarb sich Brunner auch für den SPD-Vorsitz, zog seine Bewerbung aber vor der Abstimmung wieder zurück (queer.de berichtete). Während seines innerparteilichen Wahlkampfes fing er an, sich vor ausgewählten Hauptstadt-Journalist*­innen als schwul zu outen, um Gerüchten vorzubeugen.

Es hat "kling" gemacht

In dem Interview erklärte Brunner, dass er seit 20 Monaten in Berlin mit seinem Partner zusammenleben würde. Inzwischen nehme er ihn auch öfter auf öffentliche Termine mit. Für den Sozialdemokraten bedeutete das Coming-out einen neuen Lebensschritt, den er sich "nie vorstellen" habe können – immerhin ist der Alt-Katholik mit einer Frau verheiratet und hat zwei Kinder. "Da läuft einem jemand über den Weg, es macht 'kling' – und dann ist es eben so", umschrieb er die Wendungen in seinem Leben. "Wo die Liebe hinfällt, da ist sie. Und ich muss im Nachhinein sagen: Es ist schön." Es habe allerdings länger gebraucht, all diese Veränderungen seiner Familie beizubringen.

Die "Augsburger Allgemeine" beschreibt, wie die neue Liebe den Politiker verändert hat: "Brunner ist dieser Tage anzusehen, dass es ihm gut geht. Er wirkt gelöst, locker und sein explosionsartiges Lachen wirkt noch ein wenig explosiver."

Erneute Bewerbung um Bundestagsmandat

Anders als ursprünglich geplant will Brunner im Herbst nächsten Jahres wieder bei der Bundestagswahl antreten. Er ist bereits seit 2013 im Hohen Haus vertreten – ob er es wieder schafft, hängt von der Unterstützung seines bayerischen Landesverbandes bei der Listenaufstellung und vom SPD-Wahlergebnis im Freistaat ab, das insbesondere bei einer Kanzlerkandidatur von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) leiden könnte.

Bei einem erneuten Einzug wolle er weiter in seinen Spezialgebieten internationale Beziehungen, Verteidigung und Abrüstung etwas bewirken – und außerdem beim Thema LGBTI-Rechte. Hier sei ihm besonders wichtig, den Diskriminierungsschutz für sexuelle Minderheiten – wie von Sachverständigen gefordert – im Grundgesetz zu verankern. Derzeit engagiert sich allerdings nur die demokratische Opposition auf Fraktionsebene für eine derartige Verfassungsänderung (queer.de berichtete). (dk)

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#1 Taemin
  • 03.09.2020, 11:16h
  • Auch wenn die persönliche Lebenssituation ein gewisses Verständnis fördert - wer als LSBTI-Beauftragter unterwegs ist, sollte das geoutet tun. Trotzdem willkommen im Klub!
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#2 Peck_SEhemaliges Profil
  • 03.09.2020, 11:19h
  • Schicke erst einmal Glückwünsche vorweg und wünsche alles Gute, sowohl für die Liebe und die Kandidatur. Eine Stimme, die mit Nachdruck für die Community spricht, brauchen wir.

    Ich verstehe nur nicht, wieso Brunner jetzt schwul ist oder sein muss, nur weil er sich in einen Mann verliebt hat? Hätte er gesagt, er ist aus gesellschaftlichem Zwang die Ehe eingegangen und konnte nur unter Hilfenahme von Potenzmitteln seinen Pflichten als Ehemann und Christ (Kinder) nachkommen, würde ich die Analyse teilen. Sagt er aber mit keinem einzigen Wort! Also scheint es doch eher ein fruchtbare Liebesbeziehung gewesen zu sein. Bisexuell trifft es da doch eher oder nicht?
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#3 Taemin
  • 03.09.2020, 11:31h
  • Antwort auf #2 von Peck_S
  • Schwer zu sagen. 1973, als der § 175 zum zweiten Mal abgeschwächt wurde, war der Mann 20 Jahre alt. 1978 begann er seine berufliche Tätigkeit in der Justiz. In dieser Zeit hätte er als Schwuler beruflich kein Bein auf den Boden gebracht. Die 70er waren jene Jahre, in denen Schwule entscheiden mussten, offen zu leben und sich damit aus der bürgerlichen Gesellschaft zu verabschieden, oder berufliche Karriere zu machen, dafür aber die eigene sexuelle Orientierung zu verbergen. Ich möchte denen, die sich für die zweite Möglichkeit entschieden, keinen Vorwurf machen, obwohl für uns alle die erste Möglichkeit politisch betrachtet besser gewesen wäre. Damals heirateten viele eine Frau, um sich eine Legende zu schaffen. Dass er zwei eigene Kinder hat, sollte jetzt nicht Anlass zur Spekulation sein, wie oft und wie befriedigend er mit seiner Ehefrau Sex hatte - nein, bitte wirklich nicht.
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