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Geschlechtergerechtigkeit

Cate Blanchett will "Schauspieler" genannt werden

Der australische Filmstar will das bislang Männern vorbehaltene Wort "actor" als geschlechtsneutralen Begriff etablieren.


Die zweifache Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett hält den Begriff "Schauspielerin" für abwertend (Bild: Gage Skidmore / flickr)

Hollywood-Star Cate Blanchett will lieber als "Schauspieler" (actor) statt als "Schauspielerin" (actress) bezeichnet werden. "Ich habe mich selbst immer schon als Schauspieler bezeichnet", sagte die 51-Jährige der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, als sie nach ihrer Meinung zu geschlechterneutralen Preisen gefragt wurde. "Ich gehöre zu der Generation, in der das Wort 'Schauspielerin' fast immer in einem abwertenden Sinn verwendet wurde", sagte sie.

Damit unterstützte sie einen Vorstoß der Berlinale-Veranstalter. Diese lösten vergangene Woche eine Debatte aus, als sie entschieden, dass Schauspielpreise künftig nicht mehr nach Geschlechtern aufgeteilt werden (queer.de berichtete). Die Entscheidung wurde aber auch als "Feigenblatt für Innovation" kritisiert (queer.de berichtete).

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Geschlechtergerechtigkeit auf Englisch einfacher als auf Deutsch

Manche Aktivist*innen in englischsprachigen Ländern sprechen sich dafür aus, das bislang nur auf Männer anwendbare Wort "actor" künftig auch für Frauen zu verwenden, um Gleichberechtigung in der Sprache zu erreichen. Dies ist auf Englisch einfacher als auf Deutsch, da dort Worte keine geschlechtsbestimmenden Artikel kennen. Manche Zeitungen nutzen das Wort "actor" bereits als geschlechtsneutrale Bezeichnung für Schauspielerinnen und Schauspieler – der linksliberale Londoner "Guardian" verfährt so bereits seit zehn Jahren.

Blanchett ist die Chefin der Jury des internationalen Filmfestivals in Venedig, das als erste große Filmveranstaltung in Corona-Zeiten am Mittwoch begonnen hat. Die Mostra war in den vergangenen Jahren schwer in die Kritik geraten, weil 2017 und 2018 nur ein Film einer einzigen Regisseurin für den Goldenen Löwen nominiert war. Ein noch größerer Skandal war aber vergangenes Jahr die Auszeichnung des wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch aus den USA geflohenen Star-Regisseurs Roman Polanski mit dem zweiten Preis des Festivals. Blanchett ist auch eine Vorkämpferin der #MeToo-Bewegung und führte unter anderem vor zwei Jahren einen Protest von weiblichen "actors" und Regisseurinnen auf dem roten Teppich in Cannes an.

Zuletzt war Blachett in der Rolle der Homo-Hasserin Phylis Schlafly in der Miniserie "Mrs. America" zu sehen (queer.de berichtete). (AFP/cw)



#1 Ralph
  • 03.09.2020, 15:25h
  • Das ist in Deutschland unvorstellbar. Hier wird in die Tonne getreten, wer das männliche Wort benutzt und anmerkt, Frauen seien "mitgemeint". Dass woanders genau der umgekehrte Weg gegangen und sogar von Frauen propagiert wird, was in Deutschland inzwischen als Paradebeispiel der Misogynie gilt, ist schon sehr interessant.
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#2 Felix-BaerlinAnonym
  • 03.09.2020, 15:50h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • Leider wird von Vielen sprachlich einiges, was im Anglo-Raum Sinn macht, ziemlich ideenlos auf Deutsch geplappert, als Beispiel sei genannt: Liebe alle, im Englischen Dear all. Schrecklich. Unhöflicher geht es nicht.

    Noch anders sieht es aus bei der Bezeichnung von Berufen. Im Deutschen kann man auch das nicht 1 zu 1 übertragen. Nur weil actor/actress Im Englischen eine so stark andere Gewichtung hat und die weibliche Bezeichnung herabwürdigt, muss es nicht automatisch im Deutschen so sein.

    Dass du nun deshalb gleich wieder zurückkehren möchtest, dass wieder die männliche Variante gewählt werden sollte, ist ein durchschaubares Macho-Manöver. Peinlich. Deine Wortwahl außerdem, von wegen man würde in die Tonne getreten, ist mir auch zu aggressiv-gewaltvoll.
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#3 Prima4Anonym
  • 03.09.2020, 15:53h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • liegt eben an den sprachlichen Eigenarten... und du darfst nicht vergessen das im englischen afaik ein Großteil der Berufsbezeichnungen ja eh schon für alle gilt.... Lehrer oder Lehrerin ist im englischen immer teacher, Doktor*innen = doctors, Polizist*innen = cop etc...da liegt es nahe einfach nur die wenigen Ausnahmen anzupassen....

    Und macht imho auch mehr Sinn als pro Beruf x verschiedene Varianten zu haben....
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#4 ursus
  • 03.09.2020, 16:07h
  • "das bislang nur auf Männer anwendbare Wort "actor" künftig auch für Frauen zu verwenden,"

    Ich bin nicht ganz sicher, ob "actor" wirklich nur männlich gelesen wird / wurde.

    "Actor / actress" ist meines Wissens eines von nur wenigen Wortpaaren im Englischen, bei denen weibliche Sonderformen überhaupt gebildet werden. Der Normalfall ist eher die (wirklich) genderneutrale Form. Es gibt keine "gardeneress", "bus driveress" oder "customeress". Außerdem gibt es keine gegenderten Artikel. Mit der extrem stark gendernden Grammatik im Deutschen und mit dessen generischem Maskulinum ist diese Situation daher schwer vergleichbar.
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#5 ursus
  • 03.09.2020, 16:16h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • "Hier wird in die Tonne getreten, wer das männliche Wort benutzt und anmerkt, Frauen seien "mitgemeint"."

    Das wird mit sehr guten Argumenten kritisiert. Interessieren dich diese Argumente eigentlich gar nicht? Willst du ernsthaft die ganze Debatte der letzten paar Jahrzehnte mit so einer flapsigen Bemerkung wegwischen? Willst du schon wieder bei den Achtzigern anfangen, statt weiterzudenken?

    Mit der Situation im Englischen ist die Problematik im Deutschen übrigens nicht so ohne weiteres analogisierbar. Das kann natürlich nicht heißen, dass ein Vergleich nicht fruchtbar sein kann, aber die dortigen Lösungsansätze sind eben nur bedingt übertragbar.
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#6 RhubarbAnonym
  • 03.09.2020, 16:20h
  • bisher nur auf Männer anwendbar bitte seht im Wörterbuch Eures Vertrauens nach: Actor wurde im Englischen bereits auch für weibliche Darstellerinnen verwendet, seitdem sie überhaupt öffentlich auftreten durften (Stuart-Restauration ab 1660).
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#7 Ralph
  • 03.09.2020, 19:44h
  • Antwort auf #5 von ursus
  • Du hast hier wiederholt bei diesem Thema heftig gegen mich Stellung bezogen, gibst aber mit dem jetzigen Beitrag zu, dass Du meine Äußerungen zur Sache nie gelesen hast, sonst wüsstest Du, dass ich immer beide Formen, die männliche und die weibliche, verwende. Das hab ich hier schon deutlich gesagt - und wurde daraufhin eben deswegen angegriffen, weil ich es ohne * _ I oder sonst ein Sonderzeichen tue. Nicht ich bin es, der hier verbal aufrüstet, wenn jemand Männer und Frauen adressiert. Nicht ich bin es, der Männer sagt und Frauen "mitmeint". Wer mir das unterstellt, lügt.
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#8 ursus
  • 03.09.2020, 20:39h
  • Antwort auf #7 von Ralph
  • Gerade weil ich deine (binäre) Sprachpraxis kenne, wundert es mich, dass du die Kritik am generischen Maskulinum plötzlich als unangemessen delegitimierst. Etwas anderes habe ich dir nicht unterstellt.
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#9 Kritiker_in
  • 03.09.2020, 20:44h
  • Antwort auf #7 von Ralph
  • "sonst wüsstest Du, dass ich immer beide Formen, die männliche und die weibliche, verwende."

    ICH weiß z.B., dass Du schon wieder mal nicht binäre Menschen unsichtbar machst, wofür ich Dich in der Tat bereits mehrfach kritisiert habe, und Du aber offenbar gerne völlig stur bleibst, nichts dazulernen und das nach wie vor so anwenden zu wollen.

    Ich kann nur wiederholen, dass Du als regeltreuer Beamter doch endlich auch die dritte Option anerkennen solltest. Und wenn man diese wirklich anerkennt, ist die Formulierung schlicht falsch und diskriminierend.

    Übrigens, dass im Englischen einiges anders läuft als im Deutschen, wurde ja nun schon gesagt. Auch das könntest Du einfach mal anerkennen.
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#10 Ralph
  • 04.09.2020, 11:15h
  • Antwort auf #8 von ursus
  • Das tu ich überhaupt nicht. Ich stelle nur verwundert fest, dass in den USA eine Frau mit einem männlichen Wort bezeichnet werden will, was in Deutschland inzwischen (richtigerweise!) gar nicht mehr denkbar ist.
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