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Exklusive Leseprobe

Eloy de Jong: So haben wir uns geoutet

In seinem Buch "Egal was andere sagen" beschreibt das Ex-Mitglied der Boyband Caught in the Act sein bewegendes Leben. Hier erzählt er, wie und warum er sich 1999 zusammen mit seinem damaligen Partner, dem Boyzone-Sänger Stephen Gately, geoutet hat.


In seiner Autobiografie "Egal was andere sagen" gibt Eloy de Jong tiefe private Einblicke und beschreibt sein bewegendes Leben mit all seinen Meilensteinen und Wendepunkten (Bild: Stephan Pick)

Als wir wieder zusammen in Holland waren, klingelte spätabends Stephens Handy. Damals war es noch etwas Besonderes, wenn man auf dem Handy angerufen wurde, noch dazu um elf Uhr abends. Es war Stephens Presseagentin.

Sie erzählte uns, dass es einen Mann gebe, der unsere Story der britischen Yellow Press für viel Geld verkaufen wolle. Unsere Blase war geplatzt. Was sollten wir jetzt machen? Wir schnappten uns Joey und Woody und gingen vor die Tür. Wir liefen kilometerlang, erst durch den Ort, dann durch die Felder. Wir redeten stundenlang darüber. Wir hatten beide unabhängig voneinander schon jahrelang Angst vor so einem Anruf gehabt. Andererseits wollten wir uns nicht mehr verstecken, wir wollten nicht mehr leben, als wären wir Verbrecher auf der Flucht. Und wenn jemand Geld verdienen wollte, indem er unsere Liebe verkaufte, dann wollten wir ihm zeigen, dass daran nichts ist, was man erpressen kann oder was man länger verstecken muss.

"Egal was andere sagen, wir sind so", sagte Stephen irgendwann, "und wir lieben uns." Wir schmiedeten den Plan, offensiv mit der ganzen Sache umzugehen. Die Welt sollte von unserer Liebe wissen. Entweder sie würde uns dann immer noch lieben – oder uns verstoßen. "Aber dann haben wir immer noch uns." No matter what …

Wir wollten unsere Story selbst erzählen


Eloy de Jongs Autobiografie ist seit 4. September 2020 als Paperback und E-Book erhältlich

Wir wollten unsere Story selbst erzählen. Am nächsten Tag rief Stephen in seiner Presseagentur an und sagte, dass wir gern ein Interview dazu geben würden – und zwar mit dem größten Organ der britischen Yellow Press überhaupt: The Sun. Gesagt, getan: Zwei Wochen später, es war Juni 1999, flogen wir nach Dublin, wo das nächste Konzert von Boyzone stattfand. Wir hatten die volle Unterstützung von Stephens Kollegen. Und nach dem Gig fand dann backstage das Interview mit einem Journalisten statt.

In dem Gespräch erzählten wir, wie wir uns kennengelernt hatten, dass wir schon länger zusammen waren und wie befreit wir uns jetzt fühlten.

Wir hatten uns zusichern lassen, dass wir das Gespräch vor der Freigabe autorisieren durften, denn das Thema war uns natürlich heilig und wir wollten keine böse Überraschung durch eine unüberlegte Formulierung erleben. Stephen stellte mich in dem Artikel mit einem großen Foto vor – mit der Unterschrift "This is my boyfriend and I am proud of him". Nachdem der Artikel zwei-, dreimal hin- und hergegangen war, gaben wir ihn frei. Am Abend vor der Veröffentlichung saßen wir in Italien im Hotel auf dem Bett und zappten durchs Fernsehen. Und dann war es wirklich raus. Sky News zeigte schon die Ausgabe der Sun: "Stephen Gately: I'm gay and I'm in love!" Bäm! Es ist eine Untertreibung zu sagen, dass wir erleichtert waren. Wir wussten: Es war richtig. Und dann sind wir rausgegangen – auf die Piazza. Wir haben uns auf eine Bank gesetzt und mit Champagner angestoßen – auf uns und unsere Liebe. Und die Freiheit.

Wir bekamen einen Blumenstrauß von Elton John

Die Geschichte lief überall und die Reaktionen waren überwiegend positiv – und überwältigend. Wir bekamen einen Blumenstrauß von Elton John und seinem Partner David Furnish, George Michael schickte Glückwünsche, Sinéad O'Connor sprach Stephen auf die Mailbox und auch die Spice Girls schickten uns Blumen und eine ganz süße Karte – von allen unterschrieben!

Es gab auch Anfragen für gemeinsame Fotoshootings und Interviews, aber Stephens Agentin riet uns erst mal davon ab. Wichtig war uns ein anderes Interview, nämlich mit der Bravo. Aber es fühlte sich schon ziemlich schräg an, ausgerechnet mit Inge zu sprechen, die mich damals so oft nach meinem Mädchengeschmack und meinem "Traumgirl" ausgequetscht hatte … Weil Boyzone mitten auf ihrer Tour waren, konnten wir unmittelbar spüren, wie die Fans auf die News reagierten. Und was soll ich sagen? Niemand ließ uns fallen. Es war die beste Entscheidung überhaupt gewesen, endlich konnten wir zu unserer Liebe stehen!

Heute finde ich das ganze Konzept des "Coming-out" total schwierig

Was mich sehr freute: Wir bekamen ganz viel Post von schwulen Jungs und lesbischen Mädchen aus der ganzen Welt. Unser Outing würde ihnen Mut machen, eines Tages zu sich stehen zu können und auch so zu leben, wie wir es taten. Andere schrieben uns, dass sie selbst endlich den Mut gefunden hätten, anderen zu sagen, wie sie sich wirklich fühlten. Sogar heute noch erzählen mir Fans, wie ich ihnen damals half, sich selbst zu outen.

Ich stellte mir später die große Frage, warum ich nicht schon viel früher öffentlich darüber geredet hatte. Würde ich es tun, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte? Die Antwort ist: Nein, denn ich brauchte Zeit dafür, ich war vorher nie dazu bereit gewesen, es mit der Welt zu teilen. Heute finde ich das ganze Konzept des "Coming-out" total schwierig. Oder wenn jemand sagt: "Er lebt jetzt offen schwul." Als würde man dazu stehen, dass man etwas Verbotenes macht. Das setzt einen als schwulen Mann oder lesbische Frau oder als was auch immer man ist oder sein möchte per se unter Druck: Ich bin anders als ihr, Entschuldigung, aber ich gebe das jetzt zu und dann hoffe ich, ihr mögt mich noch! Sorry, aber das impliziert immer noch: Normal ist, wenn Mann und Frau sich lieben – alles, was davon abweicht, ist "anders", damit muss man sich "outen", als habe man etwas zu beichten. Wenn man darüber nachdenkt, dann ist das doch beknackt. Ich fände es schön, wenn es irgendwann wirklich völlig egal ist, wen man warum liebt, und dass es keinen Unterschied macht, ob man schwul, lesbisch, hetero oder whatever ist – und das ist auch meine Message als Künstler, wie ich immer wieder sage.

Infos zum Buch

Eloy de Jong: Egal was andere sagen. Autobiografie. Unter Mitwirkung von Roland Rödermund (224 Seiten. Edel Books. Hamburg 2020. Paperback: 17,95 € (ISBN 978-3-8419-0707-3). E-Book: 13,99 €


#1 Julian SAnonym
  • 04.09.2020, 10:22h
  • Ich finde, die beiden haben das damals vollkommen richtig gemacht.

    Es ist traurig, dass gerade in Bereichen wie Boygroups junge Menschen gezwungen werden, sich selbst zu verleugnen. Natürlich möchte niemand, der es zu so was geschafft hat, dieses aufregende Leben, das einem so viele Möglichkeiten für später eröffnet, gefährden.

    Dennoch war es gut, dass die beiden dann diesen Schritt gegangen sind und selbst ihre Geschichte erzählt haben.

    Ansonsten kann ich mich auch nur anschließen, dass ich dieses Konzept "Coming out" immer noch befremdlich finde. Heteros brauchen niemals Familie, Freunden, Kollegen, etc. zu sagen, dass sie hetero sind. Ziel muss sein, dass Homo-, Bi-, Trans-und Inter-sexualität genauso selbstverständlich sind und man sich niemandem offenbaren muss, so als würde man gerade etwas ganz schlimmes verraten.

    Aber solange das nicht so ist, muss es das leider weiterhin geben, um irgendwann diesen Zustand der Normalität zu erreichen.

    Die Musik, die Eloy heute macht, ist zwar nicht mein Ding, aber ich schätze ihn sehr für seine Offenheit und Ehrlichkeit.

    Und bei der Gelegenheit muss man auch noch mal an seinen Exfreund Stephen Gately erinnern, der leider viel zu früh gestorben ist...
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#2 Vater2Anonym
  • 04.09.2020, 11:21h
  • Was soll ich sagen? Seine Aussagen zum 'Konzept des Coming-outs' mögen ja ganz nett klingen... Es ist nun aber doch wirklich so, dass Homosexualität eine Abweichung von der mengenmäßig deutlich häufiger vorkommenden Heterosexualität darstellt.

    Ich musste vor einer Sekunde selber aufpassen um nicht 'Abweichung von der heterosexuellen NORM' zu schreiben.
    Hier mag eines der Probleme liegen.

    Unsereins stellt nunmal eine Minderheit dar und schon Kinder wollen für gewöhnlich nicht zu einer solchen gehören.

    Wer kennt noch die Kindersendung 'Eins, zwei oder drei'

    Hier wurden Schulklassen eingeladen und es wurden Quizfragen an die Kinder gestellt.

    Hier mal eine alte Sendung aus den 80ern:

    youtu.be/avM9165sDSo

    Beispiel ab 12 Minuten und 8 Sekunden

    Nun gab es drei 'Türen' (oder so) und hinter jeder der Türen befand sich eine Antwort: zwei falsche, eine richtige.

    Nun wurden die Kinder aufgefordert sich vor die Tür mit der richtigen Antwort zu stellen, welche allerdings noch verborgen war.

    Alle Kinder sprangen auf und stellten sich zusammen auf die Felder vor den drei Türen.

    Nun hieß es, dass jetzt der letzte Zeitpunkt gekommen sei das Feld zu wechseln.

    Standen nun fast alle Kinder vor der ersten Tür, dann war schon allein dadurch der Gruppendruck extrem groß.

    Da konnten sich einige noch so sicher sein als einzige die richtige Lösung zu kennen.
    Immer wieder stand ein einziges Kind allein vor der richtigen Tür, wechselte dann aber zum letzten Wechselzeitpunkt noch dorthin, wo die Mehrheit stand und stellte dann hinterher fest, dass es dort besser stehen geblieben wäre.

    Es ist ziemlich normal, das Kinder bereits dem Geschmack und der Meinung der Mehrheit vertrauen und keine Abweichler sein wollen.

    Ein coming out bedeutet praktisch, dass man sich entscheidet zu seinem Anderssein zu stehen. Sowas dürfte für fast jeden ein wichtiger lernpunkt sein: zu seiner Individualität zu stehen.

    Von daher ist ein Coming Out einfach wichtig und keinesfalls ein "Konzept".
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#3 gayflecktarnhoseProfil
  • 07.09.2020, 12:42hBremen
  • Antwort auf #2 von Vater2
  • Hallo,
    was soll das heissen ?
    Alle Menschen sind gleich, ob einer Hetero oder
    Homosexuell ist spielt doch gar keine Rolle. Niemand kann sich aussuchen was er gern sein möchte und normalerweise brauche ich mich anderen Personen gegenüber nicht zu outen.
    Oder outet sich auch eine Hetero-Person und sagt
    " ich bin Hetero " ? Also warum soll ich sagen
    " ich bin Schwul " ?
    Es ist nicht meine Entscheidung sondern eine der Natur, aber anscheinend sind viele Menschen der
    Meinung Homosexualität ist etwas unnormales.
    Diese Menschen werden wegen ihrer Veranlagung
    diskriminiert.
    Man sollte das endlich mal begreifen.
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#4 TheDadProfil
  • 08.09.2020, 13:20hHannover
  • Antwort auf #3 von gayflecktarnhose
  • ""und normalerweise brauche ich mich anderen Personen gegenüber nicht zu outen.""..

    ""Oder outet sich auch eine Hetero-Person""..

    Und immer wieder die absurde Idee Heteros würden sich nicht outen..
    Das tun sie ständig, überall, und auf so vielfältige Art&Weise das es "uns" inzwischen gar nicht mehr auffällt..

    Exakt genauso selbstverständlich muß auch ein Outing der LGBTTIQ*-Menschen sein !

    Wann endet endlich dieses blöde Versteckspiel ?

    ""Es ist nicht meine Entscheidung sondern eine der Natur""..

    Das steht dabei gar nicht zur Debatte !

    ""aber anscheinend sind viele Menschen der
    Meinung Homosexualität ist etwas unnormales.""..

    Offensichtlich sind immer noch viele der Ansicht wenn sich Menschen überall und ständig Outen, dies sei etwas "unnatürliches"..

    Wieso ?
    Weil Schwul sein etwas "privates" sei ?
    Was für ein Unfug..
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