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Wirre Rechts-Propaganda

Polen: Auch Ombudsmann für Kinder hetzt gegen LGBTI

In einer TV-Sendung behauptete Mikolaj Pawlak, dass Sexualerzieher*innen Schulkindern Tabletten für eine Geschlechtsanpassung verabreichten.


Mikolaj Pawlak ist seit 2018 unabhängiger Beauftrager für Kinderrechte in Polen (Bild: Sejm RP / wikipedia)

Oppositionsparteien fordern den Rücktritt oder die Amtsenthebung des polnischen Ombudsmanns für die Rechte von Kindern nach abwertenden Äußerungen in einer TV-Sendung. Mikolaj Pawlak hatte sich am Dienstag im Interview mit dem Sender TVN 24 gegen Sexualerziehung an Schulen ausgesprochen, die stattdessen durch Eltern ausgeführt werden sollte.

Konkret beklagte der 40-Jährige, niemand könne für die Inhalte von Sexualerzieher*innen garantieren, "die wir in 20.000 Schulen lassen". Wie beispielsweise in Posen, wo diese sich ein "verstörtes vernachlässigtes Kind" genommen und ihm "einige pharmakologische Wirkstoffe gegeben" hätten, "um sein Geschlecht ohne das Wissen und die Zustimmung von Eltern und Ärzten zu ändern". "Dies ist es, was wir verhindern", so Pawlak, der auf Nachfrage auf angebliche Medienberichte verwies.

Einige polnische Medien überprüften die Aussage und fanden keinen Hinweis auf einen solchen Bericht und auf ein entsprechendes Handeln – die Stadtregierung von Posen wies die Vorwürfe gegenüber gazeta.pl empört zurück, die Bezirksstaatsanwaltschaft berichtete von keinen Vorkommnissen. In sozialen Medien spotteten viele Nutzer über den Ombudsmann und empörten sich, dass hier wieder Ängste geschürt würden auf den Rücken von sexuellen Minderheiten – diesmal speziell auf dem Rücken von trans Personen, die eben nicht mal eben mit einer Pille ihr Geschlecht anpassten.

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Bezug auf schwulen Hass-Blogger

Am Mittwoch legte der Ombudsmann nach. Er verwies auf einen in rechten Kreisen weit verbreiteten Artikel über einen angeblichen illegalen Handel mit Hormontabletten und gab an, in diesem Zusammenhang Strafanzeige zu stellen. Der Artikel stammt von dem in Berlin lebenden schwulen Blogger Waldemar Krysiak, der von einigen rechten polnischen Medien bis hin zum Staatssender TVP immer wieder als Kronzeuge gegen die Community aufgefahren wird.

So "bestätigt" er etwa als "normaler Schwuler" rechte Propaganda-Lügen über "aggressive linke LGBTI-Ideologie", stellt sich gegen Antidiskriminierungsgesetze und Schulaufklärung über LGBTI. Als Präsident Andrzej Duda im von ihm extrem homo- und transfeindlich geführten Wahlkampf einen queeren Aktivisten traf, der danach seine Kritik an dem Präsidenten aufrecht erhielt, betonte der ebenfalls zum Treffen eingeladene Blogger, dass Minderheiten der Mehrheit keine Politik aufzwingen könnten. Die Demokratie sei wichtiger als die Einführung von Rechtsinstituten für gleichgeschlechtliche Paare.


Facebook-Profil von Krysiak, auf dem er sich freut, von Kritikern mit David Berger verglichen zu werde

Vor allem hetzt Krysiak gegen trans Personen, denen er ihre Selbstbestimmung abspricht. Nachdem die nicht-binäre Person und Trans-Aktivist*in Milo Mazurkiewicz im letzten Jahr Selbstmord beging, machte sich der Blogger über sie lustig und betonte, es habe sich um eine "unglückliche kranke" Person gehandelt, die sich für einen größeren Experten als die Ärzteschaft gehalten habe. Viele trans Personen bereuten ihre Operationen, so Krysiak in mehreren Äußerungen. Trans-Aktivist*innen seien hauptverantwortlich für die "Gender-Ideologie" und es sei eine "Illusion", dass LGBT "irgendeine Verbindung" zu ihnen hätte.

In dem vom Ombudsmann angesprochenen Artikel behauptete Krysiak, Trans-Aktivist*innen nutzten versteckte Chat-Räume, um Kindern und Jugendlichen zum "Geschlechtswechsel" zu raten, der von ihnen als "einfach und wünschenswert" dargestellt werde. Dabei würden sie auf Webseiten verweisen, die illegalen Handel mit Hormonpräparaten betrieben und von den Kindern teilweise als Gegenleistung Nacktbilder verlangten. Polnische Trans-Organisationen wiesen den Bericht zurück. Man arbeite professionell und rate immer dazu, offizielle Wege zu nutzen – auch wenn es dabei langwierige medizinische und rechtliche Hürden gebe.

Pawlak beklagt zunehmende "LGBT-Ideologie"

Ombudsmann Mikolaj Pawlak war in der Sendung noch zu homofeindlichen Äußerungen von regionalen Schulbeauftragten befragt worden, etwa von einem aus Lodz, der von einem "LGBT-Virus" gesprochen hatte (queer.de berichtete). Pawlak betonte, aus Respekt gegenüber Menschen sei das die falsche Wortwahl und es gebe nicht nur "LGBT-Ideologie", sondern hinter dem Kürzel steckten auch Menschen.

Dennoch betonte Pawlak, dass es diese "Ideologie", "die Idee von LGBT" gebe, die sich immer weiter verbreite und nicht vereinbar mit dem "traditionellen polnischen Verständnis des Patriotismus" sei. Später in der Woche empörte er sich noch über Aufklärungsvideos der Organisation Grupa Stonewall. Diese betreibt im Auftrag der Stadt Posen Antidiskriminierungsworkshops an Schulen – die sich an Lehrkräfte und nicht an Schulkinder richten.

Twitter / partiarazem | Die linke Opposition Polens stellte die Gehirnwelt von Pawlak bei Twitter einmal grafisch dar

Pawlak, Jurist und Absolvent der nach Johannes Paul II. benannten Katholischen Universität Lublin, war vor zwei Jahren von der PiS-Regierung ins Amt gewählt worden, trotz Kritik, dass er wenig Erfahrung in dem Arbeitsbereich habe. Er spricht sich für die Absenkung des Strafmündigkeitalters von Kindern von 13 auf zehn Jahre aus und sorgte 2019 für eine Kontroverse, als er das Ohrfeigen von Kindern rechtfertigte.

Während dieser Ombudsmann für Kritik sorgt, verabschiedet sich ein anderer wichtiger Kollege: Die Amtszeit von Adam Bodnar, dem Beauftragen für Menschenrechte, der noch in der Regierungszeit der liberal-konservativen Bürgerplattform ernannt worden war, läuft im September ab. Der Sozialdemokrat hatte sich immer wieder für LGBTI eingesetzt, etwa kürzlich einen Sieg vor Gericht gegen mehrere Kommunen errungen, die sich zur quasi "LGBT-freien Zone" erklärt hatten (queer.de berichtete).

Zu dem immer heftigeren Kampf gegen LGBTI und "Gender" der polnischen Regierung und ihr nahestender Kreise und Medien gehört auch die Ablehnung von Schulaufklärung über LGBTI, schulischer Sexualkunde und Sexualpädagogik. Im April nahm das Parlament in erster Lesung einen Gesetzentwurf an, der Sexualerziehung praktisch unter Strafe stellen würde (queer.de berichtete). Der nun in Ausschüssen weiter beratene Entwurf stammt von einer ultrakatholischen Organisation, die auch mit einem Hassbus Stimmung gegen Sexualerziehung und LGBTI macht. Zweck des Gesetzentwurfs sei "Schutz der Kinder gegen sexuelle Gewalt durch LGBT-Aktivisten und Verhinderung der sexuellen Promiskuität junger Menschen", behauptet die Organisation; "Sexualerziehung, bei der Kinder sexuell stimuliert und an Homosexualität gewöhnt werden", sei ein "Mittel der LGBT-Lobby für politische Zwecke". (nb)



#1 Svetlana LAnonym
  • 04.09.2020, 12:10h
  • "... und ihm "einige pharmakologische Wirkstoffe gegeben" hätten, "um sein Geschlecht (...) zu ändern".

    Wow, wo kriege ich diese Wunder-Tablette her?
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#2 Peck_SProfil
  • 04.09.2020, 12:15hFrankenthal
  • Das trumpsche Modell. Selbst die krassesten Lügen als Dienerinnen der eigenen Ideologie verbreiteb und als Fakten darstellen. Ergebnis: Die radikale Anhängerschaft fühlt sich bestärkt in ihrem Hass, die Gewaltbereitschaft nicht zu und Presse und Medien sind erst einmal Tage und Wochen mit Gegendarstellungen beschäftigt, die kaum noch Gehör finden.

    Lügen: Stell dich auf das Dach eines Hochhauses, leere einen Korb voll Federn aus und versuche, nachdem der Wind sie in alle Himmelsrichtungen getragen hat, alle wieder einzufangen. Unmöglich! Genau das wird hier vom polnischen Staat praktiziert.
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#3 Peck_SProfil
#4 Julian SAnonym
  • 04.09.2020, 14:06h
  • "[...] Schulkindern Tabletten für eine Geschlechtsanpassung verabreichten."

    Und solche Aluhut-Träger und Verschwörungstheoretiker regieren ein Land...

    Das Schlimme ist nur, dass es tatsächlich Leute gibt, die solche Spinnereien glauben.
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#5 Ralph
  • 04.09.2020, 14:48h
  • "Katholische Universität" - ein Widerspruch in sich. Wie können Aberglaube und Wissenschaft zusammengehören?
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#6 globoProfil
  • 04.09.2020, 18:37hBerlin
  • Polen und die polnische kath. Kirche werden zunehmend zu einem großen Ärgernis. Die EU darf nicht jahrelang nur reden. UvdL muss auch mal handeln, selbst sie den Polen ihre Wahl verdankt.
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