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Kondome sichergestellt

Massenfestnahme von mutmaßlichen Schwulen in Indonesien

Die Polizei der indonesischen Hauptstadt nahm Dutzende Männer fest, weil sie eine "schwule Party" besucht haben sollen.


In indonesischen Medien wurden die Festgenommenen wie Schwerverbrecher vorgeführt

  • 4. September 2020, 11:08h 8 2 Min.

Am Mittwoch hat die Polizei von Jakarta 56 mutmaßlich schwule Männer bei einer "Gay Party" in einem Hotel festgenommen. 47 von ihnen kamen später frei, nachdem sie in den Medien, mit Plastikhandfesseln aneinandergekettet, vorgeführt worden waren. Gegen neun Männer wurde Anklage wegen Verstoßes gegen das "Anti-Pornografie-Gesetz" erhoben. Dies kann mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet werden. Bei dem 2008 erlassenen Gesetz handelt es sich um einen Gummiparagrafen, mit dem insbesondere sexuelle Minderheiten verfolgt werden können.

Die Polizei stellte bei einer Pressekonferenz belastende Beweise vor, die bei der Party sichergestellt worden seien – darunter Kondome und Massageöl. Laut einem Polizeisprecher seien bei der Zusammenkunft "Spiele mit sexueller Thematik" durchgeführt worden. Drogen seien laut lokalen Berichten bei der Party aber nicht erlaubt gewesen. Bei den neun Verhafteten wurden HIV-Zwangstests durchgeführt – einer der Männer sei laut Medienberichten positiv getestet worden. Laut Medien seien mehrere der Männer mit Frauen verheiratet.

Staatsmacht hetzt vermehrt gegen Homosexuelle

In Indonesien – dem bevölkerungsreichsten mehrheitlich muslimischen Land – ist Homosexualität eigentlich legal, mit Ausnahme der strengreligiösen Provinz Aceh. Allerdings hat sich das Klima für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Verantwortlich für die immer ernster werdende Situation ist insbesondere die scharfe Rhetorik vieler Politiker, die mit Homophobie um Unterstützung werben. Sie haben damit Erfolg, da die indonesische Bevölkerung äußerst homosexuellenfeindlich eingestellt ist – so sagen laut Umfragen vier von fünf Bürgern, dass sie Schwule und Lesben nicht als Nachbar*innen akzeptieren wollten.

Die homophobe Atmosphäre hat Auswirkungen auf das Leben vieler LGBTI – und etwa zu zu einer Explosion der HIV-Neuinfektionen geführt, da viele Schwule aus Angst vor der Staatsgewalt nicht mehr von Präventionsmaßnahmen erreicht werden könnten (queer.de berichtete). Vergangenes Jahr stoppte der relativ liberale Präsident Joko Widodo einen Versuch des Parlaments, Homosexualität formal zu verbieten (queer.de berichtete).

Während in Aceh zuletzt mehrfach Männer wegen angeblicher Homosexualität nach Scharia-Recht öffentlich ausgepeitscht wurden oder Transpersonen öffentlich gedemütigt wurden, kam es auch in anderen Regionen zu zunehmenden Repressionen, etwa zu Razzien in Schwulensaunen mit anschließenden Haftstrafen (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 ReisekaufmenschAnonym
  • 04.09.2020, 13:15h
  • Wer jetzt noch dort Urlaub macht, hat Blut an seinen Händen kleben. Tourismusboykott sofort!
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#2 Julian SAnonym
  • 04.09.2020, 14:09h
  • Barbaren.

    Es wird endlich Zeit, dass LGBTI aus solchen Staaten ein generelles Asylrecht bekommen.

    Es kann nicht angehen, dass Union und SPD "sichere Herkunftsstaaten" definieren, die zwar für Heteros sicher sein mögen, aber nicht für LGBTI. Wer sowas macht, macht sich mitschuldig und hat Blut an seinen Händen.
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#3 Peck_SEhemaliges Profil
  • 04.09.2020, 17:22h
  • Ein gutes Beispiel, was in einem Staat möglich ist, wenn der Religion Macht gegeben wird und sich universelle Menschenrechte dem Kirchenrecht unterordnen müssen. Nach 31 Jahren Diktatur könnte man eigtl. meinen, dass die Bevölkerung genug Unterdrückung und Repression erlebt hat, aber solange es nur die Homos trifft...
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