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Kondome sichergestellt

Massenfestnahme von mutmaßlichen Schwulen in Indonesien

Die Polizei der indonesischen Hauptstadt nahm Dutzende Männer fest, weil sie eine "schwule Party" besucht haben sollen.


In indonesischen Medien wurden die Festgenommenen wie Schwerverbrecher vorgeführt

Am Mittwoch hat die Polizei von Jakarta 56 mutmaßlich schwule Männer bei einer "Gay Party" in einem Hotel festgenommen. 47 von ihnen kamen später frei, nachdem sie in den Medien, mit Plastikhandfesseln aneinandergekettet, vorgeführt worden waren. Gegen neun Männer wurde Anklage wegen Verstoßes gegen das "Anti-Pornografie-Gesetz" erhoben. Dies kann mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet werden. Bei dem 2008 erlassenen Gesetz handelt es sich um einen Gummiparagrafen, mit dem insbesondere sexuelle Minderheiten verfolgt werden können.

Die Polizei stellte bei einer Pressekonferenz belastende Beweise vor, die bei der Party sichergestellt worden seien – darunter Kondome und Massageöl. Laut einem Polizeisprecher seien bei der Zusammenkunft "Spiele mit sexueller Thematik" durchgeführt worden. Drogen seien laut lokalen Berichten bei der Party aber nicht erlaubt gewesen. Bei den neun Verhafteten wurden HIV-Zwangstests durchgeführt – einer der Männer sei laut Medienberichten positiv getestet worden. Laut Medien seien mehrere der Männer mit Frauen verheiratet.

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Staatsmacht hetzt vermehrt gegen Homosexuelle

In Indonesien – dem bevölkerungsreichsten mehrheitlich muslimischen Land – ist Homosexualität eigentlich legal, mit Ausnahme der strengreligiösen Provinz Aceh. Allerdings hat sich das Klima für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Verantwortlich für die immer ernster werdende Situation ist insbesondere die scharfe Rhetorik vieler Politiker, die mit Homophobie um Unterstützung werben. Sie haben damit Erfolg, da die indonesische Bevölkerung äußerst homosexuellenfeindlich eingestellt ist – so sagen laut Umfragen vier von fünf Bürgern, dass sie Schwule und Lesben nicht als Nachbar*innen akzeptieren wollten.

Die homophobe Atmosphäre hat Auswirkungen auf das Leben vieler LGBTI – und etwa zu zu einer Explosion der HIV-Neuinfektionen geführt, da viele Schwule aus Angst vor der Staatsgewalt nicht mehr von Präventionsmaßnahmen erreicht werden könnten (queer.de berichtete). Vergangenes Jahr stoppte der relativ liberale Präsident Joko Widodo einen Versuch des Parlaments, Homosexualität formal zu verbieten (queer.de berichtete).

Während in Aceh zuletzt mehrfach Männer wegen angeblicher Homosexualität nach Scharia-Recht öffentlich ausgepeitscht wurden oder Transpersonen öffentlich gedemütigt wurden, kam es auch in anderen Regionen zu zunehmenden Repressionen, etwa zu Razzien in Schwulensaunen mit anschließenden Haftstrafen (queer.de berichtete). (dk)



#1 ReisekaufmenschAnonym
  • 04.09.2020, 13:15h
  • Wer jetzt noch dort Urlaub macht, hat Blut an seinen Händen kleben. Tourismusboykott sofort!
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#2 Julian SAnonym
  • 04.09.2020, 14:09h
  • Barbaren.

    Es wird endlich Zeit, dass LGBTI aus solchen Staaten ein generelles Asylrecht bekommen.

    Es kann nicht angehen, dass Union und SPD "sichere Herkunftsstaaten" definieren, die zwar für Heteros sicher sein mögen, aber nicht für LGBTI. Wer sowas macht, macht sich mitschuldig und hat Blut an seinen Händen.
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#3 Peck_SProfil
  • 04.09.2020, 17:22hFrankenthal
  • Ein gutes Beispiel, was in einem Staat möglich ist, wenn der Religion Macht gegeben wird und sich universelle Menschenrechte dem Kirchenrecht unterordnen müssen. Nach 31 Jahren Diktatur könnte man eigtl. meinen, dass die Bevölkerung genug Unterdrückung und Repression erlebt hat, aber solange es nur die Homos trifft...
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#4 JshhAnonym
  • 04.09.2020, 17:41h
  • Die Mehrheit der Bevölkerung in Indonesien ist liberal.

    Die hysterisch laut schreienden Islamisten in Indonesien - wie überall - vergiften die Gesellschaft.

    Als ich vor 26 Jahren zum ersten mal nach Indonesien reiste, sah ich wenig Kopftücher bei den Mädchen.

    Bis 1998 wurden Islamisten durch den damaligen Präsidenten Suharto in die Schranken gewiesen.

    Mit Beginn der Demokratisierung 1998 kamen dann die Islamisten aus ihren Löchern.

    Genau wie in Deutschland die Nazis aus den Kloaken quellen.

    Eine pauschale Verurteilung der gesamten Gesellschaft in Indonesien ist nicht gerecht.

    Mein Ehemann ist Indonesier. Unsere Freunde leben im allgemeinen offen und unbehelligt schwul - ob Stadt oder Land. Ich selbst habe in der Nachbarschaft - alles einfache Leute - immer noch Höflichkeit und Respekt erlebt.

    Es war übrigens schon seit Jahrhunderten so, dass schwule Männer in Indonesien hetero heiraten - und daneben auch schwule Beziehungen haben.

    Aceh ist natürlich eine unheilvolle Provinz mit der Sharia. Die Islamisten hat Suharto damals bekämpft. Dann hat der Westen Militär- und Wirschaftssanktionen verhängt und die indonesische Regierung gehindert, die Islamisten auszutreiben. Also für die Sharia in Aceh ist der Westen schuld.

    Es ist nicht alles weiß oder schwarz. Nur nicht zu vorschnell urteilen.

    Mir tun solche Nachrichten aus Indonesien weh.

    Aber auch aus anderen Ländern .... Polen, Ungarn, Russland, ... , Palästina, Mittlerer Osten, Malaysia, ...

    Ach ja nicht zu vergessen Trump-Land. Da sind es nicht Islamisten, sondern Evangelikalisten.
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#5 FliegenAnonym
#6 rsakdAnonym
  • 05.09.2020, 04:40h
  • Es Nüssen ja nicht unbedingt Schule gewesen sein. Auch wenn das mit dem Alibi einer Hetero Heirat plausibel ist.
    Man kann ja durchaus auf beide Geschlechter stehn. :)

    Aber diese Maßnahmen mit Religion zu begründen ist armselig. Nächstenliebe fehlt völlig
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#7 zundermxeAnonym
  • 05.09.2020, 09:35h
  • Antwort auf #5 von Fliegen
  • Tja, die Welt wird klein, wenn wir tatsächlich fair reisen wollen würden.
    Fair im Sinne von Menschenrechten (auch, aber nicht nur die von Queers) und nachhaltigem Tourismus hinsichtlich dem Klima.
    Doch für viele Menschen der sogenannten zivilisierten Welt scheint das Reisen eine Art von fundamentalem Menschenrecht zu sein. Dabei ist es tatsächlich hinsichtlich Umstände und Auswirkungen in der Masse betrachtet dekadent und im hohen Maß zerstörerisch. Es zeigt den ganz selbstverständlichen Egoismus mit dem wir die Welt (Menschen und Umwelt) sehen und behandeln.
    In der Masse global betrachtet ist es tatsächlich schlicht asozial.

    Tourismus ist heute in der Regel wie das billige Eckelfleisch im Discounter - null nachhaltig, äußerst ungesund und viel zu billig in Relation zu den Schäden, die zwangsläufig damit einhergehen.

    Wie viele haben je die Frauenrechte, die Lage von Queers oder die Behandlung der Opposition bspw bei ihrem tollen Tauchurlaub in Ägypten interessiert?! (um nur ein Beispiel von zahllosen zu nennen)

    Wir glauben gerne weiterhin der Propaganda, dass Tourismus stets zur Entwicklung des Landes und zur Förderung der heimischen Bevölkerung beiträgt.
    Wir tun ja so gerne ganz selbstlos Gutes...
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#8 Ehrliche HautAnonym
  • 06.09.2020, 14:45h
  • Antwort auf #7 von zundermxe
  • Ich kann Dir ja nur zustimmen, was den generellen Vorwurf gegenüber unreflektiertem Tourismus angeht.
    Es ist sicherlich wichtig dass wir ( LGBTI* und auch die Anderen ) Staaten als Destination meiden, welche offensichtliche oder zumindest bekannte Menschenrechtsverletzungen, staatlich toleriert oder initiiert, zulässt, von Autokraten regiert, oder in denen der wirtschaftliche Abstand zwischen Touristen und Einheimischen nur zum Schämen ist.
    Ich kann aber nicht umhin darauf zu verweisen, wie wichtig Reisen trotzdem für die kulturelle Entwicklung des Menschen sind.
    Das "über den eigenen Tellerrand" blicken können, die Gemeinsamkeiten mit Anderen entdecken, Unterschiede als Bereicherung wahrzunehmen.
    All das sind auch wichtige positive Folgen von Reisen
    Und ja natürlich sollen ubd müssen Umweltaspekte viel mehr Berücksichtigung beim Reisen finden. z.B Zug statt Flugzeug wenn möglich etc .
    Aber ich halte für falsch, deswegen immer in Deutschland oder gar seiner Region zu bleiben wenn Urlaub ansteht.
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