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Synodaler Weg

Es wird ernst: Die katholische Kirche berät über Homosexualität und Masturbation

Corona verstärkt die Krise der Kirche: Viele haben gemerkt, dass sie auch ohne Gottesdienst zurechtkommen. Besonders für Reformerinnen ist dies ein zusätzlicher Ansporn.


Der homophobe Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp will am liebsten gar nicht über sexuelle Minderheiten sprechen (Bild: Erzbistum Köln)

  • Von Christoph Driessen, dpa
    4. September 2020, 14:19h, 10 Kommentare

Die katholische Kirche in Deutschland will sich reformieren – und zwar ernsthaft. Das scheint manch einen doch auf dem falschen Fuß erwischt zu haben. Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp hat sich unter Protest aus dem Forum "Leben in gelingenden Beziehungen" zurückgezogen. Ihm ist nach eigenen Worten klar geworden, dass hier doch tatsächlich "empfängnisverhütende Maßnahmen ebenso gerechtfertigt werden wie von der Fruchtbarkeit losgelöste sexuelle Praktiken wie homosexuelle Handlungen oder Masturbation". Heilige Muttergottes!

Am Freitag wurde erstmals wieder über den Reformprozess – den Synodalen Weg – beraten. Unter diesem Mantel hatten einige katholische Würdenträger zuletzt sexuellen Minderheiten ein Entgegenkommen signalisiert (queer.de berichtete). Die eigentlich geplante Synodalversammlung musste wegen Corona zwar auf nächstes Jahr verschoben werden, weil dafür 230 Leute zusammenkommen müssen. Stattdessen wurden aber fünf kleinere Regionalkonferenzen abgehalten: in Berlin, Dortmund, Frankfurt am Main, Ludwigshafen und München.

Erstes Thema: Corona. Der konservative Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hatte im Mai die These vertreten, angesichts der Pandemie sei es um den Synodalen Weg "ziemlich ruhig geworden". Angesichts der existenziellen Bedrohung träten politische Fragen wie die Stellung der Frau in der Kirche offenbar zurück – stattdessen suchten die Gläubigen verstärkt spirituellen Beistand durch Priester.

Mehrere Redner in den Konferenzen am Freitag zeichneten ein anderes Bild: Die Kirchen seien jetzt sonntags leerer als je zuvor, berichteten sie. Einerseits deshalb, weil vor allem ältere Gemeindemitglieder eine Ansteckung fürchteten. Andererseits aber auch deshalb, weil viele bisher praktizierende Katholiken während des Lockdowns festgestellt hätten, dass sie sonntags eigentlich auch gut ohne Gottesdienst klarkämen. Dazu passt, dass die Kirchen mit einem starken Anstieg der Austritte rechnen.

Homo-Gegner wie Woelki und Voderholzer in der Minderheit

Es ist schon etwas Neues, dass die deutschen Katholiken mit dem Synodalen Weg nun ein Forum besitzen, auf dem alle möglichen Themen sehr offen und gleichberechtigt diskutiert werden. Es ist tatsächlich eine Art "Kirchenparlament", ein Begriff, den Kardinal Rainer Maria Woelki nach der ersten Synodalversammlung Anfang Februar verwendet hatte. Dem konservativen Kölner gefiel das gar nicht, doch Hardliner wie er und Voderholzer sind in der Minderheit. Die ganz deutliche Mehrheit der "Synodalen" ist der Meinung, dass dieser Reformprozess die letzte Chance sein könnte. Er könnte darüber entscheiden, ob der Katholizismus ein prägender Faktor in Deutschland bleibt – oder zur Nischenreligion herabsinkt.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hob am Freitag in Dortmund hervor, dass hier zum ersten Mal seit Jahrzehnten alle an einem Strick zögen. "Da gibt es nur ganz einzelne Ausreißer, die zu fundamentaler Kritik ansetzen, aber kaum Resonanz finden. Das ist für mich eine neue Erfahrung, und ich warne davor, die Situation der Kirche in Deutschland so zu dramatisieren, dass man das als große, sich gegenüberstehende Blöcke darstellt."


Für Thomas Sternberg ist Hass auf Homosexuelle nicht keine katholische Grundüberzeugung (Bild: J.-H. Janßen / wikipedia)

Der Synodale Weg hat vier Themen: Umgang mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die erzwungene Ehelosigkeit der Priester, Zölibat genannt, und die Position der Frauen. Die Frauenfrage ist wohl die drängendste von allen. Ihre Diskriminierung erscheint umso paradoxer, weil es im Wesentlichen sie sind, die das Gemeindeleben in Deutschland noch am Laufen halten. Frauen sitzen ehrenamtlich in den Pfarrbüros, organisieren Pfarrfest und Weihnachtsbasar, redigieren die Texte für den Gemeindebrief, sammeln für die Caritas und geben Kommunionunterricht. Aber die Macht haben die Männer, denn sie allein können Priester und Bischof werden. "Wir wissen, dass sich die Zukunft der Kirche an der Frauenfrage entscheiden wird", sagt Karin Kortmann, die einzige Frau im Präsidium des Synodalen Wegs.

"Auch ich kann Priesterin!"

Nun hat der Vatikan die Schwestern und Brüder aus dem Geburtsland der Reformation bereits wissen lassen, dass sie keineswegs die Kompetenz hätten, künftig Priesterinnen zu weihen. Schließlich gebe es nur eine einzige katholische Kirche – keine deutsche. Mitglieder der Initiative Maria 2.0 kommentierten dies am Freitag in Frankfurt mit Transparenten wie: "Auch ich kann Priesterin!" und "Wenn ich groß bin, werde ich Päpstin."

Hier zeichnet sich das Risiko des Reformprozesses ab: Er hat eine Aufbruchsstimmung erzeugt, aber es besteht die Gefahr, dass dies in umso größerem Frust endet. Nämlich dann, wenn konkrete Veränderungen von Rom gestoppt werden. "Dennoch ist es wichtig, darüber jetzt zu diskutieren", sagt Sternberg der Deutschen Presse-Agentur. "Große Entscheidungen der jüngeren Kirchengeschichte sind nur möglich gewesen, weil vorher ganz viel passiert ist."



#1 Ralph
  • 04.09.2020, 14:54h
  • Man könnte meinen, die bilden sich tatsächlich ein, die kath. Kirche reformieren zu können. Lachhaft. Am Ende werden Leute wie Schwaderlapp aus Rom bestätigt werden. Dazu muss man kein Prophet sein.
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#2 panzernashorn
  • 04.09.2020, 15:46h
  • Kurzinfo: ein Austritt aus diesem weltfremden und verlogenen Verein befreit ungemein!
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#3 ursus
  • 04.09.2020, 16:36h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • "Die katholische Kirche in Deutschland will sich reformieren und zwar ernsthaft."

    Ich musste schon beim ersten Satz lachen.

    Witzig wäre auch, wenn es nicht gleichzeitig so tragisch wäre, dass immer noch nur über eine diskriminierende "Segnung" geredet werden darf, dieser Unsinn aber als ach so "offene" Debatte verkauft wird.

    Die Gleichbehandlung queerer Menschen steht da von vornherein nicht mal theoretisch zur Diskussion. Wer auf dermaßen durchschaubare, dumme Lügen hereinfällt und die auch noch schönredet, hat es nicht besser verdient.
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#4 Kritiker_inEhemaliges Profil
  • 04.09.2020, 17:10h
  • "Der Synodale Weg hat vier Themen: Umgang mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die erzwungene Ehelosigkeit der Priester, Zölibat genannt, und die Position der Frauen."

    Hach, es ist doch immer wieder schön. Ich resümiere:
    1) Macht (u.a. durch Einschränkung von Sexualität)
    2) Sexualität
    3) Sexualität, insbesondere verbotene
    4) Unterdrückung auf Grund des Geschlechts

    WER ist also hier eigentlich von einem echten "Genderwahn" befallen? Ich lese da immer nur Sex, Sex, Sex, Sex. Kein Wunder, dass in diesem Rahmen nun auch schon wieder mal HomoSEXualität und SEX mit sich selbst besprochen werden müssen.

    Die Schwulen sind von der Blutspende ausgeschlossen, weil sie sexbesessen sind?

    WER ist hier WIRKLICH sexbesessen?

    www.kirchenaustritt.de/
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#5 LorenProfil
  • 04.09.2020, 17:33hGreifswald
  • Antwort auf #4 von Kritiker_in
  • Wenn sie die Themen nach Reihenfolge abarbeiten würden, könnten sie ja mal die innerkirchlichen hierarchischen Machtstrukturen studieren. Dann erledigt sich die Bearbeitung der übrigen drei Themen ggf. ganz von selbst. Einfach mal im Vatikan nachfragen!
    Wer kein Mitglied dieser Organisation ist, hat da ein paar Probleme weniger und ggf. den Kopf freier für anderes.
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#6 Julian SAnonym
#7 NimboAnonym
#8 hugoAnonym
  • 05.09.2020, 12:10h
  • Nun, die Wuzeln des Christentums liegen im Orient, wo auch im 21. Jahrhundert noch ein, nach den Regeln der Menschenrechte, gestörtes Verhältnis zu Hirarchie, Sexualität, insbesondere Frauen und Demokratie in den meisten Staaten herrscht.
    Diese Regeln mögen vor 2000 Jahren ebenso sinnvoll gewesen sein wie die Ernährungsvorgaben im Islam oder Judentum.
    In der heutigen Zeit haben sich jedoch die Umstände sowohl in der Technik als auch in den Wissenschaften und der gesellschaft grundlegend weiterentwickelt.
    Dieser Weiterentwicklung müssen sich die Glaubensgemeinschaften (nicht nir die katholisch Kirche) stellen, um als moralisch Instanz wahrgenommen zu werden und nicht in den Geschichtsbüchen zu verschwinden.
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#9 marcocharlottenburgAnonym
  • 05.09.2020, 22:00h
  • Man mag zurecht kritisch gegenüber der katholischen Kirche eingestellt sein, dennoch darf man aber auch bei dieser Einstellung den Gläubigen wünschen, dass sich ihre Glaubensgemeinschaft weiterentwickelt und was hindert am Ende die deutschen Katholiken daran sich bei abweichender Meinung von der römisch-katholischen Kirche zu trennen? Hat doch schon einmal funktioniert!
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#10 alt-katholikAnonym
  • 06.09.2020, 14:04h
  • Ceterum censeo: es gibt mehrere katholische Kirchen, und die Alt-Katholische Kirche hat schon längst (geschätzt) offen schwule Paare in 10% der Pfarrhäuser. Die kommende Synode (leider auf 2021 verschoben) wird auch darüber beschließen, ob die seit 6 Jahren institutionalisierte Segnung einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft überhaupt noch vom Ehesakrament unterschieden werden kann. Ach ja, seit 1.9. ist mit Generalvikarin Anja Goller die zweithöchste Position im Bistum mit einer Frau besetzt.
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