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Exklusive Leseprobe

Rosa Winkel, Auschwitz und Erinnerungskultur

Ein neues Buch aus dem Querverlag widmet sich der queeren Geschichte des Holocaust. Um "The Other Victims" und Ko-Erinnerung geht es im Kapitel "Die Fremdheit überwinden" von Rüdiger Lautmann.


Auschwitz-Birkenau war das größte der deutschen Todeslager im besetzten Polen (Bild: Daniel BRIOT / flickr)

Rüdiger Lautmanns Text ist eine Auszug aus dem Buch "Erinnern in Auschwitz – auch an sexuelle Minderheiten", das Anfang September im Berliner Querverlag erschienen ist

"Auschwitz" steht weltweit für die Shoa. Es ist erinne-rungskulturell kein geografischer Begriff, fand doch der Mord an den europäischen Juden an mehreren Orten statt. Das unvergleichliche Menschheitsverbrechen überschattet die anderen Gräueltaten, welche die Na-zis in den Lagern von Auschwitz begangen haben. So war es ein weiter Weg, bis das Schicksal der anderen Feindgruppen auch für diesen so bedeutungsschwer aufgeladenen Ort erforscht werden konnte.

I. Das Verhältnis von Shoa und NS-Homophobie

Es ist historisch unpassend, die NS-Homosexuellenverfolgung mit dem Genozid an den Juden eng zu parallelisieren. Gewiss trugen beide Ter-rorakte einen eliminatorischen Charakter, doch betraf dieser im ersten Falle die Sexualform, die in ihrer Gänze zum Verschwinden gebracht werden sollte, im zweiten Falle aber die Existenz sämtlicher Menschen jüdischer Herkunft. Die einen behielten eine Chance zum Weiterleben und wurden "nur" exemplarisch zum Straf- bzw. KZ-Opfer; die anderen blieben chancenlos und sollten in ihrer Gesamtheit umgebracht werden. Gleichwohl kann es nicht überzeugen, die grauenhaf-ten Einzelmaßnahmen allein vom Judenmord her zu denken; das nationalsozialistische Gesellschaftsmodell sah eine vieldimensionale Umgestaltung vor. Neben die "germanische Rassereinheit" trat hier eine sozio-kulturelle Nivellierung und politische Vereinheitli-chung, die sämtliche Bürger*innen ergriff.

Speziell in der Erforschung der Konzentrationslager werden immer klarer die beiden Typen "Lager" und "Todesfabrik" einander gegenübergestellt. Am Ort Auschwitz finden wir sogar beide vor, räumlich ge-trennt in das "Stammlager" und die "Todesfabrik" in Birkenau. Die Holocaust-Studien haben sich lange auf die Vernichtungsorte fokussiert; die sogenannten frü-hen Lager wurden hier vernachlässigt, obwohl Namen wie Dachau und Buchenwald eine zwar anders gear-tete, aber ebenso traurige Berühmtheit in der Welt erlangt haben. Im Falle von Auschwitz allerdings blieb das Bild auf die Tötungsanlage beschränkt; weniger beachtet wurde, dass hier seit Kriegsbeginn auch ein klassisches KZ betrieben wurde.

In den Lagern wurden seit 1933 Menschen "kon-zentriert", die für die NS-Herrschaft gefährlich und der gesellschaftlichen Umgestaltung im Wege waren. In erster Linie wollte man sie absondern, sodann die An-passungswilligen umerziehen, schließlich auch ihre Arbeitskraft ausnutzen. In der Außenwirkung setzte man auf die Abschreckung politischen Protests und eigenwillig-devianter Lebensführung. Jüdische Häft-linge sollten zur Ausreise veranlasst, homosexuelle Häftlinge zum Normalverhalten motiviert werden. Zunehmend erkennt nun die Holocaustforschung die Bedeutung der "frühen" Lager im Reichsgebiet für die Vorgeschichte der Shoa. In neueren Bänden wird an die verschiedenen Häftlingskategorien in jeweils ei-genen Beiträgen erinnert.

Wo die Rosa-Winkel-Häftlinge nach den einzelnen Lagern geschildert werden, dort erscheint meist auch "Auschwitz" – ohne anzugeben, ob Stammlager oder Birkenau. Richtigerweise sollten beide Orte unter-schieden werden; nicht nur liegen sie einige Kilometer voneinander entfernt, sondern sie tragen auch einen völlig anderen Charakter.

Wenn das hier vorliegende Buch Erinnern in Auschwitz – auch an sexuelle Minderheiten den rosa Winkel vor Ort erforscht, dann sehen wir nicht nur auf die kon-kreten Schicksale derer, die hier leiden mussten, wo-von heute etwa 150 Individuen namentlich bekannt sind. Darüber hinaus treffen zwei Gedenklinien zu-sammen, die sich lange gegeneinander gesträubt ha-ben: der Mord an den europäischen Juden und die Homosexuellenverfolgung der Nazis. Diese Erinne-rungskulturen wurden getrennt aufgebaut. Auch heute wird mancher sich fragen, ob sie viel miteinander zu tun hätten, ja haben dürfen. Diese Fremdheit zu überwinden wird lange dauern und viel Arbeit erfor-dern. Aber die Zeit ist gekommen, Verwirrnis und Ig-noranz aufzuheben.

Dazu sind alle Lager über die gesamte Zeit des NS-Reichs zu betrachten. Heute wird ausgesprochen, dass angesichts von Ausmaß und Organisationsgrad der Vernichtungsstätten "die Lager der Vorkriegszeit in ihrer Bedeutung verblassen müssen". Werden dadurch die Schrecken der aus soziokulturellen Gründen Ver-folgten gemindert oder relativiert? Geht es um Zah-len? Es müssen also eine Perspektive und ein theore-tischer Ansatz gefunden werden, um den "anderen" Terror zu erfassen. Von den Möglichkeiten, Holocaust und NS-Homophobie in Kommunikation zu bringen, nutze ich hier zwei Wege: meine Begegnung und An-eignung des Themas (II) und die Chance eines ge-meinsamen Erinnerns (III).

II Der autobiografische Weg


Rüdiger Lautmann, Jahrgang 1935, gilt als der erste deutsche Professor, der sich ab 1971 mit der Diskriminierung Homosexueller in Geschichte und Gegenwart befasste (Bild: James Steakley / wikipedia)

Als das KZ Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde, hatte ich gerade mein neuntes Lebensjahr vollendet. Wenige Monate darauf war auch der Krieg zu Ende, und in unserer Nachbarschaft, am Stadtrand von Düsseldorf, tauchten Repräsentanten des Themas auf, das uns hier in Atem hält. Da wohnte ein KZ-Überlebender namens Sprengnöter, der verachtet wurde und als gefährlich galt, vielleicht ein Träger des grünen Winkels. Ein anderer Nachbar hatte eine Strafe wegen § 175 erlitten und wurde ebenfalls misstrauisch beäugt; aber als renommiertem Unternehmer für Männermode namens Herbert Stock an der Königsal-lee perlte das an ihm ab. Mich als Kind haben diese Negativurteile tief geprägt. Außerdem stand im elter-lichen Bücherschrank die Broschüre "Vor den Ruinen Deutschlands" von F.A. Kramer (1945), worin scho-nungslos mit Nazideutschland abgerechnet wurde. Der Heranwachsende bekam all diese Impulse mit, doch so intelligent er auch war, beschäftigte ihn doch eigent-lich, wie er ein "richtiger Junge" werden könnte. Die Vorbilder dafür waren damals immer noch "hart wie Kruppstahl …" – na, Ihr kennt A.H.s Worte.

Meine Jugendjahre sahen Auseinandersetzungen so-wohl mit dem an den Juden begangenen Unrecht als auch mit der allmählich hervordrängenden Homose-xualität. Der Vater gab den Gegenpol. Sein generati-onstypischer Antisemitismus provozierte heftige Streitgespräche; seine Ablehnung meiner kulturellen Interessen und Studienfachwünsche führte zum Zer-würfnis. Mit zwanzig sah ich den tief erschütternden Film "Nacht und Nebel". Jahre darauf, nachdem ich mich zum Schwulsein durchgerungen und den Be-rufswechsel zur Soziologie bewältigt hatte, entstanden erste Forschungspläne zum Antihomosexualismus: 1971 für eine großangelegte Bevölkerungsumfrage, 1972 der erste einschlägige Artikel "Homosexualität als Stigma". Zwischen Homophobie und Antisemitismus sah ich zwar eine enge Verbindung, aber diese war emotional fundiert und stimulierte keine Forschungs-aktivität.

In der Soziologie, die sich auch eine "Gegenwartswis-senschaft" nennt, befasste man sich früher nicht mit Vergangenheiten, außer, um langfristige Trends aus-zumachen. Je älter ich nun wurde, desto mehr achtete ich auf das historische Herkommen aktueller Phäno-mene. 1976 las ich erstmals den Artikel von Wolfgang Harthauser über den "Massenmord an Homosexuel-len" und konnte kaum glauben, dass dazu keine histo-rische Untersuchung existierte. Sofort beschloss ich, solche Informationen zu beschaffen. Die Akten dazu hütete der Internationale Suchdienst (ITS) in Arolsen. Ohne große Antragsformulierung versammelte ich zwei studentische Mitarbeiter, meldete uns beim Prä-sidenten des ITS an und fuhr dorthin. Das Begehr: die Unterlagen aller Lager zu sehen, in denen wir unsere Gruppen vermuteten. Die Leute im Archiv waren über die Zielrichtung unseres Vorhabens erstaunt, aber ko-operierten bereitwillig. Alle Originaldokumente waren damals noch zugänglich, bevor sie für Jahrzehnte un-ter Verschluss gestellt wurden. Andere For-schungsteams arbeiteten dort nicht. Nun hatten wir Hunderte, vielleicht Tausende von Aktenordnern vor uns, aufgestellt nach den Lagern. Wo fanden sich hier die Namen und Angaben einzelner Häftlinge? Es wa-ren die Nummern- und Zugangsbücher, Verände-rungsmeldungen, Listen über Transporte, Arbeitsein-satz, Krankmeldungen, Todesfälle u.Ä., ferner Doku-mente zu einzelnen Häftlingen. Sobald klar war, wel-che Angaben dort enthalten waren, entwarf ich einen Zählbogen mit Rubriken zu Namen, Geburt, Beruf, Wohnort, Vorstrafe usw. Jeder Buchstabe von Namen, Beruf usw. erhielt ein Kästchen – damals gab es nur eine analoge Datenverarbeitung auf Hollerithkarten. So wurde eine maschinelle Auswertung und mehrdi-mensionale Datenanalyse für mehrere Tausend Fälle möglich.

Als Soziologe wusste ich, dass das Sonderschicksal ei-ner Gruppe nur dann hervortritt, wenn es sich vom Schicksal anderer Gruppen in ähnlicher Lage abhebt. Als Vergleichsgruppen wählte ich die Politischen (zahlreich und moralisch respektabel) sowie die Zeu-gen Jehovas (von geringer Zahl und "kulturell" abwei-chend zur Bevölkerungsmajorität). Die Daten für die rosa Winkel wurden vollständig, die für die beiden "Kontrollgruppen" nur in statistisch ausreichender Zahl erhoben. Solche und weitere Regeln der empiri-schen Sozialforschung wurden beachtet, um eine un-anfechtbare Statistik aufstellen zu können. Bei meh-reren Archivaufenthalten haben wir sämtliche Akten durchgesehen, bezüglich des rosa Winkels also eine "Totalerhebung" gemacht. Wir nahmen die "klassi-schen" Lager, elf an der Zahl, sowie einige "frühe", d. h. bereits in den dreißiger Jahren geschlossene KZ. Für nur vier Lager bestand eine lückenlose Überliefe-rung.

Bezeichnenderweise blieb das Stammlager Auschwitz unberücksichtigt – aus Achtung vor dem bedeutungs-schweren Wort. Zusammen mit weiteren qualitativen Materialien (einige Interviews mit Überlebenden, zahlreiche Erinnerungsbücher und Berichte von nichthomosexuellen Autoren) konnte ich dann einen zwar knapp gefassten, aber ausgreifenden Bericht schreiben. Dazu gehörte es, so etwas wie die Gesamt-zahl der Rosa-Winkel-Träger zu ermitteln. Damals (und gelegentlich noch heute) hingen hierzu sechsstellige Ziffern in der Luft. An einem Nachmittag des Jahres 1976 unternahm ich an meinem Schreibtisch dies (und habe es immer noch vor dem inneren Auge): Auf klei-nen Zetteln legte ich die Informationen über die ein-zelnen Lager nebeneinander – für welche Zeiträume gab unsere Erhebung quantitative Angaben her, und welche Zeiträume blieben leer? Im Wege der intuiti-ven Interpolation wurde so für jedes Lager eine Ge-samtzahl ermittelt. Diese Zahlen wurden addiert und von der Summe ein Abzug gemacht, weil viele Gefan-gene von einem zu anderen Lagern verschoben wor-den waren. Daraus ließ sich nun plausibel eine unge-fähre Größenordnung schätzen. Ich kam auf eine Un-tergrenze von Fünftausend, auf eine Obergrenze von Fünfzehntausend. Diese Zahlen wurden seitdem an vielen Stellen zitiert bzw. benutzt; auch bildeten Au-toren einen Mittelwert, der je nach Tendenz etwas höher oder niedriger ausfiel. (Mit leichtem Amüse-ment konnte ich hier am Detail beobachten, wie sich Erinnerung konstituiert.) Da inzwischen weitere Ak-tenbestände erforscht sind, lässt sich die Gesamtzahl von KZ-Häftlingen mit einem rosa Winkel als "ungefähr 7.500" angeben. Präzise Zahlen erlaubt die Überliefe-rung nicht, denn die Lager waren im Widerspruch zwi-schen Bürokratie und Willkür organisiert.

1987 empfing ich einen Brief, unterzeichnet von Elie Wiesel, der Auschwitz und Buchenwald überlebt hat-te; gerade hatte er für sein publizistisches Werk den Friedensnobelpreis bekommen. Der Brief enthielt die Einladung zu einem Vortrag im entstehenden United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) in Washington, D.C. Von hier aus eröffnete sich mir eine ganz neue Perspektive. War bis dahin meine Arbeit zur NS-Vergangenheit der alten Trennung gefolgt – hier die politische und kulturelle Nivellierung, dort die ras-sistischen Genozide -, so wurden nunmehr die Na-zi-Homophobie und der Mord an den Juden nebenei-nandergestellt. Wiesel hatte für das Museum zwar die Konzentration auf den Holocaust durchgesetzt und war damit umstritten; aber angegliedert wurde ein Forschungsinstitut, dessen Aufgaben weiter ausgriffen. Die Eröffnung war ein außerordentlich feierlicher Akt, der Außenminister sprach, Yehuda Bauer hielt eine Ansprache, verschiedene Konferenzen fanden statt – beschworen wurde der religiöse Geist der Shoa. Als Vertreter einer Verfolgtengruppe der profanen Sexua-lität, zudem noch einer theologisch verdammten Va-riante, war der atmosphärische Widerspruch kaum auszuhalten.

Das kollektive Trauma der Deutschen, nachdem ihre Eltern und Großeltern mit der Wahl und Loyalität zu A.H. den Holocaust und Weltkrieg ermöglicht haben, hält an. Die Nachlebenden müssen sich diese Vergan-genheit ständig vergegenwärtigen, darunter auch die Erinnerung an den Terror gegen stigmatisierte Rand-gruppen wie Juden und Homosexuelle, deren Eman-zipationserfolge aus dem 19. und frühen 20. Jahrhun-dert seit 1933 ausgelöscht wurden. Bis vor Kurzem habe ich es für falsch gehalten, als Deutscher nach Oświęcim und Israel zu reisen; touristische Ziele konn-ten das jedenfalls nicht sein. Schließlich, 2018/2019, überwand ich das Bedenken – um zu bemerken, dass ich es längst hätte tun können. Das aufregend-schöne Land Israel und die bedrückenden Anlagen in Auschwitz (dort mit der eindrucksvollen Führung durch Dr. Krystyna Oleksy). Stärker als die Scham wiegt eben das Bekenntnis.

Die Repressionsmaßnahmen gegen homosexuelle Männer und Frauen, die Kämpfe zur Emanzipation machen seit bald fünfzig Jahren einen beständigen Teil meiner wissenschaftlichen Arbeit aus. Die Liste meiner Publikationen dazu nähert sich gerade den neunzig Einträgen. Zuletzt organisierte ich für das Jahrbuch "Invertito" die Ausgabe 21 zur Verfolgungs-geschichte der homosexuellen Frauen und Männer in der NS-Zeit. Ein Menschenleben kann die Themen nicht ausschöpfen, die sich im Komplex von Ge-schlecht/Sexualität/Nationalsozialismus stellen. Zu-dem verändert sich mit der Zeit das Nachdenken über den rosa Winkel und die Shoa. 2006 noch werkelte ich an einer Hierarchie der Opfer des NS-Terrors (der rosa Winkel ganz unten). Vor zwei Jahren dann brachte die Denkfigur der Ko-Erinnerung eine Wende – das Wer-tigkeitsproblem trat in den Hintergrund.

III Die Ko-Erinnerung zu disparaten Opfergruppen


Im Konzentrationslager Ausschwitz wurden bis zu 1,5 Millionen Menschen von der Nationalsozialisten ermordet (Bild: Fabrizio Barbieri / flickr)

Der Grundgedanke ist einfach, und er wird einfluss-reich von Michael Rothberg vorgetragen: Ein Wettbe-werb zwischen verschiedenen Opfergeschichten bringt analytisch wenig Gewinn; stattdessen können sich die Erinnerungen wechselseitig fördern. Rothberg will das globale Holocaustgedächtnis als etwas begreifen, das andere Opfergeschichten nicht hemmt, sondern sie zu artikulieren hilft, so dass alle in einem gemeinsamen Raum der "Ko-Erinnerung" zusammenfinden können. Insgeheim lag der bisherigen Erinnerungsarbeit das Schema eines Nullsummenspiels zugrunde; jede Op-fergruppe entwickelte ihre eigene Erzählung und be-stand auf der Einzigartigkeit, als könne eine Gemein-samkeit mit anderen Verfolgungen ihr etwas weg-nehmen. Vorbild war die Intensität, mit der die Singu-larität des Judenmordes ausgebaut und verteidigt worden ist.

Bei der Eröffnung des Forschungsinstituts im USHMM in Washington, an der ich teilnahm, spielten The Other Victims eine kleine Rolle, gemessen an dem der Shoa eingeräumten Gewicht; aber sie waren präsent. (Das ist übrigens bis heute ungefähr so ge-blieben, zumindest in Einrichtungen, die dem Holo-caust in einem engeren Sinne gewidmet sind. Daran ist keine Kritik zu üben.) Michael Berenbaum, For-schungsdirektor am USHMM, hatte 1987 ein "Mosaik von Opfern" gezeichnet; er fragte auch in seinem um-fangreichen Sammelband "The Holocaust and History" danach, wer die Opfer des Holocaust gewesen sind. Soll das Konzept allein auf das eingegrenzt sein, was die Nazis die "Endlösung der Judenfrage" genannt haben, oder umfasst der Holocaust ein Mosaik von Nazi-Opfern? Das formuliert bereits die Herausforde-rung einer Ko-Erinnerung, allerdings in einem An-fangsstadium des beschreibenden Nebeneinanders und noch nicht mit dem Anspruch, verschiedene Ge-dächtniskulturen aufeinander zu beziehen.

Ko-Erinnerung ergibt sich nicht von selbst; sie muss zuerst einmal opferspezifisch geweckt werden. Erst danach stellt sich ein Zuwachs an Aufmerksamkeit her. Die Shoa erzeugt in nahezu jeder Hinsicht so überwäl-tigend starke Regungen kognitiver und emotionaler Art, dass die "anderen Opfer" zunächst in den Hinter-grund treten. Das lässt sich z. B. in Yad Vashem erle-ben, wo der nichtjüdischen Oper durchaus und würdig gedacht wird, aber – nach meinem Besuchseindruck – nicht zuletzt bezogen auf jüdische Betroffene.

Die Bundesrepublik hat an die NS-Definition von Feindgruppen angeknüpft, ja sie geradezu eins zu eins übernommen, um differenziert eine Erinnerungs- und Wiedergutmachungspolitik zu formulieren. Merkwür-digerweise wurde dieses gedankenlose Kopieren einer NS-typischen Programmatik niemals kritisch reflek-tiert. Die Folge war die Aufspaltung der Opfer in un-terschiedliche Würdigkeiten. Michael Pollak bemerkt dazu: "Die politisch-administrative Einteilung der NS-Opfer in verschiedene Kategorien trägt – mit oder ohne Zutun von Verfolgtenvereinigungen – zum Ent-stehen einer offiziellen Version der Erinnerung bei." Das bedingte den geradezu "tragischen Extremfall: das kollektive Schweigen von Menschen, die nach dem Krieg befürchten mussten, dass ein Bekanntwerden ihrer KZ-Haft ihre Homosexualität aufdecken würde oder den Verlust der Wohnung oder des Arbeitsplatzes nach sich ziehen könnte".

Schwierigkeiten beim Ko-Erinnern beruhen vor allem darauf, dass der Holocaust nur mit anderen Genoziden plausibel zu vergleichen ist bzw. bisher verglichen worden ist. Bei Rothberg wird der "gemeinsame Erin-nerungsraum", sich "multidirektiv" in die Richtung der jeweiligen Feindseligkeit ausdehnend, für Rassismen in einem engeren Sinn entwickelt. Nun sind aber die Homosexuellen als Feindgruppe in der NS-Sicht zwar biologistisch, aber nicht rassistisch begründet. Sie störten die kulturelle Nivellierung der faschistischen Gesellschaft, vergleichbar den Zeugen Jehovas und Politischen, auch den sogenannten Berufsverbrechern (BV) und "Asozialen". Bei einigem Nachdenken dürfte nichts dagegensprechen, die Erinnerungsstrategie einheitlich gemäß der Multidirektivität auszugestal-ten. Dazu wird es einiger Anstrengung bedürfen.

Als ich 1975 auf den rosa Winkel aufmerksam wurde und mich spontan seiner annahm, gab es noch keine sozial- oder geschichtswissenschaftliche Bearbeitung dazu. Es erschien mir von vornherein unplausibel, die vorliegenden Deutungsmuster zu den Verfolgungen der Juden und der politisch Oppositionellen zu über-nehmen. So wählte ich einen theoretischen Rahmen, der auf den stigmatisierten Status der Homosexuellen abhob. Dieser Ansatz kann sowohl den eliminatori-schen Antisemitismus als auch die Homophobie, die Behinderten, Vorbestraften und "Asozialen" umfas-sen, also einen großen Teil der NS-Opfergruppen. Schon der Klassiker der Stigma-Theorie, Erving Goff-man, dürfte von der eigenen jüdischen Herkunft inspi-riert gewesen sein.

Gleichgeschlechtlich orientierte Frauen und Männer bilden ein zentrales Beispiel für stigmatisierte Bevöl-kerungsgruppen. Strafrecht und Psychiatrie hatten ihre Außenseiterstellung begründet, durchgesetzt mit den Mechanismen negativer Sanktionierung. Meine These war (und ist): Das Geschehen in den Konzentrations-lagern und der rosa Winkel waren integraler Bestand-teil der NS-Herrschaft, genauer: von deren Kon-trollapparatur. Das KZ verlängert die Reihe der In-stanzen, in welchen unmittelbar physischer Zwang angewendet wird. Die Lager "vollziehen Sanktions-ordnungen politisch übergeordneter Stellen: Abwei-chendes Verhalten wird hier zu verändern oder zu unterdrücken versucht, unerwünschte Menschen werden vernichtet". Später spitzte ich diese Interpre-tation zu, als ich vorschlug, die NS-Homosexuellenverfolgung von einem kriminologi-schen Gesichtswinkel aus zu betrachten. Ein krimino-logisches Paradigma wird bis heute nicht ernsthaft diskutiert, auch der Vergleich zwischen verschiedenen Deutungsansätzen bleibt unerörtert und unentschie-den.

Mit der "Ko-Erinnerung" und dem "multidirektiven Erinnerungsraum" kann der rosa Winkel in die Historie gemeinsam mit der Shoa eingeordnet werden. Es ist ja eine Gesellschaft und eine Epoche, welche die Feindseligkeiten hervorgebracht haben. Die Shoa gehört zu den Hintergrundrelevanzen jedes Nachdenkens über gesellschaftliche Verhältnis-se. Wenn es gelingt, relevante (und nicht bloß äußer-liche) Berührungen aufzuzeigen, dann bedeutet das nicht, dass die Komplexe miteinander verschmelzen. Die Begegnung dauert an, solange sie produktiv ver-läuft. Treten Konfrontationen auf, muss ihnen nicht ausgewichen werden. Manchen fällt die Empathie mit einer Menschengruppe schwer, deren Opferstatus anerkannt wird, obgleich ihr moralischer Status prob-lematisch ist.

Wie nun passen die Geschichten so verschiedener Op-fergruppen zusammen? Leisten sie einander Hilfe? Auf der Hand liegt die Einflussrichtung von der jüdischen zur queeren Erinnerungskultur. Aus vielen Gründen prägt der Holocaust das Gedächtnis an die übrigen NS-Verfolgungen. Umso mehr fordert die umgekehrte Einflussrichtung die Forschung heraus: Gibt es Berei-che, bei denen das Holocaustgedächtnis von den an-deren Terrorgeschichten profitiert hat? Infrage kom-men hier Themen wie das Vergessen, das Unsagbare, das Für-immer-Verborgene, das queering (d. h. geläufige Texte gegen den Strich lesen), die Be-deutung der "frühen" Konzentrationslager, die Unter-schiede zwischen "Arbeits"- und Todes-Lagern, die Mitschulddebatte, die Entsakralisierung von Gedenk-orten, die Resonanz beim Publikum, Fragwürdigkeiten in der Bearbeitung des Terrors nach 1945.

Was können die Gleichgeschlechtlichen im Zuge eines Ko-Erinnerns vom Shoa-Gedenken lernen? Es ist die Identitätsbildung aufgrund der Geschichte ihrer Ver-folgung. Gruppen errichten ein jeweils eigenes Ge-dächtnis. Für überaus viele Juden ist die Erinnerung an die Ermordung ihres Volks bis heute in identitätsstif-tender Weise präsent. Für Schwule und Lesben gilt das nicht; sie mögen vom rosa Winkel gehört haben, aber stützen ihr Zugehörigkeitsgefühl nicht darauf. Und müssen sich gelegentlich gedankenlos sagen lassen, ihre einzige Gemeinsamkeit sei die geschlechtliche Orientierung, mithin eine flüchtige und variable An-gelegenheit. Aber Identität ist nicht bloß Willensakt der so Lebenden, sondern auch eine Vorgabe aus der sozialen Umwelt.

Ein kulturell beachtliches Gedächtnis der NS-Verbrechen erwachte in Deutschland erst nach Jahrzehnten, für die beiden Gruppen freilich unter-schiedlich spät. Die Frage berührt beide Erinnerungs-kulturen und könnte gemeinsam beantwortet werden. "Amnesie" hat sich als Ausblenden einer heute unan-genehmen Vergangenheit eingebürgert (vor allem für die imperiale Vergangenheit europäischer Staaten). Dieses Vergessen muss nicht auf Verschwörung und Scham beruhen (wie im Falle des Kolonialismus). Es waren die schon damals herrschenden Moralvorstel-lungen, gestärkt durch Strafrecht und Psychiatrie, welche ein Desinteresse an bestimmten Nazi-Gräueln erzeugten. Im Falle des Judenmords zeigte sich in den Nachkriegsjahrzehnten ein partieller Eifer, mit materi-ellen Leistungen in den Kreis souveräner Nationen zurückzukehren.

Wo es aber um die Beteiligung der breiten Bevölke-rung und der staatlichen Institutionen ging – Justiz, Beamtenschaft usw. -, da herrschte ein gleiches blei-ernes Schweigen, ja teilweise ein aktives Verschwei-gen, was die Aufdeckung von Verantwortung und Mittun anlangt. Bis heute bleibt rätselhaft, wie und warum die deutsche Gesellschaft den von oben be-triebenen Ausschluss und Mord an den Juden hinge-nommen hat. In diesem Punkt können die Erinnerun-gen an den Holocaust und an die Homosexuellenver-folgung einander die Hand reichen.

Infos zum Buch

Joanna Ostrowska, Joanna Tale-wicz-Kwiatkowska, Lutz van Dijk (Hrsg.): Erinnern in Auschwitz – auch an sexuelle Minderheiten. 272 Sei-ten. Broschierte Ausgabe mit zahlreichen Fotos. Querverlag. Berlin 2020. 18 €. ISBN 978-3-89656-289-0


#1 Peck_SProfil
  • 05.09.2020, 09:40hFrankenthal
  • Wer wirklich etwas über die Psyche, den Alltag und Haftbedingungen Homosexueller im Dritten Reich erfahren möchte, dem empfehle ich

    Heinz Heger - Die Männer mit dem Rosa Winkel &
    Alexander Zinn - Das Glück kam immer zu mir (über das Leben von Rufolf Brazda)

    Das Alleinstellingsmerkmal und sicher die abenteuerlichste Geschichte hat Gad Beck, der als schwuler Jude mit ansehen musste, wie seine große Liebe Manfred deportiert wurde. Ein Schlüsselerlebnis, dass in den Untergrund führte aus dem er aktiven Widerstand gegen das Regime leistete.

    Gad Beck - und Gad ging zu David
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#2 N8EngelProfil
  • 05.09.2020, 09:45hWenden
  • Alle Opfergruppen wurden nach der Zeit des dritten Reiches als Opfer angesehen. Einzig der Gruppe des rosa Winkels wurde auch in der weiteren Geschichte mit denen der Straftäter gleichgesetzt. Die Gesetze nach denen sie unter der NS-Diktatur verfolgt wurden, behielten ja Gültigkeit, also waren sie auch im Nachkriegsdeutschland Verbrecher. In einem Polizeibericht aus den 1960ern wurde ein bereits mehrfach vorbestrafter Homosexueller als Berufsverbrecher bezeichnet. Somit wurde den Opfern des Rosa Winkels jegliches Leid abgesprochen, sie wurden weiter kriminalisiert. Über Generationen hinweg wurde den Menschen erklärt, das sie ja Verbrecher und somit in der Gesellschaft unerwünscht seien. Erst seit wenigen Jahren - nach dem Tod der meisten Opfer - wird ihnen zugebilligt, das sie doch Opfer waren. Die Auswirkungen sind bis heute in der Gesellschaft sichtbar, stigmatisierung und ausgrenzung verschwinden nur sehr langsam. ich habe 30 Jahre nach dem Ende der dunklen Aera noch gelernt, das Zigeuner etwas böses seien, vielleicht ist in 30 Jahren die Gesellschaft so weit, das Homosexuelle nichts schlimmes sind.
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#3 KaiJAnonym
  • 05.09.2020, 10:20h
  • Ich habe den Artikel bisher flüchtig gelesen. Ich kann auch noch keine bedeutende Quintensenz erkennen. Gewagte Theorien wurden angerissen. Die Unterdrückung der Sexualität wohlmöglich auf die Bibel zurückzuführen habe ich hier schon öfter als nicht nachweisbar dargestellt. Opfergruppen von einem Gesamtkomplex her zu betrachten halte ich für falsch, da für die einzelnen Gruppen spezifische Mechanismen fortentwickelt haben. Zurecht wurden die Opfergedenkstätten in Berlin nach langem Streit von eineinander getrennt aber solidarisch und Verbindung herstellend nebeneinander gestellt. Die Opfererfahrung ist eben singulär, und aus der Erfahrung des Individuums in Gemeinsamkeiten mit anderen lässt sich erst Solidarität herstellen. Für fehl am Platz halte ich nach meinen Erfahrungen aus dem Ende der 70-ger Jahre, die der Artikel-Autor ja nun eigentlich bewusst mit erlebt hat, für Schwule würde sich hingegen der Juden zu deren Verfolgung keine Identität aus dem Rosa Winkel ergeben. Natürlich ist sie eine und ein auf sich Zurückgeworfensein vorbeugendes Misstrauen auf die Verlässlichkeit gesellschaftlicher Solidarität. Weitere Gedanken zum Artikel haben mich nun eher verlassen. Wahrscheinlich werde ich mir noch mal die Mühe machen, ihn zu lesen. Wie meine Quintensens aus dem Artikel auch nach dem flüchtigen Lesen unausgegoren sein kann, so scheint es der Artikel auch selbst zu sein.
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#4 Ralph
  • 05.09.2020, 10:55h
  • Rüdiger Lautmann scheint einen persönlichen Zugang zum Thema zu suchen und gibt immer wieder autobiographische Hinweise, um seine eigene Verbindung zur Sache zu erklären. Ich vermisse dabei den für mich wesentlichsten Punkt. Herr Lautmann war kurze Zeit lang Mitarbeiter eines der Hauptverantwortlichen für die Fortführung der NS-Schwulenverfolgung in der Bundesrepublik, nämlich des NSDAP-Mitglieds und SA-Mannes Helmut Schelsky, den das Bundesverfassungsgericht 1957 als "Sachverständigen" in seinem Verfahren berief, das mit der Feststellung endete, dass schwule Männer in der Bundesrepublik unter keinem Aspekt der Menschenwürde und der Grundrechte vor staatlicher Verfolgung geschützt sind, nicht einmal vor solcher, die Adolf Hitler angeordnet hatte. Es wäre interessant zu erfahren, was Herrn Lautmann dazu brachte, ausgerechnet Mitarbeiter dieses Mannes zu werden und ob, ggf. in welcher Weise, er gerade durch seine Nähe zu diesem Nazi Zugang zur nationalsozialistischen Schwulenverfolgung gefunden oder erweitert hat. Im Übrigen halte ich seinen Ansatz für verfehlt, die NS-Schwulenverfolgung sozusagen als Nebenkapitel oder Anmerkung oder Fußnote (so kommt es mir jedenfalls vor) zur Judenverfolgung zu sehen und zu bearbeiten. Beide hatten sehr unterschiedliche Wurzeln (das erkennt er immerhin) und haben bis heute ein ganz unterschiedliches gesellschaftliches und politisches Echo gefunden. Ich glaube nicht, dass man die Schwulenverfolgung 1933-69 (sie brach nicht 1945 ab, so dass man auch ihre Betrachtung nicht 1945 abbrechen darf) oder die Verfolgung irgendeiner anderen Opfergruppe im Lichte des oder im Vergleich zum Massenmord an den Juden sachgerecht beschreiben und bewerten kann. Schwule, Behinderte, "Zigeuner", Regimegegner... ich will nicht versuchen, weiter alle abschließend aufzuzählen, weil ich sicher die eine oder andere Gruppe vergessen würde... waren nicht einfach Nebenfiguren, die anlässlich der Shoa gerade mal so en passant miterledigt wurden.
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#5 Peck_SProfil
  • 05.09.2020, 12:09hFrankenthal
  • Antwort auf #1 von Peck_S
  • Ich muss das unbedingt noch ergänzen, sonst käme ich mir schäbig vor, den Pierre unterschlagen zu haben, der mir geographisch und kulturell sogar am nächsten war.

    Pierre Seel - Ich, Pierre Seel, deportiert und vergessen

    Decke bereithalten, denn beim lesen wird es frostig!
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#6 KumpelAnonym
#7 dellbronx51069Anonym
#8 schwulenaktivist
  • 06.09.2020, 11:08h
  • Und bitte vergesst nicht die Biografie von Pierre Seel aus dem Elsass!

    Es gibt auch eine Akte "Trautmann" aus den frühen 30er Jahren im Staatsarchiv Basel über einen homosexuellen Flüchtling aus dem Deutschen Reich.
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#9 Peck_SProfil
#10 g_kreis_adventProfil
  • 17.09.2020, 13:16hBerlin-Prenzlauer Berg
  • Das Buch Erinnern in Auschwitz auch an sexueller Minderheiten gibt es auch bei der Buchhandlung Prinz Eisenherz in Berlin als E-Bock, ISBN 978-3-89656-667-6.

    Ich habe erst das erste Kapitel gelesen.

    Leider habe ich später im Kapitel von Michael Berenbaum viele Unsachlichkeiten, Fehler entdeckt. Schade, du hast es übersetzt und dabei falsche Aussagen überlesen. Über die Problematik der §§ 175 BRD bzw. 151 StGB-DDR haben wir uns bei deiner Lesung in Falkensee unterhalten.

    Hier einige Beispiele:
    S. 6 In der Aufzählung der Konzentrationslager fehlt das Männerlager des KZ Ravensbrück. Das wird sehr oft und gern gemacht. Dort wurden mindestens 48 Homosexuelle ermordet, weitere Opfer sind leider unbekannt.

    S. 6 Der § 175 galt in Deutschland nicht bis 1969 sondern bis zum 10. Juni 1994 (Tag der Verkün-dung des BGBl.). Und in Deutschland gab es zwei Staaten mit unterschiedlicher Anwendung bzw. Gültigkeit der strafrechtlichen Verfolgung.

    Ein ähnlicher Fehler: Marian Turski In ihrem jüngsten Buch erinnerte Professorin Halina Taborska daran, dass § 175, der seit Mai 1871 im deutschen Strafgesetzbuch enthalten war, in der DDR bis 1967 und in der BRD bis 1969 in Kraft blieb.

    S. 13 Dem T-4 Mordprogramm sind auch Homosexuelle zum Opfer gefallen. Mir sind Namen bekannt die in den Mordstätten Bernburg, Pirna Sonnenstein, Hadamar, Grafeneck, Wiesloch (?), Bran-denburg, Schloss Hartheim heimtückisch ermordet wurden. In Bernburg ist die Gaskammer noch er-halten, wir haben sie besichtigt.

    Zu Fredy Hirsch: Das zweite Beispiel ist ein neuer Film über Fredy Hirsch (19161944) mit dem Titel Dear Fredy7, ein deutsch-jüdischer Spitzensportler, der Deutschland im November 1935 Richtung Tschechoslowakei verließ, in Prag und Brno jüdischen Jugendgruppen Sportunterricht gab, bis er im November 1941 nach Theresienstadt Ein neuer Dok.-Film lief in ZDFHistory »Ein deutscher Held: Fredy Hirsch und die Kinder des ...« Das Video ist verfügbar bis 24.11.2020. Ich habe die Doku am 13. Mai 2019 gesehen. Das ist neueste Dokumentation.

    Vielleicht sollte man Amerikanern aufmerksamer auf die Finger, oder Tasten schauen. Sie schreiben oft unaktuelles oder falsches. Sie sollten vorher einmal im Internet recherchieren. Nur schlimm wenn diese fehlerhaften Aussagen gedruckt und so verbreitet werden. Ich wundere mich auch über diese Rezension diese Fehler werden nicht bemängelt.

    Bin gespannt wie es weitergeht.
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