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Kinostart

Lesbisch – okay! Aber eine deutsche Freundin?

Die Israelin Shira und ihre deutsche Freundin Maria verloben sich. Vor allem Shiras Oma kommt damit nicht klar. Und dann reist auch noch Marias Familie nach Israel. Die romantische Culture-Clash-Komödie "Kiss Me Kosher" startet am Donnerstag im Kino.


Die geplante Hochzeit von Shira und Maria sorgt in Israel für einigen Wirbel (Bild: X Verleih)
  • Von Fabian Schäfer
    6. September 2020, 09:08h, noch kein Kommentar

Maria, sagen die Eltern ihrer Verlobten Shira, ist ein dreifacher Treffer, die "heilige Dreifaltigkeit": Lesbisch, nicht-jüdisch, Deutsche. Doch sie kommen damit klar, dass ihre Tochter nach nur drei Monaten heiraten will. Dann bringt sie wenigstens keine weiteren Freundinnen mehr zum Schabbat-Essen mit. Shira scheint sich ausgelebt zu haben. Oder, etwas später, in Marias Worten: Gibt es eine Frau in Israel, mit der sie nicht geschlafen hat?

Während die Eltern kein Problem mit einer deutschen Schwiegertochter haben, ist die Großmutter Berta (Rivka Michaeli) strikt dagegen. Doch Shira liebt ihre Großmutter, teilt alles mit ihr. Sie ist auch die einzige, die weiß, dass sie eine Affäre mit einem arabischen (!) Arzt hat. Die Doppelmoral und die dazugehörigen Konflikte sind deshalb fast schon zu vorprogrammiert.

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Die meisten Charaktere sind nur Schablonen

In der als Culture-Clash-Liebeskomödie angesiedelten Geschichte geht es deshalb viel weniger darum, dass deutsche auf israelische Kultur trifft. Vielmehr sind die interfamiliären Auseinandersetzungen präsent: Shira als Repräsentantin einer jungen Generation, der Religion ziemlich egal ist und die problemlos eine Deutsche lieben kann. Ihre Großmutter, die Teile der Familie im Holocaust verloren hat, von "Adolfs Brut" spricht und die den "Holocaust als Trumpfkarte" spielt, wie ihr Shira vorwirft.

Der Vater, ein jüdischer Siedler aus den USA, der allergisch auf das Wort "arabisch" reagiert und von Maria verlangt, zum Judentum zu konvertieren, falls sie Mutter seiner Enkelkinder werden möchte. Shiras jüngere Schwester, die in der Armee kämpft, um das Land zu verteidigen. Sie alle, allen voran Marias Eltern, sind ganz klar umrissene Schablonen, denen Nuancen und Schattierungen fehlen.

Rivka Michaeli ist großartig


Poster zum Film: "Kiss Me Kosher" startet am 10. September 2020 im Kino

Eine deutsch-israelische, lesbische romantische Komödie ist sicher kein leichtes Unterfangen, das sich Regisseurin und Drehbuchautorin Shirel Peleg für ihren ersten Spielfilm vorgenommen hat. Sie verschwendet keine Zeit mit Erklärungen zur Vorgeschichte, sondern nutzt stellenweise Interviews von Shiras Bruder, der eine Doku dreht, was einen geschickten Kniff und zugleich eine zweite Ebene darstellt. Shirel Peleg versucht, dem Film Leichtigkeit zu verleihen, was ihr stellenweise auch gelingt, etwa durch die etwas zu konventionelle, aber passende Musik.

Doch vom Holocaust-Museums-Besuch mit Marias Eltern inklusive Geschichten über ausgelöschte Familien, Hunger, Schuld und ein Nazi-Familiengeheimnis zurück zu den Familien zu springen, geht in "Kiss Me Kosher" einfach nicht auf. Vieles bleibt zu gewollt. Dafür ist auch die Gag-Dichte zu niedrig. Ein paar Lacher und einiges Schmunzeln sitzen wirklich ganz gut.

Für die ist meist die großartige Rivka Michaeli verantwortlich. Sie ist eine der bekanntesten israelischen TV-Moderatorinnen, hat zweimal den ESC-Vorentscheid moderiert und in Amos Guttmans "Amazing Grace" mitgespielt – einem der wenigen israelischen Filme über Aids. Neben ihr gibt Moran Rosenblatt eine gute, selbstbewusste Shira ab, während ihre Verlobte Luise Wolfram als Maria über weite Strecken farb- und energielos bleibt.

Die deutsche Synchronisation ist schwach

Zugegeben: Viel Witz schluckt auch die sehr schwache deutsche Synchronisation. Wer kann, sollte "Kiss Me Kosher" unbedingt in der Originalfassung mit Untertiteln sehen. Denn das Sprachengewirr beim Abendessen, wenn zwischen Hebräisch und Englisch gewechselt wird, damit Maria nicht alles versteht, oder wenn Großmutter Berta auf Hebräisch mit ihrem Liebhaber spricht, der aber auf Arabisch antwortet, wird so erst interessant. Genau wie der Streit zwischen Großmutter und Enkelin, während die Verlobte verdutzt danebensteht, da erst so klar wird, was Maria überhaupt versteht.

Unterm Strich will "Kiss Me Kosher" wahrscheinlich einfach zu viel. Stellenweise geht der Culture-Clash-Humor auf, doch gerät der Flow bald wieder ins Stocken. Schuld sind die große Menge zu blasser Charaktere sowie der Anspruch, zu viel auf einmal demaskieren zu wollen und dabei auch noch lustig zu sein.

Direktlink | Offizieller Trailer

Infos zum Film

Kiss Me Kosher. Komödie. Deutschland, Israel 2020. Regie: Shirel Peleg. Darsteller*innen: Moran Rosenblatt, Luise Wolfram, Rivka Michaeli, Juliane Köhler, Bernhard Schütz, Irit Kaplan, John Carroll Lynch. Laufzeit: 101 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. Verleih: X Verleih. Kinostart: 10. September 2020
Galerie:
Kiss Me Kosher
12 Bilder