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LGBTI-feindliche Gewalt

"Wollen wir es der Schwuchtel mal so richtig zeigen"

In der Nähe seiner Wohnung in Siegen wurde Roland Wiegel, Sprecher bei SCHLAU NRW, am Freitagabend von einer Gruppe Jugendlicher schwulenfeindlich beleidigt und brutal zusammengeschlagen.


Das Foto seiner blutüberströmten Hand postete Roland Wiegel am Freitagabend auf Facebook

In Siegen kam es am Freitagabend zu einem brutalen Angriff auf einen queeren Aktivisten. Roland Wiegel, Sprecher beim Schulaufklärungsprojekt SCHLAU NRW, parkte gegen 20.30 Uhr in der Nähe seiner Wohnung am Haardter Berg, als er von einer Gruppe von sechs bis sieben Jugendlichen, die Alkohol tranken und laut Musik hörten, angepöbelt wurde. "Auf die ersten Pöbeleien habe ich nicht reagiert. Erst als gesagt wurde 'Dann verpiss dich doch, du Schwuchtel" bin ich zurück gegangen und habe die Jugendlichen zur Rede stellen wollen", erklärte der Student gegenüber queer.de.

Dann eskalierte die Situation: "Sie stürmten direkt auf mich zu, und aus Reflex schubste ich sie zurück. Dann wurde mir schon ins Gesicht geschlagen", so Wiegel. "Am Boden hörte ich, wie sich über mich lustig machten: 'Die Schwuchtel hält nur einen Schlag aus', 'Wollen wir es der Schwuchtel mal so richtig zeigen?'." Nur durch das Eingreifen einer Passantin, die die Polizei und einen Krankenwagen rief, konnte Schlimmeres verhindert werden. Die Jugendlichen flüchteten. "Einige Nachbar*innen kamen hinzu und halfen mir", berichtete iegel. Ein älterer Mann habe allerdings zu ihm gemeint, er hätte die Prügel verdient.

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Leichte Gehirnerschütterung und gerissene Lippe

Von der Polizei wurde der SCHLAU-Aktivist nach seiner Vernehmung in ein weit entferntes Krankenhaus gefahren, wo er ambulant behandelt wurde. Wiegel erlitt bei der Attacke neben mehreren blauen Flecken eine leichte Gehirnerschütterung und eine tief gerissene Lippe, die mit sieben Stichen genäht werden musste.

Mit dem Bus fuhr er schließlich gegen 22 Uhr nach Hause. "An meiner Haltestelle bemerkte ich, wie große Angst ich hatte heimzugehen, denn schließlich ist das in Sichtweite meiner Haustür passiert", sagte Wiegel gegenüber queer.de. "Ich musste eine Passantin fragen, ob sie mich begleitet, da ich allein zu große Angst hatte, dass die Jugendlichen noch in der Nähe sind."

Die Jugendlichen waren noch immer vor Ort

Sein Verdacht sollte sich bestätigen. "Die Jugendlichen waren weiterhin lautstark zu hören, jedoch an der Rückseite des Gebäudes", berichtete Wiegel. "Ich rief den Notruf, da ich die Jugendlichen wiedererkannte. Über zehn Minuten lang kam kein Polizeiwagen, die Jugendlichen gingen woanders hin." Er habe aus Entfernung einige Fotos machen können. Nachbar*innen hätten ihm bestätigt, "dass diese Gruppe öfter in der Gegend ist und durch rassistische, sexistische und homophobe Wortklauberei auffällt".

Die LGBTI-feindliche Attacke machte Wiegel auch auf seiner Facebookseite öffentlich. "Es gibt Gründe gegen Homophobie zu kämpfen, doch heute gebe ich euch einen weiteren, persönlichen Grund", schrieb er am Freitagabend in einem Post und berichtete von dem Vorfall in der Nähe seiner Wohnung. "Bleibende physische Schäden werden wohl nicht bleiben, was bleibt ist die grausame Erinnerung. Wenn nicht für irgendwen, dann kämpft wenigstens für mich." (mize)

Es gibt Gründe gegen Homophobie zu kämpfen, doch heute gebe ich euch einen weiteren, persönlichen Grund. Ich wurde heute...

Gepostet von Roland Wiegel am Freitag, 4. September 2020
Facebook / Roland Wiegel



#1 KaiJAnonym
  • 06.09.2020, 13:42h
  • Dir Roland Wiegel alles Gute und, dass die Täter vor Gericht kommen! Der Kampf um unsere Rechte geht weiter.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Uuo118Anonym
  • 06.09.2020, 13:43h
  • Wie schön, dass man sich nicht einmal wenige Meter abseits der eigenen Haustür sicher fühlen kann...

    An seiner Stelle hätte ich mich vermutlich nicht mehr in meine Wohnung getraut, aus Angst, diese Großhirnkastraten könnten mich sehen oder wissen, wo ich wohne.

    Man kann nur hoffen, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden und vielleicht irgendwann einsehen, dass ihr Handeln in jeder Hinsicht falsch war.

    Dem älteren Herren, der die Prügel für verdient hält wünsche ich ein baldiges Ableben durch Folgen der Altersschwäche!
    Wie kann man einem Opfer von Gewalt nur Vorwürfe machen, wenn es sich lediglich verteidigt hatte?
    Und wie kann man innerlich derart gehässig sein und den Drang entwickeln, diese wirre "Einschätzung" auch noch gegenüber dem Opfer zu äußern?!
    Klar, es war in gewisser Weise tollkühn von Wiegel, im Dunkeln/Dämmrigen auf die offenbar alkoholisierten Jugendlichen zuzugehen, aber trotzdem könnte man niemals von verdienter Prügel sprechen... Ich kann nur den Kopf schütteln.
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#3 Ehrliche HautAnonym
  • 06.09.2020, 14:17h
  • Antwort auf #2 von Uuo118
  • Unglaublich.
    Man sieht doch schon daran, dass das Pack nach der Tat problemlos an dem Gebäude weitergrölen konnten ohne dass jemand die Polizei verständigt hat, dass weder bei der Nachbarschaft noch bei den besoffenen Jugendlichen irgendein Bewusstsein dafür bestanden hat, welche Straftat gerade begangen wurde.
    Eine Straftat die zu sanktionieren ist.
    Eine Straftat um die die Polizei sich normalerweise zu kümmern hat.
    Diese Jugendlichen werden immer wieder so handeln, sie fühlen sich ja sogar bestärkt.
    Keine Sanktionen
    Zuspruch von Passanten für ihre Entgleisung.
    Nette Gegend.
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#4 MoralapostelAnonym
  • 06.09.2020, 14:40h
  • Ich wünsche Herrn Wiegel eine schnelle Genesung und hoffe, Er erholt sich schnell. Diese Schwachköpfe werden leider nicht zur Rechenschaft gezogen oder bekommen nur eine kleine Strafe. Mehr wird man leider nicht erwarten können. Pfefferspray würde ich das nächste Mal mitnehmen (sicher ist sicher) ich habe vor Jahren mit einem Karate Kurs angefangen. Man fühlt sich sicherer wenn man sich verteidigen kann. Traurig das man das überhaupt muss.
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#5 stephan
  • 06.09.2020, 14:41h
  • Antwort auf #2 von Uuo118
  • Zunächst : Baldige Genesung für Dich, Roland Wiegel!

    Auf Einsicht bei den Tätern wird man wohl lange warten müssen, allerdings ist es ein Unding, dass die Polizei den alten Hasser und die hirnamputierten Jugendlichen nicht festgestellt und eine Anzeige geschrieben hat. Etwas Mühe darf man wohl erwarten!

    Und es ist ein Unding, dass Roland Wiegel allein nach Hause fahren musste. Die Polizei hätte zumindest für Opferschutz sorgen können!
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#6 swimniAnonym
  • 06.09.2020, 14:54h
  • alltag in der brd und von den für sicherheit zuständigen verantwortlichen bagatellisiert
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#7 daVinci6667
  • 06.09.2020, 15:06h
  • Dass diese Gruppe von Jugendlichen weiterhin in der Gegend laut rum pöbeln kann zeigt einiges. Entweder ist der Polizei diese Tat scheissegal, weil ja nur ein Schwuler verprügelt wurde, oder sie ist hoffnungslos überfordert bei solchen Jugendbanden.

    Ich vermute mal, leider wird gleich beides zutreffen.

    Roland Wiegel wünsche ich herzlich gute Besserung. Er sollte sich aber leider besser in acht nehmen. Wenn die schon so nahe an seiner Wohnung rumpöbeln und rumsaufen, könnte es durchaus sein, dass sie wissen wer er ist und wo er wohnt. Lieber zur Sicherheit mal ein Taxi mehr rufen dass einen sicher nach Hause bringt und zur Wohnungstür bringt als zu wenig. Oder ne Zeit lang zu einem Freund ziehen.
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#8 Peck_SProfil
  • 06.09.2020, 17:35hFrankenthal
  • Das wir nicht mehr sicher sind, ist doch spätestens seit der Einlassung aus Berlin offenbar geworden, als der Bundesbeauftragte Juden vom Tragen der Kippa abgeraten hat.
    Heißt: Wenn der Nachfolgestaat des größten Verbrecherstaats der Geschichte 80 Jahre später nicht mehr fähig ist, freies jüdisches Leben in Deutschland zu schützen oder ermöglichen, wie kommt man dann auf die Idee, er könnte das bei queerem Leben.
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#9 AnonymusAnonym
  • 06.09.2020, 17:47h
  • So ein widerliches Pack...

    Hätten die Passanten nicht eingegriffen, hätte die Bande wahrscheinlich weiter auf ihn eingeprügelt, frei nach dem Motto, die Schwuchtel kann noch mehrere Schläge vertragen...

    Ich bin mir sogar sicher, dass diese ekelerregenden Kreaturen sich gegenseitig angefeuert und aufgestachelt hätten, so dass das Opfer evtl. bleibende Schäden erlitten hätte, im schwersten Fall vielleicht sogar ins Koma gefallen und/oder gestorben.

    Leider werden solche Leute, wenn sie denn gefasst werden, aufgrund ihres Alters meistens nur zu Sozialstunden, bestenfalls zu einer niedrigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt, aufgrund schwerer Kindheit etc.
    Und das wars dann...
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#10 Kritiker_in
  • 06.09.2020, 17:59h
  • Antwort auf #8 von Peck_S
  • "Wenn der Nachfolgestaat des größten Verbrecherstaats der Geschichte 80 Jahre später nicht mehr fähig ist, freies jüdisches Leben in Deutschland zu schützen oder ermöglichen, wie kommt man dann auf die Idee, er könnte das bei queerem Leben."

    Mir stellt sich auch die Frage, ob dieser Staat das bei queerem Leben überhaupt MÖCHTE.

    Wie wir gerade wieder mehrfach lesen müssen, sind Angriffe auf queere Menschen Alltag. Sie werden zwar teils polizeilich verfolgt (sofern die Opfer sich trauen, Anzeige zu erstatten), jedoch gibt es da keinen gesellschaftlichen Aufschrei. Und keine politischen Konsequenzen.

    Es ist eben "normal", dass queere Menschen Gewalttaten ausgesetzt sind. Nicht selten folgt dann die Täter-Opfer-Umkehr "die sollen sich halt in der Öffentlichkeit zurückhalten".

    Mir scheint dieses Gewaltklima in letzter Zeit noch aggressiver zu eskalieren - ein gesellschaftliches Klima in Corona-Zeiten, wo nach neuesten Meldungen ca. 1/3 der Bevölkerung irgendwelchen Verschwörungstheorien anhängt (ja: EIN DRITTEL!), sucht sich Sündenböcke. Da stellen queere Menschen eine perfekte Zielscheibe dar.

    Und heutzutage kriegen dann nicht nur die unmittelbar Angegriffenen eins drauf, sondern selbst noch die, die versuchen, sie in Schutz zu nehmen.

    Eine extrem bedenkliche und brandgefährliche Entwicklung.
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