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Klassiker im Aviva Verlag

Ein lesbischer Roman aus dem Jahr 1931

In ihrem Buch "Patience geht vorüber" bescheibt Margaret Goldsmith die leidenschaftliche Liebe zweier Frauen in der Weimarer Republik. 89 Jahre nach der Erstveröffentlichung gibt es nun eine Neuausgabe.

  • 9. September 2020, 06:31h, noch kein Kommentar

"Patience geht vorüber" ist im Aviva Verlag erschienen

"Kaum ein Tag verging, an dem sie sich nicht über ihren ausgefallenen Namen ärgerte. Ihr allzu englischer Vorname hatte ihr als Kind schon große Schwierigkeiten gemacht. 'Sprich Peeschens', hatte sie ihren Mitschülerinnen vorbuchstabiert, als sie zum ersten Mal in die Schule ging."
 
Während an der Front gekämpft wird, feiern die beiden Schulfreundinnen Patience und Grete im April 1918 in einer kleinen Konditorei in Berlin ihr bestandenes Abitur. Beide sind froh, dass ihnen bei der Prüfung kein Bekenntnis zur Nation abverlangt wurde, stimmen sie doch schon lange nicht mehr in den patriotischen Überschwang ihrer Umgebung mit ein: Grete ist Sozialistin und Patience, die eine englische Mutter hat, wurde von den Mitschülerinnen ständig daran erinnert, dass sie "nicht dazugehört".

Leidenschaftliche Liebe zwischen Heldin Patience und Grete

Margaret Goldsmith schildert in ihrem erstmals 1931 veröffentlichten Roman "Patience geht vorüber" die Lebensentwürfe und Enttäuschungen der sympathischen Heldin Patience – von deren leidenschaftlicher Liebe zu Grete bis zum "neusachlichen" Umgang mit Beziehungen Ende der Zwanzigerjahre, der Arbeit als Journalistin zwischen Deutschland und England bis zur Karriere als Medizinerin, die Patience schließlich in die USA führt.

Zwischen den Klassen, den Nationen, aber auch den Geschlechtern stehend, lotet die junge Berlinerin die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Nachkriegskulturen, der Sexualmoral und der Rollenbilder in Deutschland und England aus. Aus der Sicht einer selbstbewussten jungen Frau entsteht dabei ein dichtes Zeitbild vom Ende des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution über die Inflation 1923 bis ins Jahr 1930; charmant, humorvoll und unprätentiös erzählt – und immer wieder überraschend aktuell.

Der Roman "Patience geht vorüber" ist der Künstlerin Martel Schwichtenberg gewidmet, mit der Goldsmith befreundet war und von der auch die Umschlagillustration stammt. Eine Leseprobe als PDF gibt es hier.

Über Margaret Goldsmith

Ab 1928 verfasste Margaret Goldsmith sechs Romane und mehr als zwanzig Biografien und Sachbücher, u.a. zu Hindenburg, Zeppelin, Christina von Schweden und Sappho, und übersetzte ebenso viele Bücher aus dem Deutschen ins Englische. Goldsmith wurde 1895 im US-amerikanischen Milwaukee geboren und wuchs in Berlin auf. Nach einem Studium in Illinois kehrte sie 1921 wieder nach Berlin zurück und wurde stellvertretende US-Handelskommissarin. Als Korrespondentin war sie mit ihren Berichten aus Deutschland in englischen und amerikanischen Zeitungen präsent.

Bekannt ist Margaret Goldsmith (oder Goldsmith-Voigt, nach dem Journalisten Frederick Voigt, mit dem sie von 1926 bis 1935 verheiratet war) heute allerdings am ehesten durch ihre Liebesaffäre mit Vita Sackville-West 1928.

1931 ging Goldsmith nach London und wurde dort eine wichtige Vermittlerin deutscher Literatur. Sie übertrug u.a. Werke von Anna Seghers, Oskar Maria Graf, Vicki Baum und Erich Kästner ins Englische und setzte sich für deutsche Emigrant*innen, darunter Siegfried Kracauer, ein. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie beim Britischen Rundfunk. 1970 starb die Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin im Alter von 75 Jahren in London. (cw/pm)

Infos zum Buch

Margaret Goldsmith: Patience geht vorüber. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Eckhard Gruber. 224 Seiten. 21,0 x 12,0 cm. Aviva Verlag. Berlin 2020. Gebundene Ausgabe: 19,00 € (ISBN 978-3-93233-894-6).