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25 Jahre "Wir sind Kirche"

"Mit welchen homophoben Regimen sich die Kirche gleichstellt, ist doch erschreckend"

Vor 25 Jahren wurde die Reformbewegung "Wir sind Kirche" gegründet. Heute ist ihre Forderung nach einer "menschenfreundlichen Sexualmoral" so populär wie noch nie. Ihre Arbeit macht das aber nicht einfacher.


Die alten Männer haben im Vatikan noch immer das Sagen (Bild: pcdazero / pixabay)
  • Von Britta Schultejans, dpa
    13. September 2020, 08:28h, 12 Kommentare

Die Reformdebatte in der katholischen Kirche in Deutschland ist heute so weit fortgeschritten wie wohl noch nie. Im Rahmen des sogenannten "Synodalen Weges" befassen Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien sich derzeit mit genau den Fragen, die die Reformbewegung "Wir sind Kirche" schon vor einem Vierteljahrhundert laut gestellt hat. Doch auch 25 Jahre nach ihrer Gründung sieht die Bewegung ihre Arbeit damit noch nicht getan. "Es ist enttäuschend, dass es im Umgang mit dem Missbrauchsskandal immer noch ein unendliches Zögern gibt", sagt der Sprecher der Bewegung, Christian Weisner, der Deutschen Presse-Agentur in München. "Es wird immer wieder vertröstet und vertröstet. Immer wieder gibt es neue Gespräche, aber zu wenig Taten."

Der Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche war es, der vor einem Vierteljahrhundert zur Gründung von "Wir sind Kirche" führte. Zwar nennt die Bewegung als ihren offiziellen Gründungstag den 27. Januar 1996, der Grundstein wurde aber schon knapp ein halbes Jahr früher mit dem Start des Kirchenvolksbegehrens für Reformen in der katholischen Kirche am 16. September gelegt, das bis zum 12. November des Jahres mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland unterschrieben. Vorausgegangen war dem Volksbegehren der Missbrauchsskandal um den Wiener Kardinal Hans Hermann Groer.

Zu den Erstunterzeichnenden des deutschen Kirchenvolksbegehrens gehörten damals der Theologe Hans Küng, Sportreporter Dieter Kürten, die damals amtierende Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth, der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel und der spätere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse.

"Frohbotschaft statt Drohbotschaft"


Christian Weisner, Mitglied des Bundesteams von "Wir sind Kirche"

Die fünf Forderungen der Bewegung umfassen – damals wie heute – den Abbau klerikaler Machtstrukturen, die Öffnung des Priesteramtes für Frauen, die Abschaffung des Eheverbotes für Priester (Pflicht-Zölibat), eine "menschenfreundliche Sexualmoral" und den Punkt "Frohbotschaft statt Drohbotschaft". "Wir möchten Schrittmacher für eine zukunftsfähige Kirche sein", sagt Weisner.

Die frühere Religionslehrerin Maria-Anna Berg ist seit 15 Jahren in der Bewegung dabei. "Irgendwann ist auch der Punkt erreicht, wo wir in der Kirche engagierten Frauen keine Lust mehr haben, nur den Kuchen für die Pfarrgemeinde zu backen", sagt sie. "Da geht es viel um Macht und Machtabgabe – und Macht wird nie freiwillig abgegeben", sagt sie.

Ohne Reformen sieht die Zukunft der Kirche aus ihrer Sicht und der ihres Mitstreiters Weisner düster aus: "Wenn wir da nicht die Kurve kriegen, gehen die Menschen weiter einfach in Scharen davon. Das ist ein großer Verlust in der Kirche, der unendlich zu bedauern ist", sagt Weisner. "Mit welchen totalitären, frauenfeindlichen und homophoben Regimen sich die Kirche gleichstellt, ist doch erschreckend."

"Stachel im Fleisch der Amtskirche"

Von einem "Stachel im Fleisch der Amtskirche" spricht der Kirchenrechtler Thomas Schüller, Direktor des Institutes für Kanonisches Recht an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster: "Ziel von "Wir sind Kirche" ist die beständige Reform der katholischen Kirche von einer absolutistischen Wahlmonarchie in einem männerbündig-klerikalen System zu einer partizipativen-demokratisierten Gestalt von Kirche, wo Frauen und Männer gleiche Rechte besitzen. Darum fordert diese Bewegung auch eine grundlegende Änderung des Kirchenrechts, weil sie genau erkannt hat, dass das Kirchenrecht die bisherigen Machtansprüche klerikaler Männer absichert."

Das Engagement von "Wir sind Kirche" gegen Missbrauch würdigt auch Johanna Stöhr von der konservativen Bewegung "Maria 1.0", die in der Debatte um kirchliche Reformen oft kaum weiter von "Wir sind Kirche" entfernt sein könnte. Aber: ""Wir sind Kirche" hat zum Beispiel zehn Jahre lang das sogenannte "Wir-Sind-Kirche-Not-Telefon" betrieben, das von Opfern sexualisierter Gewalt durch Priester und Ordensleute in Anspruch genommen werden konnte", sagt Stöhr. "Das ist eine wirklich gute Sache zur Aufarbeitung und vor allem die Sorge um die Opfer ist ein zu würdigender Aspekt."

An Nachwuchs mangelt es etwas

Paradoxerweise zeigt sich aber gerade in einer Zeit, in der die Forderungen von "Wir sind Kirche" so weit in den kirchlichen Mainstream vorgedrungen sind wie wohl noch nie zuvor, eine gewisse Sorge um den Nachwuchs. Auch wenn Weisner betont, in der Jugend viel Unterstützung zu finden – eine ganz junge Bewegung ist "Wir sind Kirche" nicht mehr. "Inzwischen ist diese Bewegung eine zahlenmäßig immer kleiner werdende Gruppe von zumeist älteren, konzilsbewegten katholischen und evangelischen Christinnen und Christen, die sich engagiert in katholische Reformdebatten einbringt", analysiert Schüller von der WWU Münster. "Sofern junge Katholikinnen und Katholiken sich überhaupt noch für Themen der katholischen Kirche interessieren, spielt "Wir sind Kirche" faktisch keine Rolle, weil diese Generation mit den wenig weiterführenden Etikettierungen in progressiv und konservativ wenig anfangen kann."

An Nachwuchs mangelt es etwas, sagt auch Berg. "Die jungen Leute, die engagiert sind, sind primär an der Umwelt- und Klimakrisenthematik interessiert. Die Kirche hat nicht nur zu vielen Frauen, sondern auch zu jungen Menschen den Kontakt verloren."



#1 DramaQueen24Profil
  • 13.09.2020, 08:51hBerlin
  • "Mit welchen totalitären, frauenfeindlichen und homophoben Regimen sich die Kirche gleichstellt, ist doch erschreckend."

    Das betrifft nicht nur die beiden Amtskirchen, sondern auch viele Sekten. Die Mormonen beispielsweise, sind Hitler und Stalin in den Hintern gekrochen. Beide Male hatte sie davon Vorteile. Im Fall von Hitlers Nazideutschland schütze das Reichssicherheitshauptamt in mindestens zwei nachgewiesenen Fällen die LDS "Kirche" vor Verfolgung, auch, weil viele ihrer Mitglieder in SA und SS waren, und Naziposten mit Kirchenposten gleichsetzten. Mehr dazu hier:

    www.mormonen-wissen.de/Hitler-kommt-an-die-Macht.htm

    Die wenigen Mormonen, die gegen Nazis waren, wie etwa Helmuth Hübener aus Hamburg, wurden während des Krieges verteufelt, und nach dem Krieg als Helden verehrt, weil sich Widerstandskämpfer für eine Kirche gut machen.

    Im Fall von Stalin arbeiteten in der DDR einige für die Stasi, wie der spätere CDU -Vorsitzende von Sachsen, Herbert Goliasch, der auch Mormonen an die Kollegen verriet.
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#2 Kritiker_in
  • 13.09.2020, 09:17h
  • ""Mit welchen totalitären, frauenfeindlichen und homophoben Regimen sich die Kirche gleichstellt, ist doch erschreckend.""

    Ich verstehe das nicht ganz.

    Angesichts der Tatsache, dass die Kirche schon immer totalitär, frauenfeindlich und homophob war, stellt sich mir die Frage, weshalb das nun auf einmal so erschreckend ist.
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#3 FinnAnonym
  • 13.09.2020, 09:39h
  • Die Kirche zeigt immer wieder, dass sie sich gar nicht wirklich reformieren will. Sie frisst nur dort Kreide, wo deren wahre Gesinnung die Schäfchen wegtreibt und deshalb die Einnahmen schmälert. Aber selbst dort tut die Kirche nur gerade so viel, wie genügt, um das zu stoppen. Aber wirkliche Reformen gibt es nicht.

    Und dort, wo einem die Schäfchen nicht in Scharen wegrennen oder wo sogar Hetze gut ankommt, zeigt die Kirche ihr wahres Gesicht und hetzt munter weiter.

    Daran sieht man, dass es nicht um einen echten Gesinnungswandel geht, sondern nur um Marketing, während die eigentliche Gesinnung gleich bleibt wie immer.
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#4 Peck_SProfil
#5 Alexander_FAnonym
  • 13.09.2020, 11:23h
  • Antwort auf #2 von Kritiker_in
  • Absolut richtig. "Erschreckend" ist es für diese Bewegung nur deshalb, weil sie die Wahrheit über die heilige Mutter Kirche entweder nicht wahrhaben wollen oder können. Es ist ähnlich wie mit den Kindern tyrannischer Prügeleltern, die mit diesen wider besseres Wissen immer noch Nachsicht üben, anstatt sie zu konfrontieren.

    So auch hier: die Herrschaften beklagen alle die kirchliche Macht, halten sie aber durch weitere Mitgliedschaft aufrecht. Es handelt sich bei ihnen um geradezu perfekte Fallstudien für das Stockholmsyndrom.
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#6 FinnAnonym
  • 13.09.2020, 11:33h
  • Antwort auf #3 von Finn
  • PS:
    Übrigens sieht man ja auch an anderer Stelle, wie solche Dinge in der Kirche ablaufen:

    Beim Thema Kindesmissbrauch versprechen da ja auch immer "schonungslose Aufklärung" etc. Aber wenn man sich anguckt, was von dem Gerede dann in der Realität ankommt, sieht man, dass nach wie vor so viel wie möglich vertuscht wird, Leute die zu viel rausfinden werden entlassen (z.B. Prof. Pfeiffer) und wenn dann doch ein Fall Konsequenzen nach sich zieht, wird der Täter nicht etwa fristlos entlassen, sondern nur versetzt.

    Mal zum Vergleich:
    ein Priester, der ein Kind zeugt, wozu er stehen will, wird entlassen. Ein Kinderschänder wird nur versetzt. Das zeigt, wie dieser unchristliche Verein tickt.

    Gerade wenn man Christ ist, sollte man da austreten.

    www.kirchenaustritt.de/
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#7 zundermxeAnonym
  • 13.09.2020, 12:08h
  • Die Kirchen, zumindest in Deutschland, werden sich in der gestrigen und heutigen Form nicht selbst überleben.
    Das ist jedoch ein eher sehr langsam schleichender Prozess, der dafür aber je länger er andauert, umso unumkehrbarer wird.
    Die Kluft zwischen dem was viele Menschen von Gesellschaft, Demokratie und eigenem Leben erwarten (dürfen) zu dem wie Kirchen in Gesamtheit betrachtet agieren ist zu groß und wird perspektivisch dauerhaft immer größer werden.
    Da nützen gelegentliche vereinzelte Erklärungen oder lang andauernde sogenannte Reformbewegungen ohne tatsächliche grundlegende Veränderungen nichts außer für relativ kurze Zeit noch in Krückenfunktion das Alte mitzutragen.
    Letztlich bestimmen nicht nur gedanklich sehr alte Männer und einige wenige fundamentale Hetzer nach und zu ihrem persönlichen Gusto, dass die Kirchen immer mehr genau das verkörpern, was sie als Gegenpol zu eben diesen Missständen hat entstehen lassen.
    Lebensfern und -feindlich, machtbesessen, autokratisch und über jedes Maß autoritär.
    Wer die Botschaft der Christen persifliert und ins Gegenteil verkehrt, sind die Kirchen selbst im Einklang mit den nicht selten verbrecherischen Regimen, die sie zudem auch noch stützt.
    Die Gewalt, die Spaltungen und den Hass, was Kirchen zulassen und sogar oft selbst betreiben ist mittels der sogenannten neuen Medien nicht mehr länger nur für einige wenige protokollierbar und jederzeit global nachvollziehbar geworden, es frisst auch ihre eigene Daseinsberechtigung von innen auf.
    Kirchen haben längst nur noch Machterhalt als einzig wirksame Funktion. Für sich selbst und für alle Regime dieser Welt, egal wie unterschiedlich die auch jeweils sein mögen. Wer da ernsthaft von Moral oder Ethik in irgendeiner Beziehung sprechen möchte, lebt sein Leben tatsächlich nur noch für einen Glauben, den alle für sich passend völlig unterschiedlich auslegen und interpretieren dürfen damit das Kirchenselbstbild fern jeder Realität weitergelebt werden kann.
    Das Haus voll Marktschreier und Geschäftemacher.
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#8 TimonAnonym
  • 13.09.2020, 16:04h
  • "Wenn wir da nicht die Kurve kriegen, gehen die Menschen weiter einfach in Scharen davon. Das ist ein großer Verlust in der Kirche"

    Und ein großer Gewinn für die Menschheit.
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#9 maenneAnonym
  • 13.09.2020, 20:12h
  • Sag denen doch mal bitte einer, dass schon der generelle Ansatz in dem Verein falsch ist.
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#10 Homonklin_NZAnonym
  • 14.09.2020, 02:29h
  • Prof. Pfeiffer wurde eigenen Aussagen zufolge gar unter Druck gesetzt, nachdem er eine höhere Geldsumme im Austausch für sein Stillsein ablehnte.
    Eine Organisation, die wahrhaftig sein will, und ihre Straftaten aufdecken will, versucht nicht, die Ermittler zu erpressen!
    Oder das Schweigen der Opfer zu kaufen, b.t.w.

    Von daher, eine Gruppe naiver Narren, wer glaubt, der Glaubenskonzern hätte ein Interesse daran, sein mafiöses, verlogenes und faschistoid verkommenes System aufzugeben.
    Das wäre wie "Warten aud Go(dot)t" nicht 2.0 sondern unendlich.

    Für gelebte Weltrealität bedarf es keiner Kirchen. Lügen und Märchen erzählen kriegen die Meisten auch ohne hin.
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