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Podcast

"Eine rassistisch agierende Community kann sich erneuern"

Im neuen QUEERKRAM-Podcast spricht die queerfeministische Ex-Rapperin Sookee über ihren Ausstieg aus dem Hiphop, ihre neuen Kinderlieder, Bushidos Homofeindlichkeit und ihre scharfe Kritik am Berliner CSD-Verein.

Podigee-Direktlink | Die zwölfte Folge (80 Min.)

Es war ein Paukenschlag. Nach 15 Jahren auf der Bühne verkündete Sookee Ende letzten Jahres nicht nur das Ende ihrer Rap-Karriere, sondern überraschte ihre Fans auch mit einem völlig unerwarteten Metierwechsel: Unter dem neuen Künstlernamen Sukini veröffentlichte die Queerfeministin ein Album ausschließlich mit Kinderliedern, "Schmetterlingskacke" lautet der schöne Titel (queer.de berichtete). Warum sie dem Hiphop den Rücken kehrte – und dass sie unverändert für Gerechtigkeit und Veränderung glüht, erfahren wir im neuen Queerkram-Podcast von Johannes Kram.


Johannes Kram und Sookee vor dem Tonstudio

Sie habe nicht mehr mitspielen wollen in der kommerziellen Musikindustrie, sagt Sookee, die "kapitalistische Verwertungslogik" habe sich immer weniger mit ihren Idealen vereinbaren lassen. Der Abschied sei ihr nicht so schwergefallen, weil sie eines ihrer großen Ziele erreicht habe. "Es wurde Öffentlichkeit für queerfeministische Anliegen im Hiphop geschaffen", so die Pionierin, die im Gespräch stolz viele junge Rapperinnen aufzählt, die heute ihren Fußstapfen folgen.

Doch das sind nicht die einzigen Gründe für ihren Ausstieg: In einer sympathischen "Transparenzoffensive" berichtet Sookee über ihr "Helfersyndrom". Sie habe bei Anfragen nie nein sagen können und sich damit selbst überfordert. Auch reflektiert sie über ihre schweren Depressionen und Alkoholmissbrauch als eine Folge ihrer Rap-Karriere. Nun sei sie seit zwei Jahren trocken.

Im Podcast – dem längsten der Queerkram-Geschichte – geht es aber nicht nur um ihre Vergangenheit, sondern auch um viele aktuelle Themen. Im Gespräch mit Johannes Kram zeigt sich Sookie, die germanistische Linguistik und Gender Studies studierte, als hochintelligente Beobachterin und Aktivistin, die den rechten Kampfbegriff der "Frühsexualisierung" ebenso auseinandernimmt wie das bewusste Kokettieren mit Queerfeindlichkeit bei Bushido und Co.

Auch der queeren Community hält sie den Spiegel vor: "Wegducken hilft nicht", kritisiert Sookee den Umgang mit Rassismus – und fordert in diesem Zusammenhang einen personellen Neuanfang beim Berliner CSD-Verein. Unter dem Motto "Wir machen Platz" sollte das Orgateam im nächsten Jahr zu 80 Prozent aus People of Color bestehen. Sie glaube fest daran: Mit diesem radikalen Schnitt könne sich eine "rassistisch sozialisierte und agierende Community" erneuern.

Podigee-Direktlink | Die zwölfte Folge (80 Min.)

Zu Gast bei Queerkram

Folge 1 mit Falk Richter und Jonas Dassler:
Warum sich Schauspieler outen sollten
Folge 2 mit Anastasia Biefang:
Warum das Transsexuellengesetz auf den "Müllhaufen der Geschichte" gehört
Folge 3 mit Ralf König:
Warum Ralf König genug vom "Gezicke in sozialen Medien" hat
Folge 4 mit Stephanie Kuhnen und Juliane Löffler:
Wie viel kreatives Potenzial steckt in der Corona-Krise?
Folge 4 mit Georg Uecker:
Warum gibt es so viel Häme auch in der Community?
Folge 6 mit Insel Pohl:
Outest du dich im Interview mit Homohassern, Ines Pohl?
Folge 7 mit Patrick Lindner:
Warum Patrick Lindner auf dem CSD singen muss!
Folge 8 mit Pierre Sanoussi-Bliss:
"Dass mein Leben auch zählt, müssen mir Weiße nicht sagen"
Folge 9 mit Annie Heger:
"Ich werde als Christin von der LGBT-Community mehr angefeindet als andersrum"
Folge 10 mit Aminata Touré und Tessa Ganserer:
"Zwischen Queerfeindlichkeit und Rassismus gibt es Parallelen"
Folge 11 mit Riccardo Simonetti:
Warum wir auf unser "Anderssein" stolz sein können!



#1 Ralph
  • 13.09.2020, 10:22h
  • "zu 80% aus PoC bestehen" - erinnert mich an die einstige Münchner Schnapsidee, den Christopher-Street-Day in Christina-Street-Day umzubenennen
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 13.09.2020, 10:47h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • Die Frage ist auch, was überhaupt eine PoC ist.

    Das ist eine US-amerikanische ahistorische Schablone, die ich meinen Freund*innen nicht überstülpen möchte.

    Zumal bei den Massakern 'bei uns' noch niemand wegen heller Haut verschont geblieben ist.

    'Bei uns' reicht dann von (Ost-)Europa über Kleinasien, Syrien bis Afghanistan.
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#3 AltoAnonym
  • 13.09.2020, 11:34h
  • "Unter dem Motto "Wir machen Platz" sollte das Orgateam im nächsten Jahr zu 80 Prozent aus People of Color bestehen."

    Und wo sollen die herkommen? Aus Amerika? PoC ist ein sehr amerikanisches Konzept, dass nicht auf Deutschland anwendbar ist, da es hier keine Geschichte der Sklaverei gibt. Von Leibeigenschaft mal abgesehen, aber da haben Weiße Weiße ausgebeutet.
    Kein türkischstämmiger Deutscher, würde sich selbst als "Person of Colour" bezeichnen. Selbst Geflüchtete aus Eritrea würden sich nicht so bezeichnen. Dieses Begriff hat außerhalb links-elitärer Elefenbeintürmen keinen Rückhalt
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#4 daVinci6667
  • 13.09.2020, 12:16h
  • Ab dem zweiten Anhören gefällst einem besser. Dieses WOW, gefällt mir, blieb aber leider aus.

    Die sich berührenden zwei Paar Männerhände (1:48) über einem nackten männlichen Oberkörper sind jedoch echt heiss.

    Doch der Rest, naja.
    Kann mich nicht entscheiden... Überzeugt mich nicht wirklich.

    Doch jedes solche Schaffen ist positiv, gibt es dadurch doch ein kleines bisschen weniger von dem immer gleichen heteronormativen Scheiss...
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#5 daVinci6667
#6 Kritiker_inEhemaliges Profil
  • 13.09.2020, 12:25h
  • Bei aller Liebe... WENN schon Quotierung, dann bitte 23% Menschen mit Migrationshintergrund (gemäß dem Bevölkerungsanteil in Deutschland lt. Wikipedia).

    Eine extreme Überquotierung halte ich nicht für demokratisch und somit auch für problematisch.

    Übrigens, wenn wir schon dabei sind: was ist mit Quoten für Lesben, Bisexuelle, Transpersonen, Intersexuelle, Nichtbinäre, andere sich queer verortende Menschen? Wenn schon, denn schon!

    Inwieweit das praktisch durchführbar ist, steht dann NOCHMAL auf einem anderen Blatt. Ich sehe schon eine Flut von "Überhang- und Ausgleichsmandaten" analog dem Deutschen Bundestag.

    Ich bin nun wirklich für eine stärkere Berücksichtigung und Einbindung aller Menschen, die nicht weiß-cis-männlich(-schwul) sind. Aber völlig überzogene Quotierungen, fokussiert auf EIN Merkmal (weiß/PoC) unter Ausblendung aller anderen ebenfalls bedeutsamen Merkmale - das kann m.E. weder wünschenswert sein, noch kann es gutgehen.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 13.09.2020, 12:56h
  • Antwort auf #6 von Kritiker_in
  • Ich habe auch mit 80% kein Problem.

    Die Frage ist nur, ob Leute die z. B. Yilmaz heißen, PoC sind.

    Oder ob Leute mit polnischem Migrationshintergrund, die etwa Kaminski heißen, PoC sind.

    Egal ob jüdisch oder katholisch. Massakeropfer sind sicher unter ihren Vorfahren.

    Bei den Jüdischen sind meist die meisten Familienmitglieder von Deutschen ermordet worden.

    Tja: Fakten, Fakten, Fakten.
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#8 Ralph
  • 13.09.2020, 15:39h
  • Ich glaube, an dem pauschalen Vorwurf, die Community -d.h. alle LSBTI- sei rassistisch sozialisiert und agiere rassistisch, sollte nicht vorbeigegangen werden.
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#9 audeasAnonym
  • 13.09.2020, 21:15h
  • Die weiße Fragilität ist mal wieder eindrucksvoll in der Kommentarspalte zu sehen. Der Vorstoß der Quotierung ist definitiv zu begrüßen.
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#10 trans naysayerAnonym
  • 13.09.2020, 21:36h
  • Antwort auf #9 von audeas
  • Es ist wie immer, wenn es um das Thema Rassismus geht:
    Die Reaktionen bestätigen nicht nur prompt die geübte Kritik - sie offenbaren auch die rassistischen Strukturen und ihre Ursachen:
    White Fragility. Agreed.

    "Der Vorstoß der Quotierung ist definitiv zu begrüßen."

    Er ist die einzige Chance der deutschen LGBTIQ-community, sich endlich ihrem Rassismus zu stellen. Von sich aus tun sie es nicht.

    Der ganze thread ist eine einzige Abwehr- und Verweigerungs-Stategie.
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