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Transfeindlichkeit

Italien: Mann rammt und tötet Schwester wegen Beziehung zu trans Mann

Der 30-Jährige soll das junge Paar auf einem Scooter verfolgt und abgedrängt haben, weil er mit ihrer Beziehung nicht einverstanden war.


Der Ort der Tragödie und die getötete Maria Paola (Bild: Screenshot, privat)

In Italien bewegt ein grausames Verbrechen das Land: Die 22-jährige Maria Paola G. starb am Freitag in der Nähe von Neapel bei einem Sturz von einem Kleinmotorrad, nachdem ihr Bruder Michele Antonio sie und ihren 22-jährigen Partner Ciro mit seinem Scooter verfolgt und mehrfach gerammt hatte.

Medienberichten zufolge gab der 30-Jährige vor Ermittlern an, er habe die Schwester nicht töten, ihr aber eine "Lektion erteilen" wollen. Anlass sei gewesen, dass er mit der Beziehung der Schwester zu dem trans Mann nicht zurechtkam. Dieser habe sie "infiziert", soll er den Ermittlern gesagt haben, er habe sie von der Beziehung abbringen wollen.

Zu der Tat war es auf der Straße zwischen Caivano und Acerra in der italienischen Provinz Kampanien gekommen. Der Bruder hatte das Paar verfolgt und binnen mehrerer Minuten mehrfach gegen dessen Scooter getreten, der dann bei einer weiteren Ramm-Aktion in einer Kurve kippte. Beim Sturz wurde der 22-Jährigen die Kehle aufgeschlitzt. Ihr Bruder prügelte noch auf ihren am Boden liegenden verletzten Freund ein, der seitdem ohne lebensgefährliche Verletzungen in einem Krankenhaus liegt.

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Der Bruder wurde festgenommen und sitzt inzwischen in U-Haft; nach derzeitigem Ermittlungsstand werden ihm Totschlag und Gewaltanwendung aufgrund von Trans- und/oder Homophobie vorgeworfen. Medienberichte zum Motiv sind widersprüchlich, möglicherweise spielte in der offenbar längeren Ablehnung der seit drei Jahre anhaltenden Beziehung beides eine Rolle. LGBTI-Organisationen kritisierten, dass einige Medien zunächst von einer "lesbischen Beziehung" sprachen und Ciro unter seinem abgelegten Namen als Person darstellten, die erst ein Mann werden wolle.

Laut einem örtlichen Aktivisten von Arcigay, Antonello Sannino, der Ciro im Krankenhaus besuchte, soll der Bruder das Paar nach Ciros Angaben schon mehrfach bedroht und ein Ende der Beziehung gefordert haben. Seine ganze Familie habe sich gegen die Liebe gestellt, weswegen das Paar weggezogen war. Die Mutter der Geschwister teilte am Wochenende mit: "Michele war unterwegs, um seine Schwester zu überzeugen, nach Hause zu kommen. Aber er hat sie nicht gerammt, es war ein Unfall."

Ciros Mutter beschuldigte hingegen bei Facebook Michele Antonio, "absichtlich einen Mord begangen zu haben, weil er es nicht ertragen konnte, dass seine Schwester mit einem trans Mann zusammen war". Antonello Sannino von Arcigay sprach von einem "abscheulichen Fall mit zwei schweren Gewalttaten, einem Femizid und einem Akt von Transphobie." Die Tat unterstreiche die Notwendigkeit für das Gesetz gegen Homo-, Trans- und Frauenfeindlichkeit, das derzeit im Parlament beraten wird – es soll bestehende Antidiskriminierungsregelungen und Strafnormen gegen Rassismus um entsprechende Merkmale ergänzen, etwa Diskriminierung und Volksverhetzung bestrafen und die Merkmale bei Gewalttaten als strafverschärfend bewerten.

Das Gesetz wird von rechten Parteien und der katholischen Kirche bekämpft. Sannino kritisierte auch Aussagen des Priesters der Familie, Maurizio Patriciello von der Gemeinde Caivano. "Ich glaube nicht, dass er seine Schwester wirklich töten wollte, vielleicht wollte er ihr eine Lektion erteilen, die Ermittlungen werden es zeigen. Er war sicherlich nicht kulturell auf die Beziehung seiner Schwester vorbereitet", hatte der Priester, der die Schwester beerdigen soll, gegenüber Medien gesagt. Diese Worte seien inakzeptabel, verharmlosend und die Tat entschuldigend, so der Arcigay-Sprecher. (cw)



#1 GreenbasicAnonym
  • 13.09.2020, 22:37h
  • Was ist so schlimm, wenn die Schwester eine Beziehung zu einem Transmann hat. Hauptsache sie ist glücklich.
    Und sie deswegen zu verfolgen und umzubringen ist furchtbar
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#2 Alexander_FAnonym
  • 14.09.2020, 00:12h
  • Eine Lektion erteilen wollte er also. Stimmt, wenn ich mit jemandem reden will, fahr ich ihn auch an und trete dann noch auf ihn ein, wenn er am Boden liegt. Wer tut das nicht?
    Dass jemand nach so einer Nummer noch die Stirn hat, eine solche Ausrede zu bringen, ist schon ein Hammer. Nicht eine Spur von Schuldbewusstsein. Ich hoffe nur, dass dieser Typ Zeit genug haben wird, hinter Gittern seine "Lektion" zu bekommen.
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#3 DramaQueen24Profil
  • 14.09.2020, 01:16hBerlin
  • Soso, die ganze Familie war also gegen die Beziehung?
    Himmel, sie war erwachsen, und sie liebte ihn. Liebe war noch nie ein Verbrechen, Hass schon.
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#4 DramaQueen24Profil
  • 14.09.2020, 01:23hBerlin
  • Antwort auf #1 von Greenbasic
  • In manchen, meist religiös-patriarchalischen Kulturen, bestimmt nicht die Person, wen sie liebt, lieben darf, sondern die Familie, meist die Väter. Und wehe, diese Liebe passt Vater und/oder Familie nicht! Man braucht nur nach Indien oder dem Nahen Osten zu blicken (Stichwort "Ehrenmorde"), oder den Süden und Osten Europas, wo Homosexuelle und Transsexuelle verfolgt, geschlagen und/oder getötet werden.
    Aber Deutschland ist auch nicht besser!
    Vor Jahren machte in Hamburg ein Fall die Runde, wo ein Mann eine Transfrau ermordete, zerstückelte, und in den Koffer legte.
    Die Presse stellte ihn als armes Schwein hin, dass von seiner Freundin, der Transfrau, schikaniert wurde, so dass er seine "Männlichkeit" verlor, also nichts weiter als einen Rechtfertigungsgrund (analog der "gay panic" Strategie in den USA).
    Niemand hat das Recht, das Leben einem Menschen zu nehmen, außer, staatliche Gesetze erlauben es, oder es liegt eine Notwehrsituation vor!
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#5 audeasAnonym
#6 Homonklin_NZAnonym
  • 14.09.2020, 11:33h
  • Da kann man an sich nur fassungslos kopfschütteln. Dass dieser Priester das auch noch mit "kulturellen" Aspekten und Unvorherbereitung entschuldigen will, wundert zwar nicht. Die Art Knilche tun jegliche Art Ablehnung der von ihnen unerwünschten Art zu sein als unkulturell oder sonstwie nicht in Ordnung kund. Da kommt deren Artverwandtschaft zum faschistischen Weltbild durch, disklusiv anstatt willkommend.

    Was der Bruder der Frau sich überhaupt in deren Beziehung einzumischen hat, sollte man fragen.
    Und wenn er so vorgeht, hatte er den Tod des jungen Paars mindestens nilligend in Kauf genommen. "Lektionen" kann man denen, die Welche möchten, auch sprachlich vermitteln. Hier brauchte niemand die Art Einmischung!
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#7 KirishimaAnonym
  • 14.09.2020, 12:22h
  • "Ihr eine Lektion erteilen"? Wofür?? Dafür das sie mit jemandem zusammen war, der sie glücklich gemacht hat?? Die Frau war alt genug um selbst zu entscheiden mit wem sie zusammen sein will, da hat die Familie nichts zu melden. Wenn jemand in einer Beziehung gewalttätig ist, dann kann man, finde ich, intervenieren, aber ansonsten kümmert man sich um seinen eigenen Kram, verdammt!!
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#8 TheDadProfil
  • 14.09.2020, 19:30hHannover
  • Antwort auf #4 von DramaQueen24
  • ""Man braucht nur nach Indien oder dem Nahen Osten zu blicken""..

    Warum in die Ferne schweifen ?
    Man schaue nach Italien und hat das Grauen direkt vor der Haustür..

    ""Niemand hat das Recht, das Leben einem Menschen zu nehmen, außer, staatliche Gesetze erlauben es""..

    Wer "staatliches Morden" als "geht in Ordnung" kennzeichnet, der legitimiert damit auch diesen "Ehrenmord" des Bruders an der Schwester !
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#9 GromitAnonym
  • 15.09.2020, 21:56h
  • Antwort auf #4 von DramaQueen24
  • "Niemand hat das Recht, das Leben einem Menschen zu nehmen, außer, staatliche Gesetze erlauben es, [...]"

    In einigen Staaten hier auf der Erde ist es deiner Logik nach also vollkommen in Ordnung, dass mir/dir/uns (bitte das persönlich passende aussuchen) die Todesstrafe droht, nur weil wir sind, wie und wer wir sind?! Ist dir klar, dass du gerade genau das geschrieben hast? Mein Leben darf genommen werden, nur weil ein beschissenes Gesetz das so vorsieht; weil irgendwelche Arschlöcher nicht damit klarkommen, dass ich bin, wie/wer ich bin?
    Das meinst du nicht ernsthaft, oder?
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#10 Kritiker_in