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Transfeindlichkeit

Italien: Mann rammt und tötet Schwester wegen Beziehung zu trans Mann

Der 30-Jährige soll das junge Paar auf einem Scooter verfolgt und abgedrängt haben, weil er mit ihrer Beziehung nicht einverstanden war.


Der Ort der Tragödie und die getötete Maria Paola (Bild: Screenshot, privat)

  • 13. September 2020, 19:17h 13 3 Min.

In Italien bewegt ein grausames Verbrechen das Land: Die 22-jährige Maria Paola G. starb am Freitag in der Nähe von Neapel bei einem Sturz von einem Kleinmotorrad, nachdem ihr Bruder Michele Antonio sie und ihren 22-jährigen Partner Ciro mit seinem Scooter verfolgt und mehrfach gerammt hatte.

Medienberichten zufolge gab der 30-Jährige vor Ermittlern an, er habe die Schwester nicht töten, ihr aber eine "Lektion erteilen" wollen. Anlass sei gewesen, dass er mit der Beziehung der Schwester zu dem trans Mann nicht zurechtkam. Dieser habe sie "infiziert", soll er den Ermittlern gesagt haben, er habe sie von der Beziehung abbringen wollen.

Zu der Tat war es auf der Straße zwischen Caivano und Acerra in der italienischen Provinz Kampanien gekommen. Der Bruder hatte das Paar verfolgt und binnen mehrerer Minuten mehrfach gegen dessen Scooter getreten, der dann bei einer weiteren Ramm-Aktion in einer Kurve kippte. Beim Sturz wurde der 22-Jährigen die Kehle aufgeschlitzt. Ihr Bruder prügelte noch auf ihren am Boden liegenden verletzten Freund ein, der seitdem ohne lebensgefährliche Verletzungen in einem Krankenhaus liegt.

Der Bruder wurde festgenommen und sitzt inzwischen in U-Haft; nach derzeitigem Ermittlungsstand werden ihm Totschlag und Gewaltanwendung aufgrund von Trans- und/oder Homophobie vorgeworfen. Medienberichte zum Motiv sind widersprüchlich, möglicherweise spielte in der offenbar längeren Ablehnung der seit drei Jahre anhaltenden Beziehung beides eine Rolle. LGBTI-Organisationen kritisierten, dass einige Medien zunächst von einer "lesbischen Beziehung" sprachen und Ciro unter seinem abgelegten Namen als Person darstellten, die erst ein Mann werden wolle.

Laut einem örtlichen Aktivisten von Arcigay, Antonello Sannino, der Ciro im Krankenhaus besuchte, soll der Bruder das Paar nach Ciros Angaben schon mehrfach bedroht und ein Ende der Beziehung gefordert haben. Seine ganze Familie habe sich gegen die Liebe gestellt, weswegen das Paar weggezogen war. Die Mutter der Geschwister teilte am Wochenende mit: "Michele war unterwegs, um seine Schwester zu überzeugen, nach Hause zu kommen. Aber er hat sie nicht gerammt, es war ein Unfall."

Ciros Mutter beschuldigte hingegen bei Facebook Michele Antonio, "absichtlich einen Mord begangen zu haben, weil er es nicht ertragen konnte, dass seine Schwester mit einem trans Mann zusammen war". Antonello Sannino von Arcigay sprach von einem "abscheulichen Fall mit zwei schweren Gewalttaten, einem Femizid und einem Akt von Transphobie." Die Tat unterstreiche die Notwendigkeit für das Gesetz gegen Homo-, Trans- und Frauenfeindlichkeit, das derzeit im Parlament beraten wird – es soll bestehende Antidiskriminierungsregelungen und Strafnormen gegen Rassismus um entsprechende Merkmale ergänzen, etwa Diskriminierung und Volksverhetzung bestrafen und die Merkmale bei Gewalttaten als strafverschärfend bewerten.

Das Gesetz wird von rechten Parteien und der katholischen Kirche bekämpft. Sannino kritisierte auch Aussagen des Priesters der Familie, Maurizio Patriciello von der Gemeinde Caivano. "Ich glaube nicht, dass er seine Schwester wirklich töten wollte, vielleicht wollte er ihr eine Lektion erteilen, die Ermittlungen werden es zeigen. Er war sicherlich nicht kulturell auf die Beziehung seiner Schwester vorbereitet", hatte der Priester, der die Schwester beerdigen soll, gegenüber Medien gesagt. Diese Worte seien inakzeptabel, verharmlosend und die Tat entschuldigend, so der Arcigay-Sprecher. (cw)

-w-

#1 GreenbasicAnonym
  • 13.09.2020, 22:37h
  • Was ist so schlimm, wenn die Schwester eine Beziehung zu einem Transmann hat. Hauptsache sie ist glücklich.
    Und sie deswegen zu verfolgen und umzubringen ist furchtbar
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#2 Alexander_FAnonym
  • 14.09.2020, 00:12h
  • Eine Lektion erteilen wollte er also. Stimmt, wenn ich mit jemandem reden will, fahr ich ihn auch an und trete dann noch auf ihn ein, wenn er am Boden liegt. Wer tut das nicht?
    Dass jemand nach so einer Nummer noch die Stirn hat, eine solche Ausrede zu bringen, ist schon ein Hammer. Nicht eine Spur von Schuldbewusstsein. Ich hoffe nur, dass dieser Typ Zeit genug haben wird, hinter Gittern seine "Lektion" zu bekommen.
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#3 DramaQueen24Ehemaliges Profil
  • 14.09.2020, 01:16h
  • Soso, die ganze Familie war also gegen die Beziehung?
    Himmel, sie war erwachsen, und sie liebte ihn. Liebe war noch nie ein Verbrechen, Hass schon.
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