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NRW-Kommunalwahl 2020

Essen wird weiter schwul regiert

Sieger bei den Kommunalwahlen waren Grüne und CDU – auch mehrere schwule Bewerber können feiern.


Thomas Kufen, hier beim CDU-Parteitag 2016, kann Essen die nächsten fünf Jahre weiterregieren (Bild: Olaf Kosinsky    / wikipedia)

In Essen, der viertgrößten Stadt Nordrhein-Westfalens, konnte ein schwuler Kandidat die Oberbürgermeisterwahl gewinnen, in Mönchengladbach geht ein schwuler Bewerber als Favorit in die Stichwahl in zwei Wochen. Das sind zwei der Ergebnisse der Kommunalwahlen in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland vom Sonntag, bei der neben Stadt-, Stadtteil- und Gemeindeparlamenten auch (Ober-)Bürgermeister*innen und Landrät*innen neu gewählt wurden. LGBTI-Themen hatten im Wahlkampf praktisch keine Rolle gespielt.

Der seit 2015 regierende offen schwule Essener CDU-Oberbürgermeister Thomas Kufen konnte seinen Chefsessel verteidigen – der 47-Jährige erreichte mit 54 Prozent bereits im ersten Wahlgang mehr als die Hälfte der Stimmen, sein schärfster Konkurrent, der SPD-Politiker Oliver Kern, musste sich mit 20 Prozent begnügen. Bei der letzten Wahl vor fünf Jahren musste Kufen noch in die Stichwahl gehen (queer.de berichtete). In NRW müssen führende Kandidatinnen und Kandidaten grundsätzlich in einer Stichwahl gegen den Zweitplatzierten oder die Zweitplatzierte antreten, sollten sie nicht auf Anhieb mehr als 50 Prozent erobern.

Weiter mit Herzblut. Für Essen. 54,27 %! Heute war ein sehr erfolgreicher Tag – vielen Dank an alle, die mir ihr...

Gepostet von Thomas Kufen am Sonntag, 13. September 2020
Facebook / Thomas Kufen

Kufen, der ehemalige Integrationsbeauftragte der NRW-Landesregierung unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, erklärte vor der Wahl im Interview mit dem Szenemagazin "Fresh", dass er jungen Homosexuellen mit seiner Sichtbarkeit als schwuler Mann auch Mut machen möchte: "Wenn sie in den Anfängen vor dem Outing stehen, ist es gut, dass sie durch Vorbilder in der Öffentlichkeit auch Mut entwickeln."

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Felix Heinrichs in Stichwahl

Auch Mönchengladbach könnte künftig einen offen schwulen Stadtchef haben: Der erst 31-jährige SPD-Politiker Felix Heinrichs konnte den ersten Wahlgang mit 37 Prozent der Stimmen für sich entscheiden. Damit geht er in die Stichwahl mit Frank Boss (CDU), der mit 30 Prozent den zweiten Platz erreichte. Der seit 2014 regierende Amtsinhaber Hans Wilhelm Reiners (CDU) trat nicht mehr an.

Über 32.000 Menschen hier aus Mönchengladbach haben mir bei der ersten Runde der Oberbürgermeisterwahl ihre Stimme...

Gepostet von Felix Heinrichs am Montag, 14. September 2020
Facebook / Felix Heinrichs

Enttäuschung dagegen für den Bundeschef der FDP-Vorfeldorganisation Liberale Schwule und Lesben (LiSL): Michael Kauch bewarb sich in Dortmund um das Amt des Oberbürgermeisters und erreichte am Sonntag mit 6.534 Stimmen und 3,1 Prozent lediglich den fünften Rang – er lag nur 260 Stimmen vor dem rechtsextremen Kandidaten Bernd Schreyner, der von der AfD zur noch homophoberen Partei "Die Rechte" gewechselt war. In der drittbevölkerungsreichsten NRW-Stadt wird in zwei Wochen eine Stichwahl zwischen dem SPD-Politiker Thomas Westphal (36 Prozent) und dem CDU-Politiker Andreas Hollstein (26 Prozent) stattfinden. Hollstein war im November 2017 als Bürgermeister der Kleinstadt Altena bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil er wegen seiner liberalen Flüchtlingspolitik in einem Imbiss von einem ausländerfeindlichen Mann attackiert und mit einem Messer verletzt wurde.

Außer natu?rlich, sie wa?hlen FDP ? Scherz beseite: in vielen Familien wird immer noch aus Tradition SPD oder CDU ?...

Gepostet von Michael Kauch am Freitag, 11. September 2020
Facebook / Michael Kauch | In Dortmund haben offenbar sowohl Eltern als auch Kinder den offen schwulen Kandidaten verschmäht

Auch in der Provinz gab es einen schwulen Sieg: Der seit 2012 mit einem Mann verheiratete Dietmar Thönnes konnte überraschend deutlich mit 76 Prozent der Stimmen den Bürgermeisterposten in der 20.000 Einwohner zählenden Stadt Nottuln im münsterländischen Kreis Coesfeld gewinnen. Die schärfste Konkurrentin des von CDU, Grünen und FDP unterstützten Kandidaten, die SPD-Politikerin Manuela Mahnke, erreichte nur 17 Prozent.

Düsseldorfs Farid-Bang-OB nur auf dem zweiten Platz

In der Landeshauptstadt Düsseldorf muss der wegen seiner Zusammenarbeit mit dem antisemitischen und homophoben Rapper Farid Bang vor wenigen Wochen in Kritik geratene SPD-Oberbürgermeister Thomas Geisel um seine Wiederwahl bangen: Der 56-Jährige erreichte nur 26 Prozent der Stimmen, sein CDU-Herausforderer Stephan Keller kam auf 34 Prozent – und geht damit bei der Stichwahl in zwei Wochen als Favorit ins Rennen. Geisel hatte mit Bang ein Video zu umsichtigerem Verhalten während der Corona-Pandemie aufgenommen, dieses aber nach Kritik nie veröffentlicht und nach wenigen Tagen ein Solo-Video des Homo-Hassers zurückgezogen. Geisel hatte nach der Kritik trotzig erklärt, er sehe "keinen Anlass für eine Entschuldigung" (queer.de berichtete).

Landesweit konnte die CDU trotz leichten Verlusten ihren ersten Platz sichern. Damit dürfte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Rückenwind in seinem Kampf für den CDU-Bundesparteivorsitz und die Kanzlerkandidatur erhalten. Mit 34 Prozent konnten die Christdemokraten die SPD (24 Prozent) und die massiv erstarkten Grünen (20 Prozent) auf die Plätze verweisen. FDP, Wählergemeinschaften, Linke und AfD schafften es jeweils nur auf um die fünf Prozent. Trotz ihres relativ guten Abschneidens erzielte die CDU das schlechteste NRW-Kommunalwahlergebnis ihrer Geschichte – ebenso wie die SPD.

In mehreren großen Städten sind die Grünen nun stärkste Partei, darunter auch in Köln, der einzigen Millionenstadt des Landes. Hier erreichte die Ökopartei rund 29 Prozent und kann sich nun aussuchen, ob sie weiterhin mit CDU (21,5 Prozent) oder doch lieber mit der SPD (21,6 Prozent) zusammenarbeiten will. Die von Grünen und CDU unterstütze parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker muss mit nur 45 Prozent der Stimmen in die Stichwahl, gilt aber als Favoritin gegen SPD-Kandidat Andreas Kossiski (27 Prozent). In Bonn, Münster und Aachen schafften es grüne Bürgermeisterkandidat*innen in die Stichwahl. (dk)

#Köln ??Auf unser Kölner Ergebnis bin ich echt stolz! ???Mit Abstand stärkste Partei, über 8% dazu gewonnen und damit...

Gepostet von Arndt Klocke am Sonntag, 13. September 2020
Facebook / Arndt Klocke | Der offen schwule Grünenpolitiker Arndt Klocke feiert das Ergebnis in seiner Heimatstadt



#1 Hoffnung auf WandelAnonym
  • 14.09.2020, 13:38h
  • Meine größte Hoffnung ist, dass die SPD endlich mal den Knall hört. Die haben in ihrer selbsternannten "Herzkammer" wieder mal im Landesdurchschnitt 7,1 Prozentpunkte verloren. Das ist ein wahrer Absturz.

    So langsam sollte der SPD doch mal dämmern, dass die endlich einiges ändern müssen.

    Aber wenn ich mir ansehe, dass die trotz versprochenem Kurswechsel dann doch wieder in einer Hinterzimmer-Entscheidung ausgerechnet Groko-Vizekanzler, Groko-Minister und einer der größten Groko-Befürworter Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten machen, glaube ich nicht, dass die sich wirklich ändern wollen.

    Das zeigt sich auch, wie die jetzt den Absturz in NRW schonzureden versuchen, was schon an Realitätsverlust grenzt.

    Siehe hier:

    SPD redet sich NRW-Debakel schön

    www.spiegel.de/politik/deutschland/nordrhein-westfalen-so-re
    agieren-die-parteien-auf-das-kommunalwahlergebnis-a-973d31bb
    -9eaa-4be5-92fd-89ee0bc5fa57


    Wirklich traurig, wie die SPD sich selbst ruiniert, weil sie unbelehrbar und stur an ihrem Kurs des Untergangs festhält.

    Ich habe noch ein letztes Fünkchen Hoffnung, aber wirklich dran glauben tue ich nicht mehr.
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#2 JasperAnonym
  • 14.09.2020, 17:07h
  • Die Hoffnung hatte ich auch mal. Denn eigentlich wäre eine sozialdemokratische Partei wichtig für Deutschland.

    Aber leider ist das halt die SPD nicht mehr. Die letzten Sozialdemokraten haben die SPD spätestens unter Gerhard Schröder, Peer Steinbrück, Wolfgang Clement & Co verlassen. Als unter SPD-Führung Hartz IV und Riester-Rente, Leiharbeit und Scheinselbständigkeit, Öffnung des Wohnungsmarkts für Heuschrecken und des Finanzmarkts für Hedgefonds, etc. beschlossen wurden.

    Entweder schafft die SPD doch noch die Rolle rückwärts oder sie sollen möglichst schnell Platz machen für echte Sozialdemokraten.
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#3 TimonAnonym
  • 14.09.2020, 19:13h
  • Ich gratuliere den Grünen zu den massiven Gewinnen.

    Das ist der Beleg, dass die Wähler es belohnen, wenn man sich um drängende Probleme wie Klimawandel, Mietpreis-Explosion, Verkehrs-Infarkt, etc. kümmert und wenn man sich auch um die Grundrechte von LGBTI kümmert.

    Deshalb haben die Grünen absolut verdient so massiv dazu gewonnen.
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#4 TimonAnonym
  • 14.09.2020, 19:22h
  • Antwort auf #1 von Hoffnung auf Wandel
  • Ich finde es auch traurig, das sagen zu müssen, aber ich habe die Hoffnung für die SPD aufgegeben.

    Ich hatte noch ein wenig Hoffnung bei Kevin Kühnert. Aber der hat wohl auch nur laut rum getönt, um persönliche Ziele zu erreichen und sobald er die Pöstchen bekommen hatte, ist er plötzlich ganz zahm und brav geworden und hat plötzlich nichts mehr zu kritisieren.

    Das ist kein Wandel und so wird das nichts mehr werden. Leider.
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#5 aberaberAnonym
  • 15.09.2020, 12:53h
  • Auch wenn Kufen schwul ist, das Elting-Viertel hier in Essen wurde in seiner ersten Amtszeit gentrifiziert - das heißt Luxus saniert.

    Die Menschen mussten dem Profit weichen!
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#6 YannickAnonym
#7 YannickAnonym
  • 15.09.2020, 14:37h
  • Antwort auf #3 von Timon
  • Bei den Wahlen hat man vor allem eines gesehen:

    Gerade in den Großstädten und gerade bei jüngeren Wählern waren die Grünen extrem erfolgreich und die Union und die SPD extrem schlecht.

    Das ist ein Problem, da die reine Demographie dafür sorgt, dass die alten Wähler immer weniger Einfluss haben und die jungen Wähler immer mehr.

    Daraus sollten Union und SPD ihre Schlüsse ziehen und sich endlich wandeln.

    Insbesondere im LGBTI-Bereich können gerade jüngere Wähler nicht mehr verstehen, warum da grundlos diskriminiert wird.

    Deshalb sollten Union und SPD sich endlich in dem Bereich bewegen:

    1. Ergänzung von Art. 3 GG um die Merkmale "sexuelle Identität" und "geschlechtliche Identität".

    2. Verbot von "Konversionstherapien für ALLE Altersklassen und nicht nur für manche. (Wie die SPD es ursprünglich gefordert hatte und wie es alle Experten nach wie vor fordern.)

    3. Reform des Abstammungsrechts.

    4. Reform der rechtlichen Situation Trans- und Intersexueller.

    5. Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie.

    Wenn Union und SPD sich da nicht endlich bewegen, wird es irgendwann zu spät sein.

    Merke:
    Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
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#8 aberaberAnonym
#9 Patroklos
  • 15.09.2020, 21:07h
  • Antwort auf #1 von Hoffnung auf Wandel
  • Auf der anderen Seite kann die SPD aber auch froh darüber sein, daß sie in den Städten Remscheid, Solingen, Herne, Bochum und Bottrop weiter den Oberbürgermeister sowie den Landrat im Kreis Siegen-Wittgenstein stellt. Mal sehen, was in zwei Wochen die Stichwahlen bringen.
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#10 fleermmannekesAnonym
  • 16.09.2020, 04:03h
  • Irgendwo wurde ernsthaft behauptet, der milionenschwere Düsseldorfer Skandalrapper Farid Bang bräuchte ernsthaft Unterstützung bei seiner Resozialsierung...

    Mit Hass auf andere Mensche dicke Kohle machen und dann noch behaupten, solche Misanthropen, solche überbezahlten Stänkerer hätten die Hilfe der Gesellschaft nötig, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar.

    Ich bin gebürtiger Düsseldorfer. Und ich möchte einfach mal nett, vielleicht sogar händchenhaltend, auf der Rheinpromenade spazieren gehen. Aktuell würde ich mich aber nicht dazu trauen.
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