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Studie

Vielfalt in deutschen Unternehmen: "Mehr Lippenbekenntnis als Realität"

Viele Unternehmen haben laut einer neuen Studie ein unzureichendes Diversitätsverständnis und erkennen den Nutzen von Diversität für den wirtschaftlichen Erfolg nicht in vollem Maße.


BeyondGenderAgenda stellt den ersten "German Diversity Monitor" vor

Die erst Anfang des Jahres gegründete Organisation BeyondGenderAgenda, eine Initiative für Diversität und Inklusion im Arbeitsleben, hat am Montag den ersten "German Diversity Monitor" (PDF) vorgestellt und veröffentlicht.

Diese erste Studie von BeyondGenderAgenda wurde im Frühjahr durchgeführt und ist eine Bestandsaufnahme der Vielfalt in den Vorständen und Geschäftsführungen deutscher Unternehmen. "Die Ergebnisse zeigen deutliche Defizite der befragten und analysierten Unternehmen in Bezug auf das Verständnis von Diversität sowie das Ausschöpfen des wirtschaftlichen Potenzials. Diversität ist in deutschen Unternehmen aktuell leider mehr Lippenbekenntnis als Realität", erklärte Victoria Wagner, Gründerin und Vorsitzende von BeyondGenderAgenda.

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Diversitätskategorie LGBT spielt eine untergeordnete Rolle

Wie viel Potenzial die deutsche Wirtschaft aufgrund mangelnder Diversität vergebe, zeige sich laut der Studie bereits am fehlenden Begriffsverständnis. Zwar gab die Hälfte der befragten Unternehmen an, dass sie Diversität und einem inklusiven Arbeitsumfeld eine hohe Bedeutung beimessen, jedoch vor allem in Bezug auf Geschlechterdiversität oder Diversität der kulturellen Herkunft. Weitere wichtige Diversitätskategorien wie Alter, Behinderungen und LGBT spielen sowohl aus der Perspektive der Befragten als auch in den analysierten Geschäftsberichten der größten börsennotierten Unternehmen nur eine untergeordnete Rolle.

Die Studie ergab, dass weniger als 40 Prozent der befragten Unternehmen über spezifische Maßnahmen bei bei der Diversitätskategorie LGBT verfügen. Die drei am häufigsten durchgeführten Maßnahmen sind demnach Schulungen zur Sensibilisierung von Mitarbeitenden, Netzwerke und Mentoring-Programme.

Der "German Diversity Monitor" soll ab sofort jährlich durchgeführt werden, um Fortschritte und Veränderungen zu identifizieren und die Wirkung der Initiative messbar zu machen.

Jens Spahn unterstützt BeyondGenderAgenda

BeyondGenderAgenda hat sich zum Ziel gesetzt, die Chancengleichheit von Führungskräften anderen Geschlechts, Alters, kultureller Herkunft, sexueller Orientierung sowie Geschlechteridentität zu fördern und dadurch einen kulturellen Wandel in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik herbeizuführen. Dabei wird die Organisation auch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unterstützt. Der offen schwule Christdemokrat hatte im Januar erklärt: "Nur wenn wir unser volles Potenzial ausschöpfen bleibt Deutschland in den Zwanzigerjahren ökonomisch stark. Wer mit anpacken will, darf keinen Nachteil aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft oder sexueller Orientierung haben. Deshalb unterstütze ich das Anliegen von BeyondGenderAgenda, solche Kategorien zu überwinden." Dabei hatte Spahn vor der Übernahme des Ministeramtes im März 2018 noch Gender Mainstreaming kritisiert (queer.de berichtete). Als einfacher Abgeordneter hatte er immer wieder mit populistischen Äußerungen für Schlagzeilen gesorgt, gibt sich aber seit seinem Eintritt in die Regierung diplomatischer.

Bislang gibt es bereits den "LGBT+ Diversity Index" der Uhlala GmbH, der die 30 Dax-Unternehmen auf ihre LGBTI-Freundlichkeit überprüft (queer.de berichtete). Der erste Index wurde kurz vor Weihnachten 2019 veröffentlicht – die Spitzenposition nahm der baden-württembergische Softwarenhersteller SAP ein, ganz hinten lag der inzwischen insolvent gegangene Finanzdienstleister Wirecard (queer.de berichtete). Die Tabelle musste allerdings drei Monate später korrigiert werden, weil fünf Dax-Unternehmen bei ihrer Befragung geschummelt hatten (queer.de berichtete). (dk)