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Ernie Reinhardt

Grande Dame der Aufklärung: Lilo Wanders wird 65

Als "Aufklärerin der Nation" nahm Lilo Wanders in "Wa(h)re Liebe" kein Blatt vor den Mund. Das tut sie auch heute noch nicht. Nur Corona hat sie ein wenig ausgebremst. Und damit auch den Mann hinter der Maske.


Lilo Wanders 2009 beim Kölner CSD (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)
  • Von Christiane Bosch, dpa
    16. September 2020, 08:49h, 29 Kommentare

Was hätte aus Ernie Reinhardt auf der Leinwand und der Theaterbühne nicht alles werden können – "Tatort"-Kommissar, ruppiger Schurke, liebevoller Vater, euphorischer Liebhaber. Stattdessen aber war der gebürtige Niedersachse schnell auf genau eine Rolle festgelegt: auf die der Diva und Sex-Aufklärerin Lilo Wanders. Sie wurde zur Rolle seines Lebens – "und das ist Fluch und Segen zugleich", sagt Reinhardt im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg.

Natürlich hat sie ihm das Rampenlicht und damit das Leben mit seiner Familie, einem Hund und zwei Katzen auf einem großzügigen Bauernhof im Alten Land ermöglicht. Doch sie hat ihn auch eingeengt. "Es ist auch ein Fluch, weil man mir nie mehr zugetraut hat. Wenn mein Leben rund wäre, hätte ich gern mehr schöne Rollen gespielt", sagt Reinhardt. Aber noch ist alles möglich. Am 22. September feiert Ernie Reinhardt mit seiner Familie seinen 65. Geburtstag.

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Evelyn Künneke inspiririerte ihn zu Lilo Wanders

Für öffentliche Interviews und Auftritte schlüpft er stets in die Rolle seiner 1984 geschaffenen Kunstfigur. Freizeit und Arbeit zu trennen, war Reinhardt immer wichtig. Wobei er eine Verschmelzung für eine "tragende Männerrolle in einem Fernsehfilm" in Kauf nehmen würde. "Damit ich mal zeigen kann, was ich wirklich kann." Am liebsten wäre er "Tatort"-Kommisar. "Gern schräg, aber eben nicht definiert als Schwuler. Das ist alles, was ich immer gekriegt habe." So hat er 2002 als Barkeeper im Fernsehfilm "Was für eine Nacht" Christoph Waltz bezirzt und 2016 im Wolfgang-Petersen-Film "Vier gegen die Bank" als "sehr schwuler" Maskenbildner Til Schweiger und Jan-Josef Liefers geschminkt. "Eine Minute. Aber das haben sie dann rausgeschnitten. Das habe ich auch eingesehen. Die Szene war leider am Ende für den Film überflüssig", so Reinhard, der sich als 16-Jähriger geoutet hat.

Jenseits des Fernsehfilms aber hat Reinhardt durchaus ordentliche Spuren hinterlassen. Als Mitbegründer des Schmidt Theaters auf der Reeperbahn 1988 erschuf er gemeinsam mit Corny Littmann und zwei weiteren Teilhabern ein Stück nicht mehr wegzudenkende Kultur in der Hansestadt. Für das Theater hatte er dann auch Lilo Wanders erfunden – inspiriert durch die Schauspielerin und Diva Evelyn Künneke. Die elegante, näselnde Lilo Wanders kam nicht nur in der Schwulen-Szene gut an. Die "Schmidt Mitternachtsshow" wurde später auch im Norddeutschen Rundfunk ausgestrahlt und Travestiekünstlerin Lilo Wanders bekam bald darauf das Angebot für die Vox-Sendung "Wa(h)re Liebe" – das sollte sie weltweit bekannt machen.

Travestiestar mit großem Herz

Zehn Jahre lang sprach Wanders dort über Themen wie Orgasmen, Pornos, Liebe und Co. 750 Millionen Mal wurde das Format über die Zeit eingeschaltet. "Für die 545 Sendungen wurden mir 353 Kostüme auf den Leib geschneidert", sagt Wanders heute. Durch die Sendung wurde sie einmal mehr zur "Aufklärerin der Nation" und "Frauenversteherin", wie sie in Medien immer wieder genannt wurde. "Ist das nicht absurd? Ich stehe auf der Bühne und erzähle ihnen, wie Frauen fühlen und was da körperlich vor sich geht. Und die Männer wissen es meistens gar nicht."

Von ihren Weggefährten wird Wanders geschätzt. Littmann zu dpa: "Sowohl zu ihren Zeiten im Schmidt Theater, als auch als Gastgeberin einer Sex-Talkshow war Lilo die erste regelmäßige Männerstimme in schillernden Frauengewändern im deutschen Fernsehen." Das Besondere an ihr sei, dass sich hinter der bunten Fassade der Travestie ein sensibles, riesengroßes Herz verberge.

Auch Olivia Jones schätzt den trockenen Humor und das große Herz ihrer Kollegin und Entdeckerin. Sie sei ihr immer ein Vorbild gewesen, sagt Jones der dpa. Lilo Wanders sei wegweisend gewesen in Sachen Aufklärung und habe dafür gesorgt, dass die Gesellschaft selbstverständlicher mit Sexualität und dem eigenen Körper umgeht. "Ich bin ihr sehr dankbar, für das, was sie für Dragqueens und Travestie-Künstler gemacht hat."

Corona stoppte das Solo-Programm

Als Aufklärerin arbeitet Wanders noch immer auf der Theaterbühne. Wenn Corona nicht gekommen wäre, würde sie mit ihrem Solo-Programm durchs Land touren und hätte sechs Wochen in Braunschweig Theater gespielt. Und es hätte sogar eine Neuauflage von "Wa(h)re Liebe" gegeben. So aber ist Wanders "seit dem 8. März" ohne größere Auftritte. Und das frustriert sehr, sagt Reinhardt dazu.

Doch im Oktober soll es endlich weitergehen. Dann wagt sich Lilo Wanders auf neues Terrain. Auf ein Kreuzfahrtschiff. "14 Tage, 8 Auftritte und immer durch die Ostsee. Das finanziert mir den Oktober", sagt Reinhardt und die Erleichterung ist deutlich hörbar.

Von Rente oder Ruhestand will Reinhardt erstmal noch nichts wissen. Lilo Wanders wird also weiterhin im Sommer als Stadtführerin der Olivia-Jones-Familie durch den Kiez touren, Theater spielen und solo bundesweit auftreten. "Kürzertreten kann ich mir nicht leisten – und es gibt mir auch was. Es geht mir seelisch gut, wenn ich einen erfolgreichen Abend hinter mir habe."

Reinhardt mag sein Leben. Seins und das als Lilo Wanders. "Ich hab die ganze Welt gesehen. Wenn ich auf mein Leben gucke, kann ich sagen: Es war alles richtig. Es war bisher ein tolles Leben." Feiern will er das bei Kaffee und Kuchen in einem kleinen Café in Hamburg – mit seiner Frau, seinen Söhnen und den beiden Enkeln. Das ist trotz seines Schwulseins so erfolgreich möglich. "Die Liebe macht alles möglich, tatsächlich. Es gibt so viel mehr Möglichkeiten als man uns früher weismachen wollte."



#1 TimonAnonym
  • 16.09.2020, 09:09h
  • Ich finde, solche Sendungen fehlen heute im Fernsehen.

    Ich denke da auch an die Sendung "Liebe Sünde" mit Matthias Frings, das auch Mitte bis Ende der 1990er lief.

    Die 1990er waren schon echt eine tolle Zeit. Nicht nur deswegen.

    Wie gesagt: solche Sendungen fehlen heute.
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#2 Prima4Anonym
#3 Girlygirl
  • 16.09.2020, 12:12h
  • Wie kann er denn schwul sein, wenn er eine Ehefrau hat? Ist er dann nicht eher bi?
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#4 Kritiker_in
  • 16.09.2020, 13:14h
  • Antwort auf #3 von Girlygirl
  • Vielleicht sollte man einfach mal ernst nehmen, wie jemand sich selbst bezeichnet.

    Da Du sehr jung zu sein scheinst: früher haben viele Schwule Frauen geheiratet, um den gesellschaftlichen Konventionen zu entsprechen. Das hatte und hat nur sehr wenig mit ihrer tatsächlichen sexuellen Orientierung zu tun. Manche merken dann eben auch erst während dieser Hetero-Ehe, dass sie doch schwul (und NUR schwul) sind. Das hat schon für so manches Familiendrama gesorgt.
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#5 Prima4Anonym
  • 16.09.2020, 13:54h
  • Antwort auf #3 von Girlygirl
  • Genau, schäm dich gefragt zu haben... bitte bring Verständnis und Solidarität auf, für was und warum hat dich nicht zu interessieren! Und komm bloß nicht auf den Gedanken bei Fragen jemanden mit Eigenerfahrung zu frage, damit bis du *****phob!

    ^^

    Ne ernsthaft, die frage hatte keinerlei negative Implikationen, gibt keinen grund dir deswegen so zu kommen! "Schwul" bedeutet eben mann und mann, da kann man schon mal stutzen wenn plötzlich ne Ehefrau zur Sprache kommt... fände ich auch irritierend wenn mein Kerl mir mit ner Ehefrau ankommt.....sehr irritierend oO
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#6 Kritiker_in
  • 16.09.2020, 14:10h
  • Antwort auf #5 von Prima4
  • ""Schwul" bedeutet eben mann und mann"

    Es ist halt eben nur so, dass die Realität ein klitzekleines bisschen vielfältiger ist als die Version, die offensichtlich in Deinem Kopf abgespeichert ist.

    Und wenn Dir meine Antworten nicht sachlich genug sind, dann überprüfe bitte mal Deinen eigenen Ton hier. Vielen Dank.
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#7 LarsAnonym
  • 16.09.2020, 14:18h
  • Antwort auf #3 von Girlygirl
  • Schwul oder homosexuell bezeichnet die sexuelle Orientierung, aber man darf so etwas nicht zu eng sehen. Sehr oft ist es die sexuelle Orientierung, die zu Nähe, Vertrautheit und Liebe in einer Beziehung führt - sowohl bei Homos wie bei Heteros. Aber eine Partnerschaft oder Elternschaft kann auch auf der Basis von Respekt, Vertrauen und dem Zulassen von Nähe basieren. Die sexuelle Orientierung bestimmt, wie wir Sexualität erleben, aber Liebe ist universell.

    Ich finde es ein wenig schade, dass Eddie Reinhard nur eine Seite der Liebe (und das Thema sexuelle Aufklärung) öffentlich gemacht hat und die andere Seite eher versteckt hielt. Aber das liegt an den Zeitumständen. Ich würde mir für die Zukunft aber mehr queere Figuren wünschen, die differenzierter angelegt sind.
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#8 LarsAnonym
#9 Prima4Anonym
  • 17.09.2020, 06:45h
  • Antwort auf #6 von Kritiker_in
  • Ja, deine Antworten sind mir nicht sachlich genug, bei weitem nicht, auf welcher Grundlage auch wenn da 0 rum kommt....?? lol aber hast egtl auch recht, so sehr interessiert mich das Thema aber dann doch nicht, deine Realität kann gerne bei dir bleiben, ich komm in meiner gut klar, gönn dir!
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#10 sapiensAnonym