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Mord in Serie

Können queere Serienmörder*innen emanzipatorisch sein?

Heute vor 15 Jahren – am 22. September 2005 – wurde die erfolgreiche Serie "Criminal Minds" erstmals ausgestrahlt. In diesem Jahr wurde sie eingestellt. Die richtige Zeit für einen queeren Gesamtüberblick.


Eine eher außergewöhnliche Szene aus der Folge "Der gute Ehemann" (12/12): Die körperliche Nähe zwischen Mark und Bill erschien den Verantwortlichen vielleicht nur wegen ihrer Ehe als darstellbar
  • Von Erwin In het Panhuis
    22. September 2020, 06:38h, 7 Kommentare

Ermittlungen vor dem Hintergrund realer Morde. Die lesbische Serienmörderin Aileen Wuornos (m.) im Intro von "Criminal Minds"

In der US-amerikanischen Krimiserie "Criminal Minds" (2005-2020) wird die Arbeit von Profiler*innen in einer Verhaltensanalyseeinheit im FBI dargestellt. Die Serie wurde erstmals am 22. September 2005 ausgestrahlt und erschien bis zum 19. Februar 2020 in 324 Folgen bzw. 15 Staffeln. In mehr als 20 Folgen sind LGBTI vertreten. Nachfolgend fokussiere ich zunächst vier Folgen, die Homosexualität zentral behandeln. Danach werde ich auch auf queere Nebenhandlungen und auf sexuellen Missbrauch von Jungen eingehen.

Die Serie orientiert sich in einem hohen Maße auch an realen schwulen und lesbischen Serienmörder*innen, auf die ich ebenfalls verweisen werde. Ich habe viele Verlinkungen mit "criminalminds.fandom.com" vorgenommen, einer "Criminal Minds"-Wiki-Seite, die die Serie inhaltlich ausführlich erschließt. In einigen Fällen hat es sich angeboten, die Referenzen zu realen Mörder*innen schon innerhalb der Beschreibungen der Folgen zu erwähnen. Die mit einem "/" getrennten Zahlen verweisen auf Staffel und Folge. Auf die Angabe der Originaltitel und des Datums der Erstausstrahlung habe ich verzichtet, weil diese auf der Wikipedia-Episodenliste leicht recherchierbar sind.

"Frei in Miami" – die Übernahme einer sexuellen Identität

In der Folge "Frei in Miami" (3/17) werden den Zuschauenden zunächst zwei heterosexuelle Liebesgeschichten gezeigt – in einer Deutlichkeit, wie sie bei homosexuellen in der Serie nicht möglich war. Erst danach kommen die ersten Hinweise auf Homosexualität. Der Mörder heißt Steven Fitzgerald, er ist zwar schwul, hatte aber aus Scham bisher noch nie Sex mit einem Mann. Er ermordet mehrere schwule Männer und nimmt nach den Taten Gegenstände der Opfer an sich. Damit übernimmt er deren Identität, weil er die freie homosexuelle Identität der Opfer auch für sich selbst wünscht.

Das erste Mordopfer ist der schwule Polizist Charles Luvet. Der Polizist William LaMontagne war ein Freund des Opfers und hilft bei den Ermittlungen. Er ist enttäuscht, dass ihm sein Freund nichts über seine Homosexualität und den Hintergrund seiner Urlaubsreise mitgeteilt habe, wo es auch darum ging, andere Männer kennen zu lernen: "Er ist so weit geflogen, um jemand anderes zu sein." Der Profiler Aaron Hotchner korrigiert ihn: "Nein, er ist weit geflogen, um er selbst zu sein."

In einer Nebenhandlung hat LaMontagne ein Liebesverhältnis mit der Profilerin Jennifer Jareau, JJ genannt, die das Verhältnis vor ihren Kolleg*innen geheim halten möchte. LaMontagne hat dafür kein Verständnis: "Soll das etwa heißen, du schämst dich für mich?" Nach mehreren ähnlichen Situationen geht Jareau offen mit dieser Liebe um, von der die Kolleg*innen eh schon alle etwas ahnten. Zur nicht offen ausgelebten Homosexualität des Polizisten Charles Luvet sind deutliche und emanzipatorisch angelegte Parallelen erkennbar.

Die Profiler*innen schlussfolgern früh, dass ein auf schwule Männer fixierter Mörder nicht unbedingt heterosexuell sein muss, denn es könnte ein "Verbrechen aus Hass sein oder der Täter hat Probleme mit seiner Sexualität". Später wird Steven Fitzgerald als Mörder überführt. Sein homophober, streng religiöser und ihn ablehnender Vater ist von Beruf Gefängniswärter, wobei auf Parallelen zu seinen Erziehungsmethoden verwiesen wird. Nicht Steven, sondern seinem Vater wird die moralische Schuld an den Morden gegeben.

"Alter Ego" – der schüchterne Adam wird zur mordenden Amanda

In "Alter Ego" (4/20) werden mehrere junge Männer gefesselt, anal vergewaltigt und ermordet. Der Profiler Reid bestreitet, dass der Täter unbedingt schwul sein müsse, weil es bei Vergewaltigungen von Männern "weniger um sexuelle Präferenzen, sondern um Macht und Dominanz" gehe. Zunächst gehen die Profiler*innen von einer Frau aus, die einen männlichen Mittäter hat. Der Verdacht fällt zwar schnell auf den Hotelangestellten Adam, der jedoch unsicher und alles andere als dominant wirkt.

Was die Ermittler*innen noch nicht wissen: Adam leidet unter einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung. Die Zuschauenden bekommen schon früh mit, dass sich Adam als Amanda an einen Mann heranmacht, nur um ihn später zu ermorden. Bei der Opferwahl geht es ihm/ihr um "Alpha-Männer, denen man ansieht, dass sie Frauen als Freiwild betrachten".

Wenn Adam als Amanda Männer vergewaltigt und ermordet, wird das Kopfkino der Zuschauenden wohl in unterschiedlicher Form angesprochen. Einige denken vielleicht an das Genre der "Rape-and-Revenge-Filme" und an das Verhältnis von Mann und Frau. Andere Zuschauende werden sich vielleicht Gedanken zu trans Menschen machen und davon ausgehen, dass hier Geschlechterrollen in Frage gestellt werden. Ebenso kann man bei diesen Szenen auch an einen schwulen Mann in Frauenkleidern und an Homosexualität denken.

Adam wurde in seiner Kindheit misshandelt, gegen seinen Willen in Mädchenkleider gesteckt und später in ein Kinderheim abgeschoben. Als Adam/Amanda verhaftet wird, ist Reid mit Bezug auf den Vater deutlich: "Wir haben heute das Opfer festgesetzt und den Kinderschänder haben wir laufen lassen." Vermutlich wird es viele Menschen geben, die diese Folge reflexhaft für transfeindlich halten – ähnlich wie bei dem Spielfilm "Das Schweigen der Lämmer" (1991). Wenn die Serie jedoch vor allem cis Heterosexuelle als kranke Mörder darstellt, ist es nicht per se illegitim, auch trans Personen als krankhaft mordend darzustellen.


Der schüchterne Adam wird aufgrund einer Persönlichkeitsstörung zur mordenden Amanda (4/20)

"Verdorben" – die "Heilung" von Schwulen

In "Verdorben" (8/15) steht die sogenannte Konversionstherapie, d.h. der Versuch, Menschen von ihrer Homosexualität zu "heilen", im Vordergrund. Als der Vater von Paul Westin von der Homosexualität seines Sohnes und von seinem Verhältnis zu einem Mitschüler erfährt, versucht er zunächst, ihn dadurch zu "heilen", dass er ihn in seinem Beisein zum Sex mit einer Prostituierten zwingt. Manchmal hat der Vater ebenfalls Sex mit der Prostituierten, was Paul weiter traumatisiert. Danach schickt der Vater seinen Sohn in das christlich geprägte "Camp Willing", das für die Umerziehung auch Methoden wie Elektroschocks anwendet. Das Motto des Camps ist, dass man nicht bei einem Mann liegen solle wie bei einer Frau, weil dies ein Greuel sei (3. Buch Mose 18:22).

Die Methoden des Camps werden zum Katalysator für die späteren Morde Paul Westins. Neben den Morden kommt es auch zu einem Vergewaltigungsversuch: Als eine Form der spiegelnden Strafe will Paul Westin seinen Freund dazu zwingen, seinen Vater zu vergewaltigen, damit dieser "schwul wird". Um das zu erreichen, fesselt er seinen Vater an dasselbe Bett, in dem er vor einigen Jahren zum Sex mit der Prostituierten gezwungen wurde. Dieser Vergewaltigungsversuch lässt sich im weiteren Sinne als "Corrective Rape" bezeichnen, auch wenn damit meistens die Vergewaltigung Homosexueller bezeichnet wird, wenn diese mit der Absicht verbunden ist, deren sexuelle Orientierung zu verändern und sie "heterosexuell zu machen" (s.a. meinen Artikel bei queer.de über den Film "Spetters", in dem einem Mann durch eine anale Vergewaltigung bei seinem Coming-out "geholfen" wird). Am Ende der Episode wird das "Camp Willing" zuerst durchsucht, dann geschlossen, und die Mitarbeiter*innen werden festgenommen.

"Ein guter Ehemann" – die Ehe für alle

In "Ein guter Ehemann" bzw. "Du gehörst mir" (12/12) werden in Palm Springs mehrere menschliche Torsi gefunden. Die Zuschauenden kennt den Täter bereits: Es ist der schwule Psychopath Mark Tolson, der mit seinem Lebenspartner Bill Seavers verheiratet ist. Auf die neue Möglichkeit von Schwulen und Lesben zu heiraten wird in dieser Folge mehrfach angespielt, u.a. im Titel. Die Inszenierung mit Ehering und Hochzeitsfoto kommt der Darstellung einer heterosexuellen Ehe recht nahe. Die Unterschiede werden bei den dargestellten Zärtlichkeiten deutlich: Gezeigt werden zwar ein Streicheln im Gesicht und eine Löffelchenstellung im Bett – ein Kuss ist jedoch weder hier noch in irgendeiner anderen Folge zu sehen.


Für die Serie außergewöhnlich: Bezüge zur LGBTI-Community (12/12)

Als es zwischen Mark und Bill mal wieder zu einer Eifersuchtsszene kommt, geht Mark in eine Schwulenkneipe, nimmt einen Mann mit in seinen Transporter und zerstückelt ihn dort. Auch später gibt es weitere Situationen, in denen Mark das Gefühl hat, Bill nicht mehr dominieren zu können, und weitere Männer ermordet, u.a. einen Freund von Bill. Beim Zerstückeln mit einem Fleischerbeil greift Mark auf seine Schlachterfahrungen zurück. Die deutschen Zuschauenden wird dies vielleicht an den deutschen Serienmörder Jürgen Bartsch erinnern, der aber in der "Criminal Minds"-Wiki nicht erwähnt wird und den US-Drehbuchschreibern vermutlich nicht bekannt war. Als reale Bezüge zu Mark Tolson werden 14 andere homosexuelle Serienmörder genannt.

Queere Nebenhandlungen der 1. und 2. Staffel

In "Der Tag der Toten" (1/19) werden in Mexiko mehrere ältere Frauen ermordet. Dabei gerät auch Miguel, der schwule Sohn einer der Ermordeten, ins Visier der Ermittlungen. Durch Miguels Schwester lernen die Ermittler*innen Miguels Lebenspartner Roberto kennen, der allerdings ebenfalls als Täter ausscheidet. Weil die Profiler*innen einen Mann in Frauenkleidern suchen, werden von der mexikanischen Polizei auch wahllos trans Frauen vorgeladen und vernommen, was die Profiler*innen deutlich kritisieren. Erst als mehrere Frauen von früheren Vergewaltigungsversuchen berichten, kommen die Profiler*innen einem Frauenkleidung tragenden Vergewaltiger und Serienmörder auf die Spur.

Bevor sie ihn jedoch verhaften können, wird der mutmaßliche Täter von den vergewaltigten Frauen gefunden und kastriert. Diese Selbstjustiz wird als legitim dargestellt, und die Staatsanwältin betont ausdrücklich, dass die Frauen keine rechtlichen Konsequenzen zu befürchten hätten. Die Zuschauenden erfahren in dieser Folge einiges über die Bedeutung von Familie, Machismo und Homosexualität in Mexiko, allerdings fast nichts über den Vergewaltiger und Mörder in Frauenkleidern.

Zu dem in dieser Folge erwähnten russischen Serienmörder Andrei Chikatilo, der 1992 wegen mehr als 50 Morden verurteilt und 1994 hingerichtet wurde, lassen sich einige Parallelen erkennen. Bei den polizeilichen Ermittlungen kommt es zu falschen "Geständnissen", die durch brutale Verhöre erreicht werden. Drei Homosexuelle nehmen sich aufgrund des Vorgehens der Ermittler*innen das Leben. Zu Chikatilos Opfern gehörten auch Jungen und junge Männer, die er in vielen Fällen erstach und kastrierte. Wegen Chikatilos Impotenz wurde oft auf die phallische Bedeutung seines Messers verwiesen.


Die wahllose Vorladung von trans Personen wird von den Profiler*innen kritisiert (1/19)

In "Zwei von drei" (2/7) werden drei Mädchen entführt und gefangen gehalten. Zwei der Mädchen dürfen den Raum lebend verlassen, wenn sie dafür das verbleibende Mädchen töten. Einer der Väter, Peter Chambers, macht sich im Zuge der Ermittlungen verdächtig, weil er unter einem falschen Namen in einem Hotel absteigt und sich dort mit einem Freund trifft: "Eigentlich ist er mehr als ein Freund." Als die Eltern gemeinsam bei den Ermittlungen helfen sollen, kommt es zu gegenseitigen Beleidigungen. Eine der Mütter zu Chambers: "Wir wissen alles über dich. Vielleicht ist das Gottes Strafe für dich." Und als Peter die Leidenschaft für Football kritisiert, sagt ein Vater zu ihm: "Wir wissen ja, was du in der Zeit getrieben hast."

In "Jones" (2/18) suchen die Profiler*innen des FBI einen Serientäter, der wie Jack the Ripper mordet, wobei es zu einzelnen schwul-lesbischen Erwähnungen kommt: "Er könnte ein Homosexueller sein, der Gewalt benötigt, um in Stimmung zu kommen", wobei der schwule Serienmörder Jeffrey Dahmer erwähnt wird. In der zweiten Hälfte der Folge vermuten die Profiler*innen eine Frau als Mörderin, wobei sie unterschiedliche Typen unterscheiden. Mit dem "Aileen Wuornos"-Typ beziehen sich die Profiler auf eine lesbische Serienmörderin.

Queere Nebenhandlungen der 3. und 4. Staffel

Als sich in "Das verlorene Ich" (3/7) der Serienmörder Francis Goehring umbringt, bleibt sein 25-jähriger Helfer Henry Frost allein zurück. Als sich die Profiler*innen ein von Frost gedrehtes Video über Goehring und die misshandelten Frauen ansehen, stellen sie fest: "Er interessiert sich mehr für Goehring als für die Folter. Er hält auf seinen Bizeps, als würde er Goehrings Körper liebkosen. […] Er ist in Goehring verliebt." Der Profiler David Rossi versucht sich im Rahmen eines Rollenspiels in Frosts Situation zu versetzen: "Ich bin Frost, ein devoter gestörter Homosexueller. Ich brauche Sie (gemeint ist Goehring), um dominiert zu werden, weil nur das meinem Leben einen Sinn gibt." Nach dem Tod Goehrings versucht Frost, Goehrings Identität anzunehmen. Er verändert sein Äußeres und fügt sich eine Narbe zu, wie sie auch Goehring trug. Am Ende erfahren die Zuschauenden, dass Frost von seinem alkoholkranken Vater missbraucht und mit 15 Jahren aus dem Haus geworfen wurde.

In "Ich bin viele" (4/15) bringt der Serienmörder Eric Ryan Olson sechs Menschen auf unterschiedliche Weise um. Sein erstes Opfer ist Travis Bartlett, der zuletzt in einer Schwulenbar gesehen wurde. Die Profiler*innen erkennen, dass der Täter mit seinen Morden andere berühmte Serienmörder imitiert. Mit diesem ersten Mord ahmt er z.B. Clevelands berühmtesten Serienmörder, den "Schlächter von Kingsbury Run", nach. Die Profiler: "Er fand seine Opfer in Schwulenbars, erschoss sie und legte ihre Leichen dort ab. [Auch] Travis Bartlett wurde zuletzt in einer Schwulenbar gesehen – und gefunden wurde er dann [ebenfalls] im Kingsbury-Run-Park." Durch zwei Rückblicke werden die Taten parallelisiert: Zuerst sieht der Zuschauer in einer inszenierten Szene, wie 1935 der "Schlächter von Kingsbury Run" mit dem homosexuellen Edward W. Andrassy und dann, wie Eric Ryan Olson mit Travis Bartlett jeweils eine Schwulenbar verlassen. Nebenbei bemerkt: Sehr befremdlich ist die aktuelle Homepage des Polizeimuseums in Cleveland: Sie geht nicht nur auf die Morde und die Gerüchte über das Schwulsein des Mordopfers Edward W. Andrassy ein, sondern zeigt auch ein Originalfoto seiner nackten, enthaupteten und kastrierten Leiche.


Der "Schlächter von Kingsbury Run" schleppt aus einer Schwulenkneipe einen Mann ab (4/15)

Queere Nebenhandlungen der 5. bis 7. Staffel

In "Ohne Namen, ohne Gesicht" (5/1) wird der Profiler Hotchner entführt und, während er hilflos auf dem Rücken liegt, mit einem Messer bedroht. Währenddessen zieht sich der Täter halbnackt aus, um Hotchner seine Narben zu präsentieren, und fragt ihn, ob sie ihm "gefallen". Vom Täter wird die phallische Bedeutung des Messers, das er danach in Hotchners Körper sticht, sogar besonders betont: "Versuchen Sie sich zu entspannen. Ihr Körper ist noch nicht locker genug. So geht die Klinge viel einfacher rein, wenn Sie sich entspannen. […]. Soviel ich weiß, gehen Profiler davon aus, dass Messerstiche eine sexuelle Ersatzhandlung sind. Dass jemand, der impotent ist, stattdessen ein Messer benutzt. Glauben Sie das auch, Agent Hotchner? Vielleicht ändert das Ihre Art, Profile zu erstellen." In Hotchners Stöhnen vor Schmerzen lassen sich Parallelen zum Stöhnen vor Lust erkennen.

In "Die perfekte Kopie" (7/11) geht es um die beiden intelligenten jungen Freunde Caleb Rossmore und Harvey Morell. Auf einer Feier wirkt es so, als würde der leicht feminine Caleb, der auf Harveys zukünftige Ehefrau erkennbar eifersüchtig reagiert, ein Geheimnis aus ihrer Beziehung verraten wollen. Er betont, dass sie eine "besondere Beziehung" verbinde. Dabei verbindet die beiden Männer ein dunkles Geheimnis: Als sie 15 Jahre alt waren, erwürgten sie gemeinsam einen Jungen namens Robby (!) und vergruben ihn im Garten, was Caleb als einen "perfekt" durchgeführten Mord bezeichnet. Schwulen Cineasten reichen diese wenigen Sätze vermutlich schon aus, um die Referenzen zu den beiden schwulen Mördern Leopold und Loeb zu erkennen, die 1924 das angeblich "perfekte Verbrechen" begingen und "Robert" alias "Bobby" Franks erwürgten und vergruben. Dieser Mordfall schockiert bis heute und wurde u a. als "Cocktail für eine Leiche" (1948, R: Alfred Hitchcock, s. meinen queer.de-Artikel), "Der Zwang zum Bösen" (1959) und "Swoon" (1992) verfilmt. Auf die Leopold-Loeb-Referenzen verweist auch die "Criminal Minds"-Wiki-Seite, während sich in der IMDB nur das Schlagwort "gay subtext" findet.

In "Entmannt" (7/14) werden drei Männer mit abgeschnittenen Genitalien tot gefunden. Den Profiler Spencer Reid erinnert dies an den schwulen Serienmörder Jeffrey Dahmer, der die Geschlechtsteile seiner Opfer bei sich aufbewahrte. Der Profiler David Rossi wiederum sieht Parallelen zu Randy Kraft, der seine Opfer vergewaltigte und ihnen dann die Genitalien abschnitt: "Er wollte die Tatsache verschleiern, dass er sich Tramper und Schwule aussuchte." Die Zuschauenden wissen bereits, dass Michael Janeczko der Täter ist. Zu seinen ersten Mordopfern gehört der schwule John Taylor, aber auch eine Frau, wobei Reid betont: "Das schließt homosexuelle Neigungen nicht aus." Nach diesem Statement sehen die Zuschauenden, wie Janeczko einen Jugendlichen anspricht, der Janeczko zwar demnächst besuchen, aber nicht über Nacht bleiben möchte. Was hier zunächst wie Prostitution wirkt, ist allerdings nur eine falsche Fährte: Der Jugendliche ist der Sohn des Täters, der von seinem Vater zwar gestalkt, aber nicht missbraucht wird.

Queere Nebenhandlungen der 8. Staffel

In "Der Lehrling" (8/6) versucht der ältere David Turner dem 15-jährigen Toby Whitewood das Morden beizubringen. Toby sucht in David einen Vaterersatz, David die körperliche Nähe zu Toby. Nach den ersten Morden vermuten die Ermittler*innen ein Mörder-Duo, das ein verwandtschaftliches Verhältnis oder eine sexuelle Beziehung miteinander verbindet. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass David Turner früher im Knast eine sexuelle Beziehung zu einem älteren Mitgefangenen hatte. Der "Ausgebildete" Turner wird nun selbst zum "Ausbilder" des jüngeren Toby. Durch eine Äußerung von Toby wird das sexuelle Interesse Davids an ihm deutlich: "Ich weiß, was du willst, du Perverser […] Denkst du, ich seh' nicht, was deine Blicke bedeuten?" Ein sexuelles Verhältnis haben sie daher wohl nicht. Zu dem realen Mörder Dean Corll und seinem Gehilfen Elmer Wayne Henley scheinen in dieser Folge Referenzen beabsichtigt zu sein.


Der 15-jährige Lehrling Toby (r.) wünscht sich einen Vater; David (l.) wünscht sich Sex mit Toby (8/6)

In "Die Farben des Bösen" (8/9) leidet der Serienmörder Carl Finster u.a. an Erotomanie (Liebeswahn). Der schwule Prediger Barry Flynn wird als nächstes potenzielles Opfer gesehen. In einer Schwulenbar lernt er einen Mann kennen, der jedoch nur die Aufgabe hat, ihn aus der Bar zu locken, um seine Entführung zu ermöglichen. Beim Profiling ist sich das Ermittlungsteam früh über den Tätertyp einig: "Er leidet vermutlich an Erotomanie. Er liebt sein letztes Entführungsopfer und er könnte glauben, dass Flynn ebenfalls in ihn verliebt sei." Dabei wird betont, dass Erotomanie nur wenig mit Sex zu tun habe, sondern es "ist eine romantische oder spirituelle Verbindung, die gesucht wird". Vor einer Schwulenbar mit dem sexualisierten Namen "Cocktails" kommentiert der Profiler David Rossi das Verhalten Barry Flynns, der bürgerlich einen anderen Namen trägt, mit den Worten: "Jetzt wissen wir, wie er seine freie Zeit verbracht hat. Leider musste er es heimlich tun."

Queere Nebenhandlungen der 10. Staffel

In "Alarm um Mitternacht" (10/6) wird bei einem Mordopfer schwule Pornografie gefunden, was Reid zu der Vermutung bringt: "Wenn er schwul war, könnte es sich um ein Hassverbrechen handeln." Der Ex des Opfers meldet sich bei der Polizei und sagt aus, dass er die Beziehung beendet habe, weil der Ermordete sich für seine Homosexualität geschämt habe. Es kommt zu weiteren Morden, bei denen die Opfer allerdings heterosexuell sind. Das Gemeinsame der Taten ist, dass eine Gartenschere und ein Stiletto-Absatz als Tatwerkzeuge verwendet wurden. Später wird klar, dass es sich um eine Täterin handelt, die arm ist, auf einen Prince Charming hofft und gerne in einem teuren Kleid unterwegs sein möchte. Durch solche Aschenputtel-Bezüge kommen die Profiler*innen der Mörderin Claire Dunbar auf die Spur. In dieser Folge gibt es deutliche Parallelen zu der realen Ana Trujillo, die ihren homosexuellen Freund Douglas Clark ermordete, indem sie ihm einen Pfennigabsatz in den Hals stieß und mit einer Gartenschere zwölfmal in seine Brust stach.

In "Der leere Teller" (10/20) endet die Einladung zu einem Abendessen für fast alle Familienmitglieder tödlich. Ezra Warren wird als Mörder verdächtigt, weil er am Tatort angetroffen wurde. Gegenüber den Profiler*innen sagt er ganz offen, dass er mit dem ermordeten Lance eine Liebesbeziehung hatte: "Wir waren verliebt." Nach Ezras Aussage wurde Lance von seinem Vater wegen seines Schwulseins gehasst. Als Täter entpuppt sich später Marc Clifford, dessen sexuelle Orientierung im Unklaren bleibt. Auf einen der Zeugen, der vermutet, dass Marc nicht nur auf Frauen, sondern ebenfalls auf Lance stand, macht er einen schwulen Eindruck.


Ezra trauert um seinen geliebten Lance (10/20)

In "Mr. Scratch" (10/21) haben unterschiedliche Menschen künstlich erzeugte Wahnphantasien von einem Schattenmonster, woraufhin sie andere Menschen umbringen, wie Daniel Karras, der seine Mutter ermordet. Er betont, dass das Schattenmonster "sexuelle Dinge" mit ihm getan und ihn vergewaltigt habe. Passend zu dieser Schilderung sehen die Zuschauenden ihn in einer vornübergebeugten Stellung. Ein weiteres Opfer bringt sich selbst um und hat vorher die (eingebildete) Erinnerung, in der Kindheit von einem Lehrer und von einem katholischen Pfarrer belästigt worden zu sein. Die Profiler*innen sind der Ansicht, dass durch gezielt ausgelöste Psychosen (vermeintliche) Erinnerungen an einen Missbrauch in der Kindheit wachgerufen werden. Sie weisen darauf hin, dass in den Achtzigerjahren in mehreren hundert Fällen das Leben und die Karriere von Erzieher*innen zerstört worden seien, weil man sie zu Unrecht des sexuellen Missbrauchs an Kindern beschuldigt habe.

Gleichgeschlechtlicher sexueller Missbrauch an Jungen

In "Menschenkind" (2/2) wird ein Junge entführt und von einem pädosexuellen Mann auf einer Online-Plattform zum Verkauf angeboten. Zu Hinweisen auf unterschiedliche Tätertypen sehen die Zuschauenden Bilder von einem Klavierlehrer und seinem Schüler. Am Rande ist auch der Jugendliche Kevin zu sehen, der sich in seinem Zimmer vor laufender Kamera auszieht und betont: "Ich tu's nicht unter Zwang. Mir tut keiner weh", was jedoch ebenfalls als Missbrauch eingestuft wird. Mit der Hilfe Kevins und eines pädosexuellen Direktors einer Grundschule gelingt die Ergreifung des Täters.


Neben Kindern geht es auch um den sich vor der Kamera prostituierenden Kevin (2/2)

In "Die verlorenen Kinder" (2/12) wird der Profiler Derek Morgan verhaftet, er besteht jedoch bei den Ermittlungen zunächst darauf, ein Geheimnis aus seiner Kindheit für sich zu behalten. Als er jedoch bei dem kleinen Jungen James Barfield einen sexuellen Missbrauch vermutet, bricht er sein Schweigen und beschreibt, was er mit Carl Buford – dem Leiter des Jugendzentrums – selbst als Kind erlebt hat: die zufällig anmutenden Berührungen, das Nacktschwimmen und das körperliche Bedrängtwerden. "Er hat das auch mit mir gemacht." Buford sei zwar wie ein Vater zu ihm gewesen, was er gemacht habe, sei jedoch trotzdem falsch gewesen. Als Carl Buford bei einer Aussprache meint: "Du hättest immer nein sagen können", wird er verhaftet.

In "Tödliche Gnade" (3/15) erzählt Peter Redding in diversen Selbsthilfegruppen die Leidensgeschichte seines älteren Bruders James, der vom Vater sexuell belästigt wurde, während er selbst, der im selben Zimmer untergebracht war, sich schlafend stellte. Später schnitt sich sein Bruder die Pulsadern auf. Der auf diese Weise traumatisierte Peter ermordet später Menschen aus Selbsthilfegruppen und lässt es wie einen Freitod aussehen. Diese Menschen sollten – so Peters wahnhafte Perspektive – mit ihrem Leben gut abschließen können.

In "Nebel der Erinnerung" (4/7) ermittelt der Profiler Reid eher aus privatem Interesse im Fall eines ermordeten kleinen Jungen, weil er glaubt, dass der Fall eine Verbindung mit seiner eigenen Kindheit hat. Später erfährt Reid, dass ein Freund seines Vaters den Pädosexuellen Gary Michaels ermordet hat und seine Eltern beim Entsorgen der Leiche geholfen haben. Reid befürchtet, dass er selber sexuell missbraucht worden sein könnte. Seine Mutter beruhigt ihn und teilt ihm mit, dass es so weit nie gekommen sei.

In "Die Quelle des Leids" (5/2) erfahren die Zuschauenden durch einen Rückblick die Geschichte der beiden Jungen Paul und Tommy: Pauls Vater hat seinen Sohn körperlich misshandelt und den etwas älteren Tommy gefangen gehalten und sexuell missbraucht. Tommy konnte zwar fliehen, musste Paul jedoch schutzlos zurücklassen, der als Erwachsener seinen Vater erschießt. Am Ende tauschen sich die beiden Männer, die als Jungen unterschiedlich unter Pauls Vater gelitten haben, über ihre Kindheit aus. Paul muss sich zwar für einen Mord verantworten, wird aber nun von Tommy unterstützt.

"Sturmjäger" (7/7) enthält diverse Referenzen zu den Filmklassikern "Frankenstein" und "The Wizard of Oz". In Kansas werden nach einem Tornado die zerstückelten Leichen von zwei 15- bzw. 16-jährigen Strichern gefunden. Den Zuschauenden wird schnell Travis James als Täter präsentiert, der einen Jugendlichen – man ahnt wofür – von 100 auf 50 Dollar runterhandelt. Die Profiler*innen erkennen Parallelen zum schwulen Serienmörder Jeffrey Dahmer, der "glaubte, junge männliche Sex-Zombies erschaffen zu können, die ihn unwiderstehlich finden". Durch eine Rückblende wird klar, dass Travis James früher gemeinsam mit seinem Bruder einen Pädosexuellen beschuldigte, der jedoch vor Gericht freigesprochen wurde. Später kam sein älterer Bruder Tucker James bei einem Tornado ums Leben, während Travis James nur knapp überlebte. Als Erwachsener versucht der psychisch gestörte Travis James seinen toten Bruder aus den Leichenteilen seiner Opfer neu zusammenzusetzen, denn wenn ein Gewitter Leben nehmen kann, dann kann es – wie in "Frankenstein" – bestimmt auch Leben geben.

Beim gleichgeschlechtlichen sexuellen Missbrauch von Jungen hat die Serie in allen mir bekannten Folgen die Sensibilität, die das Thema erfordert. Der Hinweis in "Mr. Scratch" (10/21), dass viele Männer auch zu Unrecht des Missbrauchs beschuldigt wurden und werden, ist eine wichtige Ergänzung. Eine manchmal angenommene besondere sexuelle Präferenz von Schwulen für Jungen wird nicht einmal angedeutet und war auch nicht zu erwarten.

Die Orientierung an realen Serienmördern

Damit die Serie einen Eindruck von Authentizität vermittelt – und wohl auch um indirekt die gezeigte Gewalt zu legitimieren -, orientiert sie sich an realen Serienmördern, was auch an jedem Intro sehr deutlich wird. Alle Fälle basieren "auf realen Verbrechen, die allerdings verfremdet wurden, damit kein Beteiligter eines Verbrechens sich in der Serie selbst erkennen [und klagen] kann". Die Fälle sind "deutlich abgeschwächt". Der Kern der Handlung ist real, alles andere Fiktion. Für die Serie ist ein "Rechercheur beschäftigt, dessen einzige Aufgabe es ist, nach realen Fällen zu suchen" (alle Zitate aus Wikipedia). Auf der "Criminal Minds"-Wiki-Seite werden 35 reale Serienmörder*innen ausführlich vorgestellt, die entweder schwul oder lesbisch waren oder Homosexuelle ermordeten. Auf die wichtigsten von ihnen gehe ich im Folgenden ein und zeige auf, welche Spuren sie in der Serie hinterlassen haben. John Wayne Gacy und Aileen Wuornos haben eine besondere Bedeutung, weil sie in jedem Intro zu sehen sind.

Bei den Biografien ist es meistens nicht möglich, eine genaue Trennung von Homosexuellen als Täter*innen und als Opfern vorzunehmen, weil sie manchmal – wie bei der Ermordung der Mode-Ikone Gianni Versace durch Andrew Phillip Cunanan – sowohl Opfer als auch Täter sind. Manchmal sind die aufgebauten Bezüge der Täter*innen zur Fernsehserie auf der "Criminal Minds"-Wiki-Seite erkennbar konstruiert und beginnen in diesen Fällen mit der gleichlautenden Floskel, dass keine direkten Erwähnungen und Bezüge zu den realen Täter*innen vorhanden seien ("While not directly mentioned or referenced …"). Trotzdem sind die realen Morde zumindest als wichtige Inspirationsquellen für die Serie anzusehen. Die Einträge auf der Wiki-Seite zu den realen Serienmörder*innen sind so ausführlich, dass sie – auch unabhängig von der Serie – Homosexualität im Kontext von Serienmord gut dokumentieren können. Positiv fällt hier der sachliche Tonfall auf und ebenso, dass – im Sinne einer opferorientierten Sichtweise – nicht nur die Fotos der Täter*innen, sondern auch die der Opfer gezeigt werden, wobei allerdings auch Fotos von Opfern als voyeuristisch angesehen werden können.

Reale Mörder als Vorlagen zu den vier queeren Folgen


Das Fahndungsfoto von Jeffrey Dahmer

Die oben näher beschriebenen Folgen 3/17, 4/20, 8/15 und 12/12 weisen unterschiedliche Bezüge zu insgesamt 14 realen Serienmörder*innen auf. Bekannt ist u.a. Andrew Phillip Cunanan, der 1997 fünf Menschen, darunter den Modeschöpfer Gianni Versace, ermordete. Seit seinem 15. Lebensjahr ging er in schwule Bars, um ältere und reiche Schwule für sich zu gewinnen, und nahm dabei unterschiedliche Identitäten an. In vier Folgen werden Bezüge zu Cunanan hergestellt, am deutlichsten bei der Figur Paul Westin in Folge 8/15 (s. "Criminal Minds"-Wiki und Wikipedia).

Paul Bateson lernte 1977 in einer Schwulenbar einen Mann kennen und ging mit ihm in dessen Wohnung, wo er ihn tötete. Dafür wurde er später zu 20 Jahren Haft verurteilt. Bateson war einige Jahre zuvor als Darsteller in dem Horrorfilm "Der Exorzist" (1973) zu sehen gewesen. William Friedkin – der Regisseur dieses Films und auch bekannt aus "The Boys in the Band" (1970) – ließ sich von ihm (und einem Roman von Gerald Walker) zu seinem späteren Film "Cruising" (1980) inspirieren. Die Bezüge zu Bateson in "Criminal Minds", u. a. in Folge 12/12, bleiben jedoch vage (s. "Criminal Minds"-Wiki und engl. Wikipedia).

Jeffrey Dahmer entdeckte mit Beginn der Pubertät seine Homosexualität, musste sie jedoch vor seinem Vater verheimlichen. Nach seiner Verhaftung im Juli 1991 wurden ihm 16 Morde aus den Jahren 1978 bis 1991 nachgewiesen, die er an jungen und überwiegend homosexuellen Männern und Jugendlichen verübt hatte. Meistens lockte er seine Opfer unter einem Vorwand in seine Wohnung, betäubte, missbrauchte und erwürgte sie. Teilweise kam es zu Nekrophilie und Kannibalismus, wobei er die Zerstückelung fotografierte. Dahmers Fahndungsfoto soll in jedem Intro der Serie zu sehen sein, wurde von mir jedoch nicht gefunden. In der Folge 12/12 sind deutliche Bezüge zu Dahmer erkennbar (s. "Criminal Minds"-Wiki und Wikipedia).


Zwölf Vergewaltigungs- und Mordopfer von John Wayne Gacy

John Wayne Gacy wurde 1980 wegen der Vergewaltigung und Ermordung von 33 Jungen und jungen Männern in den Jahren 1972 bis 1978 verurteilt. Aufgrund der längsten Strafe, die über einen Serienmörder verhängt wurde, steht er im Guinness-Buch der Rekorde: Er erhielt 21-mal lebenslang und 12-mal die Todesstrafe und wurde 1994 hingerichtet. Bekannt wurde er auch als Killer-Clown, obwohl er zwar regelmäßig als Clown auftrat, in dieser Rolle jedoch keine Straftaten beging. Er ist in jedem Intro der Serie zu sehen. Bezüge zu ihm gibt es u a. in der Folge 12/12, wo sein Name erwähnt wird und die Handlung Parallelen aufweist (s. "Criminal Minds"-Wiki und Wikipedia).

Der Täter mit dem Namen The Doodler" (dt.: der Kritzler) wurde nie identifiziert. In San Francisco ermordete er Mitte der Siebzigerjahre 14 Männer. Einige Überlebende berichteten übereinstimmend, dass sich der Täter mit dem Angebot, sie zu zeichnen, ihr Vertrauen erschlichen habe, wodurch der Mörder auch seinen Spitznamen erhielt. Nach dem Sex sei es dann jeweils zu den gewaltsamen Übergriffen gekommen. Parallelen zu diesem Täter werden in der Folge 3/17 hergestellt (s. "Criminal Minds"-Wiki und Wikipedia). Weiterhin zu erwähnen sind auch die Serienmörder Colin Ireland, Dennis Nilsen, Henry Lee Lucas, Juan Corona, Larry Eyler, Randy Kraft, Robert Berdella, Patrick Kearney und der nie identifizierte "verrückte Metzger von Kingsbury Run".

Reale Mörder als Vorlagen für weitere Folgen

Auch in anderen Folgen der Serie werden Bezüge zu realen Serienmördern hergestellt. Juana Barraza war eine mexikanische Wrestlerin, die mehr als 40 Frauen ermordete und deshalb zu 759 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die Polizei hatte vorher nach einer trans Frau bzw. einem Mann mit "homosexuellen Vorlieben" als Täter*in gesucht und wurde später dafür kritisiert, dass sie im Rahmen der Ermittlungen rund 50 sich prostituierende trans Frauen vorgeladen hatte. Der Fall wurde mehrfach verfilmt. Recht deutliche Anleihen – einschließlich der Vorladung – finden sich in Folge 1/19 (s. "Criminal Minds"-Wiki und engl. Wikipedia).

Fritz Haarmann war ein homosexueller Serienmörder aus Hannover, der wegen Mordes an insgesamt 24 Jungen und jungen Männern im Alter von zehn bis 22 Jahren 1924 zum Tode verurteilt wurde. Auch sein Leben wurde mehrfach verfilmt. In der Fernsehserie gibt es mehrere Bezüge zu ihm, wie die Nennung seines Namens in Folge 8/13 (s. "Criminal Minds"-Wiki und Wikipedia).

Unter dem Verdacht, der Prostituiertenmörder "Jack the Ripper" zu sein, standen u.a. die beiden Homosexuellen Montague John Druitt und Francis Tumblety. "Jack the Ripper" wird in Folge 2/11 erwähnt und in der Folge 4/15 versucht Eric Olson ihn zu kopieren (s. "Criminal Minds"-Wiki und Wikipedia).

Am 12. Juni 2016 tötete Omar Mateen im überwiegend von LGBTI besuchten Nachtclub "Pulse" in Orlando 49 Menschen und verletzte 53 weitere. Es gab Hinweise, dass Mateen selbst homo- bzw. bisexuell sein könnte. Bis heute ist dieses Massaker der gravierendste einzelne Gewaltakt gegen queere Menschen in den USA. Mateen wird in den Folgen 13/9 und 14/7 erwähnt (s. "Criminal Minds"-Wiki und Wikipedia).


Omar Mateen bei seinem Attentat im "Pulse"

Dan White ist heute vor allem als Mörder von Harvey Milk, dem ersten offen schwulen Politiker der USA, bekannt. Der Mord wurde mehrfach filmisch aufgegriffen, wie u.a. mit dem Film "Milk" (2008). Es gibt vage Bezüge in der Folge 7/15 (s. "Criminal Minds"-Wiki - vor kurzem gelöscht – und Wikipedia).


Zu den wenigen lesbischen Serienmörderinnen gehört Aileen Wuornos, die ihre spätere Freundin in einer Homosexuellenbar kennenlernte und in den Jahren 1989/1990 sieben Männer tötete. Ihr Fahndungsfoto ist in jedem Intro von "Criminal Minds" zu sehen ("Criminal Minds"-Wiki und Wikipedia). Hingewiesen sei auch auf die Biografien von Carl Panzram, Dean Corll, Donald Harvey, Elizabeth Wettlauffer, Marcelo Andrade und Tiago Henrique Gomes.

Wie queer sind die Schauspieler*nnen?

Schauspieler*innen in erfolgreichen Fernsehserien können für die LGBTI-Community wichtige Möglichkeiten der Identifikation darstellen, und es ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, sich für ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu interessieren.

Die wichtigste Person hinter der Serie "Criminal Minds" – der Produzent Jeff Davis (*1975) – lebt offen schwul, wie u.a. die engl. Wikipedia und die LGBTI-Zeitschrift "The Advocate" berichten.

Die Schauspielerin Kirsten Vangsness (*1972), die in der Serie die technische Expertin Penelope Garcia verkörpert, ist bisexuell. Nach Pro Sieben ging die Schauspielerin immer offen mit ihrer sexuellen Orientierung um. Nach Wikipedia war Vangsness von 2008 bis 2013 mit der Drehbuchautorin Melanie Goldstein verlobt. Im November 2015 verlobte sie sich mit dem Autor Keith Hanson.

Über die mögliche Homosexualität von Shemar Moore (*1970), dem Darsteller des Ermittlers Derek Morgan, wurde in den Jahren 2016/2017 – nicht besonders niveauvoll – berichtet. In einem Interview im Dezember 2016 betonte er, dass die Gerüchte über ihn nicht zuträfen und dass er gerne bereit sei, seine Heterosexualität unter Beweis zu stellen. Die Gerüchte entstanden, weil er sich mit schwulen Fans fotografieren ließ und in einem LGBTI-Nachtclub gesehen wurde. Auch die deutsche Regenbogenpresse griff die Gerüchte auf. So titelte Promipool am 12. Januar 2017: "Liebt er Männer oder Frauen? 'Criminal Minds'-Shemar Moore homosexuell? Das sagt er zu den Gerüchten".

Zu den weniger bekannten offen schwulen bzw. lesbischen Schauspieler*innen, die in "Criminal Minds" einzelne Gastauftritte haben, gehören DJ Qualls (*1978), Patrick Bristow (*1962) und Emily Rios (*1989) – in der Serie verkörperten sie jedoch keine homosexuellen Rollen.

Spin-offs

Auf dem großen Erfolg der Originalserie "Criminal Minds" aufbauend, erschienen zwei Spin-offs, die jedoch floppten und sogar schon vor dem Ende der Original-Serie eingestellt wurden. Die beiden Spin-offs "Criminal Minds. Team Red" (2011) und "Criminal Minds. Beyond Borders" (2016-2017) sind nicht Thema dieses Artikels. Dennoch sei wenigstens erwähnt, dass die Folge 1/3 ("Verleugnung") von "Beyond Borders" von einem schwulen Paar handelt.

Bewertungen

Gute Beiträge über Homosexualität in "Criminal Minds" scheint es bisher nicht zu geben. In einem Text auf der Plattform mediaversityreviews.com (3. November 2017) wird in der Überschrift das Fehlen von LGBTI in den ersten 13 Staffeln von "Criminal Minds" betont. Die Autorin bemängelt, dass bisher alle Profiler*innen cis und hetero seien, und kritisiert, dass der einzige LGBTI-Charakter der Serie der schwule Serienmörder Mark Tolson (12/12) sei. Auf Reddit.com (o. D.) beschwert sich ein User über das komplette Fehlen von LGBTI-Serienmördern und findet dies "very shocking and unrealistic". Von anderen User*innen wurde er auf derselben Seite korrigiert.

Ich finde es ärgerlich, wie schnell im Netz ein Vorwurf – wie hier der der fehlenden Präsenz von LGBTI – erhoben wird, dessen Wahrheitsgehalt sich schon mit einer einfachen Google-Suche widerlegen lässt. Beide Einträge verdeutlichen aber auch, dass es von LGBTI als wichtig angesehen wird, auch bei den Serienmörder*innen dazuzugehören. Ich vermute, dass auch einige Lesben "enttäuscht" sein werden, dass in "Criminal Minds" mit Aileen Wuornos und Elizabeth Wettlauffer nur auf zwei lesbische Serienmörderinnen Bezug genommen wird. Auf der einen Seite finde ich den Wunsch nach dieser Form der "Teilhabe" absurd. Auf der anderen Seite kann ich den Wunsch von LGBTI, in allen Lebensbereichen und Genres und damit auch bei Serienmorden präsent zu sein, nachvollziehen.

Meine Bewertung

Die Serie ist eingestellt und kann daher nicht nur abschließend, sondern aufgrund der "Criminal Minds"-Wiki-Seite auch recht umfassend beurteilt werden. Wenn von insgesamt 324 Folgen nur vier Folgen Homosexualität als zentrales Thema behandeln, ist dies tatsächlich wenig. Ich teile den indirekten Vorwurf, dass sich in der festen Crew keine LGBTI befinden (s.o.), woran auch der schwule Polizist William LaMontagne (3/17) nichts ändert, weil er eben nicht zur festen Crew gehört. Eine queere Figur, die Teil der festen Crew ist, hätte eher Normalität vermitteln können, weil sich die Auftritte von LGBTI in Gastrollen meistens auf Täter*innen und Opfer beschränken. Den Umstand, dass LGBTI auch bei den Täter*innen unterrepräsentiert sind, kann man unterschiedlich bewerten: Sie werden – je nach Perspektive – geschont oder ignoriert.

Wichtiger als die Quantität ist die Frage der Inszenierung. In "Criminal Minds" und in der Realität sind LGBTI Opfer und Täter*innen. Nicht nur die Darstellung als Opfer, sondern auch die Darstellung als Täter*in kann emanzipatorisch sein, je nachdem wie ihre Geschichten dargestellt werden. "Criminal Minds" ist weit davon entfernt, eine Gleichsetzung von Homo- oder Transsexualität mit Kriminalität vorzunehmen. Es wird meistens gut erklärt, warum vor allem schwule Männer zu Tätern werden – weil sie z.B. eine schreckliche Kindheit mit Missbrauch bzw. homofeindlichen und klerikalen Eltern durchlebt haben. Es sind Hintergründe, die ihre Taten, die von Mord über Nekrophilie bis zu Kannibalismus reichen, nicht rechtfertigen, aber zum Teil gut erklären können. Anzumerken ist allerdings auch, dass die Erklärungsversuche in dieser Serie, wie auch in vielen anderen Krimis, das sind, was umgangssprachlich als "Küchenpsychologie" bezeichnet wird. Welche Darstellung von Gewalt als legitim erscheint oder welche sich als gewaltvoyeuristisch bezeichnen lässt, bleibt subjektiv.

Schwule werden auch zu Opfern – aus Zufall, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren, weil sie sich vielleicht in den falschen Mann verliebt haben oder weil sie auf Menschen trafen, die einen unvorstellbaren pathologischen Homo-Hass in sich tragen.

Während in der Serie nach außen hin ziemlich brutal geköpft, erschossen und erstochen wird, hat die Darstellung von schwulen und lesbischen Serienmörder*innen ein hohes Maß an innerer Sensibilität, was sich manchmal am ganzen Plot einer Folge, manchmal aber auch nur an einzelnen Sätzen festmachen lässt. Die Serie hat mit Bezug auf Homosexualität die Werte, wie sie auch der liberale Teil der US-Gesellschaft repräsentiert. Diese Werte werden manchmal fast zaghaft vermittelt. So wird den Zuschauenden in unterschiedlichen Folgen vermittelt, dass ein Coming-out richtig und wichtig ist. Meiner Meinung nach hätten die Macher*innen der Serie an diesem Punkt noch deutlicher sein können: Ein fehlendes Coming-out gegenüber Freund*innen kommt einer Lüge gleich und ist für die eigene psychische Gesundheit schädlich. Die Bezüge zu realen Serienmörder*innen finde ich interessant, sie sind für mich aber nicht nötig, um Mörder*innen im Film zu legitimieren. Im größten Teil der westlichen Welt gibt es nicht mehr die Vorstellung, dass queere Menschen eher zu Mord neigen würden als nicht-queere Menschen.

Was man jedoch auch in aktuellen Filmproduktionen findet, ist die gedankenlose Reproduktion von Klischees, was vom abgespreizten kleinen Finger bis zur betont maskulinen Lesbe reichen kann. Aber auch hier kann "Criminal Minds" punkten, klischeehafte Darstellungen habe ich in keiner Folge gefunden. Bei den Themen Konversionstherapie (8/15) und Ehe für alle (12/12) spürt man zudem die Orientierung der Drehbuchschreiber an aktuellen Themen und an liberalen Werten.

Die Serie ist typisch für eine Mainstream-Produktion und typisch amerikanisch. Aufgrund der größtenteils heterosexuellen Zielgruppe sind Schwule vor allem als Familienväter und Arbeitskollegen von Interesse, während die Darstellung einer schwulen Community (12/12) selten ist. Aufgrund amerikanischer Prüderie hört schwules und lesbisches Lieben schon beim Kuscheln und Umarmen auf. Mir fehlen die leidenschaftlichen Küsse und eine Erotik, die eine sexuelle Beziehung glaubhaft erscheinen lässt. Die Macher*innen der Serie würden an dieser Stelle wohl argumentieren, dass sie mit weitergehenden Szenen kein höheres Maß an Offenheit, sondern nur ein Abschalten durch heterosexuelle Zuschauende erreicht hätten, womit sie vermutlich sogar Recht hätten.

Bei der Bewertung kommt es, wie immer, auf den zugrunde gelegten Maßstab an. Wer sich eine gleichberechtigte und auch erotisch ähnlich deutliche Darstellung von LGBTI wünscht, kann die Serie kritisieren. Alle anderen können sich an gut inszenierten Kriminalfällen mit einigen interessanten queeren Charakteren erfreuen.

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#1 WanndererAnonym
  • 22.09.2020, 11:20h
  • Danke für diesen sehr spannenden und informativen Beitrag.
    Meine Familie hat früher immer "Without A Trace- Spurlos verschwunden" geschaut und ich meine mich zu erinnern, dass es da auch eine hohe Dichte an Männern gab, die verschwunden Waren, weil sie mit ihrem Partner ein neues Leben anfangen wollten oder die auf Grund von Homophobie etc umgebracht worden waren. Dem könnte man vielelicht auch einmal nachgehen und schauen, wie realistisch das dargestellt wurde.
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#2 kazannAnonym
  • 22.09.2020, 16:04h
  • in der Serie "without a trace" gab es jedenfalls eine schwule Hochzeit wo sich das Paar bei der Zeremonie nicht Küsste, sondern nur Händchen halten durfte und sich seelenvoll in die Augen guggen. hat mich schon etwas irritiert und ob der Prüderie des amerikanischen Zielpublikums irgendwo auch amüsiert.
    es gab auch einen Fall einer ermordeten Trans Person, ein Jahrzehnte altes hatecrime an einem schwulen Baseballspieler dessen Partner dann zur Zeit der Serie Richter war und ein lesbisches Paar auch in den 40ern (oder 30er?) die von einer Brücke stürzten und dann das auto geborgen wird. sind die Fälle, die mir spontan einfallen.
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#3 WanndererAnonym
  • 22.09.2020, 16:17h
  • Antwort auf #2 von kazann
  • Ah cool, dass du dich erinnerst und danke für deine Antwort.
    Wie gesagt, ich habe das nie "aktiv" umgeschaut, sondern saß nur manchmal dabei. Vielleicht habe ich dann auch oft die queeren Folgen erwischt. Aber in meiner Erinnerung war es schon so, dass es da einige gab. Manchmal saß ich da und wusste innerlich, dass es um einen Homosexuellen gehen würde. Manchmal war es dann aber doch Unterschlagung von Firmengeldern oder was anderes. ;-)
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#4 MissDemeanoureAnonym
  • 22.09.2020, 18:20h
  • Nur leider wurde die Figur von Emily Prentiss, bei der vorgesehen war, sie als lesbisch zu porträtieren, wegen Bedenken des Senders heterosexuell. Für offen queere Hauptcharaktere reichte die "Offenheit" wohl nicht.
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#5 Ith_Anonym
  • 23.09.2020, 07:33h
  • " Vermutlich wird es viele Menschen geben, die diese Folge reflexhaft[!!!!!!!!!!!!!!] für transfeindlich halten[!!!!!!!!!!] ähnlich wie bei dem Spielfilm "Das Schweigen der Lämmer" (1991)."

    Ich liebe an dieser Formulierung hier besonders das Animalische, Primitive, Reflexhafte eben, das den Kritiker*innen von problematischen Darstellungen so ganz nebensächlich unterstellt / zugewiesen / angedichtet wird.

    Schließlich können niemals Empathie, Fühlen, gar Intellekt oder Intelligenz dahinterstehen, wenn Menschen beurteilen, dass eine Darstellung transfeindliche Narrative bestärkt, die noch heute regelmäßig zum Tod derjenigen führen, die später beim "Trans day of Remembrance" betrauert werden (sowie zahlreiche Weitere, von denen niemals zur Kenntnis gelangt, dass sie ermordet wurden oder trans gewesen sind).
    Wir wissen, wo der Feind ist, bzw. die Feind*in: Im Lager der linksgrünversifften SJWs.

    "Wenn die Serie jedoch vor allem cis Heterosexuelle als kranke Mörder darstellt, ist es nicht per se illegitim, auch trans Personen als krankhaft mordend darzustellen."

    Zuckersüß, solche Beurteilungen, vorgenommen von Menschen, die es nicht betrifft.
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#6 Ith_Anonym
  • 23.09.2020, 12:13h
  • Antwort auf #5 von Ith_
  • Ich mein, das Prinzip ist ja offenkundig dieses hier:

    - Filme und Serien bringen Menschen im Cistem über Jahre bei, dass Mann + "sich als Frau verkleiden" => tote Cis-Frauen
    - Gegendarstellungen, bei denen trans* als Normalität mit Menschen auf Augenhöhe vorkommt gleichzeitig nicht existent
    - gewisse britische Autorin, nennen wir sie R., lernt aus o.g. Filmen: Wo Mann sich als Frau verkleidet, sterben ganz viele Cis-Frauen; lernt ein anderes Bild von trans offenbar nie kennen
    - Autorin R. startet Hetz-Kampagne, die zur Einschränkung REALER Rechte von REAL existierenden, nicht mordenden trans Personen im betreffenden Herkunftsland führen und Verbesserungen REALER Rechte ebendieser realer Personen aktiv verhindern
    - selbe real existierende Personen waren gleichzeitig immer überdurchschnittlich von Hassverbrechen (einschließlich Mord), Armut, Ausgrenzung und resultierenden psychischen u sonstigen Belastungen betroffen, was sich durch o.g. Kampagne sicherlich nicht ändern wird
    - mangels realweltlicher Evidenz als Grundlage für Hetzkampagne schreibt R. Buch und ERFINDET betreffenden Mann, der sich als Frau verkleidet und Cis-Frauen umbringt, ein Prinzip, bei dem's sicherlich reiner Zufall ist, dass das in der Liste hier schonmal aufgetaucht ist, irgendwo

    => Cis-Menschen fühlen sich befleißigt, in Überschrift den Gedanken anzuregen, dass queere, also auch trans- Serienmörder*innen ja gar nicht unbedingt als problematisch zu erachten seien
    (aka, mindestens eine Person hatte diese geniale Idee, und mindestens eine entscheidende Person wird's wohl gegeben haben, die nichts dagegen einzuwenden hatte).

    Unterdessen Trans*-Menschen in GB: => Gehen wir heute vielleicht mal lieber wieder NICHT auf die Toilette...

    Ja, ich gebe zu, reflexhaft zusammengestellte Aufzählung von Dingen, die ganz bestimmt alle nix miteinander zu tun haben. Toiletten kommen im Artikel schließlich gar nicht vor.
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#7 Prima4Anonym
  • 23.09.2020, 12:51h
  • Antwort auf #5 von Ith_
  • Warte mal, wir reden von ner Krimiserie nach dem "Mord der Woche" Prinzip...

    Man darf Trans nicht als Opfer darstellen da damit transphobe Klischees bedient werden, man darf Trans aber auch nicht als Täter darstellen da damit transphobe Klischees bedient werden ?

    Hmmm... okay!
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