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Synodaler Weg

Experte glaubt nicht an Reform der katholischen Kirche

Selbst die Reformer*innen verzichten vor der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz auf die explizite Forderung nach Segnung von Lesben und Schwulen – auf starken Druck aus dem Vatikan, so der Kirchenrechtler Thomas Schüller.


Kirchenrechtler Thomas Schüller: "Rom ist erkennbar nervös" (Bild: nachoarteaga / unsplash)

Der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland leidet nach Einschätzung des Kirchenrechtlers Thomas Schüller unter starkem Druck aus dem Vatikan. "Der römische Druck ist enorm", sagte Schüller vor Beginn der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) an diesem Dienstag in Fulda der Deutschen Presse-Agentur. "Rom ist erkennbar nervös und schickt den Kölner Kardinal Woelki und den Regensburger Bischof Vorderholzer vor, die allen zarten Pflänzchen von Reformen kategorisch den Riegel vorschieben." In der katholischen Kirche in Deutschland läuft seit Anfang dieses Jahres ein Reformprozess, der als der Synodale Weg bezeichnet wird (queer.de berichtete).

Wie verhärtet die Fronten seien, zeigten Woelkis und Voderholzers Äußerungen über ein angeblich beschämendes theologischen Niveau der Reformvorschläge. "Engagierte Theologinnen und Theologen, die Mitglieder des Synodalen Weges sind, werden öffentlich als Dilettanten der Theologie desavouiert", kritisierte Schüller.

"Die Menschen sind schon viel zu lange von ihrer Kirche enttäuscht worden"


Prof. Thomas Schüller leitet das Institut für Kanonisches Recht an der Universität Münster

Der Druck aus Rom zeige bereits Wirkung: Die überarbeiteten Entwürfe seien schon deutlich weichgespülter als die ersten Vorlagen, die noch zu lebhaften Diskussionen auf der ersten Vollversammlung geführt hätten. Ein Beispiel dafür sei, dass es in dem Entwurf zum Thema Sexualität keinen Hinweis mehr auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften gebe.

Dabei sei es doch so, dass sich der allergrößte Teil der deutschen Katholikinnen und Katholiken sowieso nicht für den Synodalen Weg interessiere, weil faktisch niemand mehr mit Reformschritten rechne. "Die Menschen sind schon viel zu lange von ihrer Kirche enttäuscht worden", sagte Schüller. "Selbst wenn es ein mutiges Papier zu einer veränderten Sexualmoral geben würde, würde dies achselzuckend zur Kenntnis genommen, weil die Menschen längst schon so leben, wie es ihr Gewissen ihnen sagt." Die katholische Kirche müsse erkennen, dass sie "ihr Regiment über die Herzen und Betten ihrer Gläubigen" längst verloren habe.

Die Kirche sei "ein Scheinriese mit vielen Einrichtungen und noch beträchtlichem Vermögen", sagte Schüller. Gesellschaftlich sei sie jedoch "zu einem einflusslosen Zwerg mutiert". Daran werde auch der Synodale Weg nichts ändern. (cw/dpa)



#1 Kritiker_inEhemaliges Profil
  • 22.09.2020, 07:40h
  • Laut Wikipedia werden u.a. gesegnet: Felder, Motorradfahrer, Haus- und "Nutz"tiere, neueröffnete Betriebe oder Geschäfte, Absolvent_innen kirchlicher Kurse der Erwachsenenbildung, neue Wohnungen, Devotionalien, Fahrzeuge und andere Gegenstände.

    Abgesehen davon, dass eine Segnung natürlich nur ein unvollständiger und somit diskriminierender Ersatz für eine Trauung sein kann, sind diese Dinge/ Personen/ Lebewesen den Kirchen ganz offenbar essentiell wichtiger als einander liebende, füreinander Verantwortung übernehmende Menschenpaare. Denn wenn diese Menschen nicht die lieben, die sie lieben SOLLEN, haben sie eine Segnung eben offenbar auch nicht verdient.

    Wer solch einen Budenzauber für seine Beziehung sucht, ist also, sofern queer, in der Regel bei den Kirchen fehl am Platze. Manche unterziehen sich auch irgendwelchen inoffiziellen Geheimzeremonien.

    Zum Glück geht es jedoch auch ganz ohne diese.

    www.kirchenaustritt.de/
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#2 zundermxeAnonym
  • 22.09.2020, 08:10h
  • Wäre fast zu schön um wahr zu sein, wenn Schüller recht hätte.
    Als gesellschaftlicher Zwerg hätte die Kirche keine Macht und keinen Einfluss mehr in diesem Land außerhalb ihrer eigenen Kirchenmauern.
    Doch weiterhin wird sie zur Gesetzgebung gehört (u.a. von Herrn Spahn), erhält neben der Kirchensteuer reichlich öffentliche Gelder (auch aus unseren Steuern gespeist), sitzt wie selbstverständlich in öffentlichen Gremien und gibt als Arbeitgeber natürlich nicht nur ihren Mitarbeiter*innen Moral und Recht vor.
    Von soviel Macht und Einfluss träumen andere große Wirtschaftsunternehmen idR nur.
    Die Kirche mag zwar längst ihre eigenen Botschaften verraten und die Haftung in der Gesellschaft teilweise verloren haben. Jedoch ist ihre Macht tatsächlich so gut wie unangefochten, auch und gerade in Deutschland.
    An dieser Stelle ausdrücklichen Dank an unsere Parteien, insbesondere natürlich der cdU/csU.
    Trennung von Staat und Kirche fordern wir doch viel lieber von anderen Ländern, insbesondere muslimischen. Alles sehr Glaub-Haft.
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#3 FinnAnonym
  • 22.09.2020, 10:38h
  • "auf starken Druck aus dem Vatikan"

    Hatte der Papst nicht vor kurzem noch gelabert, dass auch Homosexuelle Geschöpfe Gottes seien, etc.

    Da sieht man wieder mal, dass man dieser Organisation und selbst ihren höchsten Vertretern nicht trauen darf. Die fressen gerne mal Kreide, wenn es fürs Marketing besser ist, aber die wahre Gesinnung bleibt dieselbe.

    Die werden sich niemals ändern.
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#4 AutumnProfil
  • 22.09.2020, 11:09hKöln
  • Es interessiert mich schon lange brennend: Ich habe noch nie verstanden, WARUM man unbedingt von der Kirche anerkannt werden WILL! Wieso WILL ich gesegnet werden von Menschen, einer Religion, die im Grunde ganz anders über mich denkt?!
    Empfehle dazu das Buch
    "Die Kriminalgeschichte des Christentums".
    Es fällt mir extrem stark auf, dass LGBT versuchen bei solchen Organisationen Aufklärung zu betreiben. Für mich völlig sinnlos, denn diese Menschen denken ja aus einem bestimmten Grund so, nämlich WEIL sie so sind und ändern sich im Kern nicht.
    FALLS jemand seine Haltung zu Homosexualität ändert, ist aus meiner Sicht die Konsequenz so eine Organisation zu verlassen.
    Ich bin damals aus der Kirche ausgetreten, wieso sollte ICH denn dafür arbeiten, dass ICH von solchen Leuten akzeptiert werde?
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#5 FennekAnonym
  • 22.09.2020, 11:34h
  • Die selbe Masche wie immer:
    zuerst stellt man Fortschritte in Aussicht, damit die Medien berichten, wie menschenfreundlich die Kirche angeblich sei. Aber sobald dann das Thema aus dem öffentlichen Bewusstsein raus ist, rudert man ganz schnell zurück. Dann geht es genauso weiter wie vorher und NICHTS ändern sich. Nur, dass das dann von den meisten Menschen nicht mehr wahrgenommen wird.

    Dieser menschenfeindliche Verein, dem es nur um Geld und Macht geht, kämpft mit allen Tricks und Mitteln. Denen darf man nie vertrauen.
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#6 FennekAnonym
  • 22.09.2020, 11:40h
  • Antwort auf #4 von Autumn
  • Das kann ich auch nicht verstehen.

    1. Erstens verstehe ich nicht, wieso man den Segen anderer für sein eigenes Leben und seine eigenen Entscheidungen braucht. So als wäre man alleine nicht lebensfähig und bräuchte einen Vormund.

    2. Selbst wenn man Christ ist, muss man doch erkennen, dass dieser unchristliche Verein nichts mit Nächstenliebe, Barmherzigkeit, etc. zu tun hat, wofür dieser Glaube doch angeblich steht. Wie heißt es immer wieder: "Ich bin aus der Kirche ausgetreten, gerade WEIL ich Christ bin."

    3. Eine Organisation, die so viel Dreck am Steck hat, ist keine moralische Instanz, die sich Urteile über andere erlauben kann oder auf deren Segen man Wert legen sollte.

    Wir reden hier über massenhaften Kindesmissbrauch, wo immer noch so viel wie möglich vertuscht wird und die Täter nur versetzt statt ausgeschlossen werden. Wir reden über dubiose Immobiliendeals. Wir reden über Kondomverbote, die in streng gläubigen Staaten der dritten Welt für Millionen AIDS-Tote und Millionen verhungernde AIDS-Waisen verantwortlich sind. Von den historischen Verbrechen (Kreuzzüge, Inquisition, Folter, Morde, Hexenverbrennungen, etc.) mal ganz zu schweigen.
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#7 YannickAnonym
  • 22.09.2020, 12:19h
  • ----------------
    Die Kirche sei "ein Scheinriese mit vielen Einrichtungen und noch beträchtlichem Vermögen", sagte Schüller.
    ----------------

    Es mag ja sein, dass der gesellschaftliche Einfluss der Kirche nicht mehr so ist, wie das mal war. Aber genau dieses beträchtliche Vermögen und die diversen Einrichtungen geben denen dann doch noch eine bestimmte Macht, die ihnen gesellschaftlich eigentlich gar nicht mehr zustehen sollte.

    Was jeder von uns dagegen tun kann, ist Kirchenaustritt:

    www.kirchenaustritt.de/

    Aber auch der Staat muss endlich eine echte Trennung von Staat und Kirche umsetzen:

    1. Wieso werden überhaupt deren Mitgliedsbeiträge zur Steuer erhoben und Nichtzahlung entsprechend als Steuerdelikt geahndet? Die sollen selbst ihre Mitgliedsbeiträge einziehen und sich dann auch überlegen, was sie machen, wenn ein Mitglied nicht zahlt.

    2. Zusätzlich zur Kirchensteuer gibt es ja auch noch die sogenannten Staatsleistungen, die aus allen Steuermitteln kommen - auch von denjenigen, die dort gar nicht Mitglied sind. Selbst wenn man aus der Kirche ausgetreten ist, einen anderen oder gar keinen Glauben hat, finanziert man die Kirche noch weiter mit. Das ist ein Unding und muss endlich beendet werden.

    3. Die Steuerprivilegien für Kirchen müssen endlich abgeschafft werden. Die bekommen es eh schon vorne und hinten reingesteckt (siehe Punkt 1 und 2) und genießen dann auch noch Vorteile.

    4. Es gibt zig konfessionelle Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, etc. Die werden vom Steuerzahler finanziert und die Kirche gibt nur ihren Namen, will dann aber mitreden und über Personal und Inhalte bestimmen. Auch das muss endlich beendet werden. Am besten wäre es, diese Trägerschaften ganz zu verbieten. Der Steuerzahler finanziert diese Einrichtungen doch eh.

    5. Statt Religionsunterricht an Schulen sollte es einen konfessions-neutralen Ethik-Unterricht geben. Dort kann dann auch mal als ein Thema unter vielen anderen über die diversen Religionen gesprochen werden, aber neutral und gleichberechtigt.

    6. Der Gotteslästerungs-Paragraph (§166 StGBG) muss endlich abgeschafft werden. Es gibt ausreichend Gesetze gegen Beleidigung, Verleumdung, Volksverhetzung, etc. Da brauchen Religionen und Kirche keine Sonderregeln.
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#8 System KircheAnonym
  • 22.09.2020, 12:50h
  • Jetzt also doch keine Reformen. Was für eine Überraschung... (Ironie aus)

    Dieser Verein wird sich niemals ändern, weil er sich nicht ändern kann. Religion basiert auf Hass, Bevormundung und Unterdrückung.

    Wenn das wegfällt, könnte das System Religion gar nicht funktionieren, weil glückliche, freie Menschen keine Heilsprediger brauchen und kein Geld abdrücken, um sich von "Sünden" freizukaufen.

    Jedem, der da noch Mitglied ist, muss klar sein, dass er mit seiner Mitgliedschaft diesen Verein sowohl ideell als auch finanziell unterstützt.

    kirchenaustritt.de

    "Religion ist das Asyl der Dummen."
    (Spinoza)

    "Die beiden größten Gefahren für den Weltfrieden sind Waffenindustrie und Religion."
    (Einstein)
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#9 Ach jaAnonym
  • 22.09.2020, 13:00h
  • Antwort auf #7 von Yannick
  • "Aber auch der Staat muss...."

    Ich gebe Dir und Deinen Forderungen an "den Staat" inhaltlich VÖLLIG Recht.
    Ich sehe nur leider nicht eine Einzige aussichtsreiche Partei in der deutschen Parteienlandschaft die bereit wäre diese Forderungen auch nur in Erwägung zu ziehen.
    Sogar das Verfassungsgericht wird uns in den wenigsten Fällen hier Unterstützung leisten können und wollen.
    Es wird nur über die Abstimmung mit den Füßen laufen.
    Je mehr Menschen sich aus diesen Religionsgemeinschaften zurückziehen, je geringer wird der Einfluß auf den Staat.
    Erst wenn auch die letzten Vertreter der Parteien begriffen haben, dass weitere Rücksichtnahme auf, bzw. Priviligierung dieser Vereine eher Stimmen kostet als bringt, wird ein Umdenken einsetzen.
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#10 LinkeAnonym
  • 22.09.2020, 13:23h
  • Antwort auf #9 von Ach ja
  • So weit ich das sehe, ist von den Bundestagsparteien (bei den kleineren kenne ich mich leider nicht so aus) die Linkspartei die Einzige, die alle diese Forderungen in ihrem Parteiprogramm stehen hat.

    Manche der Forderungen werden auch teilweise von anderen Parteien unterstützt. So wird z.B. die Abschaffung des "Gotteslästerungs-Paragraphen" auch von Grünen und FDP unterstützt.

    Ansonsten gebe ich Dir recht:
    je mehr Menschen aus der Kirche austreten, desto besser. Denn desto größer wird auch der Druck auf die Politik, nicht mehr auf diesen Verein zu hören.
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