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Synodaler Weg

Experte glaubt nicht an Reform der katholischen Kirche

Selbst die Reformer*innen verzichten vor der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz auf die explizite Forderung nach Segnung von Lesben und Schwulen – auf starken Druck aus dem Vatikan, so der Kirchenrechtler Thomas Schüller.


Kirchenrechtler Thomas Schüller: "Rom ist erkennbar nervös" (Bild: nachoarteaga / unsplash)
  • 22. September 2020, 03:35h 14 2 Min.

Der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland leidet nach Einschätzung des Kirchenrechtlers Thomas Schüller unter starkem Druck aus dem Vatikan. "Der römische Druck ist enorm", sagte Schüller vor Beginn der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) an diesem Dienstag in Fulda der Deutschen Presse-Agentur. "Rom ist erkennbar nervös und schickt den Kölner Kardinal Woelki und den Regensburger Bischof Voderholzer vor, die allen zarten Pflänzchen von Reformen kategorisch den Riegel vorschieben." In der katholischen Kirche in Deutschland läuft seit Anfang dieses Jahres ein Reformprozess, der als der Synodale Weg bezeichnet wird (queer.de berichtete).

Wie verhärtet die Fronten seien, zeigten Woelkis und Voderholzers Äußerungen über ein angeblich beschämendes theologischen Niveau der Reformvorschläge. "Engagierte Theologinnen und Theologen, die Mitglieder des Synodalen Weges sind, werden öffentlich als Dilettanten der Theologie desavouiert", kritisierte Schüller.

"Die Menschen sind schon viel zu lange von ihrer Kirche enttäuscht worden"


Prof. Thomas Schüller leitet das Institut für Kanonisches Recht an der Universität Münster

Der Druck aus Rom zeige bereits Wirkung: Die überarbeiteten Entwürfe seien schon deutlich weichgespülter als die ersten Vorlagen, die noch zu lebhaften Diskussionen auf der ersten Vollversammlung geführt hätten. Ein Beispiel dafür sei, dass es in dem Entwurf zum Thema Sexualität keinen Hinweis mehr auf die Segnung gleich­geschlechtlicher Partnerschaften gebe.

Dabei sei es doch so, dass sich der allergrößte Teil der deutschen Katholikinnen und Katholiken sowieso nicht für den Synodalen Weg interessiere, weil faktisch niemand mehr mit Reformschritten rechne. "Die Menschen sind schon viel zu lange von ihrer Kirche enttäuscht worden", sagte Schüller. "Selbst wenn es ein mutiges Papier zu einer veränderten Sexualmoral geben würde, würde dies achselzuckend zur Kenntnis genommen, weil die Menschen längst schon so leben, wie es ihr Gewissen ihnen sagt." Die katholische Kirche müsse erkennen, dass sie "ihr Regiment über die Herzen und Betten ihrer Gläubigen" längst verloren habe.

Die Kirche sei "ein Scheinriese mit vielen Einrichtungen und noch beträchtlichem Vermögen", sagte Schüller. Gesellschaftlich sei sie jedoch "zu einem einflusslosen Zwerg mutiert". Daran werde auch der Synodale Weg nichts ändern. (cw/dpa)

-w-

#1 Kritiker_inEhemaliges Profil
  • 22.09.2020, 07:40h
  • Laut Wikipedia werden u.a. gesegnet: Felder, Motorradfahrer, Haus- und "Nutz"tiere, neueröffnete Betriebe oder Geschäfte, Absolvent_innen kirchlicher Kurse der Erwachsenenbildung, neue Wohnungen, Devotionalien, Fahrzeuge und andere Gegenstände.

    Abgesehen davon, dass eine Segnung natürlich nur ein unvollständiger und somit diskriminierender Ersatz für eine Trauung sein kann, sind diese Dinge/ Personen/ Lebewesen den Kirchen ganz offenbar essentiell wichtiger als einander liebende, füreinander Verantwortung übernehmende Menschenpaare. Denn wenn diese Menschen nicht die lieben, die sie lieben SOLLEN, haben sie eine Segnung eben offenbar auch nicht verdient.

    Wer solch einen Budenzauber für seine Beziehung sucht, ist also, sofern queer, in der Regel bei den Kirchen fehl am Platze. Manche unterziehen sich auch irgendwelchen inoffiziellen Geheimzeremonien.

    Zum Glück geht es jedoch auch ganz ohne diese.

    www.kirchenaustritt.de/
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#2 zundermxeAnonym
  • 22.09.2020, 08:10h
  • Wäre fast zu schön um wahr zu sein, wenn Schüller recht hätte.
    Als gesellschaftlicher Zwerg hätte die Kirche keine Macht und keinen Einfluss mehr in diesem Land außerhalb ihrer eigenen Kirchenmauern.
    Doch weiterhin wird sie zur Gesetzgebung gehört (u.a. von Herrn Spahn), erhält neben der Kirchensteuer reichlich öffentliche Gelder (auch aus unseren Steuern gespeist), sitzt wie selbstverständlich in öffentlichen Gremien und gibt als Arbeitgeber natürlich nicht nur ihren Mitarbeiter*innen Moral und Recht vor.
    Von soviel Macht und Einfluss träumen andere große Wirtschaftsunternehmen idR nur.
    Die Kirche mag zwar längst ihre eigenen Botschaften verraten und die Haftung in der Gesellschaft teilweise verloren haben. Jedoch ist ihre Macht tatsächlich so gut wie unangefochten, auch und gerade in Deutschland.
    An dieser Stelle ausdrücklichen Dank an unsere Parteien, insbesondere natürlich der cdU/csU.
    Trennung von Staat und Kirche fordern wir doch viel lieber von anderen Ländern, insbesondere muslimischen. Alles sehr Glaub-Haft.
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#3 FinnAnonym
  • 22.09.2020, 10:38h
  • "auf starken Druck aus dem Vatikan"

    Hatte der Papst nicht vor kurzem noch gelabert, dass auch Homosexuelle Geschöpfe Gottes seien, etc.

    Da sieht man wieder mal, dass man dieser Organisation und selbst ihren höchsten Vertretern nicht trauen darf. Die fressen gerne mal Kreide, wenn es fürs Marketing besser ist, aber die wahre Gesinnung bleibt dieselbe.

    Die werden sich niemals ändern.
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