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"Ja, es ist was Wunderbares"

Rosa von Praunheim über seine Strategie im Umgang mit Schimpfwörtern

Der Kultregisseur empfiehlt, negative Schimpfworte einfach in ihr Gegenteil zu verkehren – das sei schließlich auch mit dem Begriff "schwul" gelungen.


Rosa von Praunheim drehte vor fast 50 Jahren den Fernsehfilm "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" (Bild: Emilio Esbardo / wikipedia)

Filmemacher Rosa von Praunheim empfiehlt, verletzend gemeinte Wörter positiv umzudeuten. "Meine Strategie ist: Wie immer dich deine Feinde nennen, klau ihnen die Worte, wandle sie um zu stolzen Wörtern und gehe nach vorn", sagte der 77-Jährige der "Berliner Zeitung". "Wenn mich jemand Arschficker nennt, sage ich: Ja, es ist was Wunderbares, probier es mal!" Augenzwinkernd fügte er an: "Analverkehr ist etwas Wunderbares. Anale Freuden sind ja nicht von der Hand zu weisen, davon können auch Heterosexuelle ein Liedchen singen."

Auch "schwul" sei einst ein Schimpfwort gewesen. In seinem berühmten Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" von 1971 habe er versucht, es "so oft wie möglich zu verwenden, um es umzudrehen zu einem Wort des Stolzes".

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Keine Lust auf Opferrolle

Auf die Bemerkung der "Berliner Zeitung", dass er wohl einfach keine Lust auf die Opferrolle habe, erwiderte von Praunheim: "Genau. Aber es ist mir auch zu akademisch, sich über Begriffe zu streiten. Ich bin ein alter weißer Mann, vielleicht kann ich da gar nicht mehr mitreden."

Am 2. Oktober hat Rosa von Praunheims neues Stück "Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs" Premiere im Deutschen Theater in Berlin. Angekündigt wird ein wilder und musikalischer Ritt durch die deutsche Geschichte. "Wo sich Hitler und Friedrich der Große begegnen, kommen die allerintimsten Fragen auf den Tisch", heißt es auf der Theater-Website. Dabei soll auch auf Schwulengerüchte über den Diktators angespielt werden. Der "Berliner Zeitung" sagte Praunheim, die Emanzipation sexueller Minderheiten sei inzwischen so weit fortgeschritten, "dass man auch negative Figuren in den Blick nehmen kann". (dpa/cw)



#1 FinnAnonym
  • 22.09.2020, 10:35h
  • Ich finde, das darf nicht so weit gehen, dass wir abwertende Wörter selbst aktiv verwenden. Aber als Reaktion auf die Urheber solcher Wörter finde ich das eine gute Strategie.

    Habe ich selbst auch schon oft so gemacht und das nimmt Schwachmaten sehr schnell die Argumente.

    Was ich auch empfehlen kann:
    einfach den anderen auslachen. Oder einen Kommentar wie "Wenn Du meinst."

    Nichts trifft solche Leute mehr, als wenn sie sehen, dass sie einem nichts anhaben können und dass einam das alles egal ist, weil einem diese Menschen egal sind.
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#2 KumpelAnonym
  • 22.09.2020, 10:53h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Mit seiner eher abwertenden Bemerkung zu Arschficker mir gegenüber, habe ich mal einen jungen türkischen Arbeitskollegen in arge Bedrängnis gebracht, als ich laut vor anderen Kollegen zu ihm sagte: auch unter Euch ist dieser Begriff kein Fremdwort.
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#3 Peck_SProfil
  • 22.09.2020, 10:56hFrankenthal/Pfalz
  • "Auch schwul sei einst ein Schimpfwort gewesen."

    Einst... Wo lebt Praunheim denn? In dem Deutschland in dem ich lebe, ist schwul nach wie vor und zwar in allen Lebensbereichen ein Schimpfwort. Das fängt auf dem Schulhof an, geht später auf den Arbeitsplatz über und reicht bis auf den Sportplatz.
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#4 FennekAnonym
  • 22.09.2020, 11:29h
  • Antwort auf #3 von Peck_S
  • Wobei man dazu sagen muss, dass das eine Entwicklung der letzten 15-20 Jahre ist. Davor war es tatsächlich gelungen, das Schimpfwort "schwul" zur stolzen Eigenbezeichnung zu machen.

    Erst irgendwann nach 2000 fing das an, für manche Leute wieder ein Schimpfwort zu werden. ("Das ist voll schwul", etc.).

    Umso wichtiger, das wieder zu ändern.
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#5 ZeitrechnerAnonym
  • 22.09.2020, 13:18h
  • Antwort auf #4 von Fennek
  • "eine Entwicklung der letzten 15-20 Jahre"

    Also eine Entwicklung, die eine ganze Generation von Jugendlichen im Coming-out betrifft. Das ist übel!

    Das Sich-zu-eigen-Machen und quasi Umdrehen von Schimpfwörtern scheint mir eine Strategie des letzten Jahrtausends zu sein, die - wie du ja auch beschreibst - heutzutage scheitert. Ich befürchte, dass sowohl der von mir sehr geschätzte Praunheim als auch queer.de generationsbedingt der Realität immens hinterherhinken.
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#6 KumpelAnonym
  • 22.09.2020, 13:41h
  • Antwort auf #5 von Zeitrechner
  • @ Fennek hat damit gar nicht mal so unrecht. Ebenso Rosa v.Praunheim. Ich kann mich noch gut an Zeiten Ende der 70er Anfang der 80er Jahre erinnern, wo ich stolz mein Schwulsein in die Öffentlichkeit hinausgetragen habe. Sogar mit dem Rosa Winkel. Sichtbar für alle. Aber nun und da stimme ich Dir vollends zu, hat sich das Blatt leider gewendet. Und ich befürchte auch eine Rosa hätte arge Probleme damit vor einer Gruppe gewaltbereiter Jugendliche, die es darauf abgesehen haben Schwule zu Klatschen, sich behaupten zu können. Auch das Alter und die überzeugende Sprache spielt dabei keine Rolle mehr. Zudem wohnt Rosa in Wilmersdorf und meine Wenigkeit in Charlottenburg. In dieser Gegend kommen Schwule Übergriffe so gut wie nie vor.
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#7 dellbronx51069Anonym
  • 22.09.2020, 18:24h
  • Es stimmt , dass wir seit den letzten 2 Dekaden eine zunehmende Verspiesserung festestellen müssen. Hauptsächlich durch Putin über die (a)sozialen Medien befeuert. Die Jüngeren müssen jetzt aufpassen , das sie nicht alles wieder verlieren was in den letzten 50 Jahren erkämpft wurde.
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#8 SvenAnonym
  • 22.09.2020, 20:11h
  • Antwort auf #3 von Peck_S
  • Auch ich erlebe es in der Schule oft, dass das Wort schwul als Schimpfwort genutzt wird.

    In einem ruhigen Gespräch frage ich dann die Schüler, wieso ich es nicht gut finde, dass Sie dieses Wort nutzen. Das erfreulich ist, dass eigentlich alle sagen, dass Sie nichts gegen Schwule haben.

    Und ich glaube zumindest einige können nachvollziehen, dass es für betroffene Jugendliche schwer ist, zu akzeptieren, dass sie schwul, wenn schwul als Schimpfwort verwendet wird und diese gesellschaftliche Nichtakzeptanz auch einen Einfluss auf die höhere Selbstmordrate unter homosexuellen Jugendlichen hat.

    Nur bei meinen Tipps, was bessere Schimpfwörter sind bin ich leider nicht sehr kreativ.
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#9 KumpelAnonym
  • 23.09.2020, 10:16h
  • Antwort auf #8 von Sven
  • Sehr gut was Du hier anführst. Sollte Schule machen unter den Jugendlichen. Um so mehr ich darüber nachdenke, fällt mir dazu ein wie oft auch das Wort GAY benutzt wird, anstelle von schwul. Rosa v.Praunheim hat ja früher eine Zeitlang in den USA viele Dokomentationsfilme getreht und sich selbst dort bestimmt nicht ausschließlich als Fagott bezeichnet, sondern sicher eher als Gay Person.
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#10 mmmmAnonym
  • 26.09.2020, 13:53h
  • schwarze haben es versucht mit dem n wort. das hat nicht geklappt. mir gefällt diese strategie nicht wirklich. vor allem in englisch hat das f wort eine schreckliche geschichte und somit bedeutung
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