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US-Talkshow

Ellen zieht das Büßerhemd an

Die lesbische Komikerin verspricht, dass die toxische Arbeitsatmosphäre in ihrer Show ein Ding der Vergangenheit ist.


Ellen DeGeneres versucht, ihren Sommerskandal 2020 hinter sich zu lassen (Bild: Screenshot Ellen Tube)

Ellen DeGeneres ist am Montag mit der 18. Staffel ihrer Nachmittagstalkshow auf die amerikanischen Bildschirme zurückgekehrt. Damit trat die Komikerin zum ersten Mal in ihrem Studio in Los Angeles auf, seitdem sich die 62-Jährige vor zwei Monaten nach Berichten über eine feindselige Arbeitsatmosphäre an ihrem Set entschuldigt hatte (queer.de berichtete). Ex-Mitarbeiter*innen berichteten vereinzelt auch über Rassismus und sexuelle Belästigung hinter den Kameras der "Ellen DeGeneres Show".

"Wenn Sie zuschauen, weil sie mich lieben, danke schön. Wenn Sie zuschauen, weil sie mich nicht lieben, heiße ich Sie willkommen", so begann DeGeneres ihren traditionellen Monolog vor einem leeren Studio, während Lacher und Applaus eingespielt wurden. Sie wiederholte ihre Bitte um Entschuldigung an "alle Menschen, die betroffen waren". "Ich weiß, dass ich in einer privilegierten Position bin und Macht habe. Ich habe erkannt, dass dies mit Verantwortung einhergeht. Ich möchte die Verantwortung für das übernehmen, was in meiner Sendung passiert."

DeGeneres versprach, ein "neues Kapitel" aufzuschlagen. Nach einer internen Untersuchung der Firma Warner Media seien "notwendige Änderungen" vollzogen worden. Ihr Ziel sei, dass "jede*r Einzelne" der 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihrer Show "glücklich und stolz ist, hier zu arbeiten". Sie beharrte trotz der negativen Berichte darauf, dass sie eine menschenfreundliche Person sei und diese nicht nur im Fernsehen spiele.

Direktlink | Der Monolog am Anfang der "Ellen DeGeneres Show"

Wochenlanger Shitstorm gegen DeGeneres

Anlass für die Kritik an der lesbischen Show-Ikone war ein "Buzzfeed"-Artikel von Mitte Juli. Darin berichteten ehemalige Mitarbeiter*innen über höllische Arbeitsbedingungen, was zu einem langanhaltenden Shitstorm gegen die Komikerin führte. Zwar wurde DeGeneres nie direkt als Verursacherin der unhaltbaren Bedingungen genannt, sie habe diese aber geduldet. Sogar Forderungen nach Absetzung ihrer seit 2003 laufenden Sendung wurden laut.

Mehrere zusätzliche Berichte haben dazu beigetragen, am Sauberfrau-Image von DeGeneres zu kratzen: So erzählte ein australischer Moderator von einem "bizarren" Interview, dass er mit DeGeneres führen sollte – ein Produzent sagte ihm vor dem Gespräch, dass es ihm verboten sei, auf DeGeneres zuzugehen, sie außerhalb des Interviews anzusprechen oder auch nur anzusehen.

DeGeneres gilt in den USA als eine der bedeutendsten LGBTI-Aktivstinnen der Gegenwart. Sie war im Jahr 1997 in der schwul-lesbischen Szene zur Ikone geworden, als sie erst im wirklichen Leben und dann in ihrer Sitcom "Ellen" ihr Coming-out zelebrierte. Diese Folge der sonst als eher mittelmäßig angesehenen Serie konnte die höchste Einschaltquote einer Sitcom in den Neunzigerjahren verbuchen. LGBTI-Aktivisten würdigten wiederholt, dass durch diese Folge Homosexuelle von einem Tag auf den anderen für viele Amerikanerinnen und Amerikaner sichtbar geworden seien – und viele erst durch sie den Mut gefunden hätten, sich zu outen. 2016 verlieh ihr der damalige US-Präsident Barack Obama für ihr Engagement die US-Version des Bundesverdienstkreuzes (queer.de berichtete).

In ihrer "Ellen DeGeneres Show" empfängt die 62-Jährige das "Who's who" der amerikanischen Gesellschaft – Zu ihren Gäste zählte sie unter anderem Barack und Michelle Obama, Joe Biden sowie Filmstars wie Halle Berry und Clint Eastwood oder Musikstars wie Janet Jackson oder Cher. In Deutschland wurde die Sendung zeitweise im Pay-TV-Sender SAT.1 emotions gezeigt – inzwischen ist die Ausstrahlung allerdings eingestellt worden. (dk)

Direktlink | Ein menschelndes Interview mit Präsident Barack Obama aus dem Jahr 2016