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Innerparteilicher Wahlkampf

Laschet: Sexuelle Orientierung spielt im Jahr 2020 keine Rolle mehr

Nach den homophoben Äußerungen von Friedrich Merz gibt sich sein innerparteilicher Rivale tolerant. Aber auch Armin Laschet hatte in der Vergangenheit LGBTI-Rechte bekämpft.


Armin Laschet ist seit Juni 2017 Regierungschef in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland (Bild: CDU NRW)

Die CDU muss nach Ansicht von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) offen für unterschiedliche sexuelle Orientierungen sein. "Es spielt im Jahr 2020 wirklich keine Rolle mehr, wer wen liebt", antwortete Laschet am Dienstag auf die Nachfrage eines Journalisten zu einer umstrittenen Äußerung des CDU-Politikers Friedrich Merz über Homosexualität. "Das ist Konsens in unserer Gesellschaft, und das ist auch Konsens einer modernen Volkspartei", sagte Laschet vor der Kabinettsklausur auf Burg Anholt in Isselburg.

Mit seiner Erklärung reagierte Laschet auf die Äußerungen seines Rivalen Merz; beide Politiker bewerben sich um den CDU-Parteivorsitz. Merz war am Sonntag in der Internetsendung "Bild live" nach seiner Meinung zu einem schwulen Kanzler gefragt worden. Für den Bewerber um den CDU-Parteivorsitz sei die sexuelle Orientierung ein privates Thema, solange diese sich "im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft" (queer.de berichtete).

Scharfe Kritik an Merz

Für den Kommentar erntete Merz auch aus den eigenen Reihen scharfe Kritik – etwa von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): "Wenn die erste Assoziation bei Homosexualität Gesetzesfragen oder Pädophilie ist, dann müssen Sie eher Fragen an Friedrich Merz richten", hatte Spahn am Montag gesagt. Merz dagegen behauptete in einem "Welt"-Interview, seine Äußerungen seien "böswillig" falsch interpretiert worden (queer.de berichtete).

In der Vergangenheit hatte allerdings auch der sich jetzt liberal gebende Laschet mit Homosexuellenfeindlichkeit gespielt: So lud er als damalige Integrationsminister 2007 zum "Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle" LGBTI-Aktivisten von einer Veranstaltung aus (queer.de berichtete). Auch im Wahlkampf profilierte er sich als Gegner von LGBTI-Rechten: 2017 behauptete er etwa als CDU-Landesspitzenkandidat wiederholt, dass es im Grundgesetz ein verstecktes Ehe-Verbot für Schwule und Lesben gebe (queer.de berichtete). Auf Druck der Laschet-CDU weigerte sich Nordrhein-Westfalen 2017, dem Gesetz zur Ehe für alle zuzustimmen (queer.de berichtete).

Merz und Laschet bewerben sich neben dem Außenpolitiker Norbert Röttgen um den CDU-Parteivorsitz. Wer das Ruder übernimmt, soll Anfang Dezember bei einem Bundesparteitag in Stuttgart entschieden werden.

Die CDU plant derzeit auch innerparteilich eine größere Akzeptanz von sexuellen Minderheiten. Eine geplante Satzungsreform sieht vor, die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) zur so genannten Sonderorganisation aufzuwerten (queer.de berichtete). Der Parteitag muss dem noch zustimmen. (AFP/dk)



#1 LunaAnonym
  • 22.09.2020, 18:05h
  • Also zu sagen es spiele keine Rolle mehr ist leider einfach nur Symbolpolitik und ignoriert einfach wie verbreitet Homo- und Bi-feindlchkeit in der Gesellschaft noch ist. Die Leute denken das Thema ist nach der Ehe für "alle" durchgespielt
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#2 globoProfil
  • 22.09.2020, 18:17hBerlin
  • In der CDU, von der CSU gar nicht zu reden, gibt es nicht nur einen Merz und auch nicht nur einen Spahn. Die Akzeptanz von Homosexuellen nehme ich der Union noch nicht ab. Das Abstimmungsverhalten bei der Ehe für Alle hat gezeigt, wo die große Mehrheit der Union, incl. Kanzlerin, zumindest zu der Zeit stand.
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#3 BarcaProfil
  • 22.09.2020, 18:48hPlön
  • Herr Laschet, ich lade Sie gerne mal zu mir aufs Land ein, wo man auch heute noch beschimpft, auf dem Marktplatz bespuckt und grundsätzlich doof angeglotzt wird.

    Vor der Wahl ist immer peace & harmony, nach der Wahl treten wir wieder mit aller Kraft auf die Bremse, wenn es um Gleichberechtigung und Antidiskriminierung geht. Und als Grund kommt dann wieder "wir nehmen das sehr ernst, aber im Koalitionsvertrag steht davon nichts, deswegen können wir in dieser Legislatur keine Änderungen durchsetzen". Bla bla.
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#4 TimonAnonym
  • 22.09.2020, 19:07h
  • Sorry, aber nachdem was der früher und noch bis vor kurzem gesagt hat, kaufe ich ihm diesen schnellen Gesinnungswandel nicht ab.

    Vor Wahlen geben sich immer alle ganz versöhnlich, aber nach Wahlen sieht das dann ganz anders aus.
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#5 PschoAngelProfil
  • 22.09.2020, 22:40hWesterstede
  • Es ist doch immer wieder schön von einem heterosexuellen Cis Mann zu hören, dass die Sexuelle Orientierung keine Rolle mehr spielt.

    Ich würde mich über ein Gespräch zwischen ihm und den ganzen in diesem Jahr beleidigten, bespuckten & zusammengeschlagenen LGBTQIA* Menschen freuen, mal schauen was er dann selbst von dieser Aussage hält.
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#6 IsaakAnonym
  • 23.09.2020, 01:11h
  • Antwort auf #5 von PschoAngel
  • Das ist aber jetzt eine böswillige Verdrehung von Laschets Worten. Er hat nicht abgestritten, dass es homophobe Gewalt gibt - er hat lediglich die zunehmende Normalisierung von Homosexualität in der Gesellschaft wie auch in der CDU/CSU begrüsst. Ich finde das irritierend, wenn man wirklich an jeder Positivaussage etwas zu bemängeln hat.
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#7 Der gute MichelAnonym
  • 23.09.2020, 02:28h
  • Vielleicht liegt er gar nicht so falsch, wenn er sagt, es spiele in der Gesellschaft keine Rolle mehr. Jedenfalls geht die Tendenz in diese Richtung. Nur: Wessen Verdienst ist das? Wer hat es zu verhindern versucht? Laschet gehört eindeutig zu jenen, die nicht nur ein bissl konservativ waren, sondern die den Fortschritt aktiv bekämpft haben.

    Von ihm stammt die erstaunlich dumme Aussage: "Es gilt aber auch der Grundsatz, dass nicht jede Unterscheidung Diskriminierung ist." Dies ist keine Argumentation, sondern eine reine Verhinderungs-Rhetorik, die absichtlich bescheuert ist, damit die Diskussion sich darin verliert und am Ende nichts herauskommt.

    Aber nachdem sich die Gesellschaft mittlerweile mehrheitlich für eine Gleichstellung ausspricht, und nachdem die nachwachsenden Wähler überhaupt nicht mehr verstehen, warum über diesen ganzen Mumpitz so erbittert gekämpft wurde da ist der Herr Laschet plötzlich Feuer und Flamme für seine ach-so-moderne CDU.

    Er versteigt sich sogar zu der absurden Behauptung, dies sei Konsens in der CDU. Tatsächlich wurde 2017 vor laufenden Kameras darüber abgestimmt, und es konnte jeder sehen, worin der Konsens bestand. 100% der CDU-Abgeordneten stimmten dagegen, die "Ehe für alle" überhaupt zur Abstimmung zuzulassen. 75% der CDU-Abgeordneten stimmten anschließend gegen das Gesetz. Wenn das kein Konsens ist: Was soll es dann sein?
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#8 Sukram712Anonym
#9 Kritiker_inEhemaliges Profil
  • 23.09.2020, 09:30h
  • Antwort auf #5 von PschoAngel
  • Ich habe mir genau das gleiche gedacht.
    Vielen Dank für Deinen Kommentar.

    In der heutigen gesellschaftlichen Wahrnehmung soll die sexuelle Orientierung immer nur dann "keine Rolle mehr spielen", wenn sie nicht-hetero ist. Dann soll sie möglichst unter den Teppich gekehrt werden. "Das sei doch heute alles kein Thema mehr".

    Die Tausenden pro Jahr Überfallenen, Gedemütigten, von der Familie Verstoßenen, im Job Gemobbten, alle Queers, die nach wie vor tagtäglich unter unserer Gesellschaft leiden müssen, wissen sehr genau, WIE SEHR die sexuelle Orientierung JEDEN TAG "eine Rolle spielt".

    Ganz abgesehen davon, spielt die Heterosexualität der meisten Prominenten oder "Prominenten" z.B. in der Boulevardpresse oder in TV-Boulevardmagazinen tagtäglich eine Rolle. Uns wird täglich um die Ohren gehauen, wer nun wieder mit wem zusammen ist, wer mit wem mal wieder ein Kind bekommt, wer mit wem auf der gesellschaftlichen Bühne aufgetreten ist, etc. etc. etc.

    Auch in der Werbung, einem anderen gesellschaftlich sehr relevanten Feld, sehen wir täglich, stündlich, minütlich Heteros, die sich von irgendwelchen Produkten beglücken lassen. Das sind jedes Mal implizite Aussagen über deren sexuelle Orientierung.

    Und sucht mal nach "Liebesfilmen" auf irgendwelchen Online-Plattformen... jede Wette, dass die riesige Mehrheit der angezeigten Filme Hetero-Paare zum Thema hat. WIR laufen dann separat unter "queer", sofern wir überhaupt auftauchen.

    Also, zu behaupten, die sexuelle Orientierung spiele 2020 keine Rolle mehr, ist ein blankes Unter-den-Teppich-Kehren all dessen, was verschwiegen werden SOLL. Don't ask, don't tell, das ist doch schon seit einer ganzen Weile eine vorherrschende Regel. Weil doch angeblich heute alle "in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind", doch "alles erreicht haben" (siehe Ehe für Alle) - also brauche man auch nicht mehr weiter darüber zu reden. Ganz nach dem Motto "Was wollt ihr denn noch? Es muss auch mal genug sein mit Eueren Extrawünschen."

    Dabei absolut verkennend, dass wir keine EXTRAwünsche haben, sondern "lediglich" GLEICHE, und zwar EXAKT GLEICHE Berücksichtigung, Anerkennung und Akzeptanz erreichen wollen und uns nach wie vor erkämpfen müssen.

    Also: SELBSTVERSTÄNDLICH spielt die sexuelle Orientierung eine Rolle. Alles andere führt zur gesellschaftlichen Unsichtbarkeit und somit zur Unterdrückung.
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#10 PippilogieAnonym
  • 23.09.2020, 10:35h
  • Studie des DIW und der Universität Bielefeld:
    "30 Prozent der Lesben, Schwulen und Bisexuellen werden in Deutschland im Arbeitsleben diskriminiert."

    Laschet, 3 Wochen später:
    "Es spielt im Jahr 2020 wirklich keine Rolle mehr, wer wen liebt."

    Da hat sich in nur drei Wochen ja viel getan.

    Aber es gibt in Deutschland ja auch keinen Rassismus (schon gar nicht bei der Polizei, fragen wir nur einen anderen prominenten Experten), keinen Sexismus, keine Klassenunterschiede und vermutlich fährt auch nie wer bei Rot über die Ampel, weil, ist ja verboten. Ein Land, in dem wir gut und gerne leben, auf einem sich immer stärker wölbenden Teppich.
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