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Stanislaw Gadecki

Polen: Chef der Bischofskonferenz verbietet homophobe Aktion auf Kirchengelände

In den letzten Jahren hat Stanislaw Gadecki selbst gerne gegen Homosexuelle Stimmung gemacht. Doch jetzt wird selbst ihm der katholische Homo-Hass zu viel.


Stanislaw Gadecki ist seit sechs Jahren Vorsitzender der polnischen Bischofskonferenz, die immer wieder gegen LGBTI Stimmung macht (Bild: Konferencja Episkopatu Polski)

Der Posener Erzbischof Stanislaw Gadecki, der seit 2014 die nationale Bischofskonferenz Polens anführt, hat sich von einer LGBTI-feindlichen Kampagne distanziert. Nach einem Bericht der kirchlichen Nachrichtenagentur "Katolicka Agencja Informacyjna" (KAI) vom Montag hat Gadecki ein Rundschreiben an die Pfarrer in seinem Erzbistum verschickt, in dem er untersagt, dass auf dem Kirchengelände für die Volksinitiative "Stop LGBT" Werbebroschüren verteilt und Unterschriften gesammelt werden.

Twitter / agencja_KAI

Bei "Stop LGBT" geht es um einen Gesetzentwurf, der nach russischem Vorbild in dem EU-Land CSD-Demonstrationen und "Homo-Propaganda" im öffentlichen Raum verbieten soll. Dafür wollte die von Abtreigungsgegnerin Kaja Godek gegründete "Stiftung für Leben und Familie" besonders in Gotteshäusern Unterschriften sammeln (queer.de berichtete).


Die Homepage der LGBTI-feindlichen Initiative (Bild: lgbtstop.pl)

Weihbischof Artur Mizinski, der Generalsekretär der Bischofskonferenz, hat bei dieser Initiative weniger Hemmungen als sein Chef: Er erklärte, es stehe den Bischöfen frei, an der gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten gerichteten politischen Aktion teilzunehmen. Der 55-Jährige empfahl den Bischöfen sogar, eine "wohlwollende Behandlung" in Erwägung zu ziehen.

Andere Bischöfe machen bei "Stop LGBT" mit

Diese "wohlwollende Behandlung" hat Gadecki nun offenbar verweigert. Andere Bischöfe stehen aber hinter den Aktion: Tadeusz Wojda, der Erzbischof von Białystok, unterstützt laut Medienberichten etwa die Unterschriftensammlung. Białystok geriet letztes Jahr in die Schlagzeilen, als CSD-Teilnehmer*innen mit Steinen und Böllern attackiert wurden (queer.de berichtete).

Direktlink | Die Macher des "Atlas des Hasses", der "LGBT-freie Zonen" listet, sammeln auf einer Karte auch Kirchen, in denen Unterschriften für "Stop LGBT" gesammelt werden


Die Ablehnung durch Gadecki kommt überraschend, da er selbst immer wieder gegen Homosexuelle polemisiert hatte. So sagte er vergangenes Jahr in Bezug auf CSD-Teilnehmer*innen, dass die Kirche nicht aufhören dürfe, "Todsünde als solche zu benennen". Als Chef der Bischofskonferenz war er für mehrere LGBTI-feindliche Bischofsschriften verantwortlich. So forderte er mit seinen Kollegen die rechtspopulistische Regierung in Warschau auf, den Forderungen von LGBTI-Organisationen prinzipiell nicht nachzugeben, da sie "ideologischen Totalitarismus" zum Ziel hätten (queer.de berichtete). Erst vor wenigen Wochen verabschiedete die Bischofskonferenz ein Papier zu "LGBT+-Fragen", wonach die Kirche sogar "Homo-Heilung" unterstützt (queer.de berichtete).

Volksinitiativen in Polen müssen im Parlament behandelt werden, wenn Aktivist*innen 100.000 Unterschriften gesammelt haben – also weniger als 0,4 Prozent der wahberechtigten Polinnen und Polen. Im April hatte das Parlament einen von Godek vorgelegten Entwurf zur Verschärfung des Abtreibungsverbots und einen ebenfalls aus dem Umfeld der ultrakatholischen Organisation Ordo Iuris stammenden Gesetzentwurf zum Verbot von Sexualerziehung in erster Lesung beraten und in die Ausschüsse verwiesen (queer.de berichtete). (dk)



#1 FennekAnonym
  • 23.09.2020, 14:24h
  • """""
    Andere Bischöfe machen bei "Stop LGBT" mit
    """""

    Die Kirche behauptet ja immer gerne, dass Sie nichts gegen LGBT habe, sondern "nur" nicht die Ehe für sie will.

    Hier sehen wir, dass es gar nicht darum geht, sondern dass die LGBTI schlicht auslöschen wollen.
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#2 Tobi CologneAnonym
  • 23.09.2020, 14:54h
  • >>>>> So forderte er mit seinen Kollegen die rechtspopulistische Regierung in Warschau auf, den Forderungen von LGBTI-Organisationen prinzipiell nicht nachzugeben, da sie "ideologischen Totalitarismus" zum Ziel hätten <<<<<

    Schon fast witzig, dass ausgerechnet Vertreter der Kirche anderen Ideologie und Totalitarismus vorwerfen...
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#3 GargamelAnonym
#4 KaiJAnonym
  • 23.09.2020, 17:39h
  • Die sehr bewundernswerten und sehr medialen queeren Aktivist*innen vor Ort haben beim Bischof in Poznan wohl Wirkung gezeigt. Er hat vielleicht auch erkannt, dass LGBTIQ-Feinde bei der sich dort auf den Gleichheitsparaden sehr solidarisch zeigenden EU wohlmöglich bald gehörig gegen die Wand fahren werden.
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#5 TimonAnonym
  • 23.09.2020, 18:00h
  • Antwort auf #4 von KaiJ
  • Ja, womöglich war das kein Wandel der Meinung innerhalb von Rekordzeit. Sondern eher Raffinesse zu erkennen, dass eine etwas moderate Linie (die ja immer noch nicht fortschrittlich ist) langfristig lukrativer ist.
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#6 gayflecktarnhoseProfil
  • 24.09.2020, 16:41hBremen
  • Dieses homophobe Spielchen der Kirche ist doch
    bei uns nichts besser.
    Oder ist man der Meinung, dass die EK und KK hier LGBTI-freundlich eingestellt ist. Sie sprechen
    auch hier mit gespaltener Zunge.
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