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Studie

Schwule und Lesben haben mehr – oder weniger – Sexpartner*innen als Heteros

Eine umfassende Befragung der BZgA zu sexueller Gesundheit hat erste Ergebnisse vorgelegt – und zeigt einige Überraschungen und in vielen Feldern noch Aufklärungs- und Handlungsbedarf.


Über das Liebes- und Sexleben der Deutschen liegt noch vieles im Dunkeln (Bild: cottonbro / pexels)

Über sexuelle Gesundheit sprechen nur wenige Deutsche mit ihren Partner*innen oder Ärzt*innen. Nur für 21 Prozent der Männer und 31 Prozent der Frauen waren sexuell übertragbare Infektionen schon einmal Thema beim Arztbesuch, wie am Mittwoch in Hamburg vorgestellte erste Ergebnisse (PDF 1, 2) einer Studie zu Gesundheit und Sexualität in Deutschland ergaben. Schon bei der Aufklärung über Geschlechtskrankheiten gibt es demnach Nachholbedarf.

Die Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Sozialforschungsinstituts Kantar ist nach deren Angaben die erste bundesweite auf die Gesamtbevölkerung bezogene Studie zu Sexualität und Gesundheit. Die ersten Auswertungen zeigen: HIV und Aids sind der großen Mehrheit der Bevölkerung bekannt – bemerkenswert aber fast 30 Prozent nicht. Das Wissen sinkt hier deutlich mit dem Alter der Befragten. Nur wenige Teilnehmende gaben an, schon einmal von Chlamydien (elf Prozent) oder Genitalwarzen (vier Prozent) gehört zu haben. "Hier ist der Aufklärungsbedarf noch sehr hoch", sagte Prof. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA


Für die Untersuchung wurden zwischen Oktober 2018 und September 2019 insgesamt 4955 Erwachsene im Alter von 18 bis 75 Jahren im Rahmen einer repräsentativen Zufallsstichprobe in persönlichen Interviews befragt, darunter 2336 Männer und 2619 Frauen. Abgefragt wurden Themen wie das Sexualverhalten, Liebe und Partnerschaft, sexuell übertragbare Krankheiten und Erfahrungen mit sexueller Gewalt.

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Erste Teilergebnisse auch zu queeren Befragten

In der Studie benannten sich 96,9 Prozent der teilnehmenden Männer und 96,2 Prozent der Frauen als heterosexuell – ähnliche Studien in europäischen Ländern zeigten vergleichbare Ergebnisse. Bei den Männern bezeichneten sich 1,8 Prozent als homosexuell bzw. schwul und 0,9 Prozent als bisexuell, während bei Frauen diese Aufteilung zwischen lesbisch und bisexuell genau umgekehrt war. 0,4 Prozent der Männer und 0,3 Prozent der Frauen nutzten eine andere Beschreibung, darunter asexuell und pansexuell. Neben dieser Einschätzung der Identität fragten die Forscher*innen auch sexuelle Attraktion und sexuelles Verhalten ab. Bei Personen unter 35 Jahren hatten etwa 15 Prozent der Frauen und 7,4 Prozent der Männer gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrungen, ab 36 bis 75 Jahre 9,4 Prozent der Männer und 8,3 Prozent der Frauen.


Die meisten nun vorgelegten Ergebnisse beziehen sich zunächst auf die Gesamtbevölkerung oder Heteros. Größere Unterschiede zeigten sich unter anderem bei der Anzahl der Sexualpartner*innen: Nur zwei Prozent der heterosexuellen Männer und Frauen gaben an, bisher keinen Partner gehabt zu haben. Bei lesbischen, schwulen, bisexuellen und asexuellen (!) Personen liegt der Anteil hingegen bei Männern bei 17 Prozent und Frauen bei 33 Prozent. Auch am anderen Befragungsende gibt es Unterschiede: 11 Prozent der heterosexuellen Männer und vier Prozent der Frauen hatten mehr als 20 Partner*innen, bei den queeren Befragten aber 38 Prozent der Männer und null Prozent der Frauen.


Die Ergebnisse zeigen Grenzen der Selbstauskunft auf: Bei den Heterosexuellen berichten Männer von durchschnittlich 9,8 Sexualpartnerinnen, Frauen hingegen von 6,1 Partnern. Eigentlich müssten die Angaben in etwa übereinstimmen. Die Forscher gehen davon aus, dass Männer sich eher als sexuell erfahren und aktiv darstellen. Frauen hingegen riskierten bei der Angabe hoher Partnerzahlen immer noch eine eher negative Beurteilung und neigten daher dazu, die Anzahl ihrer bisherigen Sexualpartner zu niedrig anzugeben.

Die queeren Teilnehmenden befragte die BZgA gezielt nach ihren Erfahrungen mit Benachteiligung und Diskriminierung. Vor allem junge Männer berichten von solchen Erfahrungen: 63 Prozent, d.h. mehr als jeder zweite homo-, bi-, oder asexuelle Mann zwischen 18 und 35 Jahren, geben an, in Deutschland aufgrund der sexuellen Orientierung benachteiligt oder diskriminiert worden zu sein. "Jüngere homosexuelle Männer sind die gesellschaftlich sichtbarste Gruppe und sehen sich der meisten Ungleichbehandlung gegenüber", meint die Studie. Bei jüngeren Frauen liegt der Anteil bei 20 Prozent, ab 36 Jahren bei 14 Prozent. Bei den älteren Männern berichten noch 35 Prozent von negativen Erfahrungen.


30 Prozent der homo-, bi- und asexuellen Männer und Frauen mit Diskriminierungserfahrung fühlen sich hiervon stark bis sehr stark belastet. Als bereits gemachte Erfahrungen gaben 27 Prozent der Männer und Frauen an, beleidigt oder bedroht worden zu sein, 11 Prozent berichteten, geschlagen, gestoßen oder getreten worden zu sein, 5 Prozent berichteten dass ihr Eigentum zerstört oder beschädigt worden ist, ein Prozent von ihnen bekamen einen Arbeitsplatz nicht oder wurden entlassen und jeweils drei Prozent berichten, von einem Arzt oder einer Ärztin diskriminierend behandelt worden zu sein bzw. dass eine ärztliche Behandlung verweigert wurde.

Die weiteren Ergebnisse

Außerdem lieferte die Studie allgemeine Erkenntnisse zum Sexualverhalten der Bevölkerung. "Die meisten Deutschen sind in ihren partnerschaftlichen und sexuellen Beziehungen zufrieden", sagte Prof. Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung des UKE. Demnach haben die meisten Deutschen vier- bis fünfmal im Monat Geschlechtsverkehr. Frauen und Männer zwischen 18 und 35 Jahren hätten fünfmal im Monat Sex, die 36- bis 55-Jährigen etwa viermal. Mit zunehmendem Alter gehe die sexuelle Aktivität zurück – was viele ältere Deutsche jedoch nicht davon abhalte, auch über digitale Medien einen neuen Partner oder eine neue Partnerin zu suchen.

Singles haben laut der Studie weniger Sex als fest liierte Paare. Nur 20 Prozent der Liierten gaben an, in den vergangenen vier Wochen keinen Sex gehabt zu haben. Bei den Singles waren es 77 Prozent. Die deutlich am häufigsten genannten Praktiken sind der vaginale Geschlechtsverkehr und der Oralverkehr, bei Jüngeren bis 45 Jahren hatte aber auch rund jede fünfte Person Erfahrungen mit Analverkehr. Rund zehn Prozent hatten mindestens einmal Gruppensex. 23 Prozent der befragten Männer und 13 Prozent der Befragten in einer Beziehung waren "fremdgegangen", die meisten mit genau einer weiteren Person. Gerade bei Jüngeren gebe es häufig Absprachen zu sexueller Treue, das Thema ist aber ein weites und oft unangesprochenes Feld. 15 Prozent der heterosexuellen Frauen und sechs Prozent der Männer haben Absprachen zu erlaubtem Sex außerhalb der Beziehung.


Nur wenige Deutsche sprechen mit Ärzt*innen über sexuelle Krankheiten – bei Jüngeren ist der Anteil allerdings höher

Das berühmte "erste Mal" hatten knapp die Hälfte der 18- bis 25-Jährigen vor dem 17. Geburtstag (44 Prozent der Männer / 42 Prozent der Frauen), die Mehrheit der Deutschen später. Dieser Wert habe sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht sonderlich stark verändert, lediglich in der Altersgruppe der 66- bis 75-Jährigen (Jahrgang 1944 bis 1953) machte nur ein Fünftel der Deutschen bis zum 17. Geburtstag die ersten sexuellen Erfahrungen. Schon in den Jahren vor dem ersten Sex werden erste Erfahrungen mit Masturbation und Pornokonsum gemacht, letzteres bei Jüngeren deutlich früher als bei Älteren damals.

Im Rahmen des letzten Jahres hatten mindestens 61 Prozent der Single-Männer und 69 Prozent der Single-Frauen Sexualverkehr ohne Kondome, bei Sex außerhalb der Beziehung lag dieser Anteil noch höher. "Ich war sicher, dass wir beide gesund sind", war der häufigste angegebene Grund, vor der Einschätzung als weniger lustvoll oder vor Alkohol- und Drogeneinfluss oder Erektionsproblemen. Nach anderen Schutzmethoden wie die PrEP wurde nicht gefragt, auch Detailergebnisse zu queeren Personen, die spezifischere HIV-Erfahrungen und -Bedrohungen als die Allgemeinbevölkerung haben, wurden zunächst nicht aufgeführt. In festen Beziehungen sprachen queere Paare deutlich häufiger über HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten (rund 40 zu 30 Prozent), dafür weniger über die Nutzung von Kondomen (46 zu 58 Prozent bei Männern). (cw/afp/dpa)



#1 Julian SAnonym
  • 24.09.2020, 12:03h
  • Ich weiß echt nicht, wieso die Zahl der Sexualpartner ständig in Umfragen so sehr herausgestellt wird.

    Das ist doch eine individuelle Sache, die unabhängig von der sexuellen Orientierung ist. Mein heterosexueller Cousin hat zu seiner wilden Zeit jedes Wochenende ne andere Frau aus der Disco abgeschleppt. Genauso wie ich bei Männern. Und heute sind wir beide glücklich liiert und treu.

    Was sagt das jetzt aus? Nichts.

    Nicht mal über HIV-Risiko sagt das was aus, weil die Gefahr für HIV nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun hat, sondern mit der Frage ob man Kondome benutzt oder sichere Sexpraktiken nutzt.

    Außerdem weiß niemand, ob das, was da angegeben wird, alles so der Wahrheit entspricht.

    Solche Umfragen haben immer sowas von einem Wettbewerb oder von einer BILD-Schlagzeile "Boah, guck mal, wieviel Sexpartner die Schwulen haben."

    Und selbst wenn wir mehr Sexpartner haben - who cares. Das hat nichts damit zu tun, ob wir gute Freunde, gute Kollegen, gute Geschätfspartner, etc. sein können. Was hat das andere zu interessieren?

    Solange alle Beteiligten das freiwillig mitmachen, ist das doch nur deren Ding. Die Anzahl der Sexpartner sagt doch nichts über den Wert eines Menschen aus.
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#2 Girlygirl
  • 24.09.2020, 14:30h
  • Ehrlich gesagt zweifle ich den wissenschaftlichen Nutzen dieser Studie ja an. Wenn ja schon offensichtlich ist, dass bei der Anzahl der Sexpartner gelogen wurde, will ich gar nicht wissen, wo sonst noch so geschwindelt wurde. Außerdem muss man bedenken, dass heterosexuelle Menschen eine andere Definition von Sex haben als queere. Für einen Großteil der heterosexuellen Menschen bedeutet Sex nämlich der klassische Vaginalverkehr. Oralsex zählt für die meisten Heten nicht als Sex. Darüber hinaus frage ich mich, warum so ein großes Theater um die ganze Sache gemacht wird. Es gibt wirklich spannendere Sachen, die man erforschen kann. Mich nervt diese Sexbesessenheit der Heterosexuellen, die auf der einen Seite dauernd darüber reden, aber auf der anderen Seite immer noch Menschen aufgrund ihres Sexuallebens verurteilen.
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#3 DerStephanProfil
  • 25.09.2020, 08:33hNürnberg
  • Antwort auf #2 von Girlygirl
  • Für Viele Heteros zählt Oral nicht als "Richtiger Sex".

    Ich hab gerade mal auf die Schnelle 10 Heteros gefragt ob Oralsex eben auch schon als sex zählt.

    Und ja aus den 10 waren 100% der Meinung.

    Sehe solche Umfragen schon als Sinnvoll an.
    Vor allem Sieht man da scheinbar ein viel kleineren LGBT-Anteil in der Bevölkerung.
    Warum sollte man hier auch lügen?
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#4 PurpleAnonym
  • 25.09.2020, 10:48h
  • Antwort auf #3 von DerStephan
  • Bitte nicht vergessen dass nicht nur LGB+ (also sexuelle Minderheiten) zur Community gehören, sondern auch TQ+ (also geschlechtliche Minderheiten). Die finde hier nicht statt, die Studie sagt also nichts über die Prävalenz von lgbTQ in der Bevölkerung aus, außer ihr lieben cis Menschen wollt uns nicht mehr dabei haben.
    Außerdem wurden bewusst nur Männer und Frauen gesucht und bei denen nichts zu einem potentiellen trans-Status gefragt. Nachzusehen bei "2. Datenerhebung und Methodik" auf Seite 8/9.
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#5 WillieAnonym
  • 25.09.2020, 12:27h
  • Die Tatsache, dass jüngere Schwule und Lesben mehr Diskriminierung erfahren haben als Ältere, deutet nicht unbedingt (nur) auf höhere Sichtbarkeit hin, sondern auch darauf, dass in ihren jeweiligen jüngeren Altersgruppen Diskriminierung wieder zunimmt.
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#6 PiakAnonym
  • 25.09.2020, 12:48h
  • Antwort auf #4 von Purple
  • Die Stichprobe von <5000 Menschen ist viel zu klein, um irgendwelche sinnvollen Daten zu trans-Personen zu erheben.

    zum Thema Alter/Diskriminierung: das dürfte weder war mit Sichtbarkeit noch mit zunehmender Diskriminierung zu tun haben, sondern mehr mit subjektivem Diskriminierungsempfinden. Was für Ältere noch ganz normal war, empfinden Jüngere z.T. schon als krasse Diskriminierung, ohne dass ich das jetzt werten will.
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#7 Girlygirl
  • 25.09.2020, 18:05h
  • Antwort auf #6 von Piak
  • Dass jüngere LGBTs mehr Diskriminierung angekreuzt haben, liegt an der schwindenden Toleranz für Homophobie. Ältere LGBTs sind in einer viel homophoberen Gesellschaft als wir aufgewachsen. Sie waren oft gezwungen dazu, sich mit Homophobie zu arrangieren. Wenn du z.B. Angst hattest, von deinen Eltern wegen deiner sexuellen Orientierung rausgeworfen zu werden, wirkten die homophoben Sticheleien von Bekannten viel weniger schlimm. Was heute als homophob gilt, war früher sozusagen Normalität. Und diese Maßstäbe setzen manche ältere LGBTs vielleicht immer noch an: Verbale Homophobie, wirkt in deren Kopf vielleicht gar nicht homophob, weil sie schon viel schlimmeres erlebt haben.
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