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Zwischen Bedauern und "Empörungsmaschine"-Klage

Merz: Habe Schwule nicht in Nähe von Pädophilen gebracht

In einem Video-Interview beklagte der CDU-Politiker, er sei bei seiner in Kritik geratenen Äußerung "missverstanden" worden – und das oft "bösärtig". Er bedauere aber, wenn sich jemand getroffen gefühlt habe.


Der CDU-Politiker wurde in dem neuen Video-Interview minutenlang gegrillt (Bild: Screenshot)

Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, hat den Vorwurf zurückgewiesen, Homosexuelle in die Nähe von Pädophilen gerückt zu haben. Seine umstrittene Äußerung sei "offensichtlich missverstanden worden", sagte Merz dem Nachrichtenportal "t-online". Er verstehe aber, dass man sie missverstehen könne und sage deshalb ausdrücklich: "Wenn sich irgendjemand davon persönlich getroffen gefühlt hat, bedauere ich das wirklich sehr."

Merz wurde am vergangenen Sonntag in einem "Bild"-Talk gefragt, ob er Vorbehalte hätte, wenn heute ein Schwuler Bundeskanzler werden würde (queer.de berichtete). "Nein", sagte Merz. Auf die Nachfrage, ob das für ihn völlig normal wäre, fügte er hinzu: "Über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht – ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion." Er habe allgemein über sexuelle Orientierung gesprochen und dann unter dem Eindruck der letzten Monate über Kinder, so Merz nun. Es habe sich "um zwei verschiedene Gedanken" gehandelt, "vielleicht war der zeitliche Kontext zu eng".

In dem neuen Interview, in dem Merz mehrere Minuten lang zu den Äußerungen und seiner Haltung zu Homosexualität befragt wurde, kritisierte der Politiker die anschließende öffentliche Diskussion über ihn: Es sei "natürlich Bösartigkeit unterwegs gewesen". Die "überwiegende, wenn auch nicht ausschließliche, Reaktion" aus der Partei sei gewesen: "Man kann es auch übertreiben mit der Kritik und mit der Interpretation. Das geht bis zu dem Thema einer Art Empörungsmaschine."

Die "t-online"-Journalisten gingen auch auf Kritik an den Begriffen "Privatangelegenheit" und "Lebensentwürfe" ein, die Merz in Bezug auf Homosexualität in einem Tweet zu seiner Verteidigung nutzte (queer.de berichtete). Merz ließ das als "ein bisschen Haarspalterei" an ihm abprallen. Seine Äußerungen seien aber nicht als taktisches Zeichen für einen gesellschaftlichen Rollback zu verstehen, den es mit ihm nicht geben werde. Mit früheren Aussagen über die Homosexualität von Klaus Wowereit ("Solange der Wowereit sich mir nicht nähert, ist mir das egal") oder über die Ehe für alle ("nichts dagegen, solange ich dabei nicht mitmachen muss") habe er niemanden herabsetzen wollen: "Ich habe damit kein Problem." Er habe viele homosexuelle Freunde und nie ein Problem mit ihnen gehabt.

Darauf angesprochen, dass er sich nach Meinung von Kritikern auch schon abfällig über Frauen geäußert habe, etwa als er im Februar anmerkte, es sei "natürlich reiner Zufall", dass Sturm-Tiefs wie "Sabine" gerade Frauennamen trügen, erwiderte Merz: "Die Bereitschaft für Humor und Ironie in dieser Gesellschaft sind unterentwickelt. Wenn Sie so was in Großbritannien gesagt hätten, hätte sich nie jemand darüber aufgeregt." Er setzte hinzu: "Aber ich verstehe und lerne: Man ist mit Ironie oder mit Bemerkungen, die vielleicht etwas spaßig gemeint sind, in diesem Lande schlecht aufgehoben."

Merz will beim Anfang Dezember geplanten CDU-Bundesparteitag Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende ablösen. Neben dem 64-Jährigen tritt auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet und der frühere Bundesumweltminister Norbert Röttgen an. Alle drei Kandidaten hatten in der Vergangenheit auch mit Homosexuellenfeindlichkeit Politik gemacht (queer.de berichtete). (dpa/nb)



#1 KaiJAnonym
#2 Micha XXXAnonym
  • 25.09.2020, 18:22h
  • "Er redet nicht, was er meint. Ein jedes Wort ist Falschheit!" (Begleiterinnen der Klythämnestra, Elektra, nach Hugo von Hofmannthal, von Richard Strauss) :-)))
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#3 Peck_SProfil
  • 25.09.2020, 18:28hFrankenthal/Pfalz
  • Schade, dass die heutigen Interviewer keinen Mumm mehr haben und Typen wie Merz mit solchen Ausflüchten davon kommen lassen.
    Da wünschte ich mir einen Roger Willemsen zurück, der ihn mal wie damals H. Markwort zerpflückt oder einen Michel Friedmann zu seinen besten (verschnupften) Zeiten.
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#4 saltgay_nlProfil
  • 25.09.2020, 20:34hZutphen
  • Wer den besagten Ausschnitt aus dem Kloaken-TV sich angesehen hat, der weiß sehr wohl die Äußerung von Friedrich Merz da einzuordnen, wo sie hingehört. In die AfD-Stammtischriegen, der immer noch Braunen, die die CDU/CSU nur verlassen haben, weil sie in der AfD die biodeutsche Sau so richtig rauslassen können.

    Dieser Friedrich Merz ist nur an zwei Dingen interessiert: an seinem Bankkonto und an seiner Machtgeilheit. Sein psychotisches Drängen zur Selbstdarstellung, was an einen Provinzschlagerfuzzi bei regionalen Talentwettbewerben erinnert, ist noch nicht einmal komisch. Es weckt nur das Interesse des Psychotherapeuten. Friedrich Merz lässt keine Peinlichkeit aus. Seine Anhänger sind selbst solche Spießer, die das genießen, weil jemand das so richtig mal ausspricht. Schlagzeile BILD: "Merz knöpft sich Bayern München vor!" Wer da jubelt, zeigt einen unschlagbar niedrigen Intelligenzquotienten und es bewahrheitet sich die Tatsache: Friedrich Merz ist der Einäugige. Denn der Einäugige ist der König unter den Blinden.
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#5 wiedehopfAnonym
  • 25.09.2020, 21:16h
  • Achso, als er 1997 gegen die Aufnahme des Tatbestands der Vergewaltigung in der Ehe ins Strafgesetzbuch gestimmt hat, da hat er das sicher auch "spaßig gemeint".
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#6 stephan
  • 25.09.2020, 21:26h
  • So langsam wird es lächerlich: Mit jedem neuen Satz, den Merz von sich gibt, zeigt er deutlicher als zuvor, dass er nicht verstanden hat, was er da gesagt hat und wie sehr seine Äußerung seine Denke offenbart und bloßstellt! Merz hat absolut den Blick für die Realität verloren und stammelt unbeholfen vor sich hin!
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#7 KenshiroProfil
  • 25.09.2020, 21:42hBerlin
  • Ja genau seine Kritiker und die deutsche Gesellschaft ist humorlos und versteht keine Ironie. Was für ein weinerliches Gequatsche. Er hat nichts verstanden und wird nichts lernen.
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#8 ThomasMPunktAnonym
#9 PiepmatzAnonym
  • 25.09.2020, 22:54h
  • Unerträglich, dass dieser Fiesling die Frechheit besitzt, mit breitem Grinsen gleich die nächsten Beleidigungen nachzuschieben (das bösartige, hysterische, überempfindliche, humorlose Pack ist zu dumm, seine feine Ironie zu verstehen) und dabei so zu tun, als wäre das eine "Entschuldigung". Naiv, wer die perfide Unverschämtheit nicht durchschaut.

    Aber ich sehe zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer. Lindner, Tichy, Merz - wenn die überhaupt noch irgendwas merken, dann hoffentlich, dass der ekelhafte öffentlich zelebrierte Sexismus, den man als "Herrenwitz" verharmlost, heute nicht mehr ganz so einhellig abgenickt wird wie das in der schlechten alten Zeit mal war, in die diese Herren uns alle gern zurückschicken würden.
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#10 UschiAnonym