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Zwischen Bedauern und "Empörungsmaschine"-Klage
Merz: Habe Schwule nicht in Nähe von Pädophilen gebracht
In einem Video-Interview beklagte der CDU-Politiker, er sei bei seiner in Kritik geratenen Äußerung "missverstanden" worden – und das oft "bösärtig". Er bedauere aber, wenn sich jemand getroffen gefühlt habe.

Der CDU-Politiker wurde in dem neuen Video-Interview minutenlang gegrillt (Bild: Screenshot)
- 25. September 2020, 15:20h 3 Min.
Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, hat den Vorwurf zurückgewiesen, Homosexuelle in die Nähe von Pädophilen gerückt zu haben. Seine umstrittene Äußerung sei "offensichtlich missverstanden worden", sagte Merz dem Nachrichtenportal "t-online". Er verstehe aber, dass man sie missverstehen könne und sage deshalb ausdrücklich: "Wenn sich irgendjemand davon persönlich getroffen gefühlt hat, bedauere ich das wirklich sehr."
Merz wurde am vergangenen Sonntag in einem "Bild"-Talk gefragt, ob er Vorbehalte hätte, wenn heute ein Schwuler Bundeskanzler werden würde (queer.de berichtete). "Nein", sagte Merz. Auf die Nachfrage, ob das für ihn völlig normal wäre, fügte er hinzu: "Über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht – ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion." Er habe allgemein über sexuelle Orientierung gesprochen und dann unter dem Eindruck der letzten Monate über Kinder, so Merz nun. Es habe sich "um zwei verschiedene Gedanken" gehandelt, "vielleicht war der zeitliche Kontext zu eng".
In dem neuen Interview, in dem Merz mehrere Minuten lang zu den Äußerungen und seiner Haltung zu Homosexualität befragt wurde, kritisierte der Politiker die anschließende öffentliche Diskussion über ihn: Es sei "natürlich Bösartigkeit unterwegs gewesen". Die "überwiegende, wenn auch nicht ausschließliche, Reaktion" aus der Partei sei gewesen: "Man kann es auch übertreiben mit der Kritik und mit der Interpretation. Das geht bis zu dem Thema einer Art Empörungsmaschine."
Die "t-online"-Journalisten gingen auch auf Kritik an den Begriffen "Privatangelegenheit" und "Lebensentwürfe" ein, die Merz in Bezug auf Homosexualität in einem Tweet zu seiner Verteidigung nutzte (queer.de berichtete). Merz ließ das als "ein bisschen Haarspalterei" an ihm abprallen. Seine Äußerungen seien aber nicht als taktisches Zeichen für einen gesellschaftlichen Rollback zu verstehen, den es mit ihm nicht geben werde. Mit früheren Aussagen über die Homosexualität von Klaus Wowereit ("Solange der Wowereit sich mir nicht nähert, ist mir das egal") oder über die Ehe für alle ("nichts dagegen, solange ich dabei nicht mitmachen muss") habe er niemanden herabsetzen wollen: "Ich habe damit kein Problem." Er habe viele homosexuelle Freunde und nie ein Problem mit ihnen gehabt.
Darauf angesprochen, dass er sich nach Meinung von Kritikern auch schon abfällig über Frauen geäußert habe, etwa als er im Februar anmerkte, es sei "natürlich reiner Zufall", dass Sturm-Tiefs wie "Sabine" gerade Frauennamen trügen, erwiderte Merz: "Die Bereitschaft für Humor und Ironie in dieser Gesellschaft sind unterentwickelt. Wenn Sie so was in Großbritannien gesagt hätten, hätte sich nie jemand darüber aufgeregt." Er setzte hinzu: "Aber ich verstehe und lerne: Man ist mit Ironie oder mit Bemerkungen, die vielleicht etwas spaßig gemeint sind, in diesem Lande schlecht aufgehoben."
Merz will beim Anfang Dezember geplanten CDU-Bundesparteitag Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende ablösen. Neben dem 64-Jährigen tritt auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet und der frühere Bundesumweltminister Norbert Röttgen an. Alle drei Kandidaten hatten in der Vergangenheit auch mit Homosexuellenfeindlichkeit Politik gemacht (queer.de berichtete). (dpa/nb)
Links zum Thema:
» Das sehenswerte Interview von t-online.de














