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Übersteigerter Maskulinismus

Der schwule Posterboy der Rechtsextremen

In seinem Buch "Neue rechte Männlichkeit" beschäftigt sich Simon Volpers mit dem US-amerikanischen "Bodybuilder und Schriftsteller" Jack Donovan, einer der schillerndsten Figuren der internationalen Neuen Rechten. Wir dokumentieren das Vorwort.


Jack Donovan übersteigert maßlos herkömmliche Vorstellungen über Geschlecht und bedient sich dabei mannigfach an rechten Ideologiefragmenten. Das Bekenntnis zu seiner eigenen homosexuellen Identität transformiert zu einer Liebe zur Männlichkeit an sich (Bild: starttheworld / instagram)

Als ich im Zuge meiner Arbeiten zu Gender-Politiken bei der rechtsextremen Gruppe der "Identitären" erstmals auf den US-amerikanischen "Bodybuilder und Schriftsteller" Jack Donovan stieß und sein Buch "The Way of Men" genauer unter die Lupe nahm, wusste ich nicht recht, ob ich lachen oder weinen sollte. Lachen, weil mir seine Ausführungen beispielsweise zum Patriarchat unter Schimpansen als Vorbild für die Menschen so absurd erschienen, dass sie beinahe Unterhaltungswert hatten. Oder weinen, weil es doch immer wieder schwer fällt zu glauben, dass bestimmte Männer von ihren ins Extreme getriebenen männlichen Überlegenheitsvorstellungen nicht Abstand nehmen wollen und Frauen als reine Reproduktionsmaschinen betrachten, die nur die männliche Ordnung stören würden.

Jack Donovan sticht dabei in mehrerlei Hinsicht hervor: Einerseits nimmt er wahrlich kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Darstellung seiner zutiefst misogynen, rassistischen und gewaltverherrlichenden Denkweisen geht. So erkennt er u.a. in hierarchisch organisierten und rivalisierenden Männer-Gangs die ideale Gesellschaftsform und meint, Gewalt sei ein notwendiges Mittel "jeder Kultur". Indem Männlichkeit in seinem Denken stets an die Bereitschaft und Fähigkeit der Gewaltausübung gekoppelt ist, liefert er auch in seinen weiteren Publikationen wie "Becoming a Barbarian" oder "A More Complete Beast" anschauliche Beispiele, zu welchen gewaltförmigen Allmachtsfantasien übersteigerter (rechtsextremer) Maskulinismus führt.

"Androphil" in einem homofeindlichen Umfeld

Andererseits ist Donovan in einem durchwegs homofeindlichen Umfeld selbst homosexuell, sieht sich selbst aber nicht als schwul und bezeichnet sich ebenso wenig als white supremacist. Wie zentral die Aufrechterhaltung männlicher Dominanzansprüche und "Androphilie" (Liebe zum Mann und zur Männlichkeit) in Donovans Ausführungen ist, zeigt sich folglich auch daran, dass er selbigen einen höheren Stellenwert beimisst als Rassismus oder weißem Nationalismus. So hält auch Simon Volpers an unterschiedlichen Stellen in seinem Buch fest, dass Donovan sowohl "albern und faszinierend" sei als auch die "überzeichnete Karikatur der 'Neuen rechten Männlichkeit'".

Sich mit rechtsextremen Primärquellen wie den Büchern von Jack Donovan auseinanderzusetzen, die nur so von Antifeminismus, Hass auf Frauen oder auch auf "schwache" Männer sowie anderen menschenverachtenden Sichtweisen strotzen, ist nie ein einfaches, aber dennoch ein äußerst wichtiges Unterfangen. Um rechtsextreme wie auch maskulinistische Ideologien in ihren unterschiedlichen Schattierungen einordnen und damit verbundene Argumentationsmuster adäquat demaskieren zu können, bedarf es vor allem auch einer umfassenden Analyse der Originaltexte.

Donovans Werke wurden ins Deutsche übersetzt


Das Buch "Neue rechte Männlichkeit" ist Mitte September 2020 im Hamburger Verlag Marta Press erschienen

Simon Volpers hat sich durch mehrere Publikationen sowie Online-Auftritte bzw. Inszenierungen des genannten Autors gearbeitet und mit dem vorliegenden Buch diese mit Sicherheit nicht einfache Aufgabe auf beeindruckende Weise mit Präzision und Tiefgang gemeistert. Er bettet seine Deutungen von Donovans Männlichkeitstheorie in die bisherige Geschichte sowie Erkenntnisse der Forschung zu rechtsextremen Männlichkeitskonstruktionen ein und scheint Donovans abstruse Veröffentlichungen inzwischen vermutlich besser zu kennen als die Jünger und Anhänger des Maskulinisten selbst.

Durch die Übersetzungen von Jack Donovans Werken ins Deutsche und deren Veröffentlichungen in Götz Kubitscheks Verlag Antaios sowie durch eine Einladung zur Winterakademie des Instituts für Staatspolitik wurden seine Schriften einem deutschsprachigen Publikum zugänglich. Er gewann vor allem innerhalb rechtsextremer Szenen aber auch im Umfeld von Männerrechtlern Aufmerksamkeit und avancierte dort insbesondere in den sich intellektueller gebenden Kreisen zu einer neuen Ikone. In breiteren gesellschaftlichen Schichten abseits des rechten Spektrums konnte Donovan jedoch bislang kaum Popularität erlangen.

Warum es Sinn macht, sich mit Donovan zu beschäftigen

Die (unausgesprochene) Frage, warum es Sinn macht, sich mit einem Autor zu beschäftigen, der auf der einen Seite mit Blick auf die Propagierung seines barbarischen Hypermaskulinismus seinesgleichen sucht, auf der anderen Seite vorerst kaum massentaugliche Bekanntheit erreichen wird, bleibt in diesem Buch nicht unbeantwortet. Simon Volpers betont, dass es ihm in seiner detaillierten Analyse weniger um Donovan als Person selbst als vielmehr um die in seinen Publikationen und Vorträgen transportierten Denkmuster geht.

Gerade weil sich weite Abschnitte des Buchs vor allem mit rechtsextremen Männlichkeitskonstruktionen auseinandersetzen, füllt der Autor mit der vorliegenden Publikation auch wichtige Leerstellen der Rechtsextremismusforschung – denn nicht nur in rechten Kreisen gilt Männlichkeit oft als gesetzt und unhinterfragt. Ähnliche Tendenzen spiegeln sich in der kritischen Wissenschaft wider. Diese blickt, wenn entsprechende Analysen überhaupt genderreflektierende Perspektiven enthalten, zumeist auf Frauenbeteiligung oder Antifeminismus, während sich wandelnde und ausdifferenzierende Männlichkeitskonstruktionen meist unterbeleuchtet bleiben. So zeichnet sich die vorliegende Publikation vor allem auch dadurch aus, dass auf eindrückliche Art und Weise die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Rechtsextremismus, Männern, Männlichkeit und Gewalt in ihren unterschiedlichen Facetten samt ihrer zentralen Ideale, Denkfiguren und Legitimationsmuster re- und dekonstruiert werden.

Neue Betrachtungsweisen zu Homosexualität in der extremen Rechten

Nicht nur der Umstand, dass es bislang keine wissenschaftliche Literatur zu Donovan und wenige neuere Publikationen zu rechtsextremen Männlichkeiten gibt, sondern auch weil Simon Volpers aufschlussreiche neue Betrachtungsweisen, beispielsweise in Hinblick auf Homosexualität und Homofeindlichkeit in der extremen Rechten, liefert, zeugen von der Wichtigkeit des vorliegenden Buchs. Seine Interpretationen und Leseweisen fallen dabei nicht immer eindeutig oder gar vereinfachend aus, sondern lassen – und darin liegt eine weitere Stärke des Buchs – auch Platz für Differenzierungen, Widersprüche und Eigentümlichkeiten.

Sich mit Donovan und seinen Thesen zu beschäftigen ist aber nicht nur mit Blick auf die Rechtsextremismusforschung, sondern auch aus antifaschistischer Perspektive von Bedeutung, zumal sie, wie Simon Volpers betont, Anknüpfungspunkte sowohl für Rechtsextreme unterschiedlicher Couleur als auch Männerrechtler bieten und Donovans "Ansichten über Männlichkeit [...] als Vereinigungsmoment der verschiedenen Spektren des Antifeminismus" dienen.

Ein weiterer, nicht unbedeutender Vorteil und Gewinn dieser Publikation für die Leser*innen ergibt sich folglich auch dadurch, dass wir Donovan nicht selbst lesen müssen, sondern seine Ansichten ausgewählt und happenweise präsentiert sowie bereits interpretiert dargelegt bekommen. Dafür gilt Simon Volpers auch Anerkennung und Dank!

Infos zum Buch

Simon Volpers: Neue rechte Männlichkeit. Antifeminismus, Homosexualität und Politik des Jack Donovan. 208 Seiten. Taschenbuch, Marta Press. Hamburg 2020. 24 €. ISBN 978-3-944442-98-3


#1 WayneAnonym
  • 26.09.2020, 21:04h
  • Meine Güte sind das peinlich-trashige Tattoos. Damit kann man ja nur noch angezogen an den Strand gehen.
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#2 Alexander_FAnonym
#3 ursus
  • 26.09.2020, 23:02h
  • Antwort auf #2 von Alexander_F
  • Das Symbol heißt Aegishjalmur. Ist so'n Wikingerkitschdings, muss man nicht kennen. Aber das mit der Schneeflocke gefällt mir, sicher freuen sich die Männer, die das tragen, wenn man sie so drauf anspricht.
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#4 stromboliProfil
#5 goddamn liberalAnonym
  • 27.09.2020, 11:17h
  • Interessant ist an diesem peinlichen Getue v.a. die Kompensation von vermeintlichen Defiziten in dieser 'männlichen Identitätskonstruktion'.

    Natürlich war unser Muskelprotz irgendwann mal ein 'Sissy boy' (wäre er es doch geblieben).

    Vergleichbar mit der krampfigen Konstruktion von 'Männlichkeit' ist die krampfige Konstruktion von völkischer Deutschheit bei seinem Verlegerehepaar mit den tschechischen und polnischen Familiennamen (Kositza: poln. 'Ziege').

    Fluide Gender-Identitäten sind ebenso wie fluide kulturelle Identitäten für manche eine Überforderung.

    Obwohl sie das Leben so spannend machen können.
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#6 Alexander_FAnonym
  • 27.09.2020, 22:32h
  • Antwort auf #4 von stromboli
  • Dass dieser Begriff normalerweise eine rechte Worthülse ist, um Angehörige marginalisierter Minderheiten und nervige Menschenrechtler zum Schweigen zu bringen, ist absolut klar. Er ist genau deswegen auch hochproblematisch.

    Wenn ich ihn hier trotzdem verwende, so um ihn ganz bewusst gegen seine Erfinder zu richten, die sich nur allzu oft als wesentlich empfindlicher erweisen als die, denen sie sie Überempfindlichkeit vorwerfen.

    Ich weiß, es ist vielleicht ein dämlicher Scherz, aber das sind eben die kleinen Freuden, die man als Queer.de-Leser so hat.
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#7 HdggfAnonym
  • 28.09.2020, 02:39h
  • Neulich habe ich einer Frau geholfen in die U-Bahn zu kommen, die im Rollstuhl saß und an MS erkrankt war. Jahre langes Bodybuilding im Fitnessstudio war dafür aber nicht notwendig.
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#8 MarkoAnonym
  • 28.09.2020, 07:48h
  • Sehr interessanter Artikel, wusste gar nicht dass es so einen Kult um Kerle mit derart frauenfeindlichen Ansichten gibt. Das Buch werde ich mir auf jedenfall kaufen.

    Zum Kerl kann man nur sagen sehr lecker, wenn man den googelt auch. Sieht sehr gut aus, da kommen viele von uns sicher auf die gleiche Idee und würde sich bücken vor ihm
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#9 PiakAnonym
  • 28.09.2020, 11:27h
  • Antwort auf #8 von Marko
  • Echt? Ich würde ja eher meinen, dass hier ästhetisches und intellektuelles Grauen wunderbar miteinander korrespondieren.
    Davon mal abgesehen sind derartige Figuren als Feigenblätter rechtextremistischer Zirkel nun wahrlich nichts neues.
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