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US-Erfolgssitcom

"Friends": Chandler sollte angeblich schwul sein

Offenbar sollte "Friends" eine schwule Hauptfigur erhalten – am Ende entschied sich das Produktionsteam aber anders.


Chandler (Matthew Perry, re.) wurde bei "Friends" oft für schwul gehalten – und reagierte darauf stets mit Angst und Unbehagen. Szene aus der Folge "Wenn die Oma zweimal stirbt" (Bild: Amazon Prime Video)
  • 28. September 2020, 11:45h, noch kein Kommentar

Der große Abschluss der siebten Staffel der Sitcom "Friends" war die romantische Hochzeit der beiden Hauptfiguren Chandler Bing (Matthew Perry) und Monica Geller (Courtney Cox). Laut "Ranker" hatte das Produktionsteam der 1994 an den Start gegangenen Sitcom jedoch ursprünglich geplant, Chandler schwul zu machen – damit hätte sich die Dynamik der Serie entscheidend verändert. In sozialen Netzwerken wird über den bereits Ende Juni veröffentlichte "Ranker"-Artikel derzeit lebhaft diskutiert.

Eine derartige schwule Hauptfigur in einer US-Primetime-Serie wäre damals revolutionär gewesen. In der Hauptsendezeit gab es damals noch sehr wenige LGBTI-Figuren meist in Nebenrollen, die eher zurückhaltend dargestellt wurden. Erst nach dem Coming-out von Ellen DeGeneres im Jahr 1997 – sowohl im echten Leben als auch ihrer Figur in der Sitcom "Ellen" – verbesserte sich die Lage. 1998 ging die Sitcom "Will & Grace" mit einer schwulen Hauptrolle an den Start.

"Friends" wurde zur Zeit der Ausstrahlung für seine positive Darstellung von Homosexualität gelobt – so kam mit Carol Willick (Jane Sibbett) und Susan Bunch (Jessica Hecht) erstmals ein lesbisches Paar mit Kind in einer Nebenrolle vor, das 1996 sogar heiraten durfte – also 19 Jahre, bevor der amerikanische Supreme Court im echten Leben die Ehe-Öffnung anordnete. Allerdings setzte der ausstrahlende Sender NBC enge Grenzen – so durfte sich das Paar nicht küssen, obgleich heterosexuelle Kussszenen zum Standard in der Sitcom gehörten. Trotz dieser Einschränkungen weigerten sich zwei NBC-Sender in Texas und Ohio aus Homophobie, die Folge "Die lesbische Hochzeit" auszustrahlen.


Carol (Jane Sibbett) und Susan (Jessica Hecht) schlossen im Januar 1996 in "Friends" den Bund des Lebens (Bild: Netflix)

Kritik wegen Homo- und Transphobie

Als "Friends" in den letzten Jahren auf Streamingplattformen neue jüngere Zuschauer*innen fand, setzte Kritik an der Serie wegen homo- und transphober Handlungsstränge ein, die sich insbesondere um die Figur Chandler drehten. Dieser hatte in der Serie ständig Angst, für schwul gehalten zu werden. Außerdem verhielt er sich gegenüber seinem transsexuellen Elternteil Helena (Kathleen Turner) stets abweisend und machte beleidigende Witze über die Geschlechtsidentität der trans Frau.

Direktlink | Bei "Friends" spricht man gerne darüber, dass man Chandler für schwul hält

Bereits vergangenes Jahr hatte "Friends"-Produzentin Marta Kauffman transphobe Szenen in der Sitcom bedauert (queer.de berichtete)."Ich denke, wenn wir damals das Wissen von heute über trans Menschen gehabt hätten, hätten wir es anders gemacht", so Kauffman.

Im Mai diesen Jahres wies auch Schauspielerin Lisa Kudrow, die Phoebe Buffay spielte, Homophobie-Vorwürfe zurück. Die 57-Jährige erklärte aber auch, dass die Sitcom heutzutage völlig anders aussehen würde: "Die Serie sollte man sich wie eine Zeitkapsel ansehen, nicht dafür, was man falsch gemacht hat", so Kudrow (queer.de berichtete).

"Friends" gehörte zehn Staffeln lang bis 2004 zu den laut Einschaltquoten erfolgreichsten und auch profitabelsten Sendungen der USA. Im kommenden Jahr soll noch ein "Reunion Special" von "Friends" gedreht werden, in dem alle sechs Hauptfiguren und diverse Nebenfiguren in ihrer urspünglichen Besetzung zu sehen sein sollen. Die 237. Folge sollte eigentlich im Mai zum Start eines neuen US-Streamingportals gezeigt werden, musste aber wegen der Corona-Pandemie verschoben werden.

In Deutschland sind alle zehn Staffeln von "Friends" auf Amazon Prime Video erhältlich. (dk)