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Olga Tokarczuk

LGBTI-freundliche Nobelpreisträgerin lehnt Ehrenbürgerschaft ihrer Heimatprovinz ab

Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk will mit der Ablehnung ein Zeichen für LGBTI-Rechte setzen.


Olga Tokarczuk gewann erst als zweite Polin den Literaturnobelpreis (Bild: Martin Kraft / wikipedia)

Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk hat am Freitag bekannt gegeben, dass sie die Ehrenbürgerschaft ihrer polnischen Heimatregion Niederschlesien abgelehnt habe, da sie die Auszeichnung nicht gleichzeitig mit einem Homo-Hasser entgegennehmen wolle. Die 58-Jährige war von der liberal-konservativen Bürgerplattform nominiert worden, während die rechtspopulistische Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) den emeritierten katholischen Bischof Ignacy Dec nominierte, der immer wieder durch LGBTI-feindliche Äußerungen aufgefallen war.

Tokarczuk bedankte sich dafür, für die Auszeichnung in Erwägung gezogen worden zu sein. Allerdings könne sie diese nicht gleichzeitig mit einer Person entgegennehmen, der die LGBTI-Community als Gefahr für Kirche und polnischen Staat bezeichnet hatte.

Die Nominierung der beiden Personen war auf teils erheblichen Widerstand gestoßen. Die PiS-Partei lehnte Tokarczuk ab, da sie "mit ihren Aussagen die moralische Ordnung zerstört", wie der PiS-Politiker Tytus Czartoryski gegenüber polnischen Medien erklärte. Als Feministin, LGBTI- und Umweltaktivistin sowie Atheistin gilt Tokarczuk der politischen Rechten in Polen als Feindbild.

Twitter / beatazwie | Olga Tokarczuk marschierte letztes Jahr auch beim CSD mit

Auch die Nominierung des erzkonservativen Dec war scharf kritisiert worden, allerdings von Linken und Liberalen: So haben bereits mehrere tausend Personen eine Petition gegen die Auszeichnung für den Hardliner unterzeichnet.

Olga Tokarczuk erhielt 2019 rückwirkend den Nobelpreis für Literatur des Jahres 2018, der zuvor nicht vergeben worden war. Sie ist Autorin umstrittener Romane wie "Die Jakobsbücher", der sich mit der häufig von Nationalist*innen verklärten polnisch-litauischen Adelsrepublik des 18. Jahrhunderts auseinandersetzt.

Die homophobe Politik der rechtspopulistischen Regierung Polens wird derzeit heftig kritisiert. Sogar EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen prangerte dies vor knapp zwei Wochen bei ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union an (queer.de berichtete). Am Wochenende verurteilten auch 50 Botschafterinnen und Botschafter in einem Offenen Brief die Queerfeindlichkeit Polens (queer.de berichtete). (dk)



#1 FinnAnonym
  • 28.09.2020, 16:34h
  • Das nenne ich Rückgrat.

    Danke!

    Da kann sich mancher deutsche Politiker eine Scheibe von abschneiden.
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#2 EuropäerAnonym
#3 Homonklin_NZAnonym
  • 28.09.2020, 20:26h
  • Wenn es gegen eine "moralische Ordnung" verstößt, Menschlichkeit und Weltverständnis zu zeigen, ist es höchste Zeit, diese "moralische" Ordnung zu hinterfragen.

    Meine Verneigung vor dieser Frau!
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#4 BravoAnonym
  • 28.09.2020, 21:49h
  • Solche starken, selbstbewussten und integren Menschen bräuchte Polen und die ganze EU noch viel mehr.
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#5 JanWAnonym
  • 29.09.2020, 07:59h
  • Ich habe Frau Tokarczuk kürzlich im Thalia in Hamburg zuhören dürfen. Sie ist eine herausragende Persönlichkeit und Vordenkerin.
    Sie steht aber nicht allein dar. Es gibt in Polen zu einem nicht ganz so kleinen Teil eine intellektuelle und aufgeklärte Bevölkerung, die genauso modern und liberal lebt, wie viele in Westeuropa. Das dürfen wir nicht vergessen, wenn immerwieder gerufen wird, Polen möge die EU verlassen, denn damit würden sich Millionen Polen, die europäische Werte vertreten, verlassen werden.
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#6 Ralph
  • 29.09.2020, 10:53h
  • Das Wort einer Nobelpreisträgerin hat Gewicht.und wird auch international beachtet. Desto wertvoller ist diese Geste. Ich erinnere mich an einen Nobelpreisträger aus der Karibik, der sich seinerzeit gegenteilig verhielt und sich homofeindlich äußerte. Leider habe ich seinen Namen vergessen - aber das ist wohl auch ganz gut so.
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#7 UnterschiedeAnonym
  • 29.09.2020, 13:45h
  • Während die Groko wegsieht und CDU-CSU und SPD selbst auf Nachfrage nebulös rumschwurbeln, braucht man erst eine polnische Nobelpreisträgerin, um undemokratische, menschenverachtende Machenschaften als das zu bezeichnen, was sie sind.

    CDU-CSU und SPD sollten sich was schämen, wie sehr sie die vernünftige Minderheit in Polen im Stich lassen. Und wie egal ihnen solche Tendenzen mitten in der EU sind.
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#8 SarkastikerAnonym
#9 EuropäerAnonym
  • 29.09.2020, 19:54h
  • Antwort auf #5 von JanW
  • Wäre diese linke, liberale Front sooo groß, dann könnten die rechten Klerofaschisten dort nicht ungehindert wüten. Polen, Lettland und Ungarn haben in der EU nichts, aber auch gar nichts verloren und sollten entweder mit härtesten und schärfsten Sanktionen belegt, oder komplett aus der EU ausgeschlossen werden. Dabei müsste ja insbesondere Polen wissen, was Diskriminierung, Faschismus, etc., anrichten können. Das zeigt wieder einmal, dass der Mensch nichts aus der Geschichte lernt. Selbst Bulgarien und Rumänien sind da aufgeschlossener.

    Aber die gute Uschi hat ja neulich bereits ein Machtwort gesprochen. Das wird so nicht ungehindert weitergehen können.
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#10 miau wellen roboterAnonym