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Vika Biran

Minsk: LGBTI-Aktivistin zu Haftstrafe verurteilt

Das weißrussische Regime steckte eine angesehene Aktivistin nach der Teilnahme an einer Demonstration ins Gefängnis. Dagegen regt sich Protest.


Dieses Bild wurde von Mitstreiter*innen verbreitet – es zeigt die Festnahme von Vika Biran am Samstag

  • 29. September 2020, 12:38h, noch kein Kommentar

Die belarussische LGBTI-Aktivistin Vika Biran ist am Samstag nach Angaben von Mitstreiter*innen in Minsk bei einer Massenverhaftung während eines friedlichen Protestmarsches festgenommen worden. Sie soll zum Akrestina-Gefängnis gebracht worden sein, aus dem in den letzten Wochen Berichte über Misshandlungen, Folter und Vergewaltigungen von Dissident*innen verbreitet wurden.

Am Montag wurde sie zur Höchststrafe von 15 Tagen Gefängnis wegen Verstoßes gegen das "Gesetz über die Organisation und Durchführung von Massenveranstaltungen" verurteilt. Laut der Journalistenvereinigung Unit, der Biran angehört, bekannte sie sich nicht schuldig. Ihr Anwalt hat Rechtsmittel gegen die Verurteilung angekündigt.

Twitter / unitreporters

Mit-Aktivist*innen verbreiteten über soziale Netzwerke einen internationalen Solidaritätsaufruf mit "unserer mutigen Freundin". Sie verbreiteten ein Bild, auf dem die Aktivistin "stolz mit einer Regenbogenflagge" in den Polizeiwagen einsteigt. In dem Bild zeigt sie das Victory-Zeichen. Die Mitstreiter*innen riefen zur Freilassung aller politischen Gefangenen im Reich des autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko auf.

Biran wohnte bis kurz vor der belarussischen Präsidentschaftswahl am 9. August in Berlin. Nach dem offensichtlichen Wahlbetrug – Lukaschenko soll mehr als 80 Prozent der Stimmen erhalten haben – protestierte sie gegen das Regime. Vor wenigen Wochen begründete sie ihren Aktivismus gegenüber Deutschlandfunk Kultur mit den Worten: "Ich habe mehrere Gründe: Erstens hat meine Freundin, die zwischen Krakau und Minsk lebt, gesagt: Wer, wenn nicht wir? Wir haben keine Kinder, wir sind erwachsen, wir haben keine staatlichen Jobs, die wir verlieren könnten, wir sind gut vernetzt. Wir müssen auf die Straße! Zweitens geht es darum, dass hier Polizeigewalt passiert." Drittens wolle sie im Team mit ihrer Freundin den Menschen vor Ort konkret helfen.

Alexander Lukaschenko (russisch-deutsche Transkription) oder Aljaksandr Lukaschenka (weißrussisch-deutsche Transkription) führt sein Land seit 1994 mit harter Hand. Immer wieder hat er auch gegen Homosexuelle polemisiert. 2011 startete er sogar bei einem Staatsbesuch des damaligen offen schwulen Bundesaußenministers Guido Westerwelle (FDP) eine Tirade gegen Homosexuelle (queer.de berichtete). Später erklärte er, es sei besser, ein Diktator zu sein als schwul (queer.de berichtete). Demonstrationen von LGBTI-Aktivisten wurden immer wieder untersagt und endeten in Festnahmen (queer.de berichtete). (dk)